Selbstmordgedanken und Depressionen unserer Stieftochter

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo,

das ein Kassenpatient nicht die gute Therapie bekommt in einer psychiatrischen Klinik, das ist mit Sicherheit nicht so.

Ein Klinikaufenthalt von 7 Wochen ist natürlich nicht sehr lange und einer mit einer Woche, das kannst Du eh vergessen, das hättet Ihr Euch sparen können.

Und sorry, Heilpraktiker hin oder her, da hat jeder seine Ansichten, aber vergiss das alles, weil das nix bringt diese Globuli, vielleicht wenn man dran glaubt, bei Bauchweh oder so was , aber nicht bei psychischen Problemen.

Deine Schwiegertochter sollte auf jeden Fall wieder in eine psychiatrische Klinik, aber geht doch mal in eine andere. Ich weiß jetzt nicht woher Ihr seid, aber dann ist die Klinik halt weiter weg, das ist doch egal. Ihr dürft nicht den Fehler machen, jetzt schon zu sagen, bringt das überhaupt was usw. und vor allem, darf die Therapie nicht frühzeitig abgebrochen werden.

Natürlich ist das nicht immer einfach in so einer Klinik, weils auch Rückschläge gibt, aber Ihr braucht alle mehr Geduld. Ihr könnt nicht davon ausgehen, das ein Medikament verabreicht wird und schon geht's Deiner Schwiegertochter wieder gut und schnell heim und das Medikament wieder absetzen.

Das muss überwacht werden, ob es überhaupt die ausschlagende Wirkung hat, ob die Wirkung anhält. Manche Medikamente helfen nach gewisser Zeit nicht mehr, werden zu schnell abgebaut.

Dann braucht sie unbedingt eine Gesprächstherapie, die sie auch in der Klinik bekommt- zuhause muss das auch gleich weitergeführt werden- . Sie lernt dann zusätzlich mit Stress und Angst besser umzugehen, wie sie damit leben kann ohne gleich wieder einen Rückfall zu bekommen. Außerdem wenn sie das passende Medikament für sich hat, wird sie keinen 'Rückfall in diesem Maße bekommen, aber nochmal, Ihr braucht Geduld.

Auch wenn es ihr dann wieder besser geht, muss sie ambulant in Behandlung bleiben, die Medikamente weiternehmen. Medikamente haben immer ´Nebenwirkungen, aber sie wird sie nicht ihr Leben lang nehmen und die Blutwerte werden deshalb auch regelmässig kontrolliert, aber es muss ihr doch erst mal wieder besser gehen.

Wenn die Therapie nie zu Ende geführt wird,- oft dauert ein Klinikaufenthalt monatelang- egal, Hauptsache es bringt was und Deiner 'Schwiegertochter geht es wieder besser.

Einen Rückfall kann es natürlich wieder geben, aber mit Medikamenten und auch einem stabilen Umfeld und einer Gesprächstherapie nie in dem Maaße wie es war.

Ihr müsst Eure Schwiegertochter auf jeden Fall volle Unterstützung geben, ihr zureden nochmal eine Therapie zu beginnen, aber in einer anderen Klinik, wo Ihr auch das Gefühl habt, Ihr bekommt jeder erforderliche Therapie.

In einer guten Klinik bekommt sie eine Gesprächstherapie mit einem Psychologen, in Einzelsitzungen, dann gibt es Gruppengespräch, wo sie auch nichts sagen muss, aber kann, aber auch nur zuhören, sie hat eine Krankenschwester, die für sie zuständig ist, der Arzt spricht regelmässig mit ihr, das Blut wird regelmässig untersucht, Gehirnströme werden gemessen usw.

Sie sitzt bestimmt nicht dort in der Klinik und es wird nix gemacht, aber bestimmt gibt es Kliniken, wo das nicht optimal abläuft, darum geht in eine andere Klinik.

Sie wird dort Sport machen, schwimmen gehen, mit den andern kochen und auch nette Menschen treffen usw., auch wenn gleich alles schwarz ausschaut, irgendwann wird sie merken, es geht mir ein bissl besser. Dann aber nicht gleich die Klinik verlassen!

Unbedingt die Medikation auch außerhalb der Klinik beibehalten, niemals Absetzen ohne Einverständnis des Arztes, schon gar nicht auf einmal, wenn dann reduzieren, aber das kommt anfangs ja gar nicht in Frage, denn es geht ihr ja dann besser wegen des Medikamentes.

Wenn Deiner Schwiegertochter die Klinik verlässt, aber nur, wenn der Arzt dies auch meint, dann braucht sie auch da erst mal Ruhe, sie kann nicht gleich wieder zum Alltag über gehen, das geht einfach nicht und der erste Weg führt zum Psychologen, er beantragt die Therapie bei der Krankenkasse und dann geht sie regelmässig, anfangs öfter zu den Sitzungen, kann auch sagen, was sie bedrückt usw. und wird weiterhin lernen, mit bestimmten Situationen umzugehen und ehrlich sein, wenn es schlechter geht, dann sagen, nicht abwarten, bis es wieder ganz schlimm wird.

Ich bin sicher, es wird alles gut, aber habt Geduld und zeigt Deiner Schwiegertochter und sagt es ihr auch, das ihr immer für sie da seid, ihr auch helft, nehmt sie in den Arm usw.

Aber sagt nicht, das schaffst Du schon, denn das kann schon wieder Druck ausüben. Sie braucht Euch jetzt, auch wenns vielleicht nicht so ausschaut.

Auch eine Selbsthilfegruppe zusätzlich wäre nicht verkehrt, da wird geredet, sie findet Gleichgesinnte, muss aber nix sagen! (Nach der Klinik!)

Liebe Grüssle und ich wünsch Deiner Schwiegertochter, das es Ihr ganz bald besser geht und Dir und wer noch dazugehört natürlich auch alles gute, denn so was ist auch immer eine große Belastung für Angehörige. Aber Ihr schafft das zusammen!

Lieben Dank fürs Sternchen und ich wünsch Euch nur das Allerbeste!

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Auf mich wirkt das gelesene so als ob Deine Tochter vor Stress und Verantwortung flüchtet. Sollte dies der Fall sein, gehören auch die Eltern in eine Beratung. Der Aufenthalt in der Klinik bringt das Mädchen zwar kurzzeitig in ein anderes soziales Umfeld wo alles einfacher und geordneter abläuft, aber zuhause ändert sich nichts. Nach der Klinik muss sie sich wieder neu in ihr gewohntes Umfeld eingliedern. Das kann zu weiteren Problemen führen. Es ist fraglich ob die Umwelt und der Freundeskreis das ewige kurzfristige Ausbrechen akzeptieren.

Die Aussage, als Kassenpatient bekäme man nicht die "gute, teure" Therapie, die "wirklich wirksam" sei, halte ich für viel zu pauschal und denke, diese Aussage entspringt vielleicht eher eurem Gefühl von Hilflosigkeit in der schwierigen aktuellen Situation. Tatsächlich ist meines Erachtens das Problem mit ambulanter oder stationärer, psychiatrischer oder psychologischer Behandlung, aus der Vielfalt der vorhandenen Angebote das für die betreffende Person hilfreichste herauszufiltern und dann in absehbarer Zeit einen Behandlungsplatz zu bekommen. Aber um auf eure Frage zurückzukommen, es lohnt sich auf jeden Fall, einen weiteren Anlauf mit ambulanter psychotherapeutischer und / oder auch stationärer psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung zu nehmen. Bei derartigen Problemstellungen, wie ihr es von eurer Stieftochter beschreibt, verläuft der Heilungsweg oft prozesshaft über längere Zeit mit Auf- und Abbewegungen oder auch echten Rückfällen in die alte Symptomatik. Dies ist aber ganz bestimmt kein Grund, die Hoffnung zu verlieren und keinen neuen Behandlungsversuch zu unternehmen. Sehr wichtig finde ich bei der Behandlungsentscheidung, das Mädchen / die junge Frau (wie alt ist sie?) hier mit ins Boot zu holen. Je mehr Eigenmotivation zu einer bestimmten Behandlungsform bei der betroffenen Person besteht, desto besser sind in aller Regel die Erfolgsaussichten. Gutes Gelingen!

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