Schiff des Theseus, wie wäre das nach den deutschen rcht, wem würde das Schiff gehöhren?

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3 Antworten

Also, zuerst mal liegt zwischen Theseus und dem Werfteigner ein Werkvertrag (§ 631 Abs. 1 BGB) vor, dessen Inhalt die Veränderung einer bestehenden Sache (§ 631 Abs. 2 BGB) ist, nämlich der Austausch aller vorhandenen Bauteile des alten Kahns gegen neue. So weit die schuldrechtliche Seite der Angelegenheit.


Weitaus interessanter ist die sachenrechtliche Seite, und danach ist ja schließlich auch gefragt:

Der Bootsbauer zerlegt den Kahn nicht sofort in sämtliche Einzelteile, sondern er tauscht nach und nach die Bretter gegen neue aus. Diese Info ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Lösung, denn ein Boot, an dem nur ein paar Bretter abgebaut sind, ist immer noch ein Boot. Werden jetzt anstelle der abgebauten neue Bretter an das Boot angebaut, werden diese also fest mit einer beweglichen Sache (= Boot) verbunden und dadurch wesentliche Bestandteile dieser Sache. Sobald das passiert ist, ist der Eigentümer der beweglichen Sache (= Theseus) auch Eigentümer der neuen Bretter (§ 947 Abs. 1 BGB). Dieser Vorgang wiederholt sich nun so oft, bis das ganze Boot nur noch aus neuen Teilen besteht, die somit alle in Theseus' Eigentum übergegangen sind. Wir halten also als Zwischenstand schon mal fest: Das Boot aus den neuen Teilen gehört Theseus.

Und was passiert mit den alten Brettern? Die werden durch den Werfteigentümer nach und nach zu einer neuen beweglichen Sache (= einem Boot) zusammengefügt. Er erwirbt durch diese Art der Verarbeitung eines Stoffes (= Bretter) das Eigentum an der neuen beweglichen Sache (Boot; § 950 Abs. 1 Satz 1 BGB). Und dadurch verliert Theseus seine Eigentumsrechte an den alten Brettern (§ 950 Abs. 2 BGB), sodass das neue Schiff aus alten Brettern ihm nicht gehören kann.

Wir halten also als Ergebnis fest: Die erste Lösung,

Das Schiff aus Dock A ist Theseus' Schiff

ist nach deutschem Recht die richtige.

P.S.: Damit haben wir das Pferd von hinten aufgezäumt. Eigentlich hätten wir, da Theseus vermutlich Grieche ist, erst mal feststellen müssen, dass ein Fall mit Auslandsberührung vorliegt und somit dem Internationalen Privatrecht unterliegt, wonach zu untersuchen gewesen wäre, welche Rechtsordnung überhaupt anzuwenden ist. Vermutlich wären wir gar nicht beim deutschen Privatrecht gelandet (denn Theseus und sein Vertragspartner haben offensichtlich keine vertragliche Rechtsordnungswahl getroffen), sondern hätten den Fall nach der Rom-I-VO entscheiden müssen. Jedenfalls mindestens noch so lange, wie Griechenland noch Mitglied der EU ist...

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Nur das erneuerte Schiff.

Es sei denn es ist festgehalten worden, dass Theseus auch die alten Planken wieder übergeben werden. Ansonsten hat Theseus auf das neue Schiff keinen Anspruch, denn der Werfeigner hat ja Arbeit rein gesteckt.

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Das neuzusammengebaute gehört Theseus, das aus den alten Planken gehört dem Eigner der Werft, ist ja logisch.

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