Satire über Grosseltern

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»Opa happy machen« von Bernd Katsch

Offen gesagt: Wir hatten Opa vollkommen vergessen. Das letztemal hatten wir ihn bei seinem 85. Geburtstag gesehen. Das war vor drei Jahren. Da war er aus dem Hinterzimmer, in dem er mit seinen Kaninchen lebt, herausgekommen, um sich feiern zu lassen.

Aber nicht genug damit: Nach dem Essen mußten wir mit ihm Schafskopf spielen. Als er dann -- von einem Gläschen Kräuterlikör angeschickert -- Geschichten aus seiner Jugend erzählte, sagte meine Frau leise zu mir: »Es ist schon eine Last mit alten Leuten.«

Opa, ansonsten taub auf beiden Ohren, zog sich beleidigt in sein Zimmer zurück und schloß sich dort ein. Das hatten wir nun von unserer Freundlichkeit. »Soll er schmollen, bis er hundert wird«, meinte meine Frau. Opa schwand aus unserem Bewußtsein.

Neulich sahen wir dann eine Fernsehsendung über »Die Rolle des alten Menschen in unserer Gesellschaft«. Alte Leute wurden gezeigt und interviewt. Sie warteten -- von allen gemieden, ohne Beschäftigung -- nur noch auf den Tod. Meine Frau konnte die Pralinen nur noch unter Schluchzen in den Mund schieben. Ich murmelte: »Ja, soll das denn wahr sein? Gibt’s so was denn überhaupt?« Fast hatten wir uns schon wieder beruhigt, da kam uns Opa in den Sinn. »Himmel«, rief meine Frau, »ob er wohl noch lebt?« Wir faßten uns ein Herz und öffneten die Tür zu Opas Zimmer. Ei, da saß er ja -- aufrecht im Sessel, einen Kohlstrunk in den Händen.

»Opa«, riefen wir, »sei fröhlich. Wir sehen dich jetzt mit ganz anderen Augen. Du darfst jetzt wieder mit uns am Tisch essen und im Wohnzimmer Pfeifchen rauchen.« Opa antwortete nicht. Er redete nur noch mit seinen Kaninchen. Wir waren ziemlich ratlos.

Dann aber erinnerten wir uns an die Stelle der Fernsehsendung, in der ein Professor gesagt hatte: »Ein wichtiger Faktor für die Rückgliederung alter Menschen in die Gesellschaft ist eine sinnvolle Beschäftigung.« Wir drückten Opa den Staubsauger in die Hand und stellten einen Dienstplan auf: Montags bringt Opa Flaschen weg. Dienstags: Gartenarbeit. Mittwochs darf er unseren Wagen waschen. Donnerstags: Teppich klopfen, Wäsche aufhängen. Freitags: Fenster putzen, Treppenhaus reinigen. An Wochenenden kann er gammeln, bis er vor Langeweile von sich aus Staub wischt und die Schuhe putzt. Wenn Opa nun nicht happy ist, können wir ihm auch nicht helfen. Dann liegt es eben an seinem Charakter.

Das ist eine Satire, die gefunden habe, ab frag mich nicht, wo. Du kannst sie ja als Grundlage nehmen bzw. irgendwie für eigene Bedürfnisse abwandeln.

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