Selbsttötung (Selbstmord ), Folgen? Inwiefern ist das Umfeld betroffen?

7 Antworten

Ich habe selbst mehrere Selbstmordversuche hinter mir.Der Grund: schwere Depressionen und eine Borderline-Störung.Ich konnte den seelischen Schmerz nicht mehr ertragen, hatte keine Hoffnung mehr auf Besserung/Heilung, sah nur das Beenden meines Leben als Lösung.

Daß es Lösungen geben kann, sieht ein schwer depressiver Mensch leider oft nicht auch kann er die Konsequenzen für seine Verwandten weder vorhersehen noch spüren.Wobei dies nicht ganz stimmt, denn es wird vor dem Versuch abgewogen, was für und was gegen den Selbstmord spricht.Dabei kann er die Folgen für die Angehörigen ahnen, aber das eigene starke seelische Leid wiegt schwerer, zudem der Depressive das Gefühl hat, daß dieses Leid nie ein Ende finden wird, er also noch Jahre oder sogar Jahrzehnte so leiden wird.Dieses seelische Leid ("Ich bin ein Nichts", "Mein Leben ist nichts", die Unfähigkeit, Freude zu spüren) kann sich niemand vorstellen, der das nicht durchgemacht hat.

Es kann übrigens auch sein, daß er sich selbst als eine Belastung für seine Familie fühlt und dies eben zum Entschluß führt, aus dem Leben zu scheiden ("Ich bin nur eine Last für sie, ohne mich geht es ihnen dann besser").

Möglich ist auch, daß er sich ungeliebt, unverstanden fühlt und keinen Sinn in einem Weiterbestehen der Bindung sieht und deswegen glaubt, daß sein Tod keine Trauer auslösen wird ("Ich bin ihnen sowieso egal).

Wer über solche schwere kranken Menschen urteilt, tut ihnen Unrecht.Denn diese kranke Menschen wollen niemandem Leid zufügen, sie sehen aufgrunde ihrer Krankheit keine andere Lösung für ihr Leid.

Ich möchte hinzufügen, daß nicht alle Depressive heilbar sind, leider sind manche Patienten therapieresistent.Für sie ist das Leben auf dieser Erde einfach nur die Hölle.Aber lohnt es sicht trotzdem IMMER,eine Lösung gemeinsam mit ihnen zu suchen.

Was mir auch sehr wichtig erscheint: viele Depressiven nehmen sich das Leben, weil keiner ihren Zustand ernst genommen hat und ihnen geholfen hat.Ich bin selbst nach nur 2 Wochen in der Psychiatrie entlassen worden, obwohl die Ärzte um meine früheren Versuche wissen.Dabei hatte ich zu Hause einen schlimmen Rückfall, der beinnahe zu einem erneuten Versuch geführt hätte.

WER HELFEN MÖCHTE (statt zu urteilen) SOLLTE EINEN SCHWER DEPRESSIVEN PATIENTEN NIE ALLEIN LASSEN, VOR ALLEM WENN ER ANDEUTUNGEN DARAUF GEMACHT HAT, DAß ER NICHT MEHR LEBEN WILL.LIEBER BRINGT MAN IHN GLEICH ZUM ARZT, ZUM PSYCHIATER oder sogar in die PSYCHIATRIE, als ihn allein zu lassen, weil man z.B.zur Arbeit muß oder eine Verabredung hat.WENN EIN DEPRESSIVER PATIENT EUCH ANRUFT UND OFFENSICHTLICH WEINT ODER SELBSTMORDANDEUTUNGEN MACHT, DANN BITTE LEGEN SIE NICHT EINFACH AUF, SONDERN EILEN SIE ZU IHM, UM IHM ZU HELFEN.GEHEN SIE SOFORT MIT IHM ZUM ARZT ODER IN DIE KLINIK.AUCH WENN DIES ABENDS ODER NACHTS PASSIERT ODER AM HEILIGABEND PASSIERT!!!

Viele Depressiven nehmen sich das Leben, weil der Ernst ihres Zustandes nicht erkannt wurde, weil sie in diesem Zustand allein gelassen wurden.Einsamkeit ist hier das Schlimmste.

Eine Zwangseinweisung ist übrigens besser als ein Selbstmord.Also zögern sie bitte nicht.

Und lasst nicht zu, daß euer depressiver Partner, Verwandter, euer Freund oder Kind frühzeitig aus der Psychiatrie entlassen wird.Denn Antidepressiva brauchen mehrere Wochen (in der Regel 4 bis 6 oder länger), bis sie voll wirken.Eine frühzeitige Entlassung kann zu einem Rückfall führen und das ist besonders schlimm, weil der Patient in diesem schwer depressiven Zustand unbeabsichtigt ist und somit das Risiko eines Selbstmordversuchs besonders hoch ist.Ermutigt den Patienten, solange wie nötig im Krankenhaus zu bleiben.

Wichtig ist eine gute Nachbetreuung nach der Entlassung.Wichtig ist, daß der Patient sofort nach der Entlassung einen Termin mit einem Psychiater seiner Wahl-indem er VERTRAUEN hat- bekommt.Dafür kann es notwendig sein, einen Termin gleich nach der Einweisung auszumachen, weil die Wartezeiten meist sehr lange sind.Da der schwer depressive Patient aber oft nicht in der Lage ist, dies zu tun, ist sehr hilfreich, wenn Angehörige-durch den Hausarzt z.B.-diese Aufgabe für ihn übernehmen.

Auch eine psychotherapeutische Betreuung nach der Entlassung ist wichtig.Helft dem Patienten dabei, Adressen von Psychotherapeuten zu finden, Termine auszumachen und diese wahrzunehmen.Es kann hilfreich sein, den Patienten zu begleiten.

Bitte verurteilt nie einen Depressiven, er kann nichts für seinen Zustand! Er ist KRANK und daher nicht schuldig und braucht DRINGEND HILFE! Gebt ihm die Zuversicht auf Genesung, denn genau diese Hoffnung fehlt ihm und kann zum Selbstmord führen.

Ein schwer Depressiver, der gerade weint, braucht übrigens keine Ratschläge ("Mach dies und das"), sondern zuerst eine nicht wertende Anwesenheit: dabei sein, ihn in den Arm nehmen, ihm zeigen, wie wichtig er für einen ist.Dann ist die praktische Hilfe (Arzt anrufen, zum Psychiater begleiten, in das Krankenhaus bringen, usw) wichtig.

DANKE für euere Aufmerksamkeit!

Die Familie und auch Freunde werden seelisch überfordert, sie machen sich vorwürfe, dass sie daran schuld haben könnten, sie denken warum nur. Suizid ist deswegen sehr egoistisch, weil man nur daran denkt, dass MAN selber nicht damit leben kann und möchte, aber wenn diese Person dann nicht mehr am leben ist, dann kann das Umfeld nicht damit leben. der mit Selbstmordgelüsten = einer, der's nicht ertragen kann die familie/bekannten = mehrere die's nicht verkraften können Das ist immer ein falscher gedanke. krank, krank und nochmals krank!

Lies mal das Buch "Leben nach dem Tod". Da geht es um Nahtoderfahrungen. Es berichten Menschen, die klinisch tot waren, wie es ihnen "erging". Darunter ist auch ein Bericht von einem, der sich selbst töten wollte. Sein Bericht ermuntert keinesfalls!!! Wenn du ernsthafte Probleme hast, wende dich an einen Menschen deines Vertrauens. Wenn dir niemand einfällt, dann ruf die Telefonseelsorge an. Man wird dir helfen, dass du dein Leben bald wieder lebenswert findest.

Der Thread ist zwar schon mehrere Jahre her, aber vielleicht liest ja doch noch jemand mit. Inzwischen sollte es bekannt sein, dass Moody dieses Anti-Suizid-Kapitel als "Disclaimer" eingefügt hat, um Suizidgefährdete abzuschrecken. Vermutlich hat er die dort geschilderten "NDE" sogar frei erfunden, um z.B. Klagen Angehöriger von Suizid-Opfern zu entgehen. Andere Autoren haben keine Häufung negativer NDE bei Suizidversuchen nachweisen können. Die wenigen mir bekannten suizidbedingten NDEs, die von den Betroffen selbst berichtet wurden, waren genauso positiv wie die von z.B. Unfallopfern. Dass gerade bei NDE aus Furcht vor einem "Werther-Effekt" Mythen und Ammenmärchen verbreitet und gepflegt werden, ist leider nur allzu plausibel.

Ich wäre auch sehr vorsichtig damit, Suizd als "feige" zu verurteilen. Niemand, der nicht selbst schon in einer solchen Verzweiflung war, hat das Recht, darüber zu urteilen. Meiner Meinung nach ist Selbsttötung als letzter Ausweg (auch bei unheilbaren Leiden - nicht jeder ist stark genug, um z.B. Krebs oder Alzheimer bis zum bitteren Ende durchzumachen) durchaus nicht feige, sondern absolut legitim. Nur sollte es halt die Ultima Ratio bleiben nachdem alle anderen Möglichkeiten versagt haben.

Absolut feige und falsch hingegen ist es, Horrormärchen von Hölle, Karma & Co zu verbreiten, um das Verhalten von Menschen zu beeinflussen. Mit dieser Masche wurde schon vor Jahrhunderten viel Unheil angerichtet und wird es noch heute.

1

Was möchtest Du wissen?