Schwarzes Loch = Neutronenstern mit der eigenschaft Kein Licht mehr abzugeben?

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3 Antworten

Hallo,

in deinem Text gibt es mehrere Aussagen, die so nicht korrekt sind, bzw. unser derzeitiges Wissens adäquat widerspiegeln.

ich tue mich ein bissel schwer mit der Vorstellung, dass die Materie -
wie auch immer die aussehen soll - in einem Schwarzen Loch in einem
Punkt vereint sein soll.

In einem schwarzen Loch gemäß der ART gibt es keine Materie im klassischen
Sinne, sondern nur eine zentrale Singularität mit umgebenden
Ereignishorizont, welcher die Grenze des schwarzen Lochs darstellt. Dies
bezieht sich auf das schwarze Loch an sich, einfallende Materie (sofern
vorhanden) fällt auf ebendiese Singularität zu, wo sie zerstört wird.

Denn wenn dem so sein sollte, wie könnten dann je solche Löcher "fusionieren"?

Sobald sich die Ereignishorizonte der beiden schwarzen Löcher berühren, fallen die Singularitäten aufeinander zu. Anschließend verschmelzen sie bei
Kontakt und bilden eine einzelne neue Singularität mit größerer Masse.
Ebenso überträgt die einfallende Materie ihre Attribute (Masse,
Drehimpuls und elektrische Ladung) auf die Singularität , wenn sie diese
erreicht.

Das würde nach meinem Verständnis irgendwie nicht klappen, denn
schlussendlich muss
ja das Schwerere bei der Fusion masse vom Anderen absorbieren und das
würde nicht funktionieren wenn alles in einem Punkt vereint ist.

Da stellt sich mir prompt die Frage, was du unter "Masse" verstehst. Masse kann nicht absorbiert werden, da Masse eine Eigenschaft von Materie ist. Anhand deines Textes vermute ich, du verwechselst hier Masse mit Materie an sich.

Folglich gibt's diesbezüglich auch keinen Widerspruch, wobei ich ja
ohnehin bereits schrieb, was bei einer Verschmelzung von schwarzen
Löchern vor sich geht.

Wäre es da nicht verständlicher, wenn es sich bei einem Schwarzen Loch
lediglich um einen Neutronenstern mit der Eigenschaft handelt, kein
Licht mehr auszusenden?

Nein. Du müsstest nämlich erklären, warum diese Neutronensterne plötzlich
nicht mehr leuchten. Neutronen, und darüber hinaus Protonen und
Elektronen, welche ebenfalls Bestandteile von Neutronensternen sind,
tragen ihre Bezeichnung "leuchtende Materie" nämlich nicht
umsonst. Da sie alle der elektromagnetischen Kraft unterliegen, haben
sie gar keine andere Wahl als zu leuchten.

Davon mal abgesehen vermag der Entartungsdruck der Neutronen den Kollaps sehr dichter Materiekonzentrationen zu stoppen. Du müsstest also auch noch erklären, wie dein Neutronenstern überhaupt stabil sein kann.

Dann hätten wir quasi ein Massereiches Objekt mit einen Radius > 0.

So einfach ist das nicht. Das Problem liegt hier weniger an der Größe >
0, sondern daran, dass bei ausreichend hoher Massekonzentration  die
Raumzeitkrümmung so hoch wird, dass alle Geodäten ins Innere des
Ereignishorizonts führen. Das heißt, selbst wenn man annimmt, dass in
einem schwarzen Loch keine Singularität sondern eine echter Körper mit
Volumen usw. vorhanden ist, so wäre das Objekt von außen betrachtet
dennoch ununterscheidbar von einem schwarzen Loch.

Von so etwas könnte dann ein anderes schwereres Schwarzes Loch wie von
anderen Objekte auch, Masse wegwreissen um zu fusionieren.

Ich hatte es ja bereits oben geschrieben, du verwechselst hier Masse
offensichtlich mit Materie. Masse ist eine Eigenschaft der Materie. Zu
sagen, Masse wird von etwas weggerissen ist so, als ob du sagst, die
elektrische Ladung wird von einem Elektron weggerissen. So eine Aussage
ergibt schlicht keinen Sinn.

Aber selbst im Kontext mit dem Begriff "Materie" ist die Aussage nicht richtig. Erstens deswegen nicht,weil Materie nicht weggerissen werden muss, um zu fallen (und mehr tut sie nicht), zweitens weil der Begriff fusionieren falsch gewählt ist.

Wenn ich einen Stein aus dem Fenster werfe und er unten ankommt, dann
fusioniert er nicht mit der Erde, sondern er fällt einfach runter,
Punkt. Ebenso fällt Materie einfach auf ein schwarzes Loch zu, fertig.
Genau dasselbe mit zwei schwarzen Löchern, die aufeinander zufallen.

Im Übrigen sind schwarze Löcher keine Löcher im eigentliche Sinne, sondern
wie gesagt Singularitäten mit umgebenden Ereignishorizont. Der
Ereignishorizont wiederum ist keine echte Grenze, sondern nur der Punkt,
von dem alle Geodäten der Raumzeit Richtung Singularität führen. Ein
vom schwarzen Loch angezogenes Objekt fällt also bis zum Zentrum (der
Singularität), statt wie beispielsweise einem Planeten auf eine
Oberfläche zu stürzen.

Es sei noch gesagt, dass schwarze Löcher im Sinne der ART (also Singularität + EH) nur das beste Erklärungsmodell sind, dass wir derzeit haben, da es bisher keine Theorie zur Quantengravitation gibt. Höchstwahrscheinlich sind sie daher ein mathematisches Artefakt, denn Singularitäten gibt es in in der Physik sonst nicht, bzw. stehen stellvertretend für "ohne bessere Erklärung".

Sollten wir je eine Theorie für Quantengravitation finden, werden sich wohl auch die Singularitäten der schwarzen Löcher in Wohlgefallen auflösen und durch Objekte ersetzt, die der Realität eher entsprechen. Mit Neutronensternen werden diese aus oben genannten Gründen aber eher wenig zu tun haben.

LG; NA

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Hallo NutzlosAlpha,

danke erstmal für deine Mühe und den ausführlichen Antworten :) Bei einigen Punkten bin ich ganz bei dir, aber nicht bei allen.

Ich hoffe ich mach mich jetzt nicht gänzlich lächerlich^^

"Wäre es da nicht verständlicher, wenn es sich bei einem Schwarzen Loch lediglich um einen Neutronenstern mit der Eigenschaft handelt, kein Licht mehr auszusenden?"

Damit meinte ich eigentlich das der Neutronenstern so viel Masse angesammelt hat, das er den Raum ähnlich wie ein Schwarzes Loch krümmt, sodas kein Licht mehr entkommen kann. Ich denke der Neutronenstern könne innerhalb des Ereinishorizonts immer noch leuchten, aber das Licht schafft es eben nicht mehr nach aussen.

Du sagst: "Sobald sich die Ereignishorizonte der beiden schwarzen Löcher berühren, fallen die Singularitäten aufeinander zu. Anschließend verschmelzen sie bei Kontakt und bilden eine einzelne neue Singularität mit größerer Masse. Ebenso überträgt die einfallende Materie ihre Attribute (Masse, Drehimpuls und elektrische Ladung) auf die Singularität , wenn sie diese erreicht. "

Damit tu ich mich irgendwie schwer, das klingt zu einfach und es passt so gar nicht zu dem was man in videos über schwarze löcher sieht. Dort ist immer ein schwarzes Loch und meinetwegen ein Stern die sich umkreisen und dabei saugt das Loch Materie vom Stern ab, da seine Gravitationskraft stärker wirkt als die Gravitationskraft die den Stern zusammenhält.

Ich stelle mir vor, das dies genauso sein sollte, wenn sich eben 2 Schwarze löcher umkreisen. Das schwerere von beiden wird Materie von dem anderen "absaugen". Das klappt nicht, wenn die Schwarzen löcher Singularitäten wären, aber wenn das eben "einfach nur" Neutronensterne sind (mit so viel Masse, das sie kein Licht abstrahlen - wie oben beschrieben) könnte das klappen.

Das wäre irgendwie für mich verständlicher ;) ist aber vermutlich falsch, nur beweisen kanns eh keiner^^

Grüße André

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Schwarze Löcher sind nicht Singularitäten, wie 'nutzlosalf' behauptet, und auch nicht punktförmig. Die derzeit gültige Modellierung für schwarze Löcher enthält eine Singularität, das ist aber nur ein mathematisches Konstrukt, dem wie angedeutet, die Quantentheorie widerspricht. Schwarze Löcher haben einen Ereignishorizont, der umso größer ist, je größer die Masse des schwarzen Lochs ist, und hinter dem alles verschwindet.

Bei der Fusion wird nichts fortgerissen, sondern die kleinere Masse verschwindet hinter dem Ereignishorizont des größeren Objekts, das dadurch an Masse zunimmt, und dessen Ereignishorizont sich ausdehnt.

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