Schmerzende Erinnerungen zur Vergangenheit, Umgang und Ablenkung... Wie, wo, was mache ich jetzt?

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3 Antworten

Ach herje.. das ist ja eine Menge!
Das was am besten helfen würde, ist, wenn du mit deinem Therapeuten offen darüber reden kannst. Wieso hast du es nur indirekt angesprochen? Inwiefern weiß er von deinen Problemen?

Da du das alles über dich preisgeben hast, will ich auch kurz über mich erzählen, da ich deine Situation teilweise sogar von mir selbst kenne.
Mein Vater hat mich auch oft verletzt.. zwar weniger körperlich (aber auch das kam vor), aber sehr stark verbal. Das kam so weit, dass ich bei jeglichem kleinsten Kommentar, der mich verletzt hat, geweint habe und ich ein Stechen im Herzen gespürt habe.. dieser Schmerz hat sich von Situation zu Situation gestapelt.. hat man Situation xy gerade erlebt, erinnert man sich an die davor und ist noch trauriger, verzweifelter und hilfloser.
I-wann war ich so weit, dass ich nicht mal alleine mit ihm in einem Zimmer sein wollte, weil mich das so belastet hat.

Dementsprechend hat eine Depression eingesetzt - ich würde grob sagen es hat so mit 14 angefangen. Ich habe mich mehr zurückgezogen und hing nur noch am PC.. ergo ich bekam eine Sozialphobie.

Mit 17, fast 18, suchte ich dann endlich eine Therapeutin auf und mache seitdem Therapie. Außerdem besuche ich eine Selbsthilfegruppe, die mir sher hilft :) Genau das würde ich dir auch raten. Mit Gleichaltrigen zu sprechen, hilft sehr. Besonders wenn sie ähnliche Probleme haben.

An der Stelle will ich dich noch auf ein Forum für Menschen mit sozialen Ängsten aufmerksam machen: sozcafe.de

Träume können erst in Erfüllung gehen, wenn man sein Leben langsam wieder zurecht gerückt hat.. kümmer dich erst um dich und deine Probleme. Die Träume werden dann schon viel einfacher in Erfüllung gehen, wenn deine Psyche stabiler ist :)

Sprich das mit den Suizidgedanken unbedingt bei deinem Therapeuten an.
Kommst du mit ihm gut klar? Falls du dich nicht bei ihm wohlfühlst und du denkst, dass ihr nicht auf einer Wellenlänge seid, dann wechsel ihn lieber.. du solltest ihm alles anvertrauen und über die Dinge reden können.

Also ja.. ich kann dich gut verstehen, auch wenn ich es nicht so heftig erlebt habe. Wichtig ist, dass du gesund wirst. Schulabschluss könnte man später immer noch nachholen.

Versuche dich nicht in depressive Phasen reinzusteigern.
Erstelle eine Notfallliste, mit Dingen, die dir in depressiven Phasen helfen könnten. Schöne Musik hören, joggen, mit xy reden, hier eine Frage stellen, deine Lieblingsserie anschauen, kreativ werden, ... schreibe auf, was du denkst, das es helfen könnte. Wenn du dann in einer nächsten depressiven Phase bist, dann probierst du die Dinge aus und schaust was dir hilft.

Versuche dich nicht mit purer Absicht noch weiter depressiver zu machen. Verzichte auf traurige Lieder, die dich noch mehr runterreißen. Sei stark, für dich selbst.

Auch ich habe Probleme mit meinem Vater und habe in der Therapie gelernt besser damit umzugehen.. habt ihr diese Situation bereits beleuchtet?
Bei mir kam dabei raus, dass mein Vater sehr viel rumkommandiert.. er muss das sagen haben, alles muss nach seiner Pfeife tanzen, er entschuldigt sich nie, kann nicht über seine Gefühle reden, hat null Empathie, sieht nicht was er mit seinen Worten anrichtet usw.
Er hat mich jedes Mal in eine unterlegenere Position gebracht. Der Therapieansatz war, dass ich durch sarkastische/humorvolle Antworten auf seine Aussagen konter. So fühle ich mich mal überlegen und die Aussagen verletzen mich nicht so. Zum Glück musst du deinem Vater erstmal nicht gegenübertreten. Sage dir nur, dass du okay bist, so wie du bist :) Halte zu dir!

Du kannst auch eine tägliche Übung machen:
Schreibe am Abend paar Dinge auf, die am Tag schön waren. Positive Dinge über dich, was du gut gemeistert hast, was schönes passiert ist, was dich glücklich gemacht hat.
Das hilft positiver zu denken und das Schöne im Leben zu sehen. Auch wenn es anfangs vielleicht nur "Das Essen war lecker" ist, ist es schon mal ein Anfang. Diese Übung hilft wirklich und schon bald fallen dir viel mehr positivere Dinge ein und das Ganze fällt dir leichter :) So findest du auch etwas mehr Lebensfreude. Wir Depressive neigen leider schnell dazu wirklich alles negativ zu sehen :'s

Und hey, ich habe schon zwei Sachen, die du heute aufschreiben kannst:
1. Hast du Kliniken besucht und bist in Therapie. Manch einer schafft das bis zu seinem Lebensende nicht, also Respekt :)
Und 2. Heute hast du die Frage gestellt und das ist ein Anzeichen, dass du an deiner Situation etwas ändern willst und gegen deine Probleme ankämpfst. Auch das hat allen Respekt verdient. Hut ab, dazu gehört sehr viel Mut :) Sei stolz auf dich!

Liebe Grüße :)

"Wahre Stärke bedeutet nicht nie zu fallen, sondern immer wieder aufzustehen!" In dem Sinne, gib nie auf :)

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Du solltest mal versuchen, Dich aktiv mit völlig anderen Dingen zu beschäftigen, bei denen Du Dich auf Deine Aufgabe konzentrieren musst. Das erzeugt eine Art Abwehr gegen die andauernden, sich selbst verstärkenden Negativ-Gedanken.

Ein wesentliches Merkmal bei Depressionen ist, dass man ständig nur um einen Negativ-Gedanken kreist und dieser sich aber dadurch immer weiter verstärkt, wodurch die Gedanken weiter darum kreisen. Das ist eine Gedanken-Falle, eine endlose Abwärtsspirale und die gilt es zu durchbrechen. Das geht aber nicht einfach so, denn ein Gedanke lässt sich nicht einfach stoppen. Je mehr Du darüber nachdenkst, wie Du es stoppen kannst, desto stärker wird der Gedanke.

Das ist so, als ob ich Dir jetzt unter Morddrohung befehlen würde, NICHT an einen dunkle Wolke zu denken. Siehst Du die Wolke? Jeder sieht die Wolke!

Aber das geht auch anders herum. Such Dir eine neutrale Beschäftigung und konzentriere Dich nur darauf. Lerne zu jonglieren, löse Sudokus, lies eine spannende Geschichte, mach Gartenarbeit oder baue Dir ein Bett oder Regal. Du kannst Dich auch in Deine Schulbücher vertiefen.

Das sind alles Dinge, bei denen Du Dich konzentrieren musst und wenn Du dabei bist und Dich wirklich konzentrieren kannst, dann treten Deine negativ-Gedanken ganz unbemerkt in den Hintergrund und Du hast für diese Zeit eine entspannte Zeit.

Auf der anderen Seite hilft es auch, Dich immer wieder über all das Leid Deines Lebens so lange auszuheulen, bis es Dir selbst auf den Keks geht. Ja, auch das geht. Aber nicht alleine, sondern nur in Verbindung mit den Ablenkungen.

Mit der Zeit wirst Du lernen durch die Ablenkungen im Kopf abzuschalten und irgendwann wird das Leid nur noch lästig. Doch insbesondere da sich dein Leid durch die Pubertät tief in Deine Persönlichkeit verwoben hat, wird es auch schwieriger werden, es wieder los zu lassen. Mit 18 bist Du aber noch in der Lage, das gut zu schaffen. Es wird nur einfach anstrengender und mühsamer. Aber glaube mir mal, es lohnt sich und Du wirst damit Erfolg haben, wenn Du nicht nachlässt.

Dein schulisches und berufliches Leben solltest Du mal hinten dran stellen. Das kannst Du noch nachholen, denn Du bist noch jung genug. Wichtiger ist erst mal Deine Genesung, denn ohne die kannst Du auch jeden Abschluss und jede Karriere knicken. Und wenn es doch mal ein bisschen länger dauert, egal, wir haben ein gutes Sozialsystem das auch genau dafür gemacht wurde, um Menschen wie Dich nicht fallen zu lassen und Dir zu helfen.

Du bist nie wirklich allein. Es wird in Deinem Leben immer jemanden geben, der Dir beisteht. Das muss nicht immer die ganz große Geste sein oder "bis ans Ende ihres Lebens". Es reicht mal hier und dort eine helfende Hand zu haben und einfach mal die Kleinigkeiten zu genießen.

Gib nicht auf. Es gibt wirklich Hoffnung und ein besseres Leben für Dich. Das versichere ich Dir.

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ich habe diese Frage schon öfters mal Therapeuten "indirekt" gefragt,

Dann frage den Therapeuten direkt, nicht indirekt. DAfür sind sie da.

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