Schultheater, warum barfuß?

17 Antworten

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Es ist normal und üblich, man kann sich barfuß deutlich besser bewegen, schließlich ist es die natürlichste Art der Fortbewegung.

Auch ist der Zweck von Schuhen in erster Linie Schutz und sofern es für das Kostüm keinen Nachteil darstellt bieten Schuhe hier keinerlei Nutzen (Notwendigkeit).

Zwar haben überwiegend viele Menschen, auch Kinder und jugendliche keine gesunden Füße trotzdem geht es hier weniger darum die Füße zu trainieren auch wenn das langfristig viele Vorteile mit sich bringt.

Sensorisch gesehen und für den Bewegungsapparat ist es definitiv gesünder aber vor allem effektiver auf Schuhe und Socken zu verzichten.

Die Verletzungsgefahr ist ebenfalls geringer da die Bewegungsabläufe aufgrund der Untergrundwahrnehmung und der eben nicht eingeschränkten Fußmuskulatur deutlich flüssiger ablaufen.

Es ist barfuß viel schwieriger auszurutschen oder sich generell bei (selbst hektischen) Bewegungsabläufen zu verletzen.

Auch sind gymnastische Übungen so deutlich einfacher und auch in der Ausführung leichter als mit Schuhen.

Ein anderer Grund wäre eben die Authentizität für gewisse Kostüme/Figuren wo barfuß besser passt bzw. sowieso nicht stört.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen, Gerätschaften und Bühnenbildern bei denen ein erhöhtes Verletzungsrisiko aufgrund von mechanischen Bauteilen etc. besteht, ergibt es überhaupt keinen Sinn in Schuhen zu spielen.

Es ist ein Logikfehler anzunehmen das Schuhe auf einem sicheren Untergrund angebrachter wären als barfuß oder gar eine gute Alternative darstellen.

Der Grund warum so viele Menschen ihre Füße permanent einpacken und das unabhängig von der Situation und dem eigentlichen Nutzen, ist weil sie den natürlichen Bezug zu diesem Teil des Körpers verloren haben und sich teilweise sogar dafür schämen.

Aber verkümmerte Fußmuskulatur, Schief- und Fehlstellungen und optische Makel durch Vernachlässigung werden bleiben und sich verschlimmern genauso wie psychische Probleme in dem Zusammenhang.

Man führt so quasi eine unnatürliche fortwährend schädigende Routine fort.

Weswegen man umdenken sollte und seinen Füßen mindestens genauso viel Aufmerksamkeit und Respekt geben wie den Rest des Körpers.

Barfuß agieren ist schon gut und richtig. Aber NICHT auf harten Untergründen - wie z.B. eben auch Bühnenböden.

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@cas65

Auf harten Untergründen geht barfuss genau so. Für junge Leute sowieso. Das ist eine veraltete Meinung, dass das nicht gut sein soll. Und für die Schuhindustrie, welche weiche Schuhe verkaufen will. Gesunde Füsse können sich sofort anpassen mit anderem Auftritt auf den Boden. Braucht mehr Muskeln, zugegeben. Ist etwas anstrengender. Ist ein Training dafür. Bei übermüdeten Muskeln oder Personen, die nicht mehr fähig sind das abzufangen, ist das nicht mehr gut. Ist so wie bei jeder Betätigung wo Muskeln gefragt sind. Übrigens geht bei hartem Boden und weichen Schuhen die Belastung auf die Knie und Hüften, weil die Sensoren und Muskeln der Füsse ausgeschaltet werden, welche eben fähig gewesen wären die harten Auftritte abzufangen. Darum läuft ein gesunder Mensch barfuss auf hartem Boden ganz anders. Und alles stimmt wieder. Darum finde ich barfuss auf hartem Boden auch besser. Barfuss ist meistens besser.

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@Mario222

Oh ok... also denkst du, dass das beim Theater auch aus gesundheitlichen Gründen so gemacht wird?

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Ich finde, du hast das hier perfekt beschrieben.

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Also in manchen professionellen Theateraufführungen sieht man auch viele Schauspieler*innen barfuß auf der Bühne. Meist ist das dann aber mit tänzerischer Darstellung und einem Hauch Ballett verbunden. Ist dasevtl. bei dem Stück das ihr übt ähnlich? Oder gibt es in dem Stück die Regieanweisung oder Personenbeschreibung, dass barfuß aufgetreten wird?

Für bestimmte Tanzstile ist barfuß jedenfalls von Vorteil, wenn nicht extra spezielle Gymnastik- oder Ballettschuhe angeschafft werden.

Danke! Ich weiß nicht ob man es Tanz nennen kann, aber ja, sowas in der Art spielt in dem Stück oft eine Rolle. Also gemeinsame Bewegungsabläufe, dass man bestimmte Figuren macht usw.

In dem Stück selber stand es jedenfalls nicht. Aber denkst du, mit Gymnastikschuhen würde es auch gehen?

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@Zypressenwald

Mit Schuhen verlierst Du halt den Kontakt zum Boden. Gehen wird es sicher, aber ab einem bestimmten Niveau wird es vielleicht schwierig werden!

Da ihr nicht professionell seid vermute ich mal, wird es sicher auch mit Gymnastikschuhen möglich sein. Bei der Aufführung sollte es dann halt einheitlich sein, bzw. zum Outfit passen!

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Ich habe über viele Jahre hinweg Theater gespielt, auf Amateurniveau jedoch (ich bin kein professioneller Schauspieler), habe aber zeitweise auch unter professionellen Regisseuren gearbeitet. Ich weiß nicht, was ihr da genau für Übungen machen, wie diese angegangen werden sollten und pädagogisch zu bewerten sind. Ich habe jedoch bei einem solchen Regisseur gelernt, dass es sinnvoll ist für die Bewegungen auf der Bühne schon bei den Proben das Schuhwerk anzuziehen, das man "im Ernstfall" im Sinne des Kostüms trägt, da man sich in unterschiedlichem Schuhwerk auch grundsätzlich unterschiedlich bewegt. Und Bewegungen sind nun mal auf der Bühne das A und O. Eure Barfußsache kann ich dahingehend nicht einordnen und ohne genauere Informationen erschließt sich mir der Sinn erstmal nicht wirklich.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Praktische Erfahrung, Fortbildungen

Vielleicht steckt ja ein physiotherapeuthischer Ansatz dahinter. Den natürlichen Gang erlernt man schließlich nur barfuß am besten.

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@ART71

Mag sein. Physiotherapie liegt mir nicht so, weiß ich also nicht. :-D lg up

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Hey, hab leider mit Theater überhaupt nichts am Hut, mach dafür aber viel Sport.

Hast ja hier schon tolle Antworten von Theaterleuten erhalten und möchte nur ergänzen, dass es tatsächlich einen Zusammenhang mit den Bewegungsabläufen haben müsste, denn beim Turnen (Bod-, Geräteturnen und Gymnastik) ist man ja normalerweise auch barfuss.

Gehört vielleicht zur rolle.

Aber mit den füßen lässt sich auch viel ausdrücken, nicht nur mit händen und gesicht. Du kannst angespannt oder locker da stehen, die zehen in den boden krallen, spreizen, wackeln, die füße unsicher gegeneinander reiben oder übereinander stellen als zeichen von verlegenheit, das ganze als bestandteil der gesamten körpersprache.

Ich hatte noch nie wirklich was aktiv mit theater zu tun, aber das ist es, was mir einfällt, das in puncto theater barfuß besser geht. Schließlich gibt es noch die ganze latte an nebenbedeutungen von naturverbunden über individualistisch bis hin zu arm und unterlegen (teils widerspricht sich das auch: barfuß kann je nach kontext sowohl freiheit als auch gefangenheit ausdrücken).

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