Schimmel wegen neuer Fenster?

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9 Antworten

Das kann tatsächlich an den Fenstern liegen.

Ich habe früher in einer Wohnung gewohnt, in der die Fenster nur doppelt verglast waren. Ausserdem war keine anderweitige Dämmung des Mauerwerks vorhanden. Ic habe Wäsche in der Wohnung getrocknet - und hatte nie beschlagene Scheiben.

Heute wohne ich in einer Wohnung mit ebenfalls doppelverglasten Fenstern Jedoch wurde hier (Ziegelbauweise) zusätzlich eine Dämmung angebracht - im Winter beschlagen meine Fenster andauernd.

Meine ehemalige Nachbarin hatte ständig im Schlafzimmer das Fenster auf Kipp. Nebenan ist mein Kinderzimmer. Die Wand war voller Schimmel. Seitdem sie ausgezogen ist und das Fenster zu ist, habe ich wundersamerweise kein Schimmelproblem mehr.

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Kommentar von AnReRa
29.01.2016, 16:47

habe ich wundersamerweise kein Schimmelproblem mehr

Also ein Wunder ist das nicht. Reine Physik steckt dahinter.
Wenn die Nachbarin dauernd lüftet, dann ist diese Wand kalt. Entsprechend bildet sich Kondenswasser und Schimmel.

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Ein Zusammenhang mit den neuen Fenstern erscheint durchaus plausibel: Der Feuchtigkeitshaushalt einer Wohnung wird durch neue, in der Regel besser dämmende Fenster natürlich geändert, weil sie weniger Kältebrücke sind als die bisherigen Fenster. Dann sucht sich das Kondenswasser andere Kältebrücken, wie scheinbar bei euch.

Das bedeutet, dass man nach dem Einbau neuer Fenster sein Heiz- und Lüftverhalten und eventuell auch die Aufstellung der Möbel überprüfen und anpassen muss. Eure Feuchtigkeitswerte sind schon grenzwertig, da ist Schimmelbildung keine Überraschung. 

Einmal Lüften nach dem Duschen ist zum Beispiel häufig zu wenig, weil durch das Lüften nur die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit abgesenkt wird. Beim Duschen bildet sich aber meistens auch schon Kondensfeuchtigkeit im Bad (auf Fliesen und Spiegel meist gut sichtbar), die nach dem ersten Lüften kaum weg ist. Tagsüber verdunstet die dann in aller Ruhe, bleibt aber in der Wohnung. Und kann wegen der nunmehr sehr dichten Fenster nicht mehr im früher möglichen Umfang entweichen.

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Kommentar von IGEL999
29.01.2016, 17:28

Das Ding heißt Wärmebrücke!

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Schimmel entsteht immer bei einem ausreichend hohem Feuchteangebot. Dies ist ab einer rel. Luftefuche von dauerhaften 70% an einer Oberfläche gegeben. Feuchten reichern sich dort an, wo sich (stehende) Luft auskühlt, denn wenn sich Luft auskühlt, steigt in ihr - wegen dem verminderten Wasserdampfaufnahmefähigkeit - die relative Luftfeuchtigkeit an.

In Altbau-Erdgeschoßwohnungen ist der Bereich des Fußbodens besonders kritisch zu betrachten. Früher wurden die Wohnungen mit Einzelöfen beheizt. Diese boten dem Raum viel Wärmestrahlung. Diese Wärmestrahlung sorgten für ein gleichmäßiges Erwärmung aller Oberflächen im Raum und ließ die Luft vorerst kühler.

Die Luft erwärmte sich nachrangig an den wärmeren Oberflächen, wobei die rel. Luftfeuchte sank, weil sich die Wasserdampfaufnahmefähigkeit in der sich erwärmenden Luft erhöhte. Dadurch wurden Oberflächen getrocknet und trocken gehalten. Der Schimmel hatte damit so gut wie keine Chance.

Heute, mit der überwiegend warmluftlastigen Beheizung der Raüme, kehren sich diese Verhältnisse um, mit den zum Teil negativen Folgen der Schimmelbildung.

Die Warmluft des Heizkörpers steigt zur Zimmerdecke und fällt erst wieder nach unten, wenn sie sich abkühlt. Das geschieht vor der Aussenwandoberfläche, neben der Heizung. Unter Auskühlung und damit mit ansteigender rel. Luftfeuchte sinkt die Luft zu Boden. Unten am Boden hat die ausgekühlte Luft nun den höchsten Luftfeuchtewert, hier ist die Schimmelgefahr groß.

Da von unten keine Wärme kommt, weil der Keller unbeheizt ist oder es keinen Keller gibt, sogt auch nichts dafür, dass die kalte Luft wieder aufsteigt. Wärmestrahlung würde hier helfen, diese bietet aber der Heizkörper aber nur in einem viel zu geringen Umfang.

Hier einige Wärmestrahlungsanteile gängiger Kompaktheizkörper (erste Zahl = Anzahl der wasserdurchströmten Heizplatten, zweite Zahl = Anzahl der aufgeschweißten Konvektionsbleche):

Typ 33 -> ca. 20% Wärmestrahlung

Typ 22 -> ca. 25% Wärmestrahlung

Typ 21 -> ca. 30% Wärmestrahlung

Typ 11 -> ca. 35% Wärmestrahlung

Typ 10 -> ca. 55% Wärmestrahlung

Hierbei wird ersichtlich, dass der einfache Heizkörper Typ 10 den höchsten Wärmestrahlungsanteil bietet, da er kaum lufterhitzende Elemente (keine Konvektionsbleche) besitzt. Die Anteile Wärmestrahlung/Warmluft sind bauartbedingt.

Eine Umrüstung auf den einfachen Heizkörper Typ 10 (der wird bei gleicher Wärmeabgabeleistung aber deutlich größer als die anderen Kompaktheizkörper) würde den Fußboden schon besser erwärmen und damit erhöhte Luftfeuchten im Bereich des Fußbodens mindern. Die Schimmelgefahr würde damit sinken. Auch würden Heizrohrschleifen unten innen vor den Aussenwänden diese Wände von unten her mit Wärme versorgen, was erhöhte Luftfeuchten in diesem Bereich vermindert, bzw. verhindert.

Als Mieter hat man jedoch nur eingeschränkte Handlungsfähigkeit bezüglich der Erhöhung des Wärmstrahlunsanteils der Heizung im Raum. Ggf. mal etwas über den "Heizdeckel" im Internet lesen.

Oft hilft nur noch die 3-5minütige Stoßlüftung in anfänglich sehr kurzen (stündlichen) Intervallen, um die Feuchte aus der Wohnung zu bekommen. Diese sitzt hauptsächlich in den Wänden, die eine sehr hohe Wasseraufnahmefähigkeit besitzen, deshalb ist die Lüftung zur Feuchtesenkung in der Wohnung ein lange andauernder Prozess. Er kann einige Monate dauern. Wichtig ist die Beständigkeit der Maßnahmen.

Auch sollte durchgängig geheizt werden, denn jede Nachtabsenkung vermindert temporär die Wandoberflächentemperatur, was die Wand beim Wiederanheizen des Raumes feuchteanfällig macht.

Die im Raum zirkulierende (Warm-)Luft sollte ungehindert alle Oberflächen anströmen können, an denen sie sich auskühlen kann um hier für einen Wärmeeintrag zur Erhöhung der Oberflächentemperatur zu sorgen. Das ist in erster Linie die komplette Oberfläche der Aussenwand (Möbilierung auf Abstand halten und ggf. auf Füße stellen), in der EG-Wohnung aber auch der Fußboden. Der Raum unter dem Bett solte daher nicht zugestellt werden (Kartons, Schubkästen, etc.), so dass die Warmluft gut unter dem Bett zirkulieren kann. Da der Fußboden kalt ist, entzieht dieser auch durch Strahlungsaustausch der im Abstand darüber befindlichen Matratze die Wärme. Daher ist die Unterseite der Matratze durch Auskühlung auch schimmelgefährdet.

Die neuen Fentser in der Wohnung sogen für ein durchschnittliches höheres Luftfeuchteniveau, durch ihre erhöhte Dichtheit. Durch das höhere Luftfeuchteniveau werden aber auch die Wände feuchter, womit der Dämmwert sinkt. Wer denkt, mit den neuen Fenstern wird Heizernergie eingespart, sollte sich die nächsten Heizkostenabrechnungen etwas genauer ansehen.

Auftretende Schimmelproblematiken nach dem Fensteraustausch hängen nun damit zusammen, dass durch das erhöhte Luftfeuchteniveau nun die Luftfeuchte bei Luftauskühlung (vor kalten Oberflächen) in den schimmelgefährdeten Bereich steigt. Vorher stieg die Luftfeuchte bei der Luftauskühlung vor kalten Oberflächen auch an, aber vermutlich nicht in den schimmelgefährdeten Bereich (dauerhaft über 70% an einer Oberfläche).

Daher war eine "vernachlässigte" Lüftung vor dem Fensteraustausch weniger problematisch. Nun muss sehr darauf geachtet werden, es sei denn, man verteilt die Wärme (durch Wärmestrahlung) endlich so im Raum, dass es keine kühlen Oberflächen mehr gibt. Dann erspart man sich auch übermäßiges Lüften und die Wände werden duch Wärmebeaufschlagung getrocknet und bekommen dadurch ihren ursprünglich hohen Dämmwert zurück, was zur Heizkosteneinsparung beiträgt.

Die Schimmelvermeidung durch übermäßiges Lüften wird heute also dem Mieter überlassen, obwohl es die Möglichkeit gibt, den Schimmel durch eine gleichmäßige Heizwärmeverteilung im Raum zu vermeiden und dann eine einmalige tägliche Lüftung aus hygienischen Aspekten ausreichend wäre.

Letztendlich ist es also ein bauliches Problem, was der Mieter durch vermehrtes Lüften auf seine Kosten (Heizenergie) ausgleichen kann (muss) und wegen der Schimmelvermeidung  (Gesundheitsgefahr) auch sollte.

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Man kann die Fenster mit Rahmen-dauer-Lüftern ausrüsten, dann hat der Schimmel keine Chance mehr - natürlich liegt das an den zu dichten Fenstern .Info z.B. hier:

http://www.regel-air.de/

Ach ja, die muss der Vermieter einbauen lassen - nicht ihr

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Kommentar von jennyled30
29.01.2016, 16:50

Danke für den Tipp !!

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Die neuen Fenster dämmen besser, sind dichter. Das bedeutet in diesem Fall, dass die Feuchtigkeit, die nun an den Wänden ist, vorher vieleicht am Fenster gelandet wäre.

Ich sehe in deinem Text aber durchaus Dinge, die verbesserungswürdig sind und eher als Ursache anzusehen sind.

2x Lüften ist für einen Zweipersonenhaushalt nicht viel. Wenn ihr 120 Quadratmeter habt, kann das reichen, aber so würde ich euch mindestens ein drittes Mal Lüften nahelegen. Und angesichts der jetzigen Notsituation am besten übergangsweise etwa im Zweistundenrhythmus. Bei Anwesenheit, versteht sich.

Dafür müssten etwa jeweils 5 Minuten reichen, bei Durchzug und Wind können manchmal auch 2 Minuten schon einen überragenden Luft- und Feuchtigkeitsaustausch bewirken.

Möbel gehören nicht vor Außenwände. Wenn Möbel vor Außenwänden stehen, können die Wände von der warmen Innenluft nicht erwärmt werden, während von der anderen Mauerseite die Kälte bis in die Wohnung zieht. Hinter den Schränken wird es kalt, die Luft gibt dort ihre Feuchtigkeit ab, Schimmel entsteht. Möbel also am besten vor Innenwände umsetzen, oder etwas von der Wand abrücken.

Ihr seid in einer Erdgeschosswohnung. Ist die unterkellert? Die Geschichte mit eurem Bett.... wenn es nicht gerade zufällig direkt an der Außenwand war, müsste es hier eine Wärmebrücke von unten gegeben haben. Damit hättet ihr nicht nur Gefahr von den Außenseiten, sondern auch von unten. Und mindestens das Bett und am besten auch andere großflächige Möbel sollten auf Füßen stehen.


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Kann es tatsächlich an den neuen Fenstern liegen ?

Ja. Das stimmt tatsächlich.
Die alten Rahmen waren vermutlich aus Holz und es hat - vermutlich - immer etwas durch den Rahmen gezogen. Damit gab es einen konstanten Luftaustausch und damit eine 'natürliche' Regulation der Luftfeuchtigkeit.

Die neuen Fenster sind da wesentlich besser. D.h. jetzt steht die Luft. Also innen warm und feucht, außen kalt. Damit kondensiert das Wasser innen an den kalten Wänden (oder auch am Boden wenn der zum Keller hin nicht gedämmt ist) und verteilt sich, wo es feucht ist bildet sich Schimmel. Da kann Schimmelspray oder ähnliches niemals lange helfen.

Den 'Vorteil' der niedrigeren Heizkosten erkauft man sich mit Schimmel.

Ein Endlösung kann hier nur eine komplette Gebäudedämmung sein.

Ganz ehrlich :
Wenn der Vermieter nicht dämmt (das muss er nicht) , dann wäre es fast besser sich gleich eine neue Bleibe zu suchen. Ihr als Mieter werdet das Problem nicht in den Griff bekommen. Kurzfristig kann ein elektrischer Lufttrockner helfen, aber der kostet massig Strom und ist nicht wirklich Schlafzimmer tauglich.

Natürlich kann auch irgendwo eine Undichtigkeit im Rohrleistungssystem vorliegen, aber wenn der Schimmel nahezu gleichzeitig überall aufgetaucht ist, ist das eher unwahrscheinlich.

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Kommentar von jennyled30
29.01.2016, 16:03

Danke für die tolle Antwort. Wie verhält es sich denn wenn mir die Verwaltung droht mich für Schäden haftbar zu machen ? Dürfen die das einfach so ? Vor allem nachdem fast klar ist das es an den Fenstern liegt ?

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Die relativen Feuchtigkeitswerte der Wohnung sind  bei Euch so hoch, wie in tausenden anderer Wohnungen auch. Auch dass die Feuchtigkeit nach der Lüftung innerhalb einer Stunde wieder die alte Höhe hat, ist normal. Darum gibtn es täglich im Internet  tausende Hilferufe, waskann ich tun.
Der Maler hat höchstwahrscheinlich recht undm du hast den schwarzrn Petern an der Backe. In Skandinavien werden beim Fensterwechsel   dreifach Verglaste mit regelbaren Lüftungsschlitzen ringebaut. Soweit sind die Experten hierzulande noch nicht. Du kannst in jedem Zimmer eine Entlüftung anbringen. Du kannst in die Küche eine Profiabzugshaube von 2 KW mit 50 mm Abzugsrohr setzen. Die Anlage lässt man täglich 3 mal15 Minuten voll laufen. Das war meine persönliche Lösung. Die Abzugshaube habe ich gebraucht vonn Ebay bekommwn. Seutb der Zeit keinen Schimmel mehr. Der Grund, warum die Feuchtigkeit nach dem Lüften so schnell wieder ansteigt,  hat, damit zu tun, dass alle Möbel, die Bettwäsche, die Kleider überflüssiges Wasser speichern und nach dem Lüften wieder abgeben.

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Naja, 2x lüften und danach immer auf Raumtemperatur aufheizen ist ja schon vorbildlich. Es kann sein, dass die Feuchtigkeit von einem nassen Kellermauerwerk kommt, aber das muss sich ein Fachmann ansehen - und kein Maler! Es gibt auch andere Ursachen aber von hier aus kann ich schlecht was sagen.

Mit verstärktem Heizen und Lüften kann man auch gröbere Baumängel in den Griff kriegen, aber wenn das ein älteres Haus ist, dann gibt es fast keine Baumängel.

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Da kommen Sie wohl nicht umhin, häufiger Stoßlüftiung zu betreiben und bielelicht 2 ° mehr zu heizen, bis die betroffenen Bereiche soweit abgetrocknet sind, dass die Raumfeuchte kontinuierlich niedrig bleibt.

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