Seit wann sprechen Menschen in Deutschland astreines Hochdeutsch. Könnte man die Sprache Deutsch, vor z.B. 500 Jahren heute verstehen?

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9 Antworten

Zunächst mal: auch vor 500 Jahren gab es verschiedene Varianten der Sprache "Deutsch". Das "Hochdeutsch" (womit wir heute meist die Standardsprache meinen, und nicht die davon verschiedenen hochdeutschen Dialekte) entstand unter anderem als Folge der Bibelübersetzung Luthers (also im 16.Jahrhundert).

Dies war eine Art der "sächsischen Kanzleisprache" (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Sächsisch). Sie unterschied sich vom Niederdeutsch der nördlicheren Gebiete (vielleicht daher die Bezeichnung "Hoch"deutsch?!), und breitete sich nach und nach aus. Vor allem, da die Bibel gemeinsames Kulturgut war. Ältere Bibeln waren in Latein.

So wurde zuvor auch im Raum Hannover/Hameln eine Form des Niederdeutschen gesprochen (sieht man an alten Inschriften). Diese ging jedoch zurück, und ist heute vom Hochdeutschen fast ganz verdrängt worden in diesem Raum.

In vielen Gegenden Deutschlands existiert das Hochdeutsche neben den Dialekten. 

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"Hochdeutsch" verdanken wir Luthers Bibelübersetzung. Er verband 1530 norddeutsche (niederdeutsche) Sprachformen mit süddeutschen und orientierte sich am Prager Deutsch, das immer ein praktisch dialektfreies Deutsch war.

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Ich saz ûf einem steine,
dô dahte ich bein mit beine,
dar ûf sazte ich mîn ellenbogen,
ich hete in mîne hant gesmogen
5 daz kinne und ein mîn wange,
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer welte solte leben,
deheinen rât kunde ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,
10 der deheines niht verdurbe:
diu zwei sint êre und varnde guot,
der ietweders dem andern schaden tuot,
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde.
15 die wolde ich gerne in einen schrîn.
jâ, leider desn mac niht gesîn,
daz guot und weltlich êre
und gotes hulde mêre
in einen schrîn mügen komen.

das ist die Sprache unserer Ahnen, ihre Gedichte. Baiern, in sehr ländlichen Gebieten wie Dachau, Schwabhausen, Indersdorf, könnten das noch verstehen. 'Normale' Stadtdeutsche nicht, die brauchen nen Dolmetscher für, so wie mich zb, ich hab ja Mittelhochdeutsch gelernt, im Gymnasium.

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Kommentar von Konzulweyer
03.09.2016, 20:18

Klasse, ich als Unterfranke hab alles verstanden.

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Kommentar von OlliBjoern
03.09.2016, 23:24

Ja, danke.

Ein paar Beobachtungen konnte ich dazu machen: man sieht, dass die (hochdeutschen) Diphthonge noch nicht in der heutigen Form vorhanden waren, z.B.

ûf > auf; mîn > mein; driu > drei

Die alten Formen ähneln einigen nordgermanischen Formen eher als die heutigen Formen dies tun, z.B.

upp (schwed. "auf"); min (schwed. "mein"); þrjú (isländ. "drei")

Isländisch verwendet auch heute noch ein Verb, das dem alten "mügen" (mögen) entspricht. Der Satz "ihr dürft dort zelten" würde eher dem Satz entsprechen "ihr möget dort zelten".

þarna við ána megið þið tjalda 
(dort beim Fluss möget ihr zelten)

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Vor 500 Jahren war das heutige Deutsch ganz anders. damals hätte dich keiner verstanden, wenn du sie mit deinem heutigen Sprachgebaruch ansprechen würdest. Es sprechen auch nicht alle astreines Hochdeutsch heutzutage, das musst du bedenken. Man kann hier von einem Sprachwandel sprechen, da die deutsche Sprache sich in der Grammatik und vielen weiteren Sachen verändert hat. Grund dafür sind zu einem die Medien(nachrichten etc.), das Smartphone(Abkürzungen auf Whatsapp wie "eig" für "eigentlich"), aber auch der Einfluss vom englischen. Heutzutage weiß man sogar gar nicht mehr, dass manche Wörter aus dem englischen kommen, wie zum Beispiel das Wort "Schal", dieses Wort kommt von "shawl" aus dem englischen.

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Kommentar von Konzulweyer
03.09.2016, 20:15

Ja aber ab wann könnte man einen Menschen aus der Vergangenheit heute verstehen. Ich schätze mal so 17. Jahrhundert.

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Vor 500 Jahren wurde Mittelhochdeutsch gesprochen, so wie es Walter von der Vogelweide tat. Ob Du es verstehst, weiß ich nicht- Hier hast Du mal ein Beispiel dafür:

http://www.joachimschmid.ch/docs/DRdMinnesan.pdf

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Etwas "Allgemeines" gibt es im "deutschen" Sprachraum erst durch die Bibelübersetzng Luthers, die später zun "Erstbuch" in vielen Haushalten wurde...   

Friesen und Schwaben haben dennoch Probleme damit.....

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Astreines Hochdeutsch? Außer in Hannover und Umgebung wird du das nicht wirklich häufig finden.

Besuch mal Niederbayern - nur als Beispiel. :D

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Kommentar von PunkExpert13
03.09.2016, 19:59

Komisch...2 Antworten und beiden fällt als abschreckendes Beispiel Niederbayern ein :)

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Zunächst einmal kann von Astrein keine Rede sein, das sieht man schon, wenn man sich die Rechtschreibung und Grammatik hier sieht.

Das Neuhochdeutsch gibt es etwa ab 1650.

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Kommentar von Gaskutscher
03.09.2016, 20:04

Ich stelle mir gerade vor wie in ca. 100 Jahren die digitalen Hinterlassenschaften der aktuellen Generation in Vorlesungen behandelt werden.

»Hier haben wir den typischen Jugendlichen mit noch nicht abgeschlossener Schulausbildung 2016. Er verständigt sich primär nonverbal über elektronische Geräte, über welche er kleine Bilder mit Gesichtern oder auch Aufnahmen von seinem Penis verschickt.

Darüber hinaus war es in dieser Zeit üblich zahlreich die Wörter "Alter", "dein Ernst" sowie "F**k dich" in grammatikalisch nicht gerechtfertigter Weise beim Satzbau zu verwenden - sofern der Akku vom elektronischen Gerät nicht geladen war und er zu verbaler Kommunikation gezwungen wurde.«

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Mi verstehd a so koaner -.- Haha sorry das musste jetzt sein

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Kommentar von Konzulweyer
03.09.2016, 22:32

Ich verstehs, Servus.

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