Selbstvertrauen gegenüber Gleichaltrigen sehr niedrig - warum?

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6 Antworten

"Genug" reflektieren ist ehrlich gesagt gleichzeitig eine Stärke und eine Schwäche. Ich kenne das selber und vielen anderen geht es genauso. Denn wer "genug" reflektiert, läuft auch Gefahr, "zu viel" zu reflektieren. Wir sind Teil einer sehr direkten und oberflächlich emotionsorientierten Generation. Ganz nach dem Motto, hauptsache "auf die K*cke hauen" bzw. "bunt und laut sein" und bloß nie leise und unauffällig sein. Selbstdarstellung ist die Devise. Wer dieses kollektive Affentheater nicht mitbetreibt, wird schnell als andersartig deklariert oder nur dafür verurteilt, dass er sich eben nicht aufdrängt. Aber tatsächlich denken sehr viele Menschen anders, die haben nur für gewöhnlich die Eigenart, dass es ihnen ebenso schwer wie dir fällt, auf andere Menschen zuzugehen.

Wir leben in sehr unsicheren Zeiten und innerhalb einer stark pluralistischen Gesellschaft. Identität ist alles, denn alles und jeder muss sofort Stellung nehmen und in das Spektrum von vorhandenen Identitäten eingeordnet werden können. Alles und jeder schmeißt mit Binsenweisheiten um sich und glaubt, die Welt verstanden zu haben, nur weil er oder sie sich in seinem eigenen kleinen gedanklichen Verließ eingekerkert hat, um der gesellschaftlichen, medialen und sozialen Unsicherheit auch nur irgendetwas entgegenzusetzen. Denn genau das ist ja die Funktion von Identität. Das ist übrigens nicht neu, sondern war immer schon so, schon seit den Steinzeitmenschen. Die Funktionsweise und das moderne Verständnis von unserer derzeitigen Gesellschaft heben dies nur in besonderer Weise hervor bzw. suggerieren besonders stark, dass Zugehörigkeit ein zwingendes Konzept zum "glücklich werden" ist und dass es eine ganze (sich ständig erweiternde) Reihe an Wertigkeitskategorien zu erfüllen gibt, um "normal" zu sein. Und im Gegensatz zu früheren Zeiten ist auch der Vergleich mit anderen (sowohl technisch als auch bezüglich der gesellschaftlichen Akzeptanz von diesem, die materialistischen Werte lassen grüßen) einfacher und offener geworden.

Aber ganz einfach zu sagen, dass "mit der Gesellschaft irgendetwas nicht stimmt" ist es eben auch nicht alles, es ist ein zweiseitiges Schwert. "Höflichkeit" im Sinne von Verbergen von starken Emotionen und das Wiedergeben von Floskeln macht es teilweise eben auch der Gegenseite sehr schwer, wirkliche Bindung aufzubauen, insbesondere wenn diese Gegenseite eine sehr andere Art zu denken hat oder auch ähnlich wie du denkt und schnell Uneindeutigkeit als Ablehnung interpretiert. Aus vielseitigen Gründen fällt es Menschen, die Probleme mit dem ersten Schritt haben, heute umso schwerer, Freunde zu finden (z.B. heißt Befreiung von Zwang z.B. im schulischen Kontext --> Klassenfahrten, Sport etc. auch vereinfachte Ermöglichung der eigenen Isolation). Auch sind die wirklichen Freundschaften heute (wieder aufgrund der pluralistischen Gesellschaft) "auf Eignung/Identitätsabgleich geprüfter" und müssen "bewährter" sein, während die oberflächlichen Zweckfreundschaften sehr schnell geknüpft, aber sehr schwer zu vertiefen sind (facebook lässt grüßen).

Doch was resultiert aus all dem? Das Credo war schon immer und ist, so schwer es auch fällt, Selbstüberwindung (die eben nicht mehr für einen selbst von anderen übernommen wird). Innerhalb einer materialistisch-oberflächlich denkenden Generation sind die Eintrittsbarrieren für "Freundschaft" höher und du wirst auch mal unangenehme Schritte gehen sowie offenherziger als es dir lieb ist sein müssen. Sieh es als Vergleich: Selbstwertgefühl ist wie ein Konstrukt, an dem gearbeitet werden muss (das würde jetzt zu weit in die Psychologie gehen, aber wenn es dich interessiert, solltest du dich mal damit beschäftigen). Wenn du eher allein bist, gibt es nunmal niemanden, der diese Konstruktion für dich übernimmt, sondern du musst das vollständig "alleine" schaffen. Ich schreibe deswegen "alleine" in Anführungszeichen, weil das Internet dir eigentlich den Kontakt zu unzähligen Menschen und ihrer Lebensrealität eröffnet, auch wenn dir das sonst sehr schwer fällt. Wenn du dann erstmal ein stabiles Grundgerüst hast, das nicht mehr so leicht umkippt, kannst du auch den ein oder anderen schmerzlichen Hieb (eben negative Erfahrungen und Reaktion auf dein "neues Auftreten") ertragen, ohne dass alles wieder zusammenbricht. Voranzugehen heißt immer, sowohl positive als auch negative Erfahrungen zu machen. Wer auf der Stelle verharrt, macht zwar kaum negative Erfahrungen, aber auch ganz sicher keine Positiven. Arbeite einfach an deinem Auftreten und begebe dich in Situationen, die du als unangenehm empfindest (nicht direkt am Anfang übertreiben). Dann wirst du auch langsam selbstsicherer werden.

Und stell dabei bitte sicher, dass du deinen eigentlichen Charakter nicht veränderst, denn eine höfliche und zuvorkommende Art ist an sich etwas sehr angenehmes und sympathisches, sofern es dich eben nicht vom Vorankommen abhält und du es nur denjenigen gegenüber machst, die das auch verdient haben bzw. die es nicht ausnutzen. Wenn du einmal ein niedriges Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl hattest und dich dann aus eigener Kraft hochstemmst, wirst du vielen Menschen sehr viel an Lebensweisheit und Vielschichtigkeit voraushaben, weil dein Selbstwert eben nicht wie bei so vielen aus reiner Selbstverherrlichung und Selbstopferinszenierung besteht, sondern viel differenzierter ist.

Sorry, die Antwort ist mal wieder ziemlich lang geworden (passiert mir in letzter Zeit irgendwie öfters). ^_^

Was studierst du oder hast studiert?

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@Robert7194

Derzeit BWL und Informatik, aber ich bin auch Hobbyphilosoph und -soziologe vom Dienst. ;)

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@uncledolan

Dacht ich mir mit letzterem :) Will Philo und Sozi studieren. Hab eine Informatikausbildung aber mache dann was ganz anderes, da mich Informatik nicht mehr interessiert 😃

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Auch wenn du den Eindruck hast, dass du bei älteren Menschen sehr gut ankommst, übersiehst du, dass du deren Feedback falsch einordnest.

Kein Messer kann sich selbst schneiden. Und keiner kann sich selbst erkennen. 

Wer sich überbewertet und wer sich abwertet, zerstört sein inneres Gleichgewicht. Überbewertung und Abwertung verkrüppeln unser Selbstgefühl. Die Abwertung äußert sich als Selbstunsicherheit und Selbstzweifel, als Minderwertigkeitsgefühl, als Depression oder Angst.

Die Selbstüberbewertung zeigt sich als arrogante Überheblichkeit oder als Prahlerei und Angeberei. Sie kann auch als gönnerhafte Wohlgefälligkeit oder als illusionäre Phantasterei auftreten. Wichtig ist, zu verstehen, dass sich die Selbstüberbewertung und die Selbstunterbewertung gegenseitig erzeugen und gegenseitig steigern.

Wer selbst unsicher ist, gibt sich gern vor anderen den Anschein der Sicherheit. Darum benimmt er sich übertrieben selbstsicher. Er verhält sich selbstherrlich oder selbstgerecht oder arrogant. Zugleich fühlt er sich ständig unsicher, weil er nie weiß, ob ihn die anderen in seiner überheblichen Pose ernst nehmen. Mit der Überheblichkeit läuft also der Selbstzweifel so parallel wie zwei Wagenräder auf der selben Achse. Überheblichkeit und heimliche Selbstzweifel gehören zusammen wie die Außen- und Innenseite einer Hohlkugel. Beide zerstören die Selbstachtung. 

Wer Selbstachtung hat, nimmt zwar eine Bestätigung durch andere dankbar entgegen, aber er hat sie nicht nötig. In dem Masse hingegen, wie die Selbstachtung fehlt, eifert man nach Bestätigungen und läuft den gesellschaftlichen Illusionen nach. Statt wirklich zu erleben, lebt  man für Illusionen, für nutzlosen Besitz, für dünkelhaftes Prestige, für Modemarotten, man dient dem allgemeinen Aberglauben und fesselt sich in unnötigen Abhängigkeiten.

Ein normales Selbstwertgefühl bekommst du durch das Bemühen um Echtheit und Wahrhaftigkeit, dir selbst gegenüber. Wenn du dich so verhältst, wie es deine Überzeugung von dir verlangt, dann fühlst du, dass du wahrhaftig und echt, dass du also du selbst bist. Du fühlst deine Identität,
wie man heute zu sagen pflegt.

„Tue recht und scheue niemand“ heißt der bekannte Wahlspruch der die souveräne Selbstachtung ausdrückt.

der 4-Farben Mensch - (Psychologie, Selbstbewusstsein)

Was hast du studiert?

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Zuerst einmal: Das ist deine Vorstellung von dir Selbst oder/und die Einschätzung des Gegenübers.

Nun, warum ist sie so? Erfahrung? Lohn?

Das solltest du selbst heraus finden und das kannst du auch.

Anscheinend hast du nicht genügend Selbstbewusstsein, das sieht man daran, dass du hier zeigen möchtest, dass du bei den älteren Menschen angenommen wirst. Du musst dich nicht verteidigen, sondern dich selbst sein, und wenn das ein anderer nicht würdigt, dann verlass ihn. Kann aber auch sien, dass du den Stress des Gegenübers spürst, cool anzukommen, falls du sehr empathisch sein magst. Ich weiss du findest eine Antwort oder eine Lösung.

Und was ich studiert habe? Ich studiere Leben

Lg Sati


Du hast die Frage indirekt schon selbst beantwortet...

Dein Problem wäre sofort gelöst, wenn du dir eingestehst, dass du ein gutes und normales Maß an Selbstliebe und Selbstwertgefühl hast.

Solange du das allerdings als Eigenlob bezeichnest, das auch noch stinkt, wirst du dem irrationalen und Illusionären "Cool-Sein" vergeblich hinterher laufen.

Du bist bereits cool !

Sprich mit erfahrenen oder weisen Menschen über den Unterschied zwischen Eigenlob und Selbstliebe.

Woran kann ich nicht sagen.

Das passierte bei mir auch viel sogar bei jüngeren. Ich habe etwas getestet und es funktioniert.

Also nächstes mal egal wo du bist und du dich anfängst so zu fühlen. Strecke dich!

Mach deine ärme hoch strecke dich wie du möchtest. In dem moment wenn du das machst merkst du ganz schnell hey das kann ja jedem egal sein was ich mache. Ich strecke mich sogar. Niemand schaut...niemand krazt es. Zu 100% wirst du dich nacher besser und stärker fühlen.

Zu wenig Selbstbewusst sein. Oder die angst nicht anerkannt zu werden.
Gib dich, wie du bist, entweder man mag dich so oder nicht. Deine
Unsicherheit spiegelt sich wider. Das merken dann auch andere. Schätze dich selber dann tun es auch andere ;)

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