Sicht auf die Natur in "Die Leiden des jungen Werther"

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Werthers Naturideal ist im Grunde ganz typisch für die Naturvorstellungen der damaligen Zeit - es geht darum, sich an ihr zu erfreuen, ein "Idyll" in ihr zu sehen; und auch darum, sich mit ihr zu identifizieren, "eins zu werden" im weitesten Sinne.

Wenn du an der Stelle noch weitermachen möchtest (und sicher auch musst...): Googel mal "Goethes Werther - Naturbild"; da findet sich einiges drüber.

Werther projiziert sein Inneres, seine Gefühle (deren Ursprung wie auch die "Triebfeder" seiner Taten und Gedanken ihm verschleiert bleiben) auf die Natur, die deshalb alles andere ist als selbständig.

Daher das Idyllische im Brief vom 10. Mai, das Wohlgefühl unter den einfachen Menschen usw., und dann im Laufe seiner "Enwicklung" verschlimmert sich das Ganze, am Ende erkennt man einen deutlichen Gegensatz zwischen dem locus amoenus (10. Mai) und dem locus horribilis (öde Landschaften, Felsen, Wind...) - das erreicht seinen Höhepunkt in der Ossian-Übersetzung (Todesfaszination), die er selbst unternommen hat, hier muss man allerdings bedenken, dass er sich negativ über Bücher äussert und nur solche anerkennt, die seinem Inneren entsprechen.

Projektion wäre also der angemessene Begriff, um seine Haltung "insgesamt" zu charakterisieren.

Ist psychoanalytisch gesehen ein Abwehrmechanismus, was in seinem Fall dadurch zu erklären ist, dass er wie gesagt die eigentlichen Triebfedern seines Handelns vedrängen muss.

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