Shoppenhauers Mitleidethik für dummies

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Der Link von "emaxba123" ist sehr gut. Als Verständnisgrundlage sollte man noch etwas zu Schopenhauers Seinsverständnis sagen, das im Titel seines Hauptwerks "Die Welt als Wille und Vorstellung" zum Ausdruck kommt. Dabei greift er zurück auf Kant, wonach es eine objektive Welt - die Welt an sich - gibt und das, was wir als Menschen davon erkennen können. Kant beschreibt dann die "Filter" wie Raum, Zeit und Kausalität (und andere), durch die wir nur einen Ausschnitt der"Welt an sich" sehen. Diese uns nur im Ausschnitt erkennbare Welt ist in Grenzen auch Schopenhauers Welt als Vorstellung. Mit der kantchen "Welt an sich" ist Schopenhauer nicht ganz zufrieden, da sie ihm zu sachlich, zu 'unbelebt' ist und er diagnostiziert, dass diese ganze Welt an sich Ausdruck einer Urkraft ist, die als "Wille" auch in unsere menschliche Erfahrung reicht. Allerdings ist die Urkraft chaotisch, sinn-frei und ohne Ziel. Sie drückt sich aus in unserer Tendenz zur brachialen Gewalt, zum Egoismus und allen zerstörerischen menschlichen Aktionen. Da sich aber im laufe der menschlichen Geschichte auch Gemeinschaften mit Freundschaft, Liebe und Solidarität gebildet haben, muss es dieser "Zentripetalkraft" entgegengesetzt auch eine "Zentrifugalkraft-Variante" geben. Über seinen Kontakt mit der indischen Philsophie identifiziert Schopenhauer das Mitleiden, die Mitempfindung als Ausdruck dieser Seite der Ur-Kraft.

Artur Schopenhauer hat vor allem in „Die beiden Grundprobleme der Moral II: Ueber das Fundament der Moral“ und in „Die Welt als Wille und Vorstellung“ seien Mitleidsethik dargelegt. Schopenhauer hält Mitleid für den zentralen Grundsatz und die Grundlage der Ethik.

Grundlage der Mitleidethik ist eine Metapysik mit pessimistischer Tendenz: Nach Schopenhauer ist die Welt in ihrer Tiefenschicht ein blinder Wille, der als Ding an sich ohne Ziel, Sinn und Grund (ohne Beweggrund) wirkt und jeder Vorstellung zugrundeliegt. Die Individuen seien alle Erscheinungen dieses Willens. Jeder Willensakt sei ein Streben, aber einzelne individuelle Willensakte hätten einen Ursprung, eine Motivation.

Der Weltzustand sei durch unendlichen Mangel gekennzeichnet, weil die Welt in ihrem Wesenskern durch den ewig hungernden Willen bestimmt sei, für den jede Triebbefriedigung nur Übergang zu neuen Begierden sei. Wo Mangel herrsche, da herrsche Leiden.

Schopenhauer meint, in Verstand und Vernunft sei nichts enthalten, was nicht dem Egoismus, der Befriedigung der eigenen Lebens- und Überlebensansprüche dient. Verstand und Vernunft seien Produkte der Hirntätigkeit und könnten nicht in der gewünschten Weise auf die Handlungen des Leibes einwirken, weil sie der Macht der Triebe unterlegen blieben. Weil Moral sich auf das empirische und wirkliche Handeln richte, müsse auch die moralische Triebfeder eine empirische sein.

Die moralisch wertvolle Tat versteht Schopenhauer als Verneinung der Grundtriebfeder Egoismus und Widerspiegelung einer Einsicht, die Trennung zwischen Ich und Du als Täuschung zu erkennen. Die Individuen seien alle Erscheinungen des Willens. Dies werde beim Mitleid durchschaut, der innere Widerstreit und die wesentliche Nichtigkeit des Willens der getrennten Individuen zum Leben erkannt. Die unmittelbare Teilnahme erkenne und empfinde intuitiv im Leidenden sich selbst, sein eigenes Wesen. Die Identifikation mit dem anderen, dessen Wohl und Wehe könne die Macht des Egoismus brechen. Schopenhauer tritt für die Verneinung des Willens zum Leben als Weg zur Erlösung ein (Zustand freiwilliger Entsagung). Wo der Wille sein Wollen verloren habe, sei auch die Macht der Natur außer Kraft gesetzt. Der Wille und seine Verneinung seien nicht dem Satz vom Grunde unterworfen, sie gehörten einer metaphysischen Wirklichkeit an. Die Verneinung des Willens führe aus dem Naturzusammenhang heraus.

Grundsätze (Prinzipien) und abstrakte Erkenntnisse taugten zwar nicht als erste Grundlage der Moral, seien aber Behälter, in denen die der Quelle aller Moralität entsprungene Gesinnung aufbewahrt werde.

Der oberste Grundsatz der Ethik ist dabei: Neminem laede, imo omnes, quantum potes, juva - verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst.

Daraus leitet Schopenhauer die Tugenden der Gerechtigkeit und der Menschenliebe ab ((vgl. insgesamt Klaus-Jürgen Grün, Arthur Schopenhauer. Originalausgabe. München : Beck, 2000 (Beck'sche Reihe : Denker ; 559), S. 90 – 103 (6.2. die Mitleidsethik).

Lothar Samson, Mitleid. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 5: L – Mn. Basel ; Stuttgart : Schwabe, 1980, Spalte 1414 gibt an:
Arthur Schopenhauer erhebt Mitleid zum Prinzip und Fundament der Ethik und wertet es damit radikal um. Mitleid ist die natürliche, uneigennützige und allein echt moralische Triebfeder, auf die sich alle moralischen Handlungen, zusammengefaßt in der Tugend der Gerechtigkeit und der Menschenliebe, zurückführen lassen. Mitleid, das die Liebe zu den Tieren einschließt, wird – von Schopenhauer verstanden als „ganz unmittelbare Theilnahme am Leiden eines Anderen“, wo „das Leiden eines Anderen unmittelbar mein Motiv“ wird. Die Identifikation mit dem anderen, das „tat-twan-asi“ (dies bist du) des Buddhismus ist als „praktische Mystik“ realer Ausdruck der Durchschauung des principium individuationis bzw. der Erkenntnis der Wesensidentität aller Individuen (Die Welt als Wille und Vorstellung I IV § 67).

Volker Spierling, Schopenhauer-ABC. 1. Auflage. Leipzig : Reclam, 2003 (Reclams Bibliothek Leipzig ; Band 200052) S. 145 – 149 gibt unter anderem an:
Mitleid ist ein Zentralbegriff der Ethik Schopenhauers, der die unmittelbare Teilnahme am Leiden eines anderen Lebewesen, zum Ausdruck bringt. Mitleid ist eine wundersame Anlage (Die beiden Grundprobleme der Moral II: Ueber das Fundament der Moral § 19), „vermöge dessen das Leiden des Einen vom Andern mitempfunden wird und aus der die Stimme hervorgeht, welche, je nachdem der Anlaß ist, diesem »Schone!« jenem »Hilf!« stark und vernehmlich zuruft."

Mitleid bedeutet aber für Schopenhauer weit mehr als ein psychologisch-subjektives Mitempfinden. Der Mitleidende erkennt intuitiv im Leidenden sich selbst, sein eigenes Wesen. Es ist in metaphysischer Hinsicht ein Gewahrwerden (Die Welt als Wille und Vorstellung I IV § 66, „daß unser wahres Selbst nicht bloß in der eigenen Person, dieser einzelnen Erscheinung, daist, sondern in Allem was lebt.“

Entscheidend ist, daß im Mitleid das principium individuationis, das Prinzip der Individuation, des Einzeldaseins alles Lebendigen, als Täuschung durchschaut wird. Ein und dasselbe Wesen ist es – die eine Welt als Ding an sich – , das sich in allen Lebewesen darstellt und leidet. Dies besagt die Formel des tat twam asi: Dies Lebendige bist du. Das Mitleid, das zu uneigennützigen Taten führt, beruht auf der „unmittelbaren und intuitiven Erkenntniß der metaphysischen Identität aller Wesen“ (Die Welt als Wille und Vorstellung II Kapitel 47).

Egoismus, der Drang zu Dasein und Wollen (Die beiden Grundprobleme der Moral II: Ueber das Fundament der Moral § 14) sei grenzenlos und die Haupttriebfeder im Menschen, die das Leiden unabsehbar vermehrt.

Egoismus sei die allgemeine Erscheinungsform der Bejahung des Willens zum Leben, die erste und hauptsächliche „antimoralische Potenz“ des Menschen. Eine Steigerung stellten die Bosheit und die Grausamkeit dar (Egoismus will eigenes Wohl, Bosheit und Grausamkeit fremdes Wehe).

Die Macht des Egoismus, sei nur dadurch zu brechen, daß ich mich mit dem anderen identifiziere, mit ihm mitempfinde (Die beiden Grundprobleme der Moral II: Ueber das Fundament der Moral § 16), „sein Wehe fühle, wie sonst nur meines und deshalb sein Wohl unmittelbar will, wie sonst nur meines.“ Diese Identität hält mich ab, ihn zu verletzen, oder bewegt mich, ihm zu helfen. Sein Wohl und Wehe sind mein Motiv.

Das „alltägliche Phänomen des Mitleids“ sei die eigentliche moralische Triebfeder. Auch Phantasie spiele eine wichtige Rolle.

Mitleid gehe von einer unmittelbaren und intuitiven Erkenntnis voraus, die nicht abstrakt und begrifflich reflektierend ist, sich nicht mitteilen läßt, sondern jedem selbst aufgehen muß, ein praktisch-tätiger Zustand des verallgemeinernden, verwesentlichenden Schauens.

Der Zustand des anteilnehmenden Leidens trete unmittelbar durch das Sehen der konkreten Situation von Leid hervor, d. h. er kann nicht absichtlich herbeigeführt werden. Die Anteilnahme könne aber durch die eigene Phantasie oder durch die Anschaulichkeit der dichterischen Sprache ausgelöst werden. Das mitgefühlte, das fremde Leiden, fülle den Anschauenden ganz aus. Der Anschauende vergesse sein individuelles Ich und die eben noch vorherrschenden egoistischen Motive seines Tuns. Eine alte deutsche Redewendung laute: jemanden sein Herz öffnen.

Der Unterschied zwischen Ich und Du sei kein absoluter mehr. Erkenntnis meint beim Mitleid einen vorbegrifflichen, vorrationalen Zustand, in dem der Mensch anders sieht und anders will (Die beiden Grundprobleme der Moral II: Ueber das Fundament der Moral § 22 zu den Inhalten der Erkenntnis).

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