Schizophrenie - Stigma?

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5 Antworten

Ich bin selbst schizophren und pflege mit meiner Krankheit einen sehr offenen Umgang. Ich stehe dazu, dass ich die Krankheit habe und umgehe das Thema nicht. Wenn mich zum Beispiel jemand fragt, was ich arbeite, sage ich, dass ich erwerbsunfähig bin - und oft auch, warum.

Und ich erlebe eigentlich so gut wie keine Diskriminierung. Die meisten Leute fragen eher interessiert nach, wenn ich mich oute. Einige verstehen mich nicht so ganz und nur ganz ganz wenige fangen dann an, mich zu meiden.

Auch mit Selbststigmatisierung habe ich keine Probleme. Ich bin alter Punkrocker und Anarcho und finde es eigentlich eher schön und interessant, ein Verrückter zu sein - auch, weil das für mich eine Möglichkeit ist, mich dieser allgegenwärtigen kapitalistischen Verwertungslogik zu entziehen.

Außerdem bringt die Krankheit eine Tiefe an Gefühlen und Erlebnissen mit, die einfach die Lebensintensität erhöht. Und sie zwingt mich dazu, darauf zu achten, was im Leben wirklich zählt. Wenn ich das vergesse, falle ich nämlich schnell wieder in die Krise.

Edit nach der Lektüre des Beitrags von Skogsdottir: Solche Sprüche wie "Das merkt man Dir aber gar nicht an" oder das beliebte Missverständnis, ich hätte mehrere Persönlichkeiten, bekomme ich natürlich auch oft zu hören. Aber ich denke dann eigentlich immer, dass ich gerade dabei bin, die Vorurteile zurechtzurücken - und habe dann gerade ein gutes Gefühl.

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danke fuer deine antwort! darf ich auch dich fragen, ob du die ursachen deiner erkrankung kennst?

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@icreatereality

Danke für das Sternchen erstmal, icreatereality!

Und was die Ursachen für meine Erkrankung angeht, so kann ich mir das schon ungefähr zusammenreimen. Neben Vererbungsfaktoren (unter meinen Vorfahren und Verwandten gibt es eine ganze Reihe psychisch Kranker oder sehr labiler Menschen) sind es wohl eine Reihe von teilweise sehr negativen Dingen, die mir in meiner Kindheit und Jugend zugestoßen sind. Was das genau war, möchte ich allerdings hier nicht ausbreiten.

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hey Gronkor. deine einstellung gefällt mir. was sind denn die symptome deiner krankheit, bzw. sind sie von außen bemerkbar und spürst du immer wenn sie auftreten wenn ich fragen darf? ich kenne zwei sehr verschiedene schizophrene menschen und mich würds interessieren wie sich bei dir die erkrankung bemerkbar macht?

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@suitman1230

Jetzt muss ich direkt überlegen, wie weit ich mich hier oute.

Und ich glaube, unter dieser Frage und wenn das nicht der Fragesteller wissen will, möchte ich das gerade nicht.

Sorry, suitman1230. Vielleicht ein andermal.

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Hallo,

Ich selbst bin schizophren von Geburt an, und die Dinge die ich mir am meisten anhören muss, sind entweder:

,,Du wirkst garnicht verrückt/schizophren/als hättest du Halluzinationen/*andere Symptome*!" (Außer das ich als Kind sehr abwesend war)

,,Also ich hab jetzt aber keine andere Persönlichkeiten getroffen?!"

"Du bist halt etwas spezieller, das heißt doch nicht gleich, dass du Schizophrenie hast. Die sind richtig weg da oben."

Oder es wird, ohne Witz, Kontakt abgebrochen - selbst, wenn man sich schon länger als 6 Monate kannte. Oder gelästert, weil ich den Erwartung eines Schizophrenen nicht erfülle.

Ansonsten höre ich immernoch am meisten, dass ich nicht schizophren bin, weil ich nicht wirke als wäre ich wahnsinnig und dann wird mir auch nicht geholfen, wenn ich psychotische Panik/Wahnattacken erleiden - wird nicht ernst genommen, weil ich meiste Zeit lang relativ normal wirke, mit einigen "Eigenarten", sagt mein Freund.

Wegen der paranoide Schizophrenie und anderen Erkrankungen, arbeite ich nicht, zumindestens nicht offiziell (Helfe auf unseren Bauernhof aus, da ich wegen meiner Essstörung auch nicht viel hier tun kann). Aufgrund der Schizophrenie darf ich auch nicht Auto fahren - zum einen wegen der Medikamente und wegen der Gefahr der Dissoziation und Halluzinationen während des Fahrens (Fahrrad fahren tu ich deshalb auch nicht alleine, zumindestens keine großen Unbekannten Strecken).

Ansonsten fällt mir mehr nicht ein.

Liebe Grüße,
Skogsdottir

Achja, ich bin heute am PC und werde dich dann adden, falls das noch erwünscht ist.

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Erstmal sind immer noch sämtliche psych.Erkrankungen in unserer Gesellschaft stigmatisiert und es wird allerhöchste Zeit,dass sie aus ihrer "Grauzone" herauskommen. Ebenso psychiatr.Einrichtungen,die salopp und allgemein als "Klapse" bekannt sind.

Die Schizophrenie ist eine Erkrankung,die viel Aufklärungsbedarf hat, da sie recht mannigfaltig ist und eine der grössten Psychosen überhaupt darstellt.

Sie wird allein schon in 4 Hauptgruppen unterteilt:

Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie

Hepephrene Schizophrenie

Katatone Schizophrenie und

Schizophrenia simplex

"Schizophrenie" kommt aus dem griechischen und bedeutet " Bewusstseins-oder Geistesspaltung",was aber irreführend ist,da sich Schizophrenie nicht dadurch äussert,dass zwei oder mehrere Persönlichkeiten gleichzeitig in einem Menschen existieren (Multiple Persönlichkeitsstörung).

Die Schizophrenie betrifft die menschliche Psyche in ihrer  Gesamtheit und zeichnet sich durch abnorme Erlebniswelten aus,die die Wahrnehmung,das Erleben,Fühlen und Denken des Betroffenen betreffen.

Die Symptomatik ist für den Aussenstehenden sehr viel schwieriger nachzuvollziehen,als bei den depressiven oder manischen Phasen affektiver Erkrankungen.

Ein tolles Buch, welches die Allgemeine Meinung mal ein wenig zum Nachdenken bringen könnte,hab ich hier gefunden:

Manfred Lütz "Irre! Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen"

Alle psychischen Erkrankungen können ein Stigma nach sich ziehen, weil die so genannten Gesunden sich ja für normal halten und Angst haben vor Menschen, die sie für unnormal halten.

Schizophrenie gehört sicherlich zu den stigmatisiertesten Erkrankungen, leider.

Falls es Dich selbst betrifft: halt Dich an die Menschen, die Dich mögen und respektvoll und menschlich mit Dir umgehen.

"Schizophrenie" ist ein historisch entstandener, nicht eigentlich medizinisch begründeter, Sammelbegriff für eine Menge Phänomene, die der Psychiater quasi für wirklich "schwerwiegend" hält (ähnlich dem sog. "Wahn").

Insofern ist es auch klar, dass gerade diese Phänomene auch stigmatisieren, denn sie sind ja die, die dem, der sich für normal hält, wirklich verrückt erscheinend.

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