Selbstmord / Gesetzliche Verpflichtung

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12 Antworten

Die Frage ist, ob ein Selbstmord als Unglücksfall, gemeine Gefahr oder Not zählt. Das sind die Voraussetzungen für das Vorliegen einer Unterlassenen Hilfeleistung gemäß § 323c StGB, die Situationen, aus denen sich eine Handlungspflicht ergibt.

Die Abgrenzung ist äußerst schwierig und auch Gerichte sind sich da uneins. Wenn es sich um einen völlig freiverantwortlichen Suizidversuch eines gesunden Menschen handelt, wird man kaum von einem Unglücksfall sprechen können. Ist dem nicht so kann man ihn bejaen. Doch wie will man das als potentieller Helfer beurteilen? Von der moralischen Verpflichtung zur Hilfe mal abgesehen sollte man also tätig werden.

Der Verpflichtung zur Hilfeleistung genügt man aber schon dadurch, dass man Hilfe herbeiholt. In deinem Fall wäre eine andere Hilfe auch garnicht möglich gewesen, zumal es sich nicht mehr um eine bloße Ankündig handelte, sondern sie sich angeblich schon verletzt hatte.

Gortun 04.10.2010, 11:52

Okay... es scheint also wieder so eine grauzone zwischen mehreren Möglichkeiten zu sein, was das gesetzliche angeht. Aber fest steht, dass man moralisch hätte helfen sollen

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Stan82 04.10.2010, 12:50
@Gortun

Grauzone? Nicht wirklich. Die bloße Ankündigung eines Selbstmords stellt keinen Unglücksfall dar und gebietet daher regelmäßig auch keinerlei Handlungen zu dessen Abwendung.

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Unbedingt alle Möglichkeiten des Verhinderns in Anspruch nehmen. Leider ist es so das man die Person nicht rund um die Uhr vor sich selber schützen kann.

Also ich finde es ist für mich persönlich schon moralisch Verplichtent das irgendwie zu verhindern,und wenns durch die Polizei ist.

Gortun 04.10.2010, 11:21

Es geht darum, ob man noch zusätzlich zum rufen der Polizei die person versuchen MUSS davon abzubringen, bis die Polizei eintrifft

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Du musst, zumindest solange der Lebensmüde seinen Willen noch nicht verwirklicht, streng rechtlich gesehen garnichts tun. Erst wenn der Selbstmordversuch gelaufen ist, kann ein Handeln geboten sein (§ 323c StGB bzw. bei vorliegen einer sog. Garantenstellung ein einschlägigeres Delikt durch Unterlassen).

Nein, es besteht keine Verpflichtung. Unterlassene Hilfeleistung ist hier nicht einschlägig, weil es eine Hilflosigkeit des Tatopfers voraussetzt. Dies ist hier nicht gegeben. Es ist ja der eigene Wunsch und Wille des Selbstmörders, aus dem Leben zu scheiden. Es gibt keine gesetzliche Grundlage, aus der sich eine Verpflichtung zum Einschreiten ergeben würde.

Dekol 04.10.2010, 11:25

im Gesetz steht nichts von Hilflosigkeit des Tatopfers - zudem, wenn es doch so wäre, kann man aufgrund der psychischen Situation sehr wohl von einer Hilflosigkeit sprechen.

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Aronphoenix 04.10.2010, 11:45
@Dekol

Wiso? Nicht jder der in seinem Leben keinen Sinn mehr sieht oder sich umbringen will ist pychisch krank.

Was ist denn mit jemandem der auf grund einer Krankheit in wenigen Monaten langsam uns schmerzhaft sterben wird? Wenn der sich gut überlegt seinem Leben scnell ein ende zu setzen, ist das nichts was jetzt dazu führt das man es verhindern muss.

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Stan82 04.10.2010, 12:58

Unterlassene Hilfeleistung kann sehr wohl einschlägig sein, denn ein Unglücksfall liegt erst ab dem Zeitpunkt vor, ab dem der Suizident seinen Willen verwirklicht. Sobald dieser die Kontrolle über das Geschehen verliert (etwa ohnmächtig wird) dürfte eine Hilflosigkeit auch unproblematisch vorliegen.

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skyfly71 04.10.2010, 13:43
@Stan82

Ja, DA geb ich Dir sogar Recht. Dann wäre die Suizidhandlung aber schon vollzogen.

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Stan82 04.10.2010, 16:22
@skyfly71

Ich wollte nur ergänzend klarstellen, mehr nicht ;)

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im Gesetz steht dazu meines wissens nur, dass man nach den eigenen Fähigkeiten das Möglichste tun muss. Die Frage kann man also nicht allgemein beantworten, es kommt immer auf den Einzelfall an. Im Normalfall dürfte das Verständigen der Polizei aber durchaus reichen.

eine Rechtliche Pflicht jemandem zu Helfen, der sich selbst umbringen möchte, gibt es meines wissens nicht.

Wenn derjenige nicht mit ner waffe rumfuchtelt und mich gefährden könnte könnte ich mir vorstellen auf den einzusprechen und ihm mit seinen problemen zu helfen. Ist aber nur eine Sache des Gewissens.

Also genau genommen muss man gar nichts machen.

Die Person handelt ja nach freiem Willen. Erst wenn sie z.B. bewusstlos wird, muss man handeln. Sie könnte ja ihre Meinung geändert haben.

Um Rechtlich wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man den Rettungsdienst informieren. Mehr muss man nicht machen.

Unabhänig davon sollte man natürlich alles machen das einem möglich ist um das ganze zu verhindern.

Das ist mal wieder eine schwierige Frage. Ich glaube nicht, dass man dazu gesetzlich verpflichtet ist. Wenn Du außerdem "nur" am Telefon bist, kann der andere ja jederzeit auflegen.. Andererseits denke ich schon, dass man moralisch auf jeden Fall dazu verpflichtet ist. Ich persönlich würde auch zusehen, dass ich so schnell wie möglich zu dem Selbstmörder hinkomme, um ihn auf jeden Fall davon abzuhalten. Die meisten Leute wollen sich nämlich gar nicht wirklich umbringen, sondern sind nur im Moment total verzweifelt und brauchen dringend jemanden zum Reden.

Wer sich wirklich umbringen will, tut es einfach und ruft nicht noch irgendwo an.

Gortun 04.10.2010, 11:25

Es ging darum, dass der freund eines mädchens sich über ne woche nicht gemeldet hat und sie ihn merfach angerufen hat und er nicht ranging. dann hat sie die sms geschrieben, damit er sie anruft. hat er aber nicht. statdessen hat er die polizei gerufen und sich trotzdem nicht bei ihr gemeldet. Ich bin der Meinung, dass er sie hätte anrufen sollen und sogar müssen, auch zusätzlich zur polizei

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Reiswaffel87 04.10.2010, 11:31
@Gortun

Du verschweigst hier was wichtiges, Gortun! Sie schrieb dass sie sich umbrigen wird bzw. dass sie schon blutet. Unabhängig von der Frage, ob er überhaupt zur Hilfeleistung verpflichtet gewesen wäre: Über das Telefon kann man keine andere Hilfe leisten als professionelle herbeizuholen. Der Notruf war also völlig korrekt und sie muss als Verursacherin zahlen.

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Wapiti64 04.10.2010, 11:32
@Gortun

Ja, ich auch. Wie gesagt, ich wäre auch hingefahren. Aber eine gesetzliche Verpflichtung gibt es nicht...

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Gortun 04.10.2010, 11:34
@Reiswaffel87

So nochmal: Ich sage nicht, dass es nicht richtig war die Polizei zu rufen. Er hat es richtig gemacht. Aber noch ZUSÄTZLICH sie anzurufen und mit ihr reden(da muss man kein profi sein um zu reden, ich hab auch schon mal jemanden vom selbstmord abgebracht, weil ich 20 minuten mit der person inruhe geredet hab)darum ging es

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Reiswaffel87 04.10.2010, 11:47
@Gortun

Der Versuch war schon gelaufen und sie hatte sich, zumindest nach eigenen Angaben, bereits verletzt. Ich selbst hätte wohl sicherlich angerufen, aber eine gesetzliche Verpflichtung kann ich beim besten Willen nicht finden.

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Aronphoenix 04.10.2010, 11:48
@Gortun

Du hast das villt gemacht, aber es wäre nicht diene Pflicht.

Außerdem weist du nicht wo und in welcher Sitation der Freund war.

Nicht jeder mutet sich ein solches Gespräch zu. Und das sollte man eben doch nur machen, wenn man weis was man tut. Ein falscher Satz reicht ja schon.

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Zitrone18 04.10.2010, 17:58

Sie wollte sich nicht umbringen. Und er kennt sie so gut das er wusste das sie nur wollte das er sie anruft. Sie hat sich auch garnix angetan. Sie war einfach nur phyisch fertig.

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unabhängig vom gesetz sollte man sich fragen, was die pflicht eines jeden menschen ist, das leben zu schützen und zu helfen

Suizidandrohung = Eigengefährdung.

D.h. - man sollte die Pol einschalten.

bei Eigen/ Fremdgefährdung handeln die dann auch.

Alles , was Du beschreibst muss man dann tun !!!!

Nur mit dem Polizei/Feuerwehr etc... rufen etwas vorsichtig sein, weil da die Kosten u.U. anfallen können.......

wenn der Einsatz grundlos war ..o.ä...

Reiswaffel87 04.10.2010, 11:21

Wenn jemand seinen Suizid ankündigt ist es völlig richtig die Rettungskräfte zu verständigen. Das das dann garnicht der Fall zahlt derjenige, der fälschlicherweise seinen Selbstmord angekündigt hat.

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OnkelBerni 04.10.2010, 11:39
@Reiswaffel87

An Reiswaffel: Da stimme ich auch voll zu ! Ich meinte ja nur, etwas vorsichtig sein...

Manchmal kann man dem Anderen das Leben mit solchen hohen Einsatzkosten noch schwieriger machen , als es sowieso schon ist....

Abwägung....

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Reiswaffel87 04.10.2010, 11:55
@OnkelBerni

Ja schon richtig. Ich denke, dass ist aber eine grundsätzliche Überlegung. Entweder, ich will dass der Person nichts passiert bzw. sie gerettet wird, dann muss sie eben dafür auch was zahlen, oder aber ich lasse ihr ihren Willen. Ich habe wegen einer Internetbekanntschaft auch schon mal durch die Feuerwehr eine Tür am anderen Ende Detuschlands aufbrechen lassen. Die Dame hat ihren bösen Schwerz finanziell bereut...

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Ody85 04.10.2010, 11:26

man "muss" es tun? gibt es da gesetzliche vorschriften, das man jemandem helfen muss, der sich selbst entschlossen hat sich sein leben zu nehmen?

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OnkelBerni 04.10.2010, 11:35
@Ody85

Ja, man MUSS es tun. Ansonsten Gesetz der "Unterlassenen Hilfeleistung "

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Stan82 04.10.2010, 12:21
@OnkelBerni

Wohl kaum. § 323c StGB greift erst, wenn ein Unglücksfall (wenn ein Selbstmord denn als solchen verstehen möchte) vorliegt und nicht etwa schon, wenn er nur angedroht wird.

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OnkelBerni 04.10.2010, 12:40
@Stan82

Wie bitte ? Wenn der Unglücksfall=Selbstmord hier schon vorliegt....

Also warten , bis das Unglück eingetreten ist ???

Aber genau das gilt es doch zu verhindern !!!!

So wie Sie das schreiben, geht es nicht !!!

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Stan82 04.10.2010, 12:44
@OnkelBerni

So wie ich schreibe, ist es aber. Eine andere Interpretation des Gesetzestextes scheidet aufgrund des Bestimmtheitgebots (Art. 103 II GG) aus.

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OnkelBerni 04.10.2010, 13:07
@Stan82

Hmmm........ Mal eine andere Frage dazu:

Ist es nicht eigentlich anzunehmen, daß das Unglücksgeschehen, also der tatsächliche Vorgang des Unglücks, schon mit der Androhung des Selbstmords beginnt ?! - Von mir aus: DEUTLICHE Androhung.....

Dann liegt der Unglücksfall doch schon vor, und man muss helfen.

Auslegung ....

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Stan82 04.10.2010, 13:35
@OnkelBerni

Ein Unglücksfall liegt nach allgemeiner Ansicht erst dann vor, wenn das entsprechende Ereignis eingetreten ist. Man spricht ja auch nicht von einem Unfall, bloß weil ein Geisterfahrer eine Straße hochrast und einen Unfall (egal wie deutlich) zu verursachen droht. Insofern bewegt sich deine angebotene Auslegung jenseits des Wortlauts und ist - wie schon geschrieben - aufgrund des Bestimmtheitsgebots als unzulässig anzusehen.

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