schreckhaft beim meditieren?

5 Antworten

Ich habe ein paar Jahre Erfahrung mit buddhistischer Meditation und werde versuchen, dir mit dieser Antwort auf deine Frage zu helfen.

Zunächst einmal finde ich die Verwendung eines Timers sinnvoll, da das subjektive Zeitempfinden häufig völlig anders ist, als der tatsächliche Zeitraum.

Erschrecken

Du erschrickst vermutlich, weil du geistig in eine Art schläfriger Dämmerzustand rutscht, anstatt wirklich achtsam im Moment präsent zu sein.

Das Erschrecken zeigt dir also, dass du oft noch sehr "unbewusst" bist und in Tagträumen, Gedanken an Vergangenes, oder ähnliche Inhalten versumpfst.

Meiner Meinung nach ist das aber gerade am Anfang völlig normal - der Geist ist nicht gewohnt, achtsam bei einer einzigen Sache zu verweilen.

Im Japanischen spricht man von "Konchin" und "Sanran" als den beiden Zuständen des Ungleichgewichts, die bei der Meditation auftreten können.

"Konchin" ist der Zustand des unbewusst seins, der Schläfrigkeit, wenn der Geist vor sich hin dämmert und irgendwelche Träume produziert.

"Sanran" ist der Zustand geistiger Überaktivität, bei der man von einem Gedanken zum anderen springt, wie ein wilder Affe von Baum zu Baum.

In beiden Fällen kann man zB durch plötzliche Geräusche erschrecken, weil man aus dem Tagträumen bzw. geistige Luftschlösser bauen, herausgerissen wird.

"Zanmai" ist dagegen der Zustand, in dem der Geist klar wie ein Spiegel ist, an nichts haftet und alles ohne Bewertung vorbeiziehen lässt.

Sonstiges

Das ganze ist aber letztlich lediglich eine Frage der Praxis - einerseits der Achtsamkeitsschulung, andererseits des offen seins für alle Dinge.

Viele Menschen denken, mit Meditation würde man sich geistig isolieren, in einer Art "inneren Raum" oder Trance abtauchen, aber das ist nicht der Fall.

Stattdessen nimmt man äußere Reize, wie etwa das Geräusch vorbeifahrender Autos, oder den Geruch aus dem Küchenmülleimer, viel bewusster wahr.

Deshalb geht es nicht darum, sie zu verdrängen, sondern sie nicht als "angenehm" oder "unangenehm" zu kategorisieren, sondern ohne Bewertung wahrzunehmen.

Man verschließt sich nicht, sondern ist vielmehr offen für alles, denn wir sind nicht etwas isoliertes, sondern ein Teil des Ganzen. Weshalb also etwas ausgrenzen?

Das Geräusch der Motorsäge, die gerade vor meinem Fenster zu hören ist, ist genau so "da", wie etwa der Duft der Tasse Tee auf meinem Schreibtisch.

Beides gehört zu diesem Moment und ist weder gut noch schlecht.

Sei achtsam und offen für die Gegenwart, das Jetzt, den gegenwärtigen Moment - dann wird sich auch das Erschrecken nicht mehr so schnell einstellen.

Tipp

Sollte dich das Geräusch wirklich extrem stören, so kannst du auf eine Methode der Zeitmessung zurückgreifen, die seit Jahrhunderten in Japan genutzt wird.

Dort haben Tempelräucherstäbchen eine Brenndauer von 45 Minuten, was die Standardzeit für eine Sitzperiode ist - eine Art antiker Meditations-Timer.

Man muss also lediglich gelegentlich einen Blick auf das Stäbchen werfen. Wenn du kürzer sitzt, kannst du natürlich auch kürzere Stäbchen nutzen.

Übrigens empfehle ich, die Augen nicht ganz zu schließen, sondern entspannt, ca. einen Meter vor sich auf den Boden fallen zu lassen. Das ist gut gegen Träumerei.

Ich hoffe, die Antwort war hilfreich. :-)

Das mit der Timer-Uhr ist schon richtig so. Das wird empfohlen. 

Das Erschrecken kommt dadurch, dass man nicht achtsam im Hier und Jetzt ist. Wäre man zu 100% im gegenwärtigen Augenblick - es gäbe kein Erschrecken mehr.

Das Ganze resultiert meines Erachtens aus eine psychologischen Zeitdifferenz, zwischen dem, was wir sind und dem, was wir glauben zu sein. Wir glauben wir wären ein "Ich" . Dieses ist jedoch nur ein Konstruckt von Gedächtnis-Inhalten. Und die sind Vergangenheit, da sie bereits irgenwann vorher mal abgespeichert wurden. 

Das was wir sind existiert aber nur im Hier und Jetzt. Wenn nun der Wecker klingelt, wird unser Seinsempfindem plötzlich aus der Vergangenheit ins Hier und Jetzt gerissen. Das nennt man Erschrecken.

Du bekommst das in den Griff, indem Du Achtsamkeits-Meditation betreibst oder Elemente hieraus in Deine Meditation einflechtest. So könntest Du z.B. meditieren, wie du es gewohnt bist nur, dass du jegliche Störung (Geräusch, Jucken, usw.) kurz achtsam in den Fokus nimmst und in Gedanken zweimal benennst, z.B. "hören, hören,  jucken jucken," bevor du zum Hauptobjekt ( in deinem Fall der Atem) zurückkehrst. Diese Benennungen sollten zeitgleich mit dem Auftreten des Phänomens erfolgen. DAS bringt dich mehr ins Hier und Jetzt.

Ich denke auch, dass es einfach zu abrupt ist die Beendigung durch ein Piepen, auch wenn es vielleicht nicht so laut ist. Der Ton ist dennoch bestimmt kein angenehmer. Während der Meditation sind ja die Sinne geschärft und sie fokussieren deinen leicht fließenden Atem. Überlege dir eine Alternative, die ein wenig schonender ist für dich. Das könnte eben Musik oder Vogelgezwitscher oder Meeresrauschen sein etc.

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