"Sie können mir nicht mehr helfen"- wie auf schwarzen Humor von Todkranken reagieren?

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22 Antworten

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass todkranke Menschen natürlich einerseits nciht ständig bemitleidet werden sondern normal am Leben teilnehmen wollen. Außerdem wollen sie häufig auch niemandem zur Last fallen. Auf der anderen Seite sind sie aber eben todkrank, ein Zustand, mit dem man alleine einfach nicht gut klarkommen kann. Wenn man wirklich will, dass niemand dich bemitleidet oder dir Hilfe anbietet etc dann sagst du einfach niemandem, dass du so krank bist. Ganz einfach. Da man sich aber doch über menschliche Nähe und Zuwendung freut, müssen die anderen es aber doch irgendwie wissen, allerdings wiederum so, dass man ihnen nicht zur Last fällt, sondern sie selbst entscheiden können, ob sie was machen. Du verstehst, was ich meine? Es prallen der Wunsch nach normal-behandelt-werden, nach Fürsorge und nach nicht-zur-Last-fallen aufeinander. Das äußert sich dann in genau solchen vermeindlich witzigen Bemerkungen wie "mir kann man nicht mehr helfen. Haha:" Warum sagt er das? Wenn er keine Hilfe will kann er die Klappe halten, aber er sagt es trotzdem, allerdings mit Worten, die eigentlich ausdrücken "lass mich in Ruhe". Deine Reaktion, einfach freundlich mitzulachen, ist da natürlich völlig klar und auch nicht falsch, dem Herrn gibst du damit auch zu verstehen, dass er dir nicht zur Last fällt, was ihn freut. Falsch ist das also nicht. Ich denke aber, dass es eben auch noch die zweite Ebene gibt. Was meint er denn überhaupt mit Helfen? "Heilen" vielleicht? Okay, das mag wirklich nciht gehen. Aber Hilfe ist ja noch viel mehr. Das ist ein Gespräch, freundlcihe Worte,oder auch nur zuhören, mal die Einkäufe tragen, wenn der Schmerz gerade mal wieder zu stark oder die Luft zu knapp ist, den Hund Gassi führen oder auch einfach mal nur fragen "wie geht es Ihnen, kann ich was für Die tun?" um die Bereitschaft zu bekunden, etwas für den Mann zu tun. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit einem Satz wie "mir kann man nicht mehr helfen" oder "ach, es geht schon irgendwie, muss ja" immer unterschwellig der Wunsch mitschwingt, dass man eben doch Hilfe bekommt. Ich lächele gern bei einer solch fraglich witzigen Bemerkung und sage den Patienten sinngemäß: "Ich kann Sie nicht gesund machen, da haben Sie recht. Aber ich kann Ihnen schon mal helfen, wenn Sie es möchten. Wenn es etwas gibt, das ich für Sie tun kann, wenn es Ihnen mal nciht gut geht, lassen Sie es mich wissen, und dann schauen wir mal, wie wir das hinbekommen". Ganz ernst, natürlich. Das nimmt die pseudo-Fröhlichkeit meist mal kurz weg, aber ich habe festgestellt, dass die Betroffenen oft (auch wenn sie es erstmal nciht zugeben) wirklich dankbar sind für dieses Angebot. Man muss aber auch zeigen, dass man es ernst meint, sich eben auch mal erkundigen oder Dinge von sich aus anbieten, denn wenn man nur darauf wartet, dass der Kranke kommt und was fragt, da kann man meist lange warten. Fazit: du hast recht, Mitleid wollen die Betroffenen wirklich meist nicht, eher Mitgefühl. Deine Reaktion war keinesfalls falsch, es steckt aber hinter solchen Äußerungen oft weit mehr, als man denkt. Natürlich nicht immer, aber auch wenn es bei diesem Herrn anders sein mag, über ein Angebot wie oben beschrieben und hin und wieder mal ein Gespräch wird er sich sicher freuen - wenn es denn ernst gemeint ist.

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Kommentar von katwal
29.01.2013, 19:46

@DoktorNoth: Gut argumentiert! DH

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Ich kenne eine Frau, die seit über 20 Jahren todkrank ist - aber ihr Humor ist unsterblich.

Wenn es nach einem Arzt von ihr vor etlichen Jahren gegangen wäre, wäre sie nicht mehr am Leben.

Ich käme nicht auf den Gedanken die Frau zu bedauern, sondern freue mich, wenn ich sie sehe und die Busfahrt mit ihr kurzweilig wird. Als sie mal ein neues Foto für ihren Schwerbehindertenausweis machen lassen sollte, war ihr Kommentar:

"In den paar Jahren habe ich mich doch kaum verändert - aber wenn Sie wollen, kann ich ein paar Huzzeln mehr aufs Gesicht malen"

Ich wünsche dem Mann in deiner Frage und der Frau noch ein schönes Leben.

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Mitlachen ist schon gut. Was soll der mann denn sonst machen. Es wäre doch absolut traurig, wenn man auf etwas unausweichliches zugeht und es einfach nicht wahrhaben will und ständig depremiert drüber ist, dass man es ja eh nicht mehr ändern kann. Dann doch lieber die verbleibende zeit so leicht wie möglich nehmen, und mit einem lächeln auf den lippen abtreten, als die letzen tage monate wie auch immer in angst und depression vor dem unausweichlichen zu verschwenden.

Ich glaub in so einer situation gibt es wirklich menschen, die es als chance sehn, denen eine Last von den Schultern genommen wird und die einfach nochmal freiheit verspüren vor dem ende. Sei einfach offen zu ihm, nimm ihn so wie er auf seine umwelt zugeht und wenn er witzte darüber machen will, dann schäm dich nicht für ihn. Ich glaube man kann eher davon lernen und was positives darin sehn. Im angesicht des unausweichlichen kann man mit gutem gewissen voran gehn, man hat ja nichts mehr zu verlieren.

Ich hab vor einigen jahren meinen Zivildienst in ner Rehaklinik gemacht. Da gab es dann mal ne patientin die war in dem alter wie wir zivis. Die hatte nen autounfall und ist dabei erblindet und war natürlich noch anderweitig schwer verletzt so dass sie krankengymnastik etc brauchte. Und einer meiner zivi kollegen, der hatte einfach diesen draht zu menschen. Der ist eines morgens brot trocken zu ihr hingegangen und meinte, dass sie doch ganz heiß aussieht in ihrem nachthemd und warum die schwestern sie nicht richtig zur krankengümnastik angezogen hätten. Ich kann mich an den genauen wortlaut nicht mehr erinnern, aber auf jeden fall sowas mit nachthemd und heiß aussehen und so. Und ich dachte nur "Schei*e, das kann man doch nicht sagen und die arme blinde patientin so verarschen", aber weit gefehlt, sie hat sich krumm gelacht und die beiden waren ein herz und eine seele. Sie war oft traurig, klar, ist sicher nicht leicht wenn man plötzlich blind ist, aber wenn mein kollege mit seiner trockenen art und seinen "blöden" sprüchen vorbeigekommen ist, war sie immer gut drauf.

Was ich damit sagen will: gerade NICHT so auf mitleid und ach wie schlimm zu machen ist oft weitaus besser für die betroffenen.

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Solche Menschen sind sehr mutig und beweisen grosse Stärke - ich würde tatsächlich über diese Witze lachen, denn deswegen tun sie es ja. Wer da mitllacht zeigt dass er den Menschen als solchen begreift und nicht nur über die Krankheit definiert und ihn somit würdigt. Also..ein guter Spass ist nichts anderes als das - auch wenn ein Todkranker ihn macht. Vorausgesetzt man mag schwarzen Humor.

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Ich denke, Mitlachen war schon richtig. Der gute Mann möchte nun mal nicht mit Leichenbittermiene rumlaufen und von jedermann bemitleidet werden, also ist es am besten, das eigene Wissen über seine nicht mehr all zu große Lebensspanne auszublenden und mit ihm ganz normal umzugehen. Wenn er das Thema selbst ernsthaft anschneiden möchte, wird er's tun, denke ich.

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Ich denke Du hast instinktiv richtig gehandelt. Ich behaupte einfach mal, dass Menschen, die es nicht gewohnt sind sich von Zeit zu Zeit mit Tod und Krankheit auseinanderzusetzen, in solchen Situationen oftmals nicht wissen wie sie reagieren sollen. Natürlich wünschen sich die Betroffenen das man auf ihre Situation eingeht und Anteil nimmt, aber Mitleid ist in den meisten Fällen unangebracht. Die Betroffenen möchten ernst genommen werden und möglichst offen über das Bevorstehende sprechen, die meisten jedenfalls. Ich habe es oft erlebt, dass es den Patienten leichter fällt, die Dinge offen auszusprechen, als ihrem Umfeld.

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Als Anmerkung fällt mir dazu ein, daß "todkrank" ja auch eine Definition der Ärzte ist- vieles was als unheilbar gilt, ist nur unter bestimmten Bedingungen lebensgefährlich und führt gar nicht unbedingt zum Tode. Er besitzt genügend Weitsicht, um das eben nicht alles zu glauben, was die Ärzte behaupten.

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Hey, das lezte was Menschen dann noch gebrauchen können, ist wenn er dich bemitleidet. Der jenige brauch dann jemand, der ihm noch schöne Tage bereiten kann und der nicht slebst darunter leidet. Ich wüsste auch nicht genau was ich sagen würde, ich glaube egal was man macht es ist falsch. Mach dir darüber trotzdem keine SOrgen... :)

LG :))

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Ich hoffe ich kann mal mit so einer Einstellung sterben. Es gibt wenig was so ludtig ist wie diese Art Humor also ruhig mitlachen er wird dich schon nicht dran aufknüpfen

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ein todkranker mensch möchte nicht ständig an sein baldiges ableben erinnert werden, er möchte "leben" solang es ihm noch möglich ist. macht er witze darüber, dann lach. (nur blos nicht selbst welche in diese richtung machen) und kein mensch möchte da mitleid, aber mitgefühl darfst du haben. also,wenn er reden will, dann hör zu, wenn er ruhe will, dann geb sie ihm, wenn er witze (sei's schwarzer humor,oder auch nicht) reist,dann geh mit vorsicht darauf ein.

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Kommentar von Samsarah
21.08.2014, 16:37

würde sagen nicht bei jedem ist das so. Es gibt einige, die können an gar nichts anderes denken als an den baldigen Tod. Ich würde das jetzt nicht so pauschalieren. Schwarzer Humor ist da noch eine gute Waffe.

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Ein richtig oder falsch gibt es in solchen Situationen eigentlich nicht! Selbst wenn jemand totkrank ist, heißt das noch lange nicht, das Derjenige vor Dir stirbt!

Demnach müssten wir uns ja alle jeden Tag leid tun, weil keiner weiß, wer als Nächstes dran ist...

Wenn diesem Menschen nach Scherzen ist, dann lass ihn und lache mit, wenn Dir danach zumute ist!

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Wenn man weiß, dass der "Tresen" in der Artzpraxis steht und nicht in einer Bar, ist die ganze Geschichte anders zu deuten. Ich denke, dass dieser Mann wirklich seinem Naturell entsprechend redet und redet und Späßchen macht und damit seine Betroffenheit und Hilflosigkeit "wegredet". Wie reagieren? Du hast es richtig gemacht, ganz intuitiv reagieren, sonst kommst Du unecht und aufgesetzt rüber. Beim nächstenmal wirst Du eventuell bei ihm eine andere Nuance heraushören und dann auch entsprechend reagieren.

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Kommentar von barti68
29.01.2013, 15:20

was für Hilflosigkeit ? Es ist doch befreiend - alt zu sein , und den Löffel abgeben können, wäre er 20 wäre es sicher anders

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Der Gute scheint sich mit dem Tod und Sterben abgefunden zu haben und ist im Frieden mit sich selbst wie mir scheint.

Der Sterbende zeigt sowas wie Humor,weil er eh aus der Sache nicht mehr raus kommt.Pass dich dem Sterbenden an und lache mit ihm..denn bald verstummt sein Lachen und das für immer.Damit bereitest du ihm sicherlich die allergrößte Freude auch zu gehen.

http://www.pflegewiki.de/wiki/Die_f%C3%BCnf_Sterbephasen_nach_K%C3%BCbler-Ross

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Ja, was Du berichtest, nennt man "Schwarzen Humor" oder "Galgenhumor".

Es gibt nun mal Menschen, die das Leben und die Begebenheiten des Lebens sehr realistisch sehen und bei ernsten und traurigen Geschehnissen, die nicht zu ändern sind, mit Galgenhumor reagieren. Sie zeigen damit "keine tiefe Traurigkeit" bei dem Gedanken, dass doch nichts zu ändern ist und man Dinge so hinnehmen sollte, wie sie eintreten, und versuchen sollte, das Beste daraus zu machen.

Eigentlich ist diese positive Lebensinstellung besser als die Gesinnung der "Jammerlappen, Miesepeters, Griesgrämer und Trauerklöße", die fortlaufend klagen über Dinge, die nicht zu ändern sind.

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Ich würde mal ein Gespräch anfangen und nach seiner Meinung fragen,t ob oder was danach kommt

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wenn Du nicht weisst, wie Du reagieren/handeln sollst, dann warte, bis Du es weisst. selbst durch zufall "richtig" zu reagieren, aber aus den falschen gründen, belastet die athmosphäre

aber "wie darf ich das verstehen?" ist selten verkehrt

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Solange er selber darüber lacht ist es ok wenn du mitlachst.Sollte das aber nicht der Fall sein dann lass es lieber.Schwarzer Humor ist nicht allermans Sache ;)

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War meinermeinung vollkommen richtig.

Wenn ich todkrank wäre wollte ich einfach nur spaß haben bis es vorbei ist und nicht ständig dieses mitleidsgedudel von jedermann.

Wenn ich es mal mit einer persönlichen erfahrung vergleichen darf. Als mein dad starb hat mir echt jeder aus der stadt herzliches beileid gesagt oder wollte sogar richtig diskutieren. Letztendlich hatte ich garkeine lust mehr irgendwen zu sehn aber nicht weil es mich hart trifft sondern weil es genervt hat.

Man trauert auch so genug. ^^ Das leben ist zum spaß haben da eventuell einfach mal selbst bisschen mit dem über lustiges reden damit er auf andere gedanken kommt.

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Kommentar von Antica
29.01.2013, 14:29

Du weißt heute sicher nicht, was Du machen würdest, wenn DU todkrank wärst. In dieser Phase verändert sich alles, und man empfindet anders, als man je vermutet hat.

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"Mitleid ist wahrscheinlich das letzte was man in so einer Situation will und das kann ich auch verstehen, also habe ich mitgelacht. Was wäre das richtige gewesen?"

das war das richtige..

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So war es richtig. Er will kein Mitleid von fremden Thekenpersonal und so. Das es sich um geheuchelte Anteilnahme handelt ist dem Todgeweihten wohl bekannt.

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