Schöpfungsgeschichte, Evolutionstheorie oder beides?

14 Antworten

Evolution und Schöpfung stehen schon lange nicht mehr auf derselben, hypothetischen Ebene. In den letzten 150 Jahren biologischer Forschung gab es eine Vielzahl neuer Erkenntnisse, die die Evolutionstheorie stützten. Schöpfungsmythen basieren heute aber immer noch auf antiken Büchern oder Sagen, so wie vor 1000 Jahren.

Die Evolutionstheorie gibt den aktuellen Wissensstand über die Wirkungsweisen der Evolution wieder, der sich natürlich seit Darwin stark verändert hat. Zu Darwins Zeiten wusste man ja beispielsweise noch nichts von der DNA und ihren Funktionen. Darwin setzte aber als grundlegende Mechanismen der Evolution Mutation (die zufällige Veränderung des Erbgutes) und Selektion (also die umweltbedingte Auslese der am besten angepassten Merkmale) fest, was heute noch Gültigkeit hat. Wichtige, neu dazu gekommene Faktoren sind Gendrift (die zufallsbedingte Änderung der Merkmalshäufigkeit) und Isolation (die Trennung von Populationen der selben Art), die erklärt, wie die Aufspaltung von Arten vonstatten geht.

Wenn du Beweise forderst, muss ich dich enttäuschen. In der Naturwissenschaft ist nie etwas zu 100% bewiesen, sodass man altes Wissen neuen Erkenntnissen anpassen kann. Damit soll Dogmatismus verhindert werden, also das Beharren auf bestimmten Grundsätzen.

Was es gibt, sind Belege und Indizien. Und davon gibt es viele, die zeigen, dass es eine Evolution gegeben haben muss. Ich zähle einige der wichtigsten mal auf:

Der Fossilbestand: Wir haben zehntausende von Fossilien, also von versteinerten Überresten längst verstorbener Lebewesen, die Pflanzen- und Tierwelten dokumentieren, die es heute nicht mehr gibt. Moderne Lebewesen tauchen erst in sehr jungen Gesteinsschichten auf, und die müssen ja irgendwoher gekommen sein. Wenn man genau hinsieht, kann man mit verschieden alten Fossilien Entwicklungsprozesse nachstellen, z.B. findet man nach und nach immer besser an das Wasser angepasste Huftiere, die irgendwann so aussehen wie Wale. Da ist der Schluss nicht abwegig, dass diese Fossilien die Entwicklung der Wale wiederspiegeln und dass moderne Arten sich aus anderen Arten entwickelten.

Rudimente: Rudimente sind scheinbar nutzlose Merkmale, die bei einem entfernten Vorfahren einen Zweck erfüllt haben. Wenn man sich das Skelett einer Schlange anschaut, sieht man deutlich Reste von Beinknochen. Wieso hat die Schlange Beinknochen, wenn sie keine Beine hat? Nachdem man sich ein fossiles schlangenähnliches Tier mit ausgebildeten Beinen angesehen hat, wird schnell klar: Die Vorfahren der Schlangen hatten Beine, die sich dann zurückgebildet haben. Beinknochen findet man auch bei Walen, Rudimente des Menschen sind etwa die dünne Behaarung, Gänsehaut, Steißbein und Darwinhöcker.

Abgestufte Verwandtschaft: Es gibt keine Mischformen zwischen verschiedenen Tierstämmen, z.B. ein Wirbeltier mit Insektenaugen und Fühlern. Alle Wirbeltiere haben gemeinsame grundlegende Merkmale, wie Knochensubstanz und Linsenaugen, die sie von anderen Tieren abgrenzen. Und innerhalb der Wirbeltiere gibt es verschiedene Gruppen, die sich untereinander unterscheiden. Amnioten haben zum Beispiel Schuppen und hartschalige Eier, im Gegensatz zu Amphibien. Säugetiere haben getrennte Herzkammern, Haare und eine Gebärmutter, im Gegensatz zu Reptilien. Das alles deutet darauf hin, dass alle Säugetiere untereinander näher miteinander verwandt sind als mit den Reptilien und dass alle Amnioten untereinander näher verwandt sind als mit den Amphibien. Führt man diesen Gedanken fort, kommt man zur Annahme, dass sich alle Lebewesen aus einem gemeinsamen Vorfahren entwickelt und sich dann in verschiedene Richtungen aufgespalten haben. Dieser Stammbaum wird auch durch Vergleiche der Gensequenz und endogenen Retroviren gestützt.

Beobachtungen: Evolution braucht viele Millionen Jahre, aber manchmal kann man Veränderungen der Umwelt in sehr kurzen Zeiträumen beobachten. Zucht von Haustieren und Nutzpflanzen ist nichts anderes als gelenkte Evolution. Im Labor konnte man zeigen, dass Colibakterien in nur 30 Jahren ihren gesamten Stoffwechsel von Glucose auf Citrat umstellen konnten (Google doch mal Richard Lenski). In der Natur kommen manchmal auch extrem schnelle Entwicklungen vor. Man denke nur an den Industriemelanismus der Birkenspanner, aber es gibt noch mehr. Rotkehlanole (Anolisse, Anoles? Was ist der Plural von Anolis?), das ist eine Echsenart, leben auf kleinen Inseln im Süden der USA und klettern auf Bäumen herum. Auf diese Inseln wurden Bahamaanole eingeschleppt, die sehr nah mit den Rotkehlanolen verwandt sind und wie sie auf Bäume klettern. Um der Konkurrenz zu entgehen, zogen sich die einheimischen Echsen in die Baumwipfel zurück und entwickelten größere Haftsohlen, mit denen sie dort problemlos klettern konnten. Rotkehlanole sind nun an das Leben in den Wipfeln angepasst, Bahamaanole bewohnen die unteren Teile des Baumes. Und diese Entwicklung dauerte nur 10 Jahre, erdgeschlichtlich nicht einmal ein Wimpernschlag.

Hallo NRWBOY89,

gehen wir einmal davon aus, dass Du es wirklich wissen möchtest und nicht nur mit kreationistischen Sprüchen kommst... Sorry, das passiert leider immer wieder, was für Antwortende aus verständlichen Gründen auch nicht sooo schön ist. ;-)

Du schreibst in einem Kommentar

""Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll und daher stelle ich diese Frage.""

Naturwissenschaftliche Aussagen muss man nicht "glauben". Im Gegenteil. Man darf und soll fragen: "woher weißt Du das?" Dann schaut man sich die Befunde an und zieht Schlussfolgerungen.

Es gibt eine Fülle von Befunden, Beobachtungen und Daten, die einen allmählich ablaufenden Evolutionsprozess in der Natur belegen.
Die Evolutionstheorie - also die naturwissenschaftliche Theorie, die diesen Prozess beschreibt, hat einen zentralen Platz im interdisziplinären Aussagennetz der Naturwissenschaften.

Sie hat diesen Platz, weil die Datenlage so überwältigend ist. "Nichts in der Biologie ist verständlich, außer im Lichte der Evolution" hat der Biologe Dobzhansky es ausgedrückt. Die vielfältigen Formen, die wir in der Natur sehen, werden verständlich und erklärbar. Das Fossilienmuster, das wir finden, wird erklärbar. Die Evolutionstheorie hat uns wie wenig andere geholfen, die Natur um uns zu verstehen und unseren Platz in ihr zu begreifen.

Wenn Dich interessiert, wo wir überall in unserem eigenen Körper Überreste unserer Vorfahren finden können, dann schau Dir doch einmal diese kleine Miniserie von Neil Shubin an: "Unsere geheimen Vorfahren", beginnend mit dem "Fisch in uns".

http://www.zdf.de/zdfinfo/unsere-geheimen-vorfahren-37421730.html

Was ist jetzt mit der Schöpfungsgeschichte?

Da hat der Biologe Peter Hess einen schönen Text dazu geschrieben. (Den verlinke ich in einem Kommentar)

Er erklärt darin, dass die Frage "Glaubst Du an Gott oder an die Evolution?" eigentlich unsinnig ist, denn sie erzeugt einen Widerspruch zwischen diesen beiden Begriffen. In etwa so, als würde man fragen "Ist eine Banane krumm oder gelb?"

"Schöpfung" ist ein philosophisches Konzept. Es ist eine Deutung unseres Daseins aus dem Blickwinkel einer religiösen Überzeugung heraus. Die Schöpfungsgeschichten verschiedener Religionen wollen keine historischen Tatsachenberichte sein. Sie sind Glaubenszeugnisse. In Ihnen erzählun uns Menschen aus ihrem soziokulturellen Hintergrund heraus, wie sie ihr Leben als Gegenüber zu Gott empfinden. Sie erzählen uns von ihrem Glauben, warum Gott uns als Gegenüber will. "Schöpfung" ist also immer eine metaphysische Vorstellung.

"Evolution" meint jedoch einen in der Natur ablaufenden Prozess. Eine Gesetzmäßigkeit innerhalb der Natur, keine Deutung der Natur aus philosophischer oder religiöser Sicht.

Der Kreationismus macht hier einen Fehler, indem er uns die Frage als "entweder - oder" stellt. Tatsächlich sind das 2 Fragen, die man sich stellen muss. Die erste ist die Gretchenfrage "glaubst Du an Gott?" und die zweite ist "überzeugen Dich die Befunde zur Evolution". Umfragen unter Wissenschaftlern ergeben nun, dass rund die Hälfte aller Wissenschaftler irgendwelche religiösen Überzeugungen hat - verschiedenster Religionen. Aber über 98% sind von den Befunden überzeugt, die die Evolution belegen.

Allein daran sieht man bereits, dass es sich nicht um einen Widerspruch handelt. Der Kreationismus macht lediglich einen daraus. Denn um die Autorität der Bibel (oder der jeweils anderen "heiligen Schrift") absolut und unangreifbar zu machen, muss sie als absoluter, wörtlich zu verstehender Tatsachenbericht gelten.

Und das ist ein Blick auf die Bibel, der auch aus religiöser Sicht schlicht falsch ist. Die Bibel ist ein Glaubenszeugnis, das wir nur aus dem Wissenshintergrund des jeweiligen Autors verstehen und deuten können. Der Kreationismus ist also schon im Ansatz falsch.

Grüße

Ich glaube an Gott, ich bin Christ.

Ich glaube, dass diese Welt durchdacht und geplant wurde, ich glaube nicht, dass die Erde "einfach so" entstanden ist. Auch gibt es die Meinung, dass für den Urknall ein Eingreifen von Gott nötig ist.

Man kann sich auch als gläubiger Mensch mit Naturwissenschaften beschäftigen. Glaube und Wissenschaft müssen sich nicht immer widersprechen. So hat zum Beispiel Mendel, ein katholischer Mönch, wichtige Entdeckungen bei der Genetik gemacht. Der Mensch, der die Urknalltheorie aufgestellt hat, war katholischer Priester.

Laut der katholischen Kirche ist die Evolutionstheorie mit dem Glauben vereinbar.

Ich bin Christ. Wenn Du mehr wissen möchtest, was mich überzeugt, dass es Gott gibt, dann kannst Du mich z.b. fragen oder auf mein Profil gehen.

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