Sattelpad ja oder nein?

5 Antworten

Ich kann dazu nur sagen - Dein Pferd, deine Entscheidung ! 

Mir fehlt echt jegliches Verständnis dafür, warum man diese Frage im Internet stellen muss und Menschen, die weder dich und das Pony kennen, um ihre Meinung bittet. 

Stell dir mal folgendes vor: Du bekommst eine Antwort, dessen Pony ganz toll bemuskelt ist, ein hochwertiges Pad benutzt und es nicht zu oft macht. Dessen Pferd kommt damit vielleicht ganz gut klar - langfristig. Du hast - wir wissen es ja nicht - aber möglicherweise ein älteres Pferd mit bereits unentdeckten Rückenproblemen, nicht so toll bemuskelt, kaufst dir den günstigen Nachbau eines Pas und erfreust dein Pferd damit. Langfristig beginnst du dich zu wundern, warum dein Pferd plötzlich merkwürdige Dinge tut, die es vorher nicht gemacht hat. 

Ich käme nie auf die Idee, jemanden, der mein Pferd so rein gar nicht kennt, der nicht abschätzen kann, wie sattelfest ich bin oder wie rittig mein Pferd ist, zu fragen, was ich tun soll. Egal, worum es sich handelt. 

Du hast es getestet, es hat dir gefallen, dein Pferd lief offensichtlich auch zufriedenstellend - also, was hindert dich daran, so ein Pad zu kaufen. 

Oder würdest du es tatsächlich sein lassen, wenn hier nur genügend "Gegenstimmen" sich zu Wort melden ? Doch wohl eher nicht ?!

Und PS: Nein, ich würde niemals so ein Pad kaufen. Ich habe im Laufe meines Reiterlebens festgestellt, dass ich sogar durch ein dickes Filzpad und den Westernsattel die Bewegungen meines Pferdes sehr gut spüren kann. Da muss ich ihm definitiv nicht zumuten, dass ich ihm meine Sitzbeinhöcker ins Kreuz drücke...

Eine Antwort kannst Du, wie schon von jemand anderem geäußert, nicht bekommen, aber ein paar Anhaltspunkte, die Dir möglicherweise die Entscheidung erleichtern:

- Ein Sattel verteilt das Reitergewicht auf bis zu 7 Brustwirbel und somit auf 8 Wirbelgelenke (9.-15. Brustwirbel maximal). Mit einem Pad wirkt man eher auf 3 Brustwirbeln ein (natürlich noch Abhängig vom Größenverhältnis Pferd / Reiter), d.h. jedes Wirbelgelenk muss etwa die doppelte Last auf den Nachbarwirbel übertragen.

- Der lange Rückenmuskel ist ein Bewegungsmuskel. Er ist nicht für schnelle Kontraktion gebaut, wie beispielsweise ein Beinmuskel, der beim Sprung spontan viel Kraft freisetzen muss, sondern schwingt beständig. Auf dem sitzt man. Ob mit oder ohne Sattel. Mit liegt das Sattelkissen im Idealfall flächig auf (wenn nicht Knötchen in der Polsterung sind, die Sattelunterlage sauber glatt liegt und die Polsterausformung zum Pferderücken passt, der Sattel passt). Ohne drücken die Sitzbeine in den Rückenmuskel. Einzig und alleine diesen Druck kann ein Barebackpad verteilen, die Last nicht. Das heißt, möchte man ohne Sattel reiten, sollte man zugunsten dieses Muskels auf ein Barebackpad zurückgreifen.

- Ohne Sattel spürt man nicht nur sein Pferd deutlicher, sondern auch das Pferd spürt den Reiter überdeutlich. Das heißt, um das Pferd nicht zu verwirren, ist es wesentich, dass man ausbalanciert sitzt und genau weiß, was man an Gewichtshilfen gibt, nicht etwa unbewusst einwirkt und das Pferd fragt sich ob dieser starken, aber falschen Einwirkung, was das soll. Manche werden dann "stur" und fangen an, den Reiter zu ignorieren, andere wehren sich. Beides möchte man nicht, weshalb man wirklich erst dann ohne Sattel reiten sollte, wenn man sich seiner Hilfen absolut bewusst ist.

- Da man ohne Sattel anders sitzt, ist noch immer nicht gesagt, dass man wirklich immer noch saubere Hilfen gibt, auch hier muss man immer hoch aufmerksam sein, wenn man sein ansonsten gut gerittenes Pferd nicht zurückwerfen möchte in der Abstimmung mit dem Reiter.

- Es gibt kein Pad, wo "der Wirbelkanal frei" ist - das ist Quatsch, auch wenn es die Werbung so verkauft. Wer sich mal mit Druckmessungen befasst hat, der sieht, dass das Pad aufliegt und das ist so. Punkt. Entsprechend muss man eben auf sein Pferd Rücksicht nehmen und wenn, nur kurz ohne Sattel reiten und das selten.

- Ob ein "gut gepolstertes" Pad das Pad der Wahl ist, muss man das Paar "fragen", sprich, ausprobieren lassen. Als ich mir eines kaufen wollte (nach vielen Jahren Pferdebesitz wird man doch mal neugierig, es mal noch näher zu spüren), habe ich mir viele zum Ausprobieren geliehen. Meine Empfindung bei den gepolsterten: Schwammig, man "schwankt" regelrecht. Äußerung meines Pferdes: "Bitte steig wieder ab, ich hör jetzt auf zu laufen. Geh runter, sonst muss ich mich wehren". An der Tagesform lag es nicht, denn sobald ich mit einem dünnen, in meinem Fall dem Gaston, aufgesessen bin, ging er lockerst und entspanntest und ich konnte fein einwirken - nur für meinen Hintern war das gepolsterte besser, weil ich halt auch schmale Pferdetypen bevorzuge und entsprechend ein solches Pferd habe.

So, jetzt stehst da und musst bewerten: Ist es Dir den Aufwand wert, nach einem passenden Pad zu suchen, evtl. wie ich, viele auszuprobieren? Bist Du reiterlich auf einem Stand, wo das passt? Magst Du wirklich investieren für wenige Minuten am Stück und selten? Wir haben unseres letztendlich gemeinsam für mehrere Pferde gekauft, weil man es einfach zu wenig einsetzt, dass es sich rechnet. Die 50-Euro-Dinger kann man schlicht und ergreifend vergessen und die richtig guten liegen bei 150 Euro aufwärts.

I.d.R. finden die Pferde es nicht so toll, wenn sie alle Bewegungen von oben spüren.

Wer ohne Sattel reitet sollte sich perfekt im Einklang mit dem Pferd bewegen können und keine spitzen Sitzhöcker haben.

Gerade Traber rumpeln ja gerne im Trab, da ist das Sattelpad nicht ideal.

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