Schule der Eleaten

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Dazu gibt es verschiedene Aussagen. Nachschlagewerke zur Antike oder Philosophie, Werke zur Philosophiegeschichte und über die Vorsokratiker können herangezogen werden.

Grundlage sollten antike Quellen sein, wobei deren Ausagekraft und Zuverlässigkeit zu überprüfen ist.

In neueren Darstellungen wird Xenophanes von Kolophon nicht als Begründer der philosophischen Schule der Eleaten eingeschätzt.

Johannes Hirschberger, Geschichte der Philosophie Band 1: Altertum und Mittelalter. 11. Auflage. Freiburg im Breisgau : Herder, 1979, S. 30 (zu Xenophanes): „Er stammt aus Kolophon in Ionien. Nach langem Wanderleben gerät er schließlich nach Elea. Durch ihn wird die kleine Stadt zum Sitz einer Philosophenschule.“

Friedrich Ueberweg, Die Philosophie des Altertums. Herausgegeben von Karl Praechter, 12., umgearbeitete und erweiterte, mit einem Philosophen- und Literaturregister versehene Auflage. Berlin : Mittler, 1926 (Grundriß der Geschichte der Philosophie ; Band 1), S. 73 – 80 (vor allem S. 74) hat bei der aufgeworfenen Frage, wie zuverlässig die Schrift Περὶ Μελίσσου, Ξενοφάνους, Γοργίου/De Melisso, Xenophane, Gorgia/Über Melissos, Xenophanes und Gorgias ist, größte Bedenken. Bei den Angaben gebe es Widersprüche zu den sichersten Zeugnissen über seine Lehre.

Friedo Ricken, Philosophie der Antike. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart . Kohlhammer, 2007 (Grundkurs Philosophie ; Band 6), S. 30: „Die doxographische Tradition behauptet, Xenophanes sei der Gründer der Schule von Elea. Und der Leher des Parmenides gewesen […]. Sie sieht in in dem einen, unbewegten Gott des Xenophanes den Ausgangpunkt der Lehre des Parmenides von dem einen, unveränderlichen Seienden […]. Das gemeinsame beider Denker ist besonders betont in der pseudoaristotelischen Schrift „De Melisso Xenophane Gorgia“ […], die den einen Gott des Xenophanes mit parmenideischen Prädikaten charakterisiert und sein Ungewordensein und seine Einzigkeit mit parmenideischen Gedanken beweist […]. Den Argumenten der Forscher, die den historischen Wert gering einschätzen […], kommt das größere Gewicht zu.“

István Bodnár. Übersetzung: T. Heinze, Eleatische Schule. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 3: Cl - Epi. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 1997, Spalte 963 – 965

Spalte 963. „Platons Andeutung (soph. 242 d), daß die eleatische Philosophie mit -> Xenophanes und sogar noch früher begonnen habe, ist in eine schematische Skizze der Entwicklung philos. Denkens eingelegt, die man nicht für bare Münze nehmen darf.“

Alexander Mourelatos. Übersetzung: B. Strobel, X. aus Kolophon. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 12/2: Ven - Z. Nachträge. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 2002, Spalte 628 - 632

Spalte 629: „Die ant. Doxographie bringt ihn mit Elea -> (Velia) und -> Parmenides in Verbindung; daß er die -> Eleatische Schule gegründet haben soll, wird heute allg. abgelehnt […]."

Spalte 630: „Nachteilige Folgen hatte v. a. die »eleatisierende Interpretation« des X. durch Platon, der eher scherzhaft bemerkt, daß der eleatische Monismus mit X. und sogar früher begonnen habe (Plat. Soph. 242 d 5). Aristoteles autorisiert diese Vorstellung einer »eleatischen Erbfolge«, wenn er auch einräumt, daß X.´ einziger Schritt zum Monismus die Lehre von einem einzigen Gott sei (Aristot. Metaph. 1, 5, 986 b 20 – 25). Seit Aristoteles wird X. regelmäßig in eine Reihe mit den drei Eleaten (Parmenides, Zenon und Melissos) gestellt. So verbindet die ps.-aristotelische Schrift De Melisso, Xenophane et Gorgia, peripatetischer oder skeptischer Herkunft, Elemente der Theologie des X. gewaltsam mit einer quasi-eleatischen Ableitung der Eigenschaften des »Einen«. Diese Eleatisierung reduziert X. zu bloßen Vorläufer des -> Parmenides. Sie fördert Mißverständnisse seiner Kosmologie (z. B. wird aus X.`unendlicher Erde eine Kugel) und vernachlässigt seine Naturphilos., die nach dem Vorbild der parmenideischen dóxai als epistemologisch zweifelhaft verstanden wird.“

Wolfgang Röd, Die Philosophie der Antike 1 : von Thales bis Demokrit. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. München : Beck, 1988, S. 80: „Die Stellung des Xenophanes innerhalb der frühgriechischen Philosophie ist kaum eindeutig zu bestimmen. Vielen gilt er – so auch in der späteren Antike – als Begründer der eleatischen Schule, doch wird diese Auffassung heute gewöhnlich abgelehnt, obwohl Xenophanes vermutlich eine Zeitlang in Elea lebte und möglicherweise Parmenides, die überragende Gestalt der eleatischen Schule, anregte.“

Christof Rapp, Vorsokratiker. Original-Ausgabe. 2., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : Denker ; 539), S. 83: […] ist es unbestritten, dass Parmenides aus Elea gegenüber der milesischen Naturphilosophie eine völlig neue Art des Philosophierens einführte und so zum Begründer einer eigenständigen Denkrichtung wurde, die zunächst eben von der süditalienischen Heimat des Parmenides ausging“

Xenophanes war der Gründer, Parmenides deren Hauptvertreter.

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