Schwester hat ständig Sex nebenan?

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3 Antworten

Ich bin Zen-Buddhist und äußere mich mal dazu:

Zen und Selbst

Ich habe das Gefühl, du bist sehr selbstbezogen - es geht um deine Ruhe, deine innere Ausgeglichenheit und deine Konflikte.

Das ist durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass die buddhistische Praxis ja in der Regel auf die Selbsterlösung ausgerichtet ist,

Mir selbst ist das erst klar geworden, dass ich auf einem ziemlichen spirituellen Ego-Trip war, als ein Zen-Lehrer bei einem öffentlichen Vortrag den Satz fallen ließ "Zen heißt: Nicht für uns selbst"

Diese Aussage traf mich, weil ich bemerkte, mit welch selbstbezogener Geisteshaltung ich geübt hatte und ich sah an den Reaktionen anderer Menschen, dass auch sie sich teils davon getroffen fühlten.

Tatsächlich ist Zen ja Teil des Mahayana-Buddhismus dessen Ideal der Bodhisattva ist - ein Wesen, dass selbst nach dem Erwachen auf den endgültigen Eingang ins Nirvana verzichtet, sondern freiwillig im Kreislauf der Wiedergeburten bleibt, um allen Wesen zum Erwachen zu verhelfen.

Angesichts dieses Hintergrunds ist klar, dass Zen nichts ist, das wir üben, um besser mit Stress klar zu kommen, leistungsfähiger zu werden, oder überhaupt auf irgendeine weise zu optimieren und "besser" zu weden.

Wir üben uns zum Wohle aller Wesen im Zazen, ohne dabei jedoch ein Ziel zu haben - auch nicht die Errettung anderer. Es geht jedenfalls nicht um unser kleines Selbst, sondern nur um das Sitzen.

Zen und Sex

Sex ist etwas absolut natürliches und notwendiges, denn andernfalls wären wir als Spezies längst ausgestorben.

Im Bezug auf Spiritualität für die Sexualität häufig abgelehnt - sie sei zu sehr auf Sinnesbefriedigung ausgerichtet und würde nur animalische Instinkte ausleben.

Das ist aber nach der Lehre des Buddha überhaupt kein Problem. Genau so wenig wie andere angenehme Dinge ein Hindernis darstellen

Problematisch ist nur, die Anhaftung an solche angenehmen Dinge. Wenn man sie überbetont und das Gefühl hat, sie zum persönlichen Glück zu benötigen, wird die Anhaftung zum Problem.

In diesem Fall haben möglicherweise drei Menschen ein Problem mit der Anhaftung an Sexualität. Da wären natürlich deine Schwester und ihr Partner.

Sollte dich nicht nur der Geräuschpegel stören - was verständlich ist - sondern alleine bereits die Tatsache, dass sie Sex haben, dann hast du möglicherweise Probleme mit deiner Einstellung zur Sexualität.

Nach der Lehre des Zen ist Sexualität kein Gegensatz zur Spiritualität und auch nichts Unreines, das verworfen werden soll.

Der berühmte Meister Ikkyu wurde sogar für seine Liebesgedichte an eine Prostituierte und Verse über die Rotlichtbezirke bekannt.

Was ist zu tun?

Wenn es also die Lautstärke ist, die dich auch bei anderen Tätigkeiten stört, dann sprich das Thema doch mal an - ob sie nicht mal bei ihm in der Bude Sex haben könnten. Dich würde der Lärm einfach stören.

Andererseits ist während das Zazen, das Geräusch des Stöhnens beim Sex auch nichts anderes, als das Rauschen des Baches im Tal - eine reine Wahrnehmung, die nicht bewertet, sondern als das belassen wird, was sie ist.

Vielleicht helfen dir diese Worte ja etwas. :-)

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Kommentar von anon93
20.02.2016, 20:10

Hey danke für die lange Antwort. Mir ist klar, dass ein Buddha alles beinhaltet, das ist. Ich will auch nur damit klarkommen, meine Bewertung fallen lassen, da ich leider sehr daran anhafte. Ich möchte eine Zen Einrichtung aufsuchen, da mein Leben zu kompliziert ist um einen klaren Kopf zu bekommen. Einen Alltag an dem man nicht gezwungen ist, komplizierte Aufgaben zu lösen, stelle ich mir befreiend vor. Ich bin selbstloser als früher, jedoch ist diese Selbstlosigkeit leider nicht authentisch sondern konzeptionell, da ich schwer Vertrauen aufbaue. Als ich depressiv war, hat mir Meditation geholfen, zu erkennen, wie naiv ich war.

LG :)

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Ja, such mal ne zeitlang ein Zen-Kloster auf, nur so kannst du herausfinden, ob dir so was wirklich liegt.

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Nimm die Dinge, die du nicht ändern kannst, einfach so hin und lerne damit zu leben. 

Ist das sinngemäß nicht teil der Zen Philosophie? 

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Kommentar von Enzylexikon
19.02.2016, 14:50

Das ist richtig. :-)

Es geht im Zen darum, die Bewertung der Dinge fallen zu lassen und nicht nach individuellen Ansichten und Konzepten zu unterscheiden.

Der Anblick eines Vogels, der Duft des Essens, das Wummern des Bettes bei heftigem Sex - das sind alles lediglich Wahrnehmungen unserer Sinne. Es gibt keinen Grund, sie überzubewerten.

Zen bedeutet, die "Hand des Geistes" zu öffnen, die sich an Bewertungen und Interpretationen klammert und dann alles in seinem ursprünglichen Zustand, frei von Urteilen zu belassen.

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