Schnellere Fettzunahme durch Zucker und Weißmehlprodukte?

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8 Antworten

Ja, es entspricht der gängigen Lehrmeinung, dass Kalorien aus Fett, Protein und Kohlenhydraten den gleichen Wert haben. Und auch "EGAL was du isst!" scheint richtig zu sein.

Aber auch die wissenschaftliche Meinung kann sich ändern ;-)

Der Energieumsatz kann mittels der Kalorimetrie direkt oder indirekt gemessen werden. Aus diesen Messergebnissen lässt sich bei bekannten physiologischen Brennwerten der aufgenommenen Nährstoffe der Energieumsatz berechnen. Der Energieumsatz unterscheidet sich nicht nur zwischen Arten und innerhalb einer Population, sondern ist auch in einem einzelnen Individuum von der jeweiligen Situation abhängig. aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Energieumsatz.

Wie wird der physiologische Brennwert ermittelt?

Für den physiologischen Brennwert wird vom Ergebnis der geschätzte Brennwert der verdauten Überreste abgezogen. Der per Kalorimeter ermittelte Wert ist die Energie, die bei Umsetzen des jeweiligen Stoffes mit Sauerstoff frei wird. Der Brennwert der verdauten Überreste wird folgendermaßen geschätzt: Eine durchschnittliche Verdauung bei durchschnittlicher Ernährungsweise wird als Basis angenommen, dann wird der Teil der Exkremente, der von einem bestimmten Nahrungsmittel stammt, geschätzt. Ansonsten müsste man sämtliche darin enthaltenen Darmbakterien absondern (ca. 30 %) wie auch ebenfalls abgeschilferte Darmzellen. Dann könnte man den Rest im Kalorimeter verbrennen und den Wert vom physikalischen Brennwert des interessierenden Nahrungsmittels abziehen. Der physiologische Brennwert ist nur ein grober Richtwert für Menschen. Es spielt das individuelle Verdauungssystem eine Rolle. Auch für einen einzelnen Menschen gelten keine allgemeinen Werte; das Verdauungssystem ist zeitlich wie auch nahrungsmittelspezifisch unterschiedlich effektiv. Zudem unterliegt die Zusammensetzung von Lebensmitteln zum Teil erheblichen natürlichenSchwankungen. Brennwertangaben stellen also nur eine grobe Annäherung an die im Einzelfall tatsächlich extrahierte spezifische Energie dar.aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Physiologischer_Brennwert#Bestimmung_physiologischer_Brennwerte

Die nach dem Verzehr über die Verdauung ausgeschiedenen Anteile sind nur geschätzt und variieren stark von Person zu Person. Der Rest wird im Körper nicht verbrannt, sondern auf vielfältigste Weise (oft unter Energiefreigabe) abgebaut und umgekehrt (unter Energieeinsatz) wieder neu zusammengesetzt, teils auch mit dem Urin ausgeschieden. Erhebliche Teile der Nahrung werden überhaupt nicht energetisch verwertet, sondern als Bausteine im Körper verwendet. Alles zusammengenommen sei, so die Kritik, ein für jedermann gültiger, auch nur halbwegs plausibler physiologischer Brennwert überhaupt nicht wissenschaftlich herleitbar. Erst recht ließen die gängigen, oft genug von Quelle zu Quelle stark abweichenden Zahlen keine Aussagen über den Fettstoffwechsel zu. aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Physiologischer_Brennwert#Kritik_an_Aussagekraft_und_Verwendung

Was wissen wir wirklich?

Wir haben physikalisch ermittelte teiweise geschätzte Bruttowerte, die weder die genaue Verdauungsmenge noch den Hintergrund der individuellen Verdauung kennt. Bakterienzusammensetzungen im Darm und die Durchflussgeschwindigkeit sowie Aufnahmekapazität wird außer Acht gelassen. Trotzdem glauben wir einen abgesichtern Brennwert zu haben.

Das Wissen über die Verdauung kann über die Neurogastroenterologie neue Impulse erhalten. vgl. http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2011/das-hirn-im-bauch-100.html

Professor Harald Lesch verfolgt die Fährte von Irrtümern und Fehlinformationen: https://www.zdf.de/wissen/leschs-kosmos/videos/vorsicht-zucker-102.html

Stellen sich die Fragen: Wenn der Körper die Möglichkeit hat, schnell und in Überschuss an Energie zu kommen, lagert er diese dann als Fettreserven ein?
Kommt der Körper nicht viel schlechter und unter wesentlich mehr Energieaufwand an biologisch besser verpackte Energien, weil diese deshalb auch teilweise ausgeschiedenen werden?

Sollte man nicht deshalb der Meinung sein, dass unverarbeitete (natürliche, ballaststoffreiche) Lebensmittel wesentlich schlechter biologisch und somit auch kalorisch verwertet werden und auch Ballststoffe sinnvoll sind, als schnell ins Blut aufnehmbare Stoffe mit einem hohen, direkt verwertbaren Energiegehalt?

Und, konnte ich ein wenig helfen?

Gruß seniorix

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Kommentar von AndyG66
09.02.2017, 14:01

Besten Dank.. ich hatte gerade keine Zeit es so ausführlich zu beschreiben.. aber 2000kcal sind eben nicht 2000kcal der Mensch ist weitaus komplizierter wie ein Benzinmotor :-)

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Ob du ab oder zunimmst entscheidet allein deine Kalorienbilanz. Wenn dein Tagesbedarf bei 2000kcal liegt nimmst du solange du nicht mehr als diese 200kcal ist nicht zu und auch nicht ab EGAL was du isst!

Heißt: Nein du nimmst von Weißmehlprodukten nicht schneller zu als von Vollkornprodukten wenn du nicht mehr als deinen Gesamtumsatz zu dir nimmst. Erst wenn du über deinen Gesamtumsatz zu dir nimmst (und diesen nicht durch Sport verbrauchst) nimmst du zu

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Die beste Ernährung ist immer noch ausgewogen und möglichst natürlich (Also ohne Fertigprodukte und raffiniertem Zucker.

Ausgewogen heisst:

Verschiedene Eiweissquellen
Bevorzugt komplexe Kohlenhydrate
Gesunde Fette (verschiedene - und weit mehr wie allgemein gedacht)

Der von dir gesuchte Unterschied (kurzkettig, komplex) ist tatsächlich vorhanden, da der Körper für die Verwertung von komplexen Kohlenhydraten mehr Energie braucht..  Allerdings wäre alleine dieser Unterschied vernachlässigbar da er kaum ins "Gewicht" fällt. Und die Vorteile gesunder Ernährung sowieso überwiegen..

Was willst du? Zunehmen oder abnehmen ? 

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2000kcal sind 2000kcal.

Der Körper wandelt Kohlenhydrate (auch Zucker/Weißmehl) nicht direkt in Fett um, weil er darin gar nicht besonders gut ist!

Erstmal werden die Glykogenspeicher (in Muskeln und Leber) gefüllt. Wenn man nicht über seinen Bedarf futtert, dann ist da drin auch noch Platz. Erst wenn man akut die Speicher überfordert wird vermehrt Zucker in Fett umgewandelt. Auch das ist nicht grundsätzlich schlimm - wenn es nicht zu Gewohnheit wird.

Viel "gefährlicher" ist das Nahrungsfett, das man zusammen mit den Kohlenhydraten futtert. Denn das kann mehr oder weniger direkt in die Fettdepots fließen. Und im Fettspeichern ist unser Körper ziemlich effizient. Aber auch hier gilt: Nur wenn die Kalorienzufuhr über dem Bedarf liegt.

Der Nutzen von Vollkornprodukten gegenüber raffinierten Kohlenhydraten liegt vielmehr in ihrem ernährungsphysiologischen Nutzen (nicht in den Kalorien oder den Kohlenhydraten, denn die sind jeweils die gleichen): Zum einen sind Vollkornprodukte i.d.R. reich an Ballaststoffen und sättigen deshalb einfach besser und länger. Zum anderen sind auch viel mehr Mineralstoffe enthalten, die bei raffinierten Kohlenhydraten entzogen wurden. Und Mineralstoffe brauchen wir ja schließlich auch. Wir leben schließlich nicht nur von Energie, sondern brauchen auch Substanz. Eine "Kalorie" ist eine Maßeinheit für Energie (konkret: für Wärmeenergie).

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  • Abnehmen tut man immer dann, wenn man weniger Kalorien zu sich nimmt, als man verbraucht. Das ist die Goldene Regel, an der absolut nichts vorbei führt. Gleiches gilt umgekehrt für das Zunehmen.
  • Für den Gewichtsverlust (oder umgekehrt die Zunahme) ist es völlig egal, wann man was und wie viel isst. Es kommt einzig auf die Energiebilanz an. Alles andere ist esoterisches Gerede ohne naturwissenschaftlich-medizinische Grundlage. Lass Dich bloß nicht verarschen!
  • Konkrete Antwort: Mit Weißmehlprodukten nimmst du bei gleicher Kalorienzahl nicht schneller zu als mit Vollkornprodukten. 
  • Zucker und Weißmehlprodukte können aber dazu führen, dass man schneller wieder Hunger bekommt und häufiger isst. Dann würde man eventuell mehr Kalorien zuführen und deswegen schneller zunehmen.
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Kommentar von thetee99
09.02.2017, 12:08

Sehr gute, vernünftige Antwort.

Übrigens geht das mit Geld so ähnlch ;) Einfach mehr Einnehmen, als man Ausgibt und schon kann man Geld sparen xD

Und durch zuckerhaltige, süße Lebensmittel schüttet der Körper Insulin aus um es abzubauen. Das bewirkt, dass man schneller wieder Hunger/Appetit bekommt und deswegen mehr isst, als man eigentlich braucht.

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Ich würde mal behaupten (rein aus meiner persönlichen Erfahrung), dass es keinen Unterschied macht, in welcher Form du die 2000kcal zu dir nimmst. Ich denke bei dem Weizenmehl, das auf jeden Fall schneller verdaut ist, hast du aber das Problem, dass du dann schneller wieder Hunger hast, denke ich und dann fragt sich, ob du nicht doch mehr ist als 2000kcal.

Aber grundsätzlich sind 2000kcal halt 2000kcal der nicht?

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Kommentar von AndyG66
09.02.2017, 13:35

2000kcal sind eben nicht 2000kcal! Wie auch hier immer wieder geschrieben wird! 

Der thermische Effekt spielt eine recht grosse Rolle. Und kann bis 10% der Energiebilanz ausmachen jeh nach Nahrungsmittel!

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Kommentar von ninchens
09.02.2017, 13:43

Nichts desto trotz sind Kalorien doch aber eine feststehende Maßeinheit!?

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Kommentar von ninchens
09.02.2017, 14:16

Und wie wirkt sich das aus?

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Es kommt eigentlich eher aus die Energiemenge an und nicht ob es komplexe oder einfache KH sind. Gesünder sind die komplexen, aber Abnahmen und Zunehmen entscheidet das Defizit oder Überangebot an Energie (und natürlich die körperliche Veranlagung).

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Kommentar von Haldor
09.02.2017, 12:00

"Gesünder sind die komplexen" - das stimmt. Die Überschrift "Zucker und Weißmehlprodukte" ist irreführend. Gemeint ist wohl Zucker aus Obst, nicht der ungesunde Fabrikzucker (z.B. Schokolade). Laut Ernährungswissenschaft (Bruker; s. sein Buch "Zucker, Zucker") ist die Kombination aus (Fabrik-) Zucker und Weißmehlprodukten auf die Dauer gesundheitsschädlich, weil das wichtige Vitamin B1 ausgemahlen wird, das für den Abbau von Zucker gebraucht wird, ich meine: auch für den Abbau des Zuckers aus Obst. Dieses Vitamin B1 ist sehr wichtig für den Stoffwechsel, insbesondere den Gehirnstoffwechsel. Wenn es ständig fehlt, weil man dauernd Brötchen, Kuchen, Weißbrot + zuckerhaltige Sachen ißt (Marmelade, Honig u.a.), wird man krank (meint Bruker). Deshalb sollte man es in irgendeiner Form dem Körper zuführen, z.B. durch Vollkornbrot oder Bierhefe.

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Von 2000 kcal wirst du nicht zu nehmen

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