"Sei du selbst" - wie?

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4 Antworten

Ich suche nach einem Grund für meine Meinung und finde ihn nicht. Was kann ich tun?

Das ist schon einmal ein sehr guter Ansatz, der zeigt, dass du sehr wohl eine eigen Persönlichkeit bist. Es gibt nämlich viel zu viele, denen es reicht, eine Meinung zu haben und denen eine Begründung dafür obsolet erscheint.

Was du tun kannst? Suche dir zu Problemen und Erscheinungen Informationen, suche die dazugehörigen Zusammenhänge, unterscheide Fakten von bereits vorgenommenen Wertungen, verifiziere Behauptungen und erkenne Verfälschungen, Halbwahrheiten und Lügen usw. Ordne das ganze in den Rahmen deines eigenen Wertesystems ein und schon hast du dir deine eigene Meinung gebildet.

Das ist natürlich mit Aufwand und Mühe verbunden und das bedarf auch langjähriger Übung. Ich kann dir auch versprechen, dass sich so im Laufe deines Lebens viele deiner Meinungen ändern werden oder differenzierter ausfallen, das ist ganz normal.

Wenn du aber die Mühe scheust, dann bleibt dir immer noch, die Meinung anderer zu übernehmen. Das ist bequem und spart Zeit und meistens ist man damit auch noch mehrheitsfähig und Träger der herrschenden Meinung, die bekanntlich die Meinung der Herrschenden ist. Nur ist es dann eben nicht deine Meinung, sondern die von dir übernommene.

Übrigens, die Floskel "Sei du selbst" ist eine hohle Plattitüde, als ob man jemand anderer sein könnte. Es geht weniger darum, wer man ist, sondern darum, wie selbstbestimmt man ist. Und zur Selbstbestimmung gehört auch die Fähigkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch begründen zu können.

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Kommentar von FelixNeumayer
15.09.2016, 17:08

Wenn es Aufwand und Mühe bedeutet, wieso hat dann fast jeder eine Meinung? Bzw können alle zu einem Thema etwas sagen nur ich nicht?

Und das "sei du selbst" nur eine hogle Plattitüde ist, stimmt nicht gant. Das kommt auf den Zusammenhang an. Mir wurde immer gesagt ich soll mich nicht verstellen und ich selbst sein.

Wenn man sich verstellt, ist man nicht man selbst.

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Hi Felix,

es ist tatsächlich sehr simpel:

Es geht um Authentizität.

Und dabei geht´s um authentische Gefühle.

Beispiel: Du bist in einer Gruppe. Du hast, warum auch immer, etwas Angst. Wenn Du aber so tust als würdest Du lachen, naja, dann ist das nicht besonders authentisch. Dann bist Du nicht Du selbst. Jeder merkt, daß das gespielt ist, nicht echt, nicht Du selbst.

Hör also in Dich rein: Was fühlst Du? Und zwar jetzt und jetzt und jetzt. Heißt ja nicht, daß Du jederzeit rumbrüllen musst (Wut) oder heulen (Traurigkeit) oder so. Nimm wahr was Du fühlst, ganz bewusst. Und dann kannst Du ja entscheiden, wie Du Dich verhalten willst - nimm wahr was wirklich in Dir los ist.

Im Beispiel, wenn Du tatsächlich Angst hast, musst Du das ja nicht unbedingt mit gespielter Freude übertünchen. Oder wenn Du wütend bist, musst Du ja nicht so tun als ob alles in Ordnung ist.

Sei Du selbst. Fühle ganz bewusst was Du fühlst. Dann bist Du authentisch.

Und ja, authentisch zu sein ist gefährlich. Das ist der Preis. Vielleicht wirst Du dem einen oder anderen nicht mehr gefallen.

Was Du bekommst ist: Du lebst Dich selbst. Bist keine Marionette mehr. Du lebst endlich und musst Dir und anderen nichts mehr vormachen.

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"Sei du selbst" - eine ziemlich inflationäre Phrase, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verwendet wird und alles und nichts aussagt.

Wenn es darauf ankommt, jemandem wirklich einen guten Rat zu geben, ist es natürlich das einfachste zu sagen: "Sei du selbst!" 
Damit erspart man sich tiefgehendere Gespräche, weil es das einfachste ist und einen selbst nicht überfordert. Zudem hört es sich "klug" an - vermeintlich - bleibt aber nur "bla, bla...

"Sei du selbst" soll nichts weiter heißen als: Zeig dich deinen Mitmenschen so wie du bist und nicht so, wie du sein möchtest, indem du versuchst, irgendein Idol zu kopieren.

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Kommentar von FelixNeumayer
15.09.2016, 16:42

Und wenn ich unbewusst Dinge kopiere?

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Das ist eine sehr philosophische Frage, die du hier stellst und ich will versuchen sie aus meiner Haltung heraus zu beantworten. 
Da steckt zunächst mal die Frage hinter, ob es eine Persönlichkeit gibt, die mehr ist als die Summe deiner Erfahrungen und Einflüsse und eben die Fähigkeit deines Gehirns diese ein zu ordnen, ich würde behaupten nein. 

Was also heißt es man selbst zu sein ? 
Ich würde sagen, das Gegenteil von "man selbst sein" wäre opportunistisch zu handeln, also obwohl es deiner "eigenen" Überzeugung widerspricht etwas zu zu stimmen. 
Sehr gut merkst du das, wenn du mit zwei Personen sprichst die beispielsweise im Streit miteinander sind und beiden recht gibst, wenn du mit ihnen sprichst. 
Das heißt du hast bei einem davon gegen deine "eigene" Meinung gehandelt (oder der zweite hat dich umgestimmt, was aber bedeuten würde du hättest deine Meinung gegenüber dem anderen geändert.) 

Ich würde sagen der Satz heißt, mach Dinge nicht um anderen zu gefallen, sondern mach Dinge die du als richtig empfindest. 

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Kommentar von FelixNeumayer
15.09.2016, 16:01

Und wie bin ich jetzt ich selbst?

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Kommentar von FelixNeumayer
15.09.2016, 16:05

Die Situation die du beschreibst, passiert mir viel zu oft.

Ich wurde mal gefragt, ob ich den Brexit gutheiße. Ich habe geantwortet: Nein und als dann die Frage warum nicht kam, konnte ich nur antworten, weiß ich nicht.

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