Sartres Auffassung von Willensfreiheit und die Vernunft

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Vernunft bezeichnet die Fähigkeit des menschlichen Denkens, aus den Erfahrungen zielgerichtete Zusammenhänge herzustellen, bereits hergestellte Zusammenhänge zu reflektieren und dem eigenen Handeln eine Grundlage zu positiven Problemlösungen zu geben. Vernunft kann als Fähigkeit „als Anteil eines höheren Wissens“ gesehen werden, das sich zu Problemlösungen an „vom Höheren“ gesetzte Ziele hält und umsetzt. Das ist sozusagen eine Perspektive von außen, wie sie unterschiedlichsten idealistischen und religiösen Vorstellungen eigen ist. Sartre dagegen wählt die Perspektive von innen, wie sie der Sophismus, der Epikureismus und der Utilitarismus kennen. Vernunft ist das Vermögen des Individuums, auf Basis des kulturellen Status (bekanntes Wissen und Meinungs- wie Werteangebote) unter Abwägung jeweiliger Problemlagen Entscheidungen zu treffen, die bei Gesellschaftskonformität das Individuum nicht schlechter stellen. Handeln setzt Entscheidungen voraus, sei es, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen oder Probleme positiv aufzulösen. Auch Nicht-Handeln ist gemessen an der Unausweichlichkeit von Handeln nur eine Variante des Handelns.

Freiheit ist Wahlfreiheit auf eine offene Zukunft hin bei relativer Ungewissheit. Mit seinem Satz „Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein. Verurteilt, weil er sich nicht selbst erschaffen hat, und dennoch frei, weil er, einmal in die Welt geworfen, für all das verantwortlich ist, was er tut.“ verknüpft Sartre die Unausweichlichkeit des Handelns mit der Unausweichlichkeit der Entscheidung. Freiheit hat jetzt nicht mehr ein gewisses „Allmachtspotential“ des Idealismus, eine außerhalb der realen Welt ungebunden stehende Kraft, sondern Freiheit ist eingebunden. Der Mensch als Teil einer aktiven Umwelt, die ihn vor immer neue Handlungsnotwendigkeiten setzt, hat die Freiheit, nach rechts oder links zu gehen, aber er muss gehen, und nicht gehen ist auch gehen. Die Vernunft ist ihm dabei die „Wünschelrute“ der Entscheidungsfindung. Hierhin passt der Satz: „Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht.“ Und doch wäre dieser Satz völlig falsch interpretiert, wenn man ihn nicht im Wechselspiel sieht mit „dem Anderen“ und dessen ständigen Herausforderungen an ihn. Dabei kann sich die Sorge, immer die „richtige Entscheidung“ zu treffen, auch Angst einstellen. Angst ist die existentielle Grundstimmung der Unsicherheit, die offene Zukunft mit einem Wissen und Orientieren aus den Erfahrungen der Vergangenheit positiv bewältigen zu können.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Irgendwelche Literatur über die philosphische Strömung des Existentialismus (Sartre, Camus u.a.) wird dir genügend Antworten geben !

pk

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?