Selbstmord versuch und dann in eine Klinik - was passiert genau?

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4 Antworten

Ein Bekannter von mir drohte mit Selbstmord(gedanken) und wurde auf eigenen Wunsch in eine Psychiatrie eingeliefert. Ich war etwas schockiert, als ich ihn dort besuchte - er hatte zwar den halben Tag Therapien (wenn er Glück hatte; machmal wohl auch nur eine am Tag oder sogar gar keine) - aber den Rest der Zeit saß er in seinem kleinen, trostlosen Zimmer alleine. In seinem Fall war das nicht ganz so schlimm, weil er öfter Besuch hatte. Jedenfalls verbrachte er den größten Teil des Tages sitzend auf seinem Bett und die restliche Zeit mit Gesprächstherapie, Maltherapie, Lichttherapie und noch einigen anderen, die ich vergessen habe. Das lief auf freiwilliger Basis über 2 Monate. Ob es letztendlich geholfen hat, oder er sich einfach, vor allem auch durch die vielen Besuche diverser Verwandter, Freude und Bekannter, noch mal eines Besseren besann, weiß ich nicht, aber der Aufenthalt ist schon ein paar Jahre her und er hat seitdem wohl nicht mehr an Selbstmord gedacht.Bei Sabine Kuegler gab es eine Psychiatrieschilderung in Buch 2 "Jägerin und Gejagte" und der kann ich aus dieser Erfahrung heraus nur zustimmen: Man ist weitgehend sich selbst überlassen und erlebt Langeweile und Trostlosigkeit, die einen dazu treiben, sich selbst aufzuraffen und es auf eigene Faust zu schaffen. Das war jedenfalls ihr Eindruck und meiner, nach einigen Besuchen bei meinem Bekannten damals, auch.Es gibt sicher Menschen, die so einen Aufenthalt viel positiver erlebt haben.Mein Bekannter wurde mMn viel stärker durch die vielen Besuche aufgebaut als durch die Therapien. In seinem Fall war fast den ganzen Tag ein guter Bekannter, Freund oder Verwandter anwesend (weil alle natürlich schockiert von der Nachricht über seine Selbstmordabsichten waren).

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Kommentar von Summerween
01.11.2015, 01:14

Das ist eher in der Erwachsenenpsychiatrie so, da greifen die auch ganz gerne mal auf Sedativa zurück. Die Kinder und Jugend Psychiatrie ist sehr viel angenehmer.

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Ich kann dir nur sagen, wie ich das kenne. Womöglich gibt es da von Psychiatrie zu Psychiatrie Unterschiede. Nach einem Suizid Versuch kommst du erstmal ins Intensivzimmer und dir wird das Handy und einiges mehr abgenommen. Das ist ein Raum mit nem riesigen Fenster, durch den du quasi dauerüberwacht wirst (die starren dich nicht an, oder so, aber die haben dich halt immer im Blick.) Darin sind keine bh's, schnürsenkel, haargummis, Gürtel, etc. erlaubt und du isst auch da drin. (Darfst ja nicht in die Küche oder auf den Rest der Station) Duschen und auf die Toilette gehen darfst du nicht alleine. Da muss immer jemand dabei sein und die Tür bleibt unverschlossen. Wenn der Psychiater meint, dass du soweit stabil bist, darfst du ein normales Zimmer beziehen, aber vorerst hast du trotzdem erstmal Vollkontakt (genau wie zuvor ist immer jemand bei dir) oder einen Meldebogen (alle 5, 10 oder meinetwegen 30 Minuten musst du dir eine Unterschrift abholen). Sachen wie Duschgel, Nagellack Entferner und ähnliches werden weggeschlossen und z.b. vor dem duschen kannst du dir die Sachen geben lassen. In der weiteren Zeit in der du da bist hast du "Schule" (wenn man das überhaupt so nennen darf), Einzeltherapie und verschiedenste Terapien wie Kunsttherapie, Gruppe, etc. und es werden einige Dienste unter den Patienten aufgeteilt (wie fegen, Tisch decken, ...). Es gibt auch immer mal wieder Zimmerruhe für eine Stunde. Wenn du gerade keine Therapie hast kannst du dich im Aufenthaltsraum aufhalten, Fernsehen, in den Garten oder aufs Zimmer gehen. Außerdem kannst du irgendwann sogar Ausgang bekommen und teilweise am Wochenende nach Hause. Wie lange man da bleiben muss hängt vom Beschluss und dem Psychiater ab. Nach der stationären Behandlung geht dann die ambulante Therapie los (ganz normale Psychotherapie) und alles weitere hängt von der Person selbst ab.

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Kommentar von Youareme
01.11.2015, 08:53

Genau so in etwa kann man sich das vorstellen, da ich selbst 7 Wochen in der Psychiatrie war, sehe ich in deiner Antwort ca. meinen Aufenthalt, das einzige was ich meinerseits traurig erlebt habe, ist das ich schlussendlich ohne ambulante Versorgung entlassen wurde, was eigentlich nicht sehr stilvoll ist. Das Intensivzimmer wie du es nennst, kenn ich aber als Isolationszimmer, in dem man von all seinen Sachen entmündigt wird, doch es kam ca. nur alle 30 Minuten jemand um zu schauen. Das verrückte daran ist, häufig bekommt man durch diese Isolation Wahnvorstellungen und kann dadurch sonst was machen, wobei ich häufig in die Wand gelaufen bin und mal eingebildet habe, dass mir jemand weh tun wollte, wodurch ich mich unabsichtlich gebissen hatte. Die sogenannte Klingel, falls man etwas braucht wurde bei Missbrauch einfach ausgeschaltet.

:-)- tja dann schön gesund bleiben und keinen Suizidversuch wagen, ist es in der Psychiatrie nicht gerade besser.

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Da kann man jetzt einen Roman schreiben.. kurz gesagt, eine Minderjährige wird von a) Eltern oder Freunden etc. gefunden. Die sind fit genug, die Situation zu erkennen und bringen sie zum Arzt. Akute körperliche Komplikationen (Überwachungspflichtig?) sind versorgt, dann Überweisung in geschlossene Psychatrie. Variante b) Polizei/Rettungsdienst weisen direkt in Klinik ein. In der Regel ergeht hier ein vorläufiger Beschluss wg. Selbstgefährdung. Überwachungspflicht? Sonst KJP.

In der Psychiatrie wird ein Arzt binnen 24 Std. feststellen müssen, ob die Selbst-/Fremdgefährdung weiterhin besteht. Ist dies der Fall, müssen die Sorgeberechtigten beim Familiengericht einen Beschluß beantragen. Dann kann der Jgdl. gegen seinen Willen auf Station behandelt werden, zunächst für max. 6 Wochen befristet. Dann ist der Beschluß ggf. zu verlängern. In der Regel ist in dieser Zeit aber eine Kooperation zwischen Patient und Klinik entstanden, so dass eine freiwillige Behandlung unter deutlich leichteren Bedingungen möglich ist. Wie es dann weiter geht, wissen die Götter..

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Eine gut erklärende Doku. ;)

DoKu ★ Wenn das eigene Kind nicht mehr leben wil…:

M

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