Seid ihr vom Spielzeug, das ihr in Eurer Jugend bekommen hattet, in Eurer Rolle als Junge oder Mädchen geprägt worden?

34 Antworten

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Ich bin ein Junge und habe früher auch mit Puppen gespielt. Ist doch egal.

Ich kann mich nicht an jedes Spielzeug erinnern das ich jemald geschenkt bekam....

Aber an ein paar "prägende" Eckpfeiler kann ich mich erinnern. Was heißt prägend, es sind einfach Sachen an die ich mich erinnere.

Kindergartenalter: Da war der kleine Kaufmannsladen aus Holz. das Regal an der Hinterwand hatte viele Fächer und auch einige Schubladen. Zu Beginn gab es dort auch kleine Pappschächtelchen mit Puffreiskügelchen drinnen, und Minigummibärchentütchen, etc... Und eine Spielzeugwaage mit Minigewichten und ein Einkaufskorb.... Eben das was Kinderherzen höher schlagen lässt.

Grundschulalter: Da war der "Schalter der Post" (war aus Pappe, in den typischen Postfarben mit den typischen Symbolen, man konnte das Ding aufklappen und am Kasten so befestigen das sich eine Art "Schalter" herausbildete. Dazu gab es ein Schwämmchen, Spielzeugbriefmarken die echt klebten, Minibriefumschläge, Karten etc pp..).

Einmal bekam ich von irgendwem (ich glaub von einem Paar mit denen meine Eltern eng befreundet waren) ein Puppenpäärchen. Zwei Babypuppen, Körperlänge etwa so lang wie die Handinnenfläche eines Erwachsenen. Okay, ich spielte eh nicht mit Puppen, fand sie dennoch niedlich. Also flogen sie nicht auf den Müll sondern wurden über die Jahre hinweg immer nur in irgendwelchem Spielzeugchaos aufbewahrt. Eine Puppe davon habe ich noch, sie gehört nun zum Kinderzimmerinventar meines Nachwuchses.

Grundschulalter: Da war die Porzellanpuppe "mit echten Haaren" (mit weichem Körper, nur der Kopf, die Füße und die Hände waren zerbrechlich) die ich unendlich hasste. Es war mir einfach zu gruselig, dieses kleine Mädchengesicht mit den roten Lippen und Glasaugen. Ein Buch wär mir damals lieber gewesen. Oder etwas Süßes, oder ein kuscheliges Stofftier. Diese Puppe existiert glaub ich noch immer.... einer der Füße ist mittlerweile zerbrochen. Meistens lag sie in einer Pappkiste auf dem Dachboden (edit) oder ganz hinten im Schrank, hinter vielen anderen Spielsachen. Sie durfte nicht in den Raum schauen.

Grundschulalter: Die Barbiepuppe (mit Gelenkbeinen) die ich als Geburtstagsgeschenk während des Grundschulalters mal von einem Gastkind bekam. Wie man ja weiß, Gastgeschenke wachsen in der Regel auf dem Mist der Eltern des Gastkindes. Nun ja, ich wusste nichts damit anzufangen. Barbies fand ich definitiv blöd. Ich spielte lieber mit Spielzeugautos, Playmobil, Lego und Stofftieren.

Ich weiß jedenfalls das ich bereits im Kindergartenalter eher in der Bauecke war, oder im Sandkasten. Ansonsten spielte ich auch gern auf einem "Lastwagen" der aus Beton gegossen war, recht grob dargestellt, aber man konnte gut drauf sitzen und so tun als ob.

Wurden wir Mädchen im Kindergartenalter und Grundschulalter gefragt "Was willst du mal werden wenn du groß bist", kam von mir: "Wenn ich groß bin heirate ich Colt Seavers (ich war fasziniert von der damaligen Serie "ein Colt für alle Fälle"), oder ich werd Feuerwehrfrau oder Polizistin. Oder ich werde LKW-Fahrer!"

Geprägt hat mich keines der Spielzeuge. Weder in eine männliche noch in eine weibliche Richtung (um es mal so schwammig auszudrücken).

Einzig geprägt (im Denken und in der Wahrnehmung) haben mich Bücher.

Meinem Nachwuchs wollte ich dieses "Hach, es ist ein....- deshalb bekommt es nur die und die Kleidungsstücke und Spielsachen"-Denken ersparen.

Während der Babyzeit und Krabbelzeit gab es daher eher unisex-Kleidung. Dann sparte ich mir die Handwäsche einzelner empfindlicher Sachen.

Wir haben bei der Wahl des Spielzeuges freie Hand gelassen sobald es in Richtung Kindergartenalter ging. Matchboxautos, Filly, Babypuppenzubehör, Barbie, Lego? Kein Problem. Was auch immer.... Die Interessen bilden sich selbst aus. Es geschieht schon genug Prägung durch außen (Freundeskreis eines Kindes, Werbung im TV und in der Kinderzeitschrift, ältere Verwandtschaft...) da will ich nicht auch noch in Interessensrichtungen drücken.

Umgekehrt: viele Eltern denken sich nichts dabei geschlechterspezifisches Spielzeug zu verschenken. Denn sonst würde es das Zeug nicht in rauen Mengen geben.

Es gibt auch natürlich eine Prägung deswegen, die jedoch sehr subtil abläuft.

Es ist auch schon die Benennung dessen, was Jungs- und Mädchenspielzeug, was prägend ist.

Wieso ist Spielwerkzeug automatisch für Jungs? Oder Lego Technik?

Denn im Umkehrschwung bedeutet das, dass dieses Spielzeug nicht für Mädchen ist.

Das ist etwas, was Kinder durchaus wahr nehmen. Mädchen bekommen den Eindruck: das ist nichts für mich.

Das ist fatal. So kann man Mädchen von klein auf das Geschlechterklischee einer Frau vermitteln. Frauen interessieren sich ja nicht fürs Handwerk oder Technik.

Dass es sich im Grunde nur um eine selbsterfüllende Prophezeiung handelt, sehen die Wenigsten.

Natürlich spielen auch andere Faktoren rein. Zum Beispiel was die Eltern vorleben.

Aber wenn Eltern es ihren Töchtern für nicht zumutbar halten einen Hammer zu halten oder ihre Söhne von Kochlöffel fern halten... wie sollen denn die Kinder lernen, dass das Geschlecht nicht die Fähigkeiten bestimmt?

Mich hat einmal zutiefst schockiert, wie ein Mädchen gesagt hat, dass der Besuch eines naturwissenschaftliches Museum nur was für Jungs sei. Solche Ansichten kommen nicht von ungefähr.

Von geschlechtsspezifischen Spielzeug profitieren nur die Hersteller. Da der Bruder nicht mehr mit den Sachen der Schwester spielen kann, muss neu gekauft werden.

Über diesen Rosa-Wahn kann ich nur den Kopf schütteln. Vor 100 Jahren ungefähr war es noch die Farbe für Jungs.

https://goo.gl/images/m5gWnt

BBC hat übrigens in einer Grundschule ein Experiment zu einem geschlechtslosen Unterrichts gemacht. Das Ergebnis war, dass die Mädchen besseres räumliches Denken entwickelten und die Jungs einen größeren Wortschatz für ihre Gefühle.

Es wird auch immer schlimmer. Zu meiner Zeit gab es beispielsweise noch keine Ü-Eier für Mädchen. Ich habe mich trotzdem gefreut. Ich habe mich auch gefreut, wenn ich ein Auto als Überraschung bekam, welches ich zusammensetzen könnte und rollen lassen konnte.

Ach ja diese Ü Eier getrennt nach Geschlechtern. So bescheuert. inzwischen gibt es dieses Mädchen Jungen ding bei so vielen Sachen.

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@Caila

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