Sind alle christlich fundierten Konfessionen gleichberechtig?

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6 Antworten

hallo Rosenblad, keine auf rechtem Glauben basierte Religion erlaubt andere Glauben als gleichberechtigt bzw gleichwertig neben sich, das tun auch die christlichen Konfessionen der Gegenwart nicht. Was die Mitglieder des Weltkirchenrats aber tun, ist: sie tolerieren sich gegenseitig als gleichberechtigte Kirchenorganisationen und verzichten auf den "Primatsanspruch" wie ihn die katholische Kirche nach wievor für sich vertritt; sie ist daher auch kein Vollmitglied, sondern entsendet Vertreter bzw Beobachter.

Einige christliche Sonder-Gemeinden, wie etwa Zeugen oder Adventisten vom Siebenten Tag, lehnen jede "gleichberechtigte" Gemeinschaft und Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen ab, da sich diese im Widerspruch zur Bibel befänden. Intern wird hier die katholische und evangelische Kirche sogar als die "grosse H*re Babylon" oder Kirche des Teufels bezeichnet.

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Rosenblad 31.03.2016, 10:03

Danke für diese Einsicht - erhebt sich trotzdem weiter die Frage, warum kann die Bibel in ihrer kanonischen Versperrung aus jüdisch verfassten AT und postjüdisch verklärten NT (mit der Ausrichtung auf eine apodiktische Soteriologie und protentive Parusie) dermassen exegetisch in ihrer Vertextung ist, das sich Ansichten und Dogmen bilden konnten, die sich z.T. diametral gegenüberstehen.

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eleteroj 31.03.2016, 10:17
@Rosenblad

in der ersten Phase ging es ausschliesslich um innerjüdische Fragen: rechtes Torah-Verständnis, rechte Religionspraxis und religiös korrektes Verhältniss zu den götzendienerischen römischen Herren.

Die erste Zäsur erfolgt durch den römischen Staatsbürger Paulus, der eine von der Gemeinde in Jerusalem völlig abweichende christliche Theologie den Gojim predigte. Im Neuen Testament werden diese beiden kontroversen Theologien besonders deutlich im Brief von Jaakov ha Zaddik, also der Jakobus-Epistel und bei Paulus mit seinen Briefen, speziell dem an die Römer.

Die zweite Zäsur erfolgte, als Kaiser Konstantin das Christentum zur Reichsreligion machte und von den einzelnen Kirchenführern eine einheitliche Theologie und Dogmatik erzwang. Konstantin war kein getaufter Christ, er nahm aber dennoch den Vorsitz im Konzil ein und half auch bei der Formulierung essentieller Dogmen tatkräftig mit, etwa beim Dreifaltigkeitsdogma.

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Rosenblad 31.03.2016, 10:27
@eleteroj

Sehr aufschlussreiche Informationen - Danke!

Da ich noch im Netz bin - zur Trinitätslehre ein bibliographischer Hinweis: Volker Henning Drecoll „Die Entwicklung der Trinitätslehre des Basilius von Cäsarea : sein Weg vom Homöusianer zum Neonizäner“; Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1996,

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marylinjackson 31.03.2016, 10:42
@Rosenblad

... mit der Ausrichtung auf eine apodiktische Soteriologie und protentive Parusie dermassen exegetisch in ihrer Vertextung ist, ...

????

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Rosenblad 31.03.2016, 11:24
@eleteroj

Eine gedankliche Formulierung sei mir erlaubt: Vielleicht liegt die Problematik einer Transkription per se darin, dass versucht wird kognitive, affektive und evaluative Zustandsgrößen, Verfahren und Strukturen der Menschen und ihrer "Institutionen"  von vor 2000 Jahren in die heutige Postmoderne uncodiert und in "Echtzeit " zu rezipieren - auch wenn manche Symbolik, Semantik und Arithmetik ihre Wirkmächtigkeit bis heute nicht eingebüsst hat, weil auch der heutige Mensch noch in massiven Kontingenzverhängnissen verfangen bleibt.

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Raubkatze45 31.03.2016, 11:47
@Rosenblad

Wer auch immer du bist: Deine Sprache (vielleicht auch dein Geist) ist zu hochstehend für das Niveau der meisten GF-User. Da kann unser christlich-glaubender Geist nur froh sein über die einfache und klare Sprache der göttlichen Offenbarung,wie Jesus Christus sie verkündet und gelebt hat.

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Rosenblad 31.03.2016, 14:19
@Raubkatze45

Leider hat auch dieses einfache "christliche Sprechen" eben nicht vor all den Glaubensirrtümern, Exegesen und kollektiven Separationen bewahren können - und dieses Bedauern ist echt, denn der tiefe geistige Reichtum (z.B. Phil. 2:3) ist fast immer Eitelkeiten, Machtintentionen und religiösen Wahn geopfert worden.

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eleteroj 07.04.2016, 10:03
@Rosenblad

dieses einfache "christliche Sprechen" so ist es wohl :) Hinter einfachen religiösen Sätzen verbirgt oft die unzulässige Voraussetzung, als würden sie selbstverständliche, allen gemeinsame Wahrheiten transportieren. Dem ist nicht so, und gerade die nicht definierten, nicht gemeinsam vereinbarten religiösen Sätze führen zu diesem unsäglichen Glaubengezänk, wie zb im endlosen, völlig absurden Streit ums Dreifaltigkeitsdogma. Aber nicht nur hier.

Bereits einfache Sätze wie: Gott ist die Liebe, sind leere Tautologien. Denn hier werden lediglich die Variablen X,Y eingeführt und einander zugeordnet.

Anschliessend wird suggeriert, als hätte man eine völlig selbst-verständliche Aussage getroffen.

Derartige Aussagen-Unlogik findet sich auch in öffentlicher Sprache, in der politischen Sphäre.

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eleteroj 07.04.2016, 17:11

hallo Rosenblad, danke sehr für deine Auszeichnung :)

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Die kath.Kirche bezeichnet sich als die una, sancta, catholica et apostolica ecclesia, die eine,heilige katholische und apostolische Kirche. Sie sieht sich als einzige Kirche seit 2000 Jahren bestehend auf dem Fundament der Apostel. Daraus resultiert auch das Papstamt, die Priesterweihe, die Sakramente und die von Jesus übertragene Binde- und Lösegewalt. Alle anderen Konfessionen haben sich seit Luther von dieser Kirche abgespalten und immer neue Glaubensgemeinschaften innerhalb des Protestantismus  gebildet. Nur die Orthodoxie hat die die Glaubensaussagen (bis auf das Papstamt)  weitgehend übernommen einschl. der Sakramente und der Priesterweihe. Die kath. Kirche hat ein verbindliches Lehramt, wodurch das Glaubensgut durch die Jahrhunderte unverfälscht verkündet werden kann.

Da die ev. Kirche kein Lehramt hat mit verbindlich definierten Glaubensaussagen (Dogmen), sind verschiedene Auslegungen möglich, als Folge davon entstanden unzählige Konfessionen.

Im Gegensatz zu den ev. Glaubensrichtungen beruft sich die kath.Kirche nicht nur allein auf die Bibel (sola scriptura), sondern  sie erkennt als zusätzliche Quelle auch die mündliche Überlieferung, die Tradition. Sie tut das,weil die mündliche  Überlieferung bereits vor der  schriftlichen bestanden hat und die Bibel nicht alles erwähnt, was Jesus gesagt und getan hat. Johannes selbst sagt, dass ganze Bibliotheken gefüllt werden könnten, was Jesus über die Mitteilungen der Bibel hinaus gesagt und getan hat.  Jesus bestätigt das und verheißt deshalb den Hl. Geist, der sie führen und leiten wird.  Die Tradition der ersten Christen unter Führung der Apostel bezeugt vieles von  dem,was die kath. Kirche heute verkündet und praktiziert,  was aber von anderen Konfessionen als "nicht biblisch" abgelehnt wird. Die ev. Kirche sieht in dieser zusätzlichen Quelle eine Verwässerung der Bibel, die kath.Kirche sieht darin eine notwendige Ergänzung.

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Rosenblad 31.03.2016, 10:05

Eine für mich ganz neue Sicht - können Sie mir bitte die Textstellen zur ihrer  Aussage nennen.

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Raubkatze45 31.03.2016, 11:38
@Rosenblad

Joh. 16.12

Joh.21.25

Lk 1,1 (Die Unterweisung erfolgte bereits vor Abfassung der
Evangelien)

 Galaterbrief (Kapitel
1, Vers 7-9)

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Für alle Christen gilt die einheitliche Bibel.

Interpretationen der Bibel oder gar Lehren außerhalb der Bibel sind in der Form nicht gegeben, und lassen eher Sekten vermuten.

Der Unterschied der einzelnen Konfessionen des Christentums beruhen auch vielmehr auf die Praktizierung des Glaubens. Hierzu einfach zwei Beispiele:

  • Es gibt Konfessionen wo der Täufling komplett ins Wasser getaucht wird, und andere Konfessionen die lediglich den Kopf mit Wasser benetzen.
  • Es gibt Kirchen in denen Gläubige selbst Kerzen anzünden, es gibt auch Kirchen wo nur Kerzen auf dem Altar stehen.

Es handelt sich bei den Unterschieden folglich hauptsächlich um die Glaubenspraktizierung, und nicht um die Glaubensinterpretation.

Hinsichtlich der Gleichberechtigung versuchen die Kirchen schon seit längerer Zeit eine gemeinschaftliche Richtung zu entwickeln. Dies erfolgt unter dem Begriff Ökumene.

Die Bezeichnung Ökumene betrifft:

  1. Gemeinschaft aller Christen und Kirchen.
  2. Einigung in Glaubensfragen und gemeinschaftliches Handeln.
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Im Prinzip gibt es nur zwei Arten von Gemeinden: Die sichtbare Gemeinde, die aus allen (sogenannten) Christen besteht, die irgendwelchen Kirchen und Gemeinden angehören bzw. Mitglieder bei diesen sind.

Allein entscheidend ist aber letztendlich die unsichtbare Gemeinde, deren Mitglieder nur Gott allein kennt. Sie besteht aus keinen Namenschristen, sondern aus allen wirklich gläubigen Christen, die aus ganz verschiedenen Konfessionen und Denominationen kommen werden. Die Zugehörigkeit zur unsichtbaren Gemeinde bestimmt allein der Glaube an den Gott, der sich uns in der Bibel offenbart. Natürlich lassen sich die meisten Christen irgendwann taufen. Aber die Taufe ist nicht heilsentscheidend. Im Endeffekt wird es nur auf den "Glauben allein" ankommen.

Natürlich gehören auch Christen die sichtbaren Gemeinde zur unsichtbaren Gemeinde (aber eben nicht alle). Wichtig sind nicht Mitgliedschaften oder Zugehörigkeiten zu Kirchen und Gemeinden, sondern der Glaube an Gott und die Inanspruchnahme des stellvertretenden Opfers von Jesus Christus am Kreuz zur Vergebung unserer Sünden.

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Nun, die römisch-katholisch Kirche sieht sich als die wahre Kirche, alle anderen Konfessionen, selbst die Protestanten, sind aus Sicht der katholischen Kirche lediglich eine "Glaubensgemeinschaft" und keine gleichberechtigte Kirche auf Augenhöhe. Je älter ein historisches Dokument ist und je mehr Menschen daran mitgewirkt haben und je häufiger es verändert wurde, desto mehr ist interpretierbar. Das gilt für Bibel, wie auch für den Koran. :)

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Die unterschiedlichen Strömungen im Christentum (Orthodox, Katholisch, Evangelisch) haben rein gar nichts mit verschiedenen Interpretationen der Bibel zu tun!

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RoyalWarrior 31.03.2016, 07:16

Nein? :)

Beim katholischen Abendmahl wird der Leib Christi verzehrt, bei den Protestanten ist das ein symbolischer Akt, die Protestanten haben nur zwei Sakramente, die Katholiken pflegen sieben, aus Sicht der Katholiken ist der Papst der Nachfolger von Petrus, die Protestanten sehen das anders, aber beide berufen sich auf die Bibel. Hm ...

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