Schimmel - Was können wir noch tun?

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Wann macht man eine Wohnung komplett neu? Wenn man als Vermieter zu viel Geld übrig hat und dem Mieter etwas Gutes tun will oder wenn die Bude verschimmelt ist und sie nur mit einigen Investitionen vermietbar, bzw. verkaufbar gemacht werden kann?

Ich gehe davon aus, dass die Wohnungen schnell und billig "saniert" und dann zum guten Preis verkauft wurden.

Als Lösung für die schnelle und preiswerte Sanierung haben sich mit Sicherheit styroporkaschierte Gipskartonplatten angeboten, die innen an die Außenwände geklebt wurden. Daher klingen die Wände hohl, wenn man dagegen klopft.

Da man diese Wände nur mit einer solchen Innendämmung beklebt, wenn es schon ein massives Schimmelproblem gab und der Schimmel grundsätzlich nur bei einem ausreichendem Feuchteangebot auf einer nährstoffhaltigen Oberfläche wächst, ist davon auszugehen, dass hinter dem Gipskarton mit dem Styropor die alte Bestandswand ordentlich feucht ist und demzufolge auch keinen vernünftigen Dämmwert mehr besitzt.

Das Styropor dämmt nun noch ein wenig, so dass auf dem Gipskarton vermutlich noch kein großflächiger Schimmel wächst. Durch Feuchteausgleich zwischen der Bestandswand und dem Styropor feuchtet dieses aber auch im Laufe der Zeit auf und verliert dadurch an Dämmwert. Die Außenwände können also mit zeitlichem Abstand auch wieder anfangen zu schimmeln.

Die Auffeuchtungsvorgänge am Styropor werden beschleunigt durch die Diffusion von Wasserdampf von der Raumseite aus durch die Gipskartonplatte. Da Styropor grundsätzlich diffusionsoffen ist, also den Wasserdampf durch lässt, und sich bei der Wanderung durch das Styropor der Wasserdampf stark abkühlt, besteht die reelle Gefahr, dass an der Schichtgrenze Styropor/Bestandswand flüssiges Wasser (Kondensat) ausfällt. Das kann nur verhindert werden, indem man raumseitig das Eindiffundieren erhöhter Mengen an Wasserdampf verhindert.

An der Decke war diese "Sanierungsmethode" mit den styroporkaschierten Gipskartonplatten offensichtlich nicht möglich, daher gibt es dort nun schnell und wiederholt Schimmel. Ursächlich ist hier die Raumluftauskühlung vor zu kalter Oberfläche.

Trotz guter allgemeiner Luftfeuchtewerte durch ein gutes Lüftungsverhalten (mehrmaliges tägliches stoßlüften) kann die rel. Luftfeuchte oberflächennah an der Zimmerdecke durch Luftauskühlung so stark ansteigen, dass es zur Schimmelbildung kommt.

Erste Schimmelsporenarten keimen aus, ab einer Oberflächenfeuchte von 0,7aw, was einer davor stehenden Luftschicht mit 70% rel. Luftfeuchte entspricht. Bei einer Oberflächenfeuchte von 0,8aw (80% rel. Luftfeuchte) sind so gut wie alle Schimmelsporenarten keimbereit.

Bei Luftauskühlung steigt die rel. Luftfeuchte der Luft immer an (sie wird feuchter), wenn der Luft kein Wasser entzogen wird. Das liegt daran, dass die maximale Wasserdampfaufnahmefähigkeit der auskühlenden Luft absinkt. Die maximale Wasserdampfaufnahmefähigkeit ist aber der Bezugswert für die Bestimmung der relativen Luftfeuchte.

Sicherlich wird die Zimmerdecke zum Dachboden/Speicher entsprechend der Bauvorschriften zum Zeitpunkt der Errichtung des Hauses gedämmt sein. Fraglich ist nun aber, ob die Dämmung noch ihre Wirkung hat oder im Laufe der Jahre aufgefeuchtet ist, was den Dämmwert deutlich senkt. Dies ist zu prüfen.

Sanierungsvorschlag der Sanierung:

Ich gehe davon aus, dass das Dach regendicht ist. Durch Kondensat ggf. aufgefeuchtete Dämmstoffe auf dem Speicher sind durch neue Dämmstoffe zu ersetzen, wobei Holzfaserdämmstoffe (Pavatex, etc.) wegen der kapillaren Wasserleitfähigkeit zu bevorzugen sind.

Die Gipskartonplatten vor den Außenwänden können bleiben, wenn sichergestellt wird, dass von innen wenig Luftfeuchte eindiffundieren kann.

Da in sich erwärmender Luft die rel. Luftfeuchte sinkt, weil das Wasserdampfaufnahmevermögen ansteigt, diese Luft also trockener wird, ist es angeraten direkt vor die innere Oberfläche der Außenwände einen aufsteigenden Warmluftschleier durch die hydraulische Heizleiste (mal googeln) zu legen. Dieser Warmluftschleier hat eine geringere rel. Luftfeuchte, als die allgemeine Raumluft. Die Wandoberfläche wird also von der feuchteren Raumluft abgeschirmt, der Feuchteeintrag in die Gipskartonplatte wird dadurch effektiv vermindert, was die Kondensatbildung im Wandaufbau verhindert und die Wand trocknet, was den Dämmwert erhöht. Da mit dem Warmluftschleier vor der Wandoberfläche der Außenwand auch angrenzende Wandbereiche (einbindende Innenwände etc.) an der Oberfläche gut erwärmt werden, wird hier auch die sogenannte "Flankendiffusion" (http://www.tbas.de/Flankendiffusion.html) der Feuchte stark vermindert, wogegen man ansonsten unschöne Dämmkeile auf die einbindende Wand klebt.

Durch den aufsteigenden Warmluftschleier der Heizleiste wird die Wandoberfläche über der Heizleiste deutlich über Raumlufttemperatur erwärmt. Diese wärmere Oberfläche sendet nun milde Wärmestrahlung mit Lichtgeschwindigkeit in den Raum aus und erwärmt dadurch alle anderen Oberflächen gleichmäßig (durch den sehr schnell statt findenden Strahlungsaustausch). Dadurch wird auch sehr effektiv die Zimmerdecke - trotz ggf. wegen vorhandener Auffeuchtung guter Wärmeableitung nach außen - erwärmt. Da diese Zimmerdecke in der Folge nun durch die Wärmestrahlung mit der Oberflächentemperatur sehr nahe bei der Raumlufttemperatur liegt (Abweichung max. 2-3°C), kommt es zu keiner starken Raumluftauskühlung im Oberflächenkontakt mehr. Dadurch wird ein starker Luftfeuchteanstieg vermieden. Vor der wärmeren Zimmerdecke befindet sich nun also auch eine trockenere Luftschicht als zuvor, deshalb trocknet auch die Oberfläche ab und der Schimmel an der Decke vertrocknet. Durch die Trocknungsprozesse erhöht sich auch hier der Dämmwert der Baustoffe, was die Heizkosten langfristig sinken lässt. Mit Heizleisten beheizte Wohnräume weisen gegen über der herkömmlichen Heizkörperheizung einen Heizkostenersparnis von bis zu 30% auf. Die Ursache liegt in dem gestiegenem Dämmwert der Baustoffe durch Trocknung. Daher wird die Heizleiste auch als "Anti-Schimmel-Heizung" bezeichnet, weil sie dem Schimmel an Wand und Decke keine Chance gibt.

Arbeiten an der Heizanlage bedürfen aber bei Gemeinschaftseigentum der Zustimmung der Eigentümerversammlung.

Die herkömmliche Heizkörpertechnik produziert zu viel Warmluft, wodurch sich das Schimmelrisiko erhöht. Die Warmluft steigt zur Zimmerdecke kühlt dort ab, sinkt vor der Außenwand unter Abkühlung und Erhöhung der rel. Luftfeuchte im Oberflächenkontakt nach unten, so dass in den unteren Wandbereichen die Schimmelgefahr ansteigt - vor allem in den nur schwer von der Warmluft erreichbaren Raumecken. Luft ist ein schlechter Wärmeträger. Bei erhöhtem Wärmebedarf, weil beispielsweise schon Wandbereiche aufgefeuchtet sind, kann die Warmluft der Heizung unter Umständen die Erwärmung der inneren Oberflächen nicht mehr sicher stellen, so dass sich das Schimmelrisiko deutlich erhöht. Bei anfänglichem, lokal begrenzten Schimmelwachstum hilft sicherlich noch ein verstärktes Lüften (kürzere Intervalle der Stoßlüftung), bei fortgeschrittener Auffeuchtung und dadurch viel zu geringer innerer Oberflächentemperatur wird es auch bei 40% allgemeiner Raumluftfeuchte direkt vor der stark unterkühlten Oberfläche über 80% rel. Luftfeuchte geben. Entscheidend sind dabei nicht die letzten Zentimeter vor der Wandoberfläche, sondern der letzte Millimeter der Luftschicht, in welchem durch Luftauskühlung die rel. Luftfeuchte ansteigt.

Mittels des Mollier-h-x-Diagramms kann man die Luftfeuchte im Wandoberflächenkontakt ermitteln mit den Werten der Raumluftfeuchte und der Raumlufttemperatur (beides in der Raummitte gemessen) und der Wandoberflächentemperatur.

Die beschlagenen Fenster deuten auch auf zu wenig Wärmestrahlung im Raum hin, denn Wärmestrahlung behindert sehr stark die Kondensatbildung an der inneren Fensteroberfläche. Wärmestrahlung wird zu 100% vom Fensterglas reflektiert. Sobald sich jedoch ein kleines Wassertröpfen Kondensat auf der Fensterscheibe bildet, wird dieses durch die Wärmestrahlung erwärmt und sofort wieder zum Verdunsten angeregt. Das habe ich in meinem eigenem Häuschen bemerkt, denn durch die Heizleisten hat dieses einen sehr hohen Wärmestrahlungsanteil und selbst bei einem noch vorhandenem alten Einfachfenster gibt es kein Kondensat am Einfachglas, obwohl dieses einen miserablen Dämmwert hat und demzufolge eigentlich nur Kondensat aus der Luft ziehen müsste.

Grundsätzlich sollten die Räume gleichmäßig durchgeheizt werden, denn jedes Anheizen nach der Nachtabsenkung etc., hat zur Folge, dass die innere Wandoberflächentemperatur auf Grund der thermischen Trägheit der Wand noch eine lange Zeit der schnell ansteigenden Raumlufttemperatur mit großem Abstand hinterher läuft. Dadurch entstehen unnötig große Temperaturdifferenzen zwischen der Raumluft und der Wandoberfläche, die eine unnötig hohe rel. Luftfeuchte an der kühleren Wandoberfläche zur Folge hat. Das gilt nur bei der Beheizung mit viel Warmluft, denn bei der Wärmestrahlung wird zuerst die Oberfläche erwärmt und nachfolgend erwärmt sich daran die Raumluft.

Aus dem gleichen Grund sollte auch die Tür zu einem höher temperierten Raum steht geschlossen bleiben, denn sonst strömt die feuchtwarme Luft ins kühlere Zimmer ein und hinterlässt hohe Feuchtewerte an der dort vorhandenen noch kühleren Wandoberfläche der Außenwand, was die Schimmelgefahr dort steigert.

Wenn die Luftfeuchtigkeit im normalen Bereich liegt, dann könnten Schäden an der Fassade ursächlich sein oder ein nicht üblicher Wandaufbau. Aber von hier aus läßt sich das so schlecht sagen.

Die Mängel solltet ihr dennoch dem Vermieter mitteilen. Wenn keine Abhilfe geschaffen werden kann, wäre Mietminderung geboten. Die Dämmung des Daches bringt auch hier nicht viel. Eher sollte über eurer Decke gedämmt werden. Der Speicher darüber kann ruhig kalt sein.

Danke :-) Ich werde dem Vermieter auch zeigen, dass die Wände sehr hohl klingen. Bin mal gespannt was dabei rumkommt.

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Schäden an der Fassade würden aber auch im Sommer zu Feuchtigkeitseinwirkungen und Schimmel führen, oder? Aber vielleicht fehlen ja auch ein paar Steine wodurch die Wand nur noch halb so dick ist und sich der Dämmwert halbiert hat - dann kann es natürlich sein...

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@Onki73

Ja, oder es hat ein besonders Schlauer die Wände (wo die Steine fehlen...) mit Gipskarton verkleidet... und deshalb klingen die Wände hohl. Wer kann das sagen? Kristallkugel heute kaputt...

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Das klingt als wären die Wände zu dünn und es gibt irgendwo eine Kältebrücke. Am besten ausziehen, das Problem werdet ihr nie los. Gegen Schimmelwuchs hilft für eine Weile Schimmelspray mit Aktivchlor von decotric für ca. 8€ aus dem Baumarkt.- allerdings stinkt es ziemlich. Wir hatten auch schon anderen Spray, da war der Schimmel ruckzuck wieder da. Man muss aber immer wieder behandeln und lüften.....und hoffen dass der Winter schnell rum ist.

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