Sind die PKK terroristen oder Freiheitskämpfer?

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Hallo!

Das eine schließt das andere nicht aus, oder? Wenn man das Motiv hat, für Freiheit zu kämpfen und deswegen Terrorakte begeht - dann ist man "Freiheitskämpfer" und Terrorist zugleich.

Wie ArnoldBentheim schon richtig geschrieben hat, sind die Kurden ein sehr altes Volk, das schon seit Ewigkeiten in den Bergregionen des heutigen Syrien, Irak, Iran und der Türkei lebte. Die Siegermächte gründeten also die einzelnen voneinander unabhängigen Staaten und so wurde die Region Kurdistan plötzlich geviertelt und separiert. Mustafa Kemal Atatürk hatte das Ziel, die Türkei zu einem souveränen, geeinten Staat zu machen. Er verfolgte also eine sehr nationalistische Politik, schwor die Leute auf das Türkentum ein und wollte ein starkes nationales Einheitsgefühl, einen intensiven Nationalstolz hervorrufen. Dabei ließ er völlig außer Acht, dass die Türkei ein Mehrvölkerstaat ist. Kurden und andere Minderheiten wurden gezwungen, sich zu assimilieren. Man sprach den Kurden sogar die Existenz ihrer Kultur ab und bezeichnete sie als "Bergtürken". Atatürk hat mit dieser Politik die Kurden hintergangen. Denn die entscheidenen Schlachten zur Unabhängigkeit hätte er ohne kurdische Hilfe wahrscheinlich nicht gewonnen - damals versprach er ihnen, dass die Kurden weiterhin ihre Kultur ausleben dürften. Was folgte, war genau das Gegenteil.

Kein Wunder also, dass sich die Kurden unterdrückt fühlten und den Wunsch nach Freiheit und Autonomie hatten. Somit bildeten sich diverse Gruppierungen, die für genau diese Ziele eintreten sollten, heute sind darunter eben vor allem die Peschmerga (Irak), die YPG (Syrien) und die PKK (Türkei) präsent.

Bei der PKK muss man aber anmerken, dass sie nicht alleine zur Befreiung des kurdischen Volkes vor staatlicher Unterdrückung gegründet wurde. Sie entstand erst in den 70er Jahren und richtete sich als marxistische Organisation sowohl gegen den repressiven türkischen Staat als auch gegen den Feudalismus innerhalb der kurdischen Gesellschaft. Die PKK hatte ursprünglicherweise also das Ziel, durch einen Guerillakrieg eine kommunistische Revolution zu erreichen (ähnlich wie Che Guevara auf Kuba) und einen eigenen kurdischen Staat zu gründen. Dieser Staat sollte dann kommunistisch geprägt sein und insbesondere die Rechte von Frauen stärken sowie die von armen Bauern und Arbeitern.

Die "radikal-kommunistische" Prägung der PKK unterscheidet diese Organisation also von anderen kurdischen Widerstandsgruppen in Syrien, Irak, Iran und Türkei. Wie Du siehst, hängt es stark von der persönlichen politischen Meinung ab, ob man die Motive der PKK für richtig hält oder nicht. Was ich persönlich jedoch zweifellos falsch finde, ist die Haltung zu Gewalt und Terror, die die PKK (zumindest früher) offiziell als "legitime Mittel zum Erreichen ihrer Ziele" bezeichnete. Fakt ist aber auch, dass einen die grundsätzliche Gewaltbereitschaft der PKK nicht davon abhalten darf, den Konflikt friedlich und in gemeinsamen Gesprächen zu lösen. Militärisch lässt sich ein solcher Konflikt nicht lösen, wie man am Beispiel des Gaza-Kriegs zwischen Israel und den Palästinensern wunderbar erkennen kann. Deswegen ist die Herangehensweise von Erdogan falsch, denn er heizt die Lage auf und sorgt somit für weitere Tote auf beiden Seiten. (Wobei ich denke, dass Erdogan sehr wohl weiß, dass er den PKK-Konflikt nicht militärisch aus der Welt schaffen kann, sondern den aggressiven Kurs momentan in erster Linie deshalb fährt, um selbst Zustimmung von den nationalistischen Teilen des Volkes zu bekommen.)

LG

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Freiheitskämpfer sind die PKK-Anhänger vielleicht, aber in meinen Augen sind sie zuallererst Terroristen. Wer billigend in Kauf nimmt, dass bei seinen Aktionen Unschuldige sterben, hat bei mir jegliche Sympathie verspielt, unabhängig von den Beweggründen, die dahinter stehen. Stadtguerillas, die Bomben legen, Fremdenfeinde, die Heime anzünden oder Türken totprügeln, Islamisten, die ihren Mitmenschen die Köpfe abschneiden, militante Christen, die Frauenärzte erschießen und westliche Militärs, die zivile Ziele mit Raketen eindecken, stehen für mich auf derselben, niedrigen Stufe.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die Türken sagen: Es sind Terroristen!

Die Kurden sagen: Es sind Freiheitskämpfer!

Wer hat Recht?

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg haben die Siegermächte mit dem Lineal und nach Gutdünken neue Staaten und ihre Grenzen auf die Landkarte gezeichnet. Dabei haben sie in ihrer Überheblichkeit als führende Kolonialmächte das von Präsident Wilson proklamierte Recht auf Selbstbestimmung der Völker völlig außer Acht gelassen. Nach den Grenziehungen fanden sich die Kurden aufgeteilt: sie waren plötzlich Türken, Syrer und Iraker, ob sie wollten oder nicht!

Wenn man diese historischen Hintergründe zur Beantwortung der gestellten Frage miteinbezieht, dann wird man gründlich zu überlegen haben, ob man von "Terroristen" sprechen muss oder die Bezeichnung "Freiheitskämpfer" bevorzugen will.

MfG

Arnold

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Th32PaC
26.02.2016, 23:49

Eine große Mehrheit, ansonsten würde es JETZT einen Bürgerkrieg geben

0

Das kommt drauf an, von welcher Seite aus man schaut.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich habe da eine einfache Regel: Wenn jemand Menschen für sein "hehres, rechtschaffendes Ziel" umbringt, ist er ein stinkender, dreckiger Terrorist. Dann ist mir egal, was seine Ziele sind. Ich will sie nicht mal hören. Ihre Entschuldigungen und Rechtfertigungen für die feigen Morde können sie sich da hin stecken, wo die Sonne nicht scheint.

Also: Terroristen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von PeVau
26.02.2016, 23:28

Dann ist aber auch die türkische Regierung den Terroristen zuzurechnen. Angesichts der Geschichte dieses Konflikts wäre das auch zielführender.

0
Kommentar von Supersaiyajinn
10.11.2016, 15:57

nunja die möchten Kurdistan aufbauen dafür benötigen sie aber den Teil von der Türkei. Kriegen sie aber nicht. Ist ja normal das die Türken sie zurück angreifen

0

Hier eine Definition von dem Begriff "Freiheitskämpfer": "Der Ausdruck Freiheitskämpfer bezeichnet jemanden, der sich gegen die herrschende Macht auflehnt, die als unterdrückerisch und ungesetzlich gilt." Jetzt meine Frage, in welcher Hinsicht werden die Kurden denn unterdrückt? 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von rojin24335
15.04.2016, 19:14

Die Kurden durften ihre Sprache nicht sprechen, sie wurden einfach vertrieben in anderen Ländern wie z.b nach Irak, Iran ,Türkei, sie haben kein eigenes Land bekommen alles wurde ihnen verboten! Ich bin selbst Kurdin ich weiß das.

Liebe

0

Was möchtest Du wissen?