Wird sexualisierte Gewalt bagatellisiert, wenn sie von Frauen ausgeht?

23 Antworten

Sexualisierte Gewalt wird grundsätzlich bagetellisiert, egal von wem sie ausgeht. Das ist meine Erfahrung zu dem Thema.

Nur die Art und Weise wie bagetellisiert wird, ist unterschiedlich.

Allerdings möchte ich dazu sagen, dass der Begriff vergewohltätigen immer noch Gang und Gäbe ist, auch bei Frauen. Zwar wird der Begriff so nicht verwendet, aber es passiert immer noch, dass die Denkstrukturen vorhanden sind. Sexualisierte Gewalt wird von der Gesellschaft nicht als das anerkannt.

Es ist doch jetzt egal, ob man jetzt zu einem Mädchen sagt, dass es, wenn es das nicht gewollt hätte, sie sich besser hätte wehren können oder zu einem Jungen, dass er sich doch freuen kann, wenn eine ältere Frau an ihm Interesse zeigt. Beides ist gleich widerlich. Beides ist Gang und Gäbe. Ersteres habe ich erst vor ein paar Wochen in einer Antwort zu sexuellen Missbrauch unter Kindern gelesen. Das Opfer war weiblich.

Bei jedem MeToo-Vorfall wurden die Opfer unter die Lupe genommen und wurden haarsträubenden Vorwürfen überschüttet. Von dem altbekannten warum-sagen-sie-erst-jetzt-etwas bis hin zum Sex, den Rose McGowan freiwillig (!) hatte, wurde alles gegen die Opfer verwendet. Auch der übliche Punkt, dass sie es doch wollten, um so ihre Karriere anzukurbeln und sie doch wussten, wie das so läuft, hat nie gefehlt. Für mich klingt das ziemlich gleich wie die Vorwürfe, die sich Bennett ausgesetzt sieht.

Den einzigen Unterschied, den es da gibt, ist, dass Bennett im Grunde mit der Sache nie an die Öffentlichkeit gehen wollte und die Times hier die Privatsphäre eines jungen Menschen, der sexueller Gewalt ausgesetzt war, mit den Füßen getreten hat.

Ohne Einverständnis des Opfers sollte nie eine Geschichte veröffentlicht werden. Jeder und Jede bestimmt selbst wer alles von dieser Geschichte wissen soll.

Bei dem Thema sollte man allerdings noch einige Fakten erwähnen.

Ca. 85% der Täter bei sexualisierter Gewalt sind Männer.

Wir haben einen Vergewaltigungsmythos, der nur die wenigsten Taten, bezeichnet. Als derzeitigen Vergewaltigungsmythos würde ich derzeit bezeichnen, wenn ein Flüchtling ein junges deutsches Mädchen vergewaltigt. Die beiden hatten vorher keinerlei Kontakt. Das sind die einzigen Opfer, die von der Gesellschaft wirklich Rückhalt bekommen. Nur leider fällt nur ein Bruchteil der tatsächlich angezeigten Vergewaltigungen darunter.

Zudem werden die Falschbeschuldigen aufgebläht. Studien zufolge bewegen sich diese im Rahmen von 3-7% und sind damit nicht drastisch höher als bei anderen Verbrechen.

Eine amerikanische Studie hat zudem herausgefunden, dass häufig das Opfer geht, wenn es die sexuelle Belästigung beim Arbeitsplatz gemeldet hat. Der Täter darf häufig bleiben. Von daher sind Fälle wie der der Professorin kein Einzelfall. Oftmals finden die Opfer keinen Job mit der gleichen Bezahlung.

Opfern sollte man grundsätzlich mit Empathie begegnen, egal ob sie nun männlich oder weiblich sind. Aber gerade hier mangelt es und das auch, egal ob es nun Frauen oder Männer sind.

MeToo verfolgte den Zweck aufzuzeigen, wie häufig sexuelle Belästigung passiert. Seit Beginn haben sich dort auch Männer gemeldet, die ihre Geschichte dort erzählten.

Aber oftmals wird die Frau als Täterin benutzt, damit man an die Strukturen, die sexualisierte Gewalt bedingen nichts ändern muss, damit man sich mit dem Thema nicht auseinander setzen muss.

Damit ist weder männlichen Opfern noch weiblichen Opfern geholfen.

Nur weil Argento selbst sexuelle Gewalt angewendet hat, macht es die Taten von Weinstein nicht besser. Opfer gegen Opfer auszuspielen bringt nichts.

Übrigens habe ich die ersten Frauen als Täterinnen schon etwas länger erwartet, nur mit Argento habe ich nicht gerechnet, aber vielleicht folgen weitere Enthüllungen.

Um auf die Frage zwei zu kommen:

Die Vorgänge, die speziell mit MeToo in Verbindung gebracht werden, sind die, die durch Machtstrukturen entstanden sind.

Machtstrukturen können sowohl Männer als auch Frauen ausnutzen und auch gegen beiderlei Geschlechts.

Ich bin strikt dagegen, dass man von Opfern egal welches Geschlechts irgendwelche Reaktionen erwartet, wie beispielsweise, dass es sich wehren muss. Zum einen wird das Opfer überrumpelt und kann unter Umständen nicht klar denken. Niemand rechnet damit einen sexuellen Übergriff ausgesetzt zu sein. Außerdem sollte man es auch niemanden vorwerfen, wenn man erst einmal das Beste von einem anderen Menschen annimmt.

Zudem ist die Psyche sehr komplex und man kann nie wissen, was in einem Menschen vorgeht, der so etwas ausgesetzt ist. Außerdem sind Menschen unterschiedlich. Nur weil eine Person sich gleich lautstark wehrt, heißt das nicht, dass eine andere Person das auch kann.

Von daher bin ich strikt dagegen, dass man Übergriffe gegen Männer anders bewertet, nur weil sie physisch überlegen sind.

Ich befürworte immer noch das schwedische Modell. Jeder muss den sexuellen Handlungen auf irgendeine Art und Weise zustimmen. Egal ob Männlein oder Weiblein.

Bei Männern andere Maßstäbe anzulegen, halte ich für sexistisch

So, viele lange Worte, aber bei einem solchen komplexen Thema ist es schwer sich kurz zu fassen.

28
Sexualisierte Gewalt wird grundsätzlich bagetellisiert, egal von wem sie ausgeht. Das ist meine Erfahrung zu dem Thema.

Ich hab noch nie erlebt, dass sexualisierte Gewalt bagatellisiert wurde. Das liegt vielleicht auch daran, dass sexualisierte Gewalt vor allem im engeren Kreis geschieht (also nach außen geschützte Räume). Außenstehende bekommen also meist gar nichts mit und können damit dann auch kaum bagatellisieren oder eben nicht.

Was verstehst du denn darunter und welche Situationen haben dich zu dieser Überzeugung gebracht?

2
44
@DreiGegengifts

Sexualisierte Gewalt ist der Sammelbegriff für alle Formen der sexuellen Belästigung und der sexuellen Gewalt.

Diese finden nicht immer in geschützten Räumen statt, sondern zum Teil auf der Straße und und und...

Nichts desto trotz finden sich Schilderungen von Opfer immer wieder in den Medien und auch hier stellen Opfer immer wieder Fragen diesbezüglich.

Zur Bagetellisierung, den Begriff habe ich von der Fragestellung übernommen, gehören sämtliche Formen des Victimblaming bis hin zu Sprüchen, dass er oder sie das eigentlich wollte.

Und das erlebt man immer wieder. Sieh dir nur mal die Kommentarspalten unter MeToo-Berichten bei den Zeitungen an. Jede Art von Victimblaming ist eine Bagetellisierung des Geschehen.

Auch hier sind solche Antworten sehr beliebt. Von Antworten, dass man sich nicht so freizügig anziehen soll, dass man einfach nur deutlich nein sagen soll (obwohl in der Fragestellung steht, dass dies schon geschehen ist) bis hin zu den Vorwürfen, dass das Ganze gelogen sei. Auch die Inschutznahme von Tätern lese ich immer wieder und das Leugnen der Folgen für die Betroffenen. Aussagen, dass eine Frau das aushalten muss (natürlich von einem Mann) kommt auch immer wieder vor. Das sind nur Beispiele, die ich immer wieder in diesen Themenbereich hier auf GF lese.

Das sind alles Bagetellisierungen. Du kannst das gerne nachlesen.

Von einem empathischen Umgang mit Opfern sind wir meilenweit entfernt. Was solche Kommentare mit Opfern macht... nicht auszumalen.

3
Wird hier mit unterschiedlichem Maße gemessen?

Dem ist so. Selbst vor Gericht sind Mann und Frau nicht gleich.

Siehe Folgendes.

Mann bekommt 14 Jahre Haft für versuchten Mord.

https://www.morgenpost.de/berlin/article139310703/14-Jahre-Haft-fuer-Mann-Ex-Frau-ein-Leben-lang-gelaehmt.html

Frau bekommt 14 Jahre Haft für 8 Morde.

https://www.focus.de/panorama/welt/urteil-14-jahre-haft-fuer-mutter-toter-babys-aus-wallenfels_id_5746033.html

Aber das kann man sich Sicher irgendwie schön reden.

Ist es vielleicht teilweise sinnvoll mit unterschiedlichem Maße zu messen, da Männer seltener in Situation geraten, in denen sie sich physisch nicht wehren könn(t)en?

Dem ist nicht so. Alle Menschen sind Gleich und sollten die gleichen Rechte und Pflichten genießen. Dies ist schon vor Jahren völlig aus den Fugen geraten. Das am häufigste angeprangerte und gehasste Symbol ist, Weiß, Männlich und Heterosexuell. Dies ist für einige schlicht der Antichrist. Und man kommt damit durch. Niemand wird vor Gericht gestellt wenn er Hetze, Hassrede oder zur Gewalt aufruft, gegen diesen stereotyp.

Hallo!

Ich erinnere mich jetzt direkt an eine sehr unangenehme Situation in meiner Realschule vor ca. 15 Jahren. Ein paar Mädchen damals ca. achte Klasse haben einem Jungen aus der sechsten Klasse, den ich gut gekannt habe, im Flur auf das Gesäß geklopft und eine hat ihm kichernd - was er nicht wollte - teilweise die Hose ausgezogen, es war eine ekelhafte und eindeutig sexuelle Geste. Passiert ist der Gruppe nur was, weil ein Lehrer, der das sah, einschritt und drauf bestand, dass da "was gemacht wird". Sonst wäre das runtergespielt und vergessen worden. Man hätte nicht mal ausdenken sollen, was passiert wäre, wenn ein Junge das bei einem Mädchen gemacht hätte -------> und ich denke schon, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

Ich denke, dass das mit einem gewissen Linksruck inklusive der Feminisierung der Gesellschaft begründet werden kann. Auch von Frauen geht sexuelle und körperliche Gewalt aus, was man schon wissen muss.

Gerade weil Gleichberechtigung doch gerade von Frauen immer erwünscht wird und gern auch mit nicht ganz zimperlicher Wahl der Mittel propagiert wird, sollte sie auch hier erfolgen. Das wäre doch mal ein Schritt nach vorne. Man sollte auch Unangenehmes gleichstellen.

28
Linksruck inklusive der Feminisierung

Es gibt keinen Linksruck sondern seit Jahren einen Rechtsruck. Weibliche Gewalt wird vor allem von Konservativen nicht ernst genommen, weil es nicht in ihr Weltbild und ihren starren Geschlechterrollen passt.

.

Man sollte auch Unangenehmes gleichstellen.

Du scheinst einen seltsamen Begriff von Gleichberechtigung zu haben. Bei der Gleichberechtigung geht es um die Angleichung von Rechten, nicht um das Leugnen oder Angleichen von Unterschieden.

.

wenn ein Junge das bei einem Mädchen gemacht hätte -------> und ich denke schon, dass mit zweierlei Maß gemessen wird

Für sexuelle Gewalt muss ein wie auch immer geartetes Machtgefüge existieren, das diese Gewalt möglich macht. Ist es nicht gegeben ist auch die Einstufung als Gewalt fraglich. Das Maß unterscheidet sich nicht - gleichzeitig gibt es bei den Männern aus oben genannten Gründen eine deutliche Häufung.

4

Welche Entscheidung war die Wichtigste eures Lebens?

Einen wunderschönen, guten Morgen an alle GuGuMos,

die wichtigste Entscheidung für mich war, dass ich mich für meinen Partner, den ich ja sehr jung kennengelernt habe, entschieden habe, als ich mein Kind erwartete.

In der Schwangerschaft hatte ich große Stimmungsschwankungen und war mir irgendwann nicht mehr sicher, ob die Partnerschaft hält.

Ich hätte das Kind auf jeden Fall alleine großgezogen und wir haben ein Jahr eine Testphase vereinbart. Mein damaliger Freund erwies sich als so liebevoller Vater und war auch für mich immer da, so dass nach diesem Jahr, ich lebte noch zu Hause bei meinen Eltern, für eine Heirat entschlossen haben - die jetzt bereits 32 Jahre anhält.

Es gibt doch immer wieder Entscheidungen, die dass ganze Leben prägen.

Liebe Grüße und einen schönen Freitag!

ThePoetsWife

...zur Frage

Mossad darf legal in fremden Ländern töten?!

Hallo Community. Ich habe eine sehr spezifische Frage an euch.

Habe mich die letzten Wochen etwas mit den Tätigkeiten des Mossads beschäftigt und bin immer wieder auf die Abteilung "Kidon" gestoßen. Kidon ist eine Einheit deren Aufgabe nur darin besteht Attentate durchzuführen und Zielpersonen zu liquidieren. Sozusagen Profikiller. Da Kidon nur außerhalb Israels agiert ist meine Frage wie es überhaupt mit der Legalität solcher Operationen aussieht. Der betroffene Staat wird in der Regel nicht über die Aktivitäten des Mossads unterrichtet. Somit sind solche Operationen doch im höchsten Maße illegal?!

Trotzdem kommt es in den allerwenigsten Fällen zu Anklagen bzw Verhaftungen der Täter, obwohl teilweise polizeiliche Ermittlungen eindeutig Mossad-Agenten als Täter identifizieren (Dubai 2010). Heißt das im Klartext, dass der Mossad einfach in fremden Ländern töten kann ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen? Kann man dagegen international auf juristischer Ebene gar nichts tun?

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?