Schimmel, wer zahlt erneut?

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4 Antworten

Überschüssige Feuchtigkeit schlägt sich an den kältesten Bauteilen nieder. Das sind jetzt nicht mehr die Fensterflächen (Glas!), sondern eben die Rollladenkästen. Warum auch immer.

Wenn Du glaubst, ihr lüftet ausreichend, dann ist das Gegenteil erwiesen, wenn nicht Feuchtigkeit von außen kommt.

Ausreichend und vor allem richtiges Lüften ist gefragt und vor allem auch Heizen. Es gibt ein Gerät, das wir selbst auch an verschiedenen Stellen einsetzen und das immer zeigt, ob man wirklich ausreichend lüftet. An den gefährdeten Stellen aufgestellt, zeigt es und warnt auch akustisch, wenn es zu feucht ist und lüften oder mehr heizen gefordert ist. Nennt sich Schimmelradar, kostet etwas über 20 € und gibts zum Beispiel bei voelkner.de . (Habe weder mit dem Vertrieb des Geräts noch mit dem genannten online-Händler zu tun, sondern einfach nur gute Erfahrungen gemacht.)

In Eurem Fall glaube ich, dass ihr diesmal dran seid.

Oskalino 21.01.2017, 18:09

Wir lüften jeden tag und heizen jeden tag. Und das mehrmals

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bwhoch2 22.01.2017, 11:39
@Oskalino

Da kann man jetzt nur noch auf den Beitrag von onki verweisen, der das sehr ausführlich und gut erklärt.

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Schimmel ist ein Mangel an der Wohnung für deren Beseitigung der Vermieter zuständig ist. Die Kosten der Beseitigung trägt der Verursacher des Schimmels.

Zur Reduzierung der Schimmelgefahr ist die Wohnung gleichmäßig zu beheizen. Hier wird ab und zu von beiden Seiten gespart: vermieterseitig wird die Heizanlage manchmal in die Nachtabsenkung geschickt, mieterseitig wird ab und zu ähnliches getan.

Fährt die Heizanlage nach der Absenkung hoch, so trifft schnell erwärmte Raumluft auf die noch kalten Wände (Aussenwände). Die Luft kühlt an der kalten Wandoberfläche übermässig stark aus. Daduch steigt die rel. Luftfeuchte Wandoberflächennah im Vergleich zur Raumluftfeuchte übermässig stark an. Das steigert die Gefahr der Schimmelbildung.

Ein gleichmässiges Durchheizen schafft maximal mögliche Oberflächentemperaturen an der Wand, was der Schimmelbildung entgegen wirkt. Türen zu geringer temperierten Zimmern (z.B. Schlafzimmer) sind stehts geschlossen zu halten, sonst strömt die feuchtwarme Luft der anderen Räume in das Schlafzimmer ein und hinterlässt dot die Feuchte an der kühleren Aussenwand.

Wächst der Schimmel an Innenwänden ohne das ein Rohrbruch etc. vorliegt, dann liegen eindeutig Lüftungsfehler vor. Oftmals in Badezimmern zu finden. Schimmel braucht zum Wachstum eine dauerhafte rel. Luftfeuchte im Oberflächenkontakt von mind 70%. Ab 80% wachsen die meisten Schimmelarten.

Wächst der Schimmel an der Aussenwand, so erfolgt in der Regel keine ausreichende Erwärmung der Wandoberfläche durch die Heizanlage. Dieser Fall ist daher eher dem Vermieter zuzuschreiben. Ausnahme ist, wenn die Fenster ständig gekippt sind und hier die Heizanlage deshalb keine warmen Wandoberflächen schaffen kann (Fensterlaibung, Rollladenkasten).

Die Heizanlage muss einen Raum ausreichend erwärmen können, was die Erwärmung der Wandoberflächen zur Schimmelvermeidung beinhaltet.

Da mit der heutigen Heiztechnik sehr oft auf viel Warmluft durch den Heizkörper unter dem Fenster gesetzt wird, was zu einer sehr ungleichmässigen Wärmeverteilung im Raum führt, sind Schimmelprobleme hier keine Seltenheit.

Die Warmluft des Heizkörpers steigt nach oben zur Zimmerdecke. Dort bleibt sie, bis sie sich abkühlt, was in der Regel an der Aussenwand - neben dem Heizkörper - geschieht.

Die Luft sinkt nun unter weiterer Auskühlung im Wandoberflächenkontakt mit der Aussenwand nach unten, weil kühlere Luft schwerer wird. In sich abkühlender Luft reduziert sich aber auch das Wasserdampfaufnahmevermögen, was die Steigerung der rel. Luftfeuchte zur Folge hat.

Daher beginnen Schimmelprobleme in der Regel an kalten Oberflächen, die oft an den unteren Wandbereichen oder auch am Rollladenkasten zu finden sind.

In Abhängigkeit von der Temperatur der kalten Oberfläche hilft lüften mehr oder weniger gut. Alles was über zwei Mal lüften am Tage hinausgeht kompensiert letztendlich die fehlerhafte Heizanlage (unzureichende Wärmeverteilung) auf Kosten (Heizkosten) der Mieter.

Lüften senkt die allgemeine Raumluftfeuchte. Dadurch wird eine kühlere Oberfläche weniger "gefährlich" für mögliche Schimmelbildung, weil sich die Luftfeuchte dort noch einige Prozent durch Luftabkühlung erhöhen kann ohne dass die rel. Luftfeuchte in den schimmelgefährdeten Bereich hinein läuft.

Das ist die Strategie der Vermieter, die die Mieter zu einem noch besseren Lüftungsverhalten auffordern. Es wird übersehen, dass diese geforderten Lüftungsorgien entbehrlich sind, wenn die Wandoberflächentemperatur näher der allgemeinen Raumlufttemperatur läge und damit die Luftauskühlung mit der entsprechenden Luftfeuchteerhöhung im Wandoberflächenkontakt vermindert wird. Vorrausetzung ist allerdings eine rel. Luftfeuchte im Raum von deutlich unter 70% in den Wohnräumen.

Eine sehr einfache und relativ peiswerte Prävention gegen Schimmelbildung ist das einfache Heizrohr unten entlang der Aussenwand verlegt (Heizrohrschleife).

Hierdurch wird gezielt der untere Wandbereich erwärmt, was der Luftabkühlung und damit auch der Luftfeuchteerhöhung entgegen wirkt. Daduch wird die Wand trockener - dem Schimmel wird die Lebensgrundlage entzogen.

Die Temperierung nach Henning Großeschmidt ist eine weitere, sehr gute  Möglichkeit der Schimmelprävention. Hierbei wird ein Heizrohr, bzw. eine Heizrohrschleife dicht unter der Putzoberfläche unten entlang der Aussenwand geführt. Die Aussenwände sollten dafür allerdings keine 25cm dick sein, sondern schon mind. 38cm (36,5cm) stark sein.

Das sogt für eine lokal warme Putzoberfläche, von welcher die oberflächennah erwärmte und dadurch getrocknete Luft aufsteigt und den darüber liegenden Wandbereich erwärmt. Dadurch wird die gesamte Wand trocken gehalten.

Eine Aufputz-Variante sind die Heizleisten in ihren verschiedenen Bauformen (siehe Internet). Diese legen einen von unten aufsteigenden Warmluftschleier vor die Wandoberfläche und sorgen dadurch für eine warme, trockene und schimmelfreie Wand.

Wird eine große Oberfläche erwärmt, so sendet diese Wärmestrahlung in den Raum aus. Wärmestrahlung setzt sich mit Lichtgeschwindigkeit fort (elektromagnetische Welle wie Licht), trifft auf weitere Oberflächen, wo ein Teil absorbiert (je nach Helligkeit/Beschaffenheit der Oberfläche) und in Wärme umgewandelt wird und ein Teil reflektiert wird und auf weitere Oberflächen trifft.

Da nennt sich dann Strahlungsaustausch. Durch den Strahlungsaustausch werden alle Oberflächen im Raum auf ein nahezu gleichmäßiges Temperaturniveau gehoben, was der Schimmelbildung entgegen wirkt.

Auch der Rollladenkasten über dem Fenster wird so an der inneren Oberfläche gut mit Wärme versorgt, was hier die Schimmelbildung mit Sicherheit (sofern übliche Wärmedämmstandards am Rollladenkasten eingehalten sind) stoppen kann.

Die Tempierung des Hauses durch das einfache Heizrohr, bzw. durch die Heizleiste sogt für trockene Wände, deren Dämmwerte sich durch die Austrocknung stark verbessern.

J.S. Cammerer hat den Zusammenhang zwischen der Wandfeuchte und den Dämmwert schon vor Jahrzehnten untersucht. Seine Ergebnisse lassen sich mit seinem Namen und der Bildersuche schnell googeln.

Hierbei wird ersichtlich, dass es für gute Dämmwerte nicht nur wichtig ist, das Haus trocken und schimmelfrei zu halten, nein es ist viel wichtiger, das Haus knockentrocken zu bekommen, für beste Dämmwerte.

Feuchte setzt sich in den Poren und Kapillaren der Wandbaustoffe ab. Hier verdrängt das entstandene Wasser die gut dämmende Luft. Das Wasser leitet die Wärme aber deulich besser als die Luft.

Daher ist der Wandtrocknung vorrang vor allen Dämmmaßnahmen zu geben, denn sehr oft haben sich weitere Dämmmaßnahmen auf der trockenen Wand dann erübrigt.

Mein altes Haus (Bj.1926) hat Heizleisten (System Radia-Therm im Selbsteinbau) bekommen. Dadurch trocknete das Haus - was einige Jahre leer stand und stark auffeuchtete - relativ zügig aus.

Die Aussenwände meines Hauses sind nicht sonderlich dick - zweischaliges 30cm dickes Mauerwerk (12cm Stein - 6cm Luft - 12cm Stein), teilweise von innen mit 10cm Ytong "gedämmt".

Trotz des relativ schlechten Wärmedämmstandards sind die inneren Wandoberflächen der Aussenwände durch die Heizleisten angenehm warm. Es gibt kein Kältegefühl mehr. Schimmel natürlich auch nicht.

Für angenehm warme und schimmelfreie Wände kommt es also in erster Linie nicht darauf an, wie gut das Haus gedämmt ist, sondern wie gut die Wärme der Heizanlage im Raum (vor der Aussenwandoberfläche) verteilt wird.

bwhoch2 22.01.2017, 11:36

Sehr gute und sehr ausführliche Darstellung eines komplexen Problems. Hilft vielleicht die Vorgänge in dem speziellen Fall besser zu verstehen und gemeinsam mit dem Vermieter eine dauerhafte Löung zu finden.

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Oskalino 22.01.2017, 13:55

Danke für die ausführliche Antwort. Unser Haus ist denkmalgeschützt. Die Räume sind sehr hoch und die Heizung sehr weit unten. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass die warme Lust nicht bis ganz oben kommt. Der schimmel ist nur an den Außenwänden und an der decke ( der Dachboden besteht aus holzbrettern und Ziegeln, dort sind fast schon minusgerade bei den Temperaturen jetzt), d.h. Dort oben ist auch relativ schlecht abgedichtet. Und wie gesagt, wir lüften jeden tag und heizen natürlich im Winter auch.

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Hi,

was wir denken ist doch irrelevant.

Der Vermieter muss schimmelfreien Wohnraum zur Verfügung stellen. Wie er das macht ist doch seine Sache.

Oskalino 21.01.2017, 17:39

als wir eingezogen sind, war kein schimmel da. Zumindest nicht sichtbar. Das ist jetzt erst die letzte Zeit wieder raus gekommen. Die Vormieter hatten aber wie gesagt auch schon Probleme mit schimmel. Und die Nachbarn auch

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herja 21.01.2017, 17:41
@Oskalino

Naja, dann musst du den Vermieter auffordern den Schimmel fachgerecht beseitigen zu lassen.

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bwhoch2 21.01.2017, 17:41

@herja: Das wird der Vermieter wohl getan haben.

Der Mieter ist dann hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Wohnung schimmelfrei bleibt.

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herja 21.01.2017, 17:43
@bwhoch2

Das wird der Vermieter wohl getan haben.

Woher nimmst du die Gewissheit?

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der vermieter

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