Schule im Kommunismus

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4 Antworten

Ich wollte gerade anfangen, dir zu antworten, da las ich dergutekoenigs Einlassung, die mir viel Schreibarbeit abnimmt. Insofern betrachte das Folgende als Ergänzung:

Kommunismus bedeutet "gemeinsam". Und zwar "gemeinsam regieren", "gemeinsam handeln", gemeinsam entscheiden".

Um das machen zu können, ist viel Bildung und Wissen erforderlich. Und zwar zu allen Aspekten, in denen du Entscheidungen treffen und deine Meinung äußern willst.

Folglich muss das Bildungssystem dem angepasst werden. Und das bedeutet beispielsweise, dass die Zielrichtung der Bildung nicht mehr "Wie schaffe ich die besten Lohn-Sklaven?" sondern nun "*Wie kann ich Menschen so bilden, dass sie eigenständige Entscheidungen treffen**" lautet.

bedeutet dass, wenn jemand keine Lust auf Schule hat geht er einfach nicht?

Technisch gesehen müsste das genaue Gegenteil eintreten: Statt "weniger Schule" oder "Schule nach Lust & Laune" müsste es eine "lebenslange Schule" geben, die die Menschen auf ihrem gesamten Lebensweg begleitet und sie permanent mit neuem Wissen füttert. (Die Ausgestaltungsmöglichkeiten überlasse ich deiner Fantasie, aber für einen ersten Ansatz kannst du sie dir wie eine umfangreiche Volkshochschule vorstellen.)

Aber lesen und rechnen sollte doch wohl jeder beherrschen oder?

Das reicht für den Kapitalismus. Im Kommunismus musst du eine Unzahl an Entscheidungen mittragen; folglich brauchst du auch viel mehr Wissen.

Im Kindesalter kann man sowas doch noch garnicht selbst entscheiden.

Kinder entscheiden auch im Kommunismus gar nichts. ;) Vielmehr übernimmt diese Entscheidung - also die Antwort auf die Frage, was wann wie und in welcher Intensität zu lernen ist - die gesamte Gesellschaft - von den Nordfriesen bis zu den Bayern - gemeinsam; bis die Kinder mündig sind. Danach werden sie wohl - ich erwähnte es oben - in eine robuste Weiterbildungsstruktur integriert werden (müssen), denn Wissen ist nicht statisch.

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Kommentar von dergutekoenig
28.08.2013, 11:53

Viel zu bescheidene Einleitung für diese wichtige Ergänzung!

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Doch, man geht im Kommunismus zur Schule, aber nicht, um dort auf seinen Beruf vorbereitet zu werden, sondern um auf das Leben vorbereitet zu werden: Man soll ein mündiger, selbstbestimmter Mensch werden, der die Welt versteht, der eigenverantwortlich handeln und entscheiden kann, der sich eine eigene Meinung bilden kann und der auf Basis seines Wissens selbst entscheiden kann, wie er sein Leben bestreiten und seine Zukunft gestaltten will. In Deutschland ist das übrigens auch das erklärte Ziel der Schulbildung. In der Praxis hapert das oft an vielen Ecken und Enden, aber im Gegensatz zu früher (in Preußen z.B. vor den Reformen, als Kinder nur auf den anstehenden Beruf vorbereitet wurden und nichts anderes gelernt haben) hat sich da schon viel verbessert.

Problem im Kommunismus ist natürlich, dass es nie gelungen ist, eine menschenfreundliche und den Ideen von Karl Marx entsprechende Staatsform zu etablieren. Egal ob Sowjetunion, Kuba oder Nordkorea, es ist überall an den Menschen gescheitert... und es ist aus diesen Ländern auch kein herausragendes Schulsystem bekannt.

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Also zunächst einmal kann man über den Kommunismus gar keine Aussage treffen. Kommunismus ist sozialwissenschaftlich definiert als die herrscher- und klassenlose Gesellschaft. Das bedeutet, dass es im Kommunismus keine bürokratische Verwaltung gibt, die die Regierung stellt, sondern dass alle gesellschaftlichen Belange über basisdemokratische Mechanismen geregelt werden.

Wie genau eine solche Gesellschaft strukturiert und organisiert ist, kann man aber auch genau deshalb nicht im Voraus festlegen, denn das wäre das genaue Gegenteil von "die Gesellschaft regelt ihre Belange selbst".

Das einzige, was man sagen kann, ist: Der erste Schritt hin zu einer kommunistischen Gesellschaft besteht in der Abschaffung des Kapitalismus und im Errichten einer basisdemokratischen Selbstverwaltung. Wie diese dann "ihre" Gesellschaft ausgestalten, liegt in ihrer Hand.

Die Aussage oben zielt aber, so würde ich das interpretieren, gar nicht auf die genaue Ausrichtung einer potenziellen kommunistischen Bildungspolitik ab, sondern eher auf eine Kritik der bestehenden. Aus einem bestimmten, marxistischen Blickwinkel könnte nämlich eine Kritik an unserem Bildungssystem lauten, dass wir keine mündigen Bürger ausbilden, sondern bloße Humanressourcen zur Ausbeutung durch das Kapital.

Eine solche These lässt sich durchaus durch empirische Beobachtungen stützen: Die Verkürzung von Bildungswegen (G8), die Straffung von Studiengängen (Bachelor und Master) sowie die zunehmende Privatisierung von der Kita bis zur Hochschule.

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Eigentlich ist damit gemeint,
das jeder lernt um sich selbst willen.


Die Eltern geben Ihren Kindern mit,
das Sie ein Teil der Gemeinschaft sind,
und für das Gemeinwohl lernen sollen.


Die Kinder lernen, weil Ihre Eltern sie anleiten,
und später ist der Idealfall: das sie es wollen!


Leider funktioniert der Kommunismus nicht,
weil er am Menschen scheitert.
In der Natur des Menschen liegt es,
immer mehr zu erreichen als andere,
und so geht es nicht!
Jeden Menschen Grundbedürfnisse müssen abgedeckt werden,
aber das interessiert leider nicht alle Menschen.

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Kommentar von Notus
28.08.2013, 09:18

Danke! Das hilft mir weiter, aber ich glaube nicht an soetwas wie die "Natur des Menschen". Vor 80 Jahren war es noch in der Natur des Menschen für den Krieg / Kampf geboren zu werden

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