Seid ihr für die aktive Sterbehilfe oder dagegen?

Das Ergebnis basiert auf 7 Abstimmungen

Dafür 85%
andere Meinung 14%
ist mir egal 0%
Dagegen 0%

8 Antworten

Dafür

Ich bin prizipiell für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Mit zunehmendem Fortschritt der Medizin sind deren Fortschritte nur zu begrüßen, wenn sie kein Dahinsiechen verlängern. Da es angesichts unserer Medizin eh kaum noch einen natürlichen Tod gibt (ich selbst habe 4 Bypässe, ohne die ich wahrscheinlich schon unter der Erde wäre) und im Prinzip der Mensch erheblich über sein Ende mitbestimmt, sollte der Betroffene auch sagen können, wann Schluss ist mit Lebensverlängerung oder genauer mit Verlängerung und großem Fragezeichen, was davon noch Leben ist. Das Argument des Missbrauchs ist da schon längst entkräftet. Denn wer vorschnell ans Erbe kommen will, kann in den Schritten der eh schon stattfindenden Lebensverlängerung Ärzte bestechen oder den Betroffenen drangsalieren, die Medikamente oder den Schrittmacher auszusetzen.

Die zur Schau getragene Fürsorge halte ich für vorgeschoben von Leuten, die ihre diktatorische Ader, über andere verfügen zu können, nur verstecken wollen. Dazu kommt die Lüge, dass all die Segnungen der Medizin in den meisten Krankenhäusern und Seniorenheimen mangels Geldmitteln gar keine Anwendung finden - zu wenig und zu schlecht ausgebildetes Personal. Da geht es offen gesagt nur darum, über lange ausgedehntes Gebührenkassieren anderer Leute Erbe aufzuzehren oder die Sozialkassen zu plündern. Wer das für sich will, soll es zulassen. Ich habe schon gute und schlechte Seniorenheime gesehen. Es gibt auch gute, in denen sich das Personal trotz schlechter Bezahlung viel Mühe gibt.

Trotzdem möchte ich da nicht vor mich hinsiechen, nur noch von Tabletten und Schrittmachern am Atmen gehalten, nicht am Leben, denn eine aktive Teilnahme am Leben findet meist nicht mehr statt. Ich habe über ein Jahr mit einem Bekannten im Seniorenheit zwei mal die Woche Karten gespielt. Wir mussten das Radio laut drehen, weil sonst die ununterbrochenen Schreie der Nachbarin nicht auszuhalten waren. Es muss jeder selbst entscheiden, ob er das will und das wird in naher Zukunft immer drängender, weil um die Kosten dieser Verwahrung zu decken, Arbeitnehmer als Teilsklaven in Haft genommen werden. Welche "Wohltaten" der Poltik die inzwischen alle finanzieren sollen, ist eine zunehmende Überforderung. Am Ende steht für die die Aussicht, am Ende für sich selbst gar nichts mehr zu haben. Vielleicht die Goldene Kugel mit 70! 


andere Meinung

Aktive Sterbehilfe ist etwas für Feiglinge. Wenn ich nicht mehr leben will, sollte ich den Charakter haben, mein Leben selber zu beenden und nicht Anderen die Last aufbürden.

Was ich verlange ist, dass der § 217 StGB wieder abgeschafft wird, die Ärzte­kammern ihr Verbot der Sterbehilfe aus ihrem Standesrecht streichen und das Medikament Natriumpento­barbital für die Sterbehilfe im Betäubungs­mittelgesetz zugelassen wird. Dann sollten Sorgfaltskriterien wie in Oregon eingeführt werden, damit jede Sterbehilfe dokumentiert wird und Missbrauch ausgeschlossen werden kann.

Dann sollten Sterbehilfeberatungen auch durch Vereine wieder zugelassen werden, damit wie bei Schwangerschafts­konfliktberatungen, ergebnisoffene Gespräche auch über das eigene Sterben geführt werden können. Das wirkt nachweislich suizidpräventiv und bietet die Möglichkeit akzeptable Alternativen aufzuzeigen, die sonst oft gar nicht bekannt werden. Dazu zählt insbesondere die Palliativmedizin.

Für besonders Couragierte empfehle ich den altehrwürdigen, freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (www.fvnf.de), den schon die Stoiker für besonders bewunderungswürdig hielten. Er ist vollständig und nachhaltig selbstbestimmt, auch ohne Hilfsmittel durchzuführen, erlaubt mir mich in Würde zu verabschieden, ist gewaltfrei und schädigt keine Dritten, und kann in den ersten Tagen ohne Gefahr für die Gesundheit wieder zurückgenommen werden.

Leider haben die Kirchen den Freitod über Jahrhunderte verunglimpft, von einer Bestattung auf ihren Friedhöfen ausgeschlossen, den Besitz der Suizidenten konfiszieren lassen, dafür gesorgt, dass der Leichnam geschändet und das Thema in der Öffentlichkeit tabuisiert wurde. Letzteres wirkt heute noch nach.

Sein wir doch mal ehrlich. Es ist für keinen Arzt dieser Welt eine Last einen Menschen von seinen Leiden zu erlösen, auch aktiv. Die betroffenen Ärzte sehen vermutlich täglich Leute auf Intensivstationen oder sonst wo sterben und natürlich werden sie von dem einen oder anderen Tod auch emotional mitgenommen. Aber einem Menschen aktiv dabei zu helfen, der dies ausdrücklich will, ist absolut nichts verstörendes. Ganz im Gegenteil, das ist vermutlich die schönste Art jemanden gehen zu lassen.

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@Diimiitrii

Du willst doch wohl nicht sagen, dass ich nicht ehrlich bin?

Tötung auf Verlangen als "schönste Art" zu sterben zu beschreiben, kommt mir sehr makaber vor.

Was spricht denn dagegen, dass ich es selber tue? Meine Feigheit? Wenn ein Arzt mich berät und mir auf mein nachhaltiges und nachvollziehbares Verlangen ein geeignetes Mittel zur Verfügung stellt, warum sollte ich das nicht selbstbestimmt zu mir nehmen?

Solange ich meinen Willen noch klar äußern kann, werde ich es auch noch zu mir nehmen können. Wenn ich es nicht mehr kann, ist der Zug für mich abgefahren. Dann hilft nur noch eine konkrete Patientenverfügung wie ich sie hier bekommen kann: www.patientenverfuegung.de

Rechtzeitig handeln muss ich aber auf jeden Fall, entweder durch eine Patientenverfügung oder Suizid oder besser noch beides.

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@fspade

Genau darum geht es. Wenn ich nicht mehr geistig oder körperlich in der Lage bin zu entscheiden, dann möchte ich, dass da ein Arzt ist der meinen Willen für mich ausführt. Da reicht es halt nicht, wenn er ein Fläschchen auf den Nachttisch stellt und hofft, dass ich wie durch ein Wunder meine Querschnittslähmung heile oder mein Alzheimer von selbst kuriere. Darum muss ich in der Patientenverfügung verfügen dürfen, dass ich getötet werden möchte, wenn Situation XY eintritt.

Passiv funktioniert nur bei psychisch Überforderten oder bei zB Krebspatienten. Aber es gibt noch so viel mehr Zustände die mein Leben für mich nicht lebenswert machen.

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@fspade

"wenn ich das nicht mehr kann ist der Zug abgefahren" Das ist genau die Ungleichbehandlung die eben nicht in Ordnung ist. Es hilft dann auch keine Patientenverfügung, wenn ich mich nicht mehr selbst töten kann. Das muss dann jemand anderes für mich tun. 

Ich sage ja auch nicht, dass es nur die aktive Sterbehilfe geben soll. Der von dir vorgestellte Ansatz ist mit Sicherheit in den meisten Fällen der praktikablere, aber er deckt eben nicht alle Szenarien ab und muss deswegen noch ergänzt werden.

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Dafür

Ich bin der Meinung, dass niemand von uns sich ausgesucht hat zu leben. Diese Entscheidung haben Leute für uns getroffen ohne uns zu fragen. Ich halte es für absolut falsch gezwungen zu werden gegen den eigenen Willen am Leben zu bleiben.

Ja, es gibt Möglichkeiten einem das Leben schmackhafter zu machen. Ja, es gibt Leute die der Meinung sind, dass das Leben so kostbar ist, dass es verwerflich wäre es vorzeitig zu beenden. Aber das tut absolut nichts zur Sache.

In dem Moment in dem ein Mensch seiner Freiheit beraubt wird, das zu tun was er für richtig hält -solange er niemand anderem schadet- passiert etwas unrechtes in dieser Welt. Sei es nun ein homosexuelles Pärchen, dass daran gehindert wird zu heiraten oder Kinder zu adoptieren, ein Mädchen dass gehindert wird ein ungewolltes Kind abzutreiben oder jemand der sich das Leben nicht nehmen kann, weil er keine Unterstützung erhält. Ich sage nicht, dass ein Psychologe jedem schwierigen Fall nach den ersten 3 Sitzungen direkt zum Selbstmord raten soll, aber ich finde, dass es durchaus zur Ärztlichen Pflicht gehören sollte, einem Patienten zu ermöglichen zu sterben, wenn er es wünscht. Ob das nun Alte/Kranke sind die mit ihrem Leben abgeschlossen haben, weil sie so kraftos sind, dass sie nicht einmal mehr sprechen können und sie lieber in Würde sterben würden. Oder ob das Menschen mit einem Inneren Leiden sind, die keinen Sinn in ihrem Leben sehen oder ihre Anwesenheit als Qual empfinden.

Euthanasie ja bitte.

Dann sollten sie ihrem Leben/Leiden selber ein Ende setzen können, also Sterbehilfe erhalten können und nicht von jemand anders verlangen sie umzubringen (genaus das bedeutet aktive Sterbehilfe).

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@fspade

Das reicht aber nicht! Es gibt gelähmte Menschen, es gibt Menschen die geistig nicht mehr auf der höhe sind, es gibt Menschen die sich das einfach nicht alleine trauen oder im Koma sind. Es muss schriftlich festlegbar sein, unter welchen Umständen ich will, dass mein Leben endet bzw beendet wird. Und wenn der Grund dafür nur Alzheimer ist. Wenn ich heute schriftlich festhalte, dass ich nicht mit Alzheimer leben möchte, dann sollte dieser Wunsch akzeptiert werden, auch wenn ich mich dann eventuell nicht an die Formulierung des Wunsches erinnern kann, vor allem DANN.

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@Diimiitrii

Wenn ich mich nicht traue meine Leben selber zu beenden, ist es nicht fair, von jemand anders zu verlangen mich umzubringen!

Wenn ich gelähmt bin, kann ich aufhören zu essen und zu trinken, wenn ich wirklich sterben will. Das geht auch am Anfang eines Hirnabbauprozesses. Wenn ich zu lange warte, muss dann irgendwann meine Patientenverfügung greifen. Wenn ich darauf nicht warten will, muss ich rechtzeitig abtreten, aber ich sollte es selber tun und nicht die Tat anderen aufbürden!

Wenn ich im Koma bin, kommt meine Patientenverfügung zur Wirkung, die lebensverlängernde Maßnahmen ausschließt.

Wenn ich im Voraus festlegen kann, dass ich Sterbehilfe will, kann ich auch eine Patientenverfügung machen. Wo ist da das Problem?

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@fspade

Aufhören zu essen und zu trinken ist eine ca 20 tägige Folter. Effektiv aber definitiv nicht schön. Das sind 20 Tage mit dem stetigen verlangen nach Essen und Trinken.

Die betreffenden Ärzte haben jeden Tag mit dem Tod zu tun und es sagt doch auch niemand, dass jeder Arzt dazu gezwungen werden muss Sterbehilfe zu leisten. Aber es sollte erlaubt sein.

Das Problem mit Alzheimer hast du noch immer nicht gelöst. Sagst du meinem Alzheimer-ego, dass ich das trinken soll und dadurch sterbe? Viel Spaß mit den ganzen verletzen Krankenpflegern und damit einhergehenden Klagen wegen Körperverletzung.

Oder stellst du das Medikament einfach auf das Frühstückstablett und lässt es mich trinken? Das ist dann faktisch auch kein Unterschied zur aktiven Sterbehilfe.

Oder ist es nicht einfach besser aktive Sterbehilfe im Schlaf zu leisten, wenn das so in der Patientenverfügung steht?

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