Sigmund Freud, Philosoph?

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Freud wurde vor allem von den Philosophen der KRITISCHEN THEORIE rezipiert, aufgenommen, gelesen. Wer sich mit Adorno und Horkheimer beschäftigt, wer den Religionsphilosophen Klaus Heinrich liest, nimmt damit auch das Denken Freuds in sich auf. Man kann Freunds Denken indirekt über eine Reihe von Philosophen internalisieren.

Hallo,

du erlebst die Uneinigkeit der Menschen wenn es darum geht, einen anderen Menschen zu katalogisieren. Er muß unbedingt in eine Schublade passen. Und so lange das nicht geschehen ist, herrscht Uneinigkeit. Du wirst es vermutlich schon selbst erlebt haben wenn andere versuchen, dich in eine sogenannte Schublade zu packen.

Das ist die Unfähigkeit des Verstandes, die Einmaligkeit eines Menschen akzeptieren zu können. Laufend versucht der Verstand, seine Wahrnehmungen zu etikettieren. Das nennt man auch - Gleichmacherei. Doch der Mensch ist – und wahr – schon immer einmalig. Die Natur erschafft keine Kopien – nur, Originale.

Und so wird für Freud auch eine Schublade gesucht. Du kannst ja selbst beobachten, wie Menschen und somit auch ihre Werke irgendwie katalogisiert werden müssen. Das ist natürlich notwendig, wenn man sie und ihre Werke finden möchte, doch ihre Einmaligkeit läßt sich nicht einordnen.

Freud hat zuerst einmal ein Tabuthema an die Öffentlichkeit gebracht. Er hat die Krankheit – oder gewisse Symptome – genauer unter die Lupe genommen. Dann hat er – wie viele andere damals ebenfalls – die Auswirkungen von Erscheinungen mit dem Denken in Verbindung gebracht.

Es gab vor Freud sehr wenig Material, was ihm dienlich gewesen sein könnte. Er mußte quasi von Null anfangen wenn es darum ging, Vorgänge im Menschen nur zu beobachten. Er vermied eine generelle Aussage, wenn es um Ursachen im Verhalten des Menschen ging. Er betrachtete jeden Patienten als einen neuen Fall, und so stellte er seine Erfahrungen zuerst einmal zurück.

Das jeder Mensch einmalig ist, war Freud – und anderen – bereits eine Tatsache. Sie gingen immer von einer neuen Basis aus. Doch schon bald ließ sich erkennen, daß seine Forschungen immer wieder in das Denken des Patienten mündeten. Auch Schnitzler hat in seinem Leutnant Gustl genau dieses Erscheinungsbild aufgezeigt. Freud reiste in Europa zu seinen Kollegen, um deren Meinung und Forschungsergebnisse zu betrachten.

In seinen Schriften nahm er nicht selten Abstand von dem Wort – Analyse. Er selbst hatte damals kein anderes Wort zur Verfügung, und auch noch kein hinlängliches Schriftmaterial über spezielle Forschungsergebnisse. Er war nun einmal Pionier auf diesem Gebiet der Psyche. Und dann hatte er noch die Kirche gegen sich und seine Kollegen die es gewagt hatten, ein tabuisiertes Thema in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Nachdem er allerdings einen gewissen Bekanntheitsgrad und ein gewisses Ansehen erlangt hatte, wurde er in gewissen Kreisen akzeptiert, die ihn noch zuvor belächelt hatten. Opportun darf man es wohl nennen, wenn die Philosophen ihn dann auch noch zu sich hinzufügen wollten, da er ja anfing, über seine Arbeiten Schriften zu verfassen.

Ob das alles nun so sein mag, wie es hier und dort geschildert wird, ist eigentlich nebensächlich, wenn man sich auf das konzentriert, was Freud geschaffen hat. Wie oft mußte er mit Widerständen der etablierten Gelehrten regelrecht kämpfen? Wie oft wurde er unverhohlen öffentlich belächelt? Wie oft sprach man hinter seinem Rücken auf fast schon menschenverachtende Weise über ihn und seine Kollegen?

Wenn man seine Gedanken liest, und die Gedanken der damaligen Schriftsteller, welche sich alle mit genau diesem Thema der Psyche des Menschen befaßten, und wenn man dann noch diese speziellen Schmähschriften aus nicht selten religiösen Richtungen kommend ,betrachtet – ja, dann wird verständlich, was Freud in Gang gesetzt hatte.

Ob nun als Philosoph – oder als Arzt – oder als Forscher – oder als Pionier – sei’s drum…

Herzliche Grüße

So ging es Pionieren schon immer und die Denker der Generationen wurden mehr gehemmt denn gefördert durch die seltsame Gesellschaft, die gar nicht gesellig ist.

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Weißt Du überhaupt, was Philosophie ist? Die Philosophie hinterfragt primär Dinge, die bereits als sicher gelten bzw. galten. Zudem musst Du wissen, dass alle modernen Wissenschaften aus der Philosophie hervorgingen. Aus der Frage nach der Herkunft von Krankheiten wurde somit später die Pathologie, aus der Frage nach Recht und Unrecht die Rechtswissenschaften usw. Sigmund Freud war nicht nur Psychoanalytiker, er war der Begründer der Psychoanalyse und einer der größten Denker seiner Zeit. Aus seinen Untersuchungen zur Psyche des Menschen ging letztendlich die Psychoanalyse hervor. Das macht ihn zum Philosophen.

Hochintressant, somit wären Philosophen die ersten Wissenschaftler gewesen in dem sie neue Wissenschaften gründeten. Ein wahrer Philosoph ist demnach ausschließlich der Begründer einer neuen Wissenschaft. Stimmt das?

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