Wie kann man eine sanftere Stimme bekommen?

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2 Antworten

Teil 1:

Mädchen haben ebenfalls einen kleinen Stimmbuch, der nennt sich "Modulation" und vollzieht sich zumeist in einem einzigen Prozess - anders bei den Jungen, da geht das in mehreren Schüben.

Bei Mädchen ist die Stimm-Modulation zumeist bis zum 16. Geburtstag abgeschlossen, auch bei ihnen wird die Stimme insgesamt dunkler. Wie viel mehr im Vergleich zur helleren jungen Mädchenstimme dies sein wird, bestimmen die Anlagen in der Familie des Mädchens und ihre individuelle hormonelle Situation. Dass eine Stimme dunkler wird, bedeutet nicht, dass sie dabei auch härter wird. Sollte die stimmliche Entwicklung bei Dir also nicht sowieso bereits abgeschlossen sein (was durchaus möglich ist), musst Du nicht befürchten, dass Deine Stimme durch diese Veränderung noch härter und schriller wird - im Gegenteil: Wenn dunklere Anteile mit hinein kommen, kann dies die Stimme auch weicher klingen lassen.

Das "Schrille", wie Du es beschreibst, hängt aber zumeist eher von der persönlichen "Sprechtechnik" ab, die nicht immer automatisch natürlich ist, sondern durchaus auch ungünstig angewöhnt sein kann. Du kannst im Grunde mit jeder Stimme, egal, wie sie sich entwickelt und ausgeprägt hat, kräftiger /härter oder auch sanfter / weicher sprechen. Wenn sie schrill wird und Du dann auch zumeist höher sprichst, kann dies auch an einer inneren Grundspannung liegen. Aufgedrehte, nervöse Grundhaltungen können sozusagen auf die Stimme schlagen und sie schrill, hart und unangenehm werden lassen.

Viele Mädchen und auch Frauen kennen das aus den Situationen, in denen sie sich heftig aufregen (im positiven o. negativen Sinn) oder auch im aktiven Kontakt mit anderen Jugendlichen: Da rutscht die Stimme dann versehentlich oder auch generell in einen flacheren "Sitz" und der Klang verschärft sich automatisch. Es gibt Mädchen, die rein stimmungsmäßig diese "grundaufgeregte" innere Haltung haben, insbesondere in der Pubertät.

Wenn sie auf ihre Stimmung achten und sich ein intensives, überzogenes Hineinfallen-Lassen in exteme Stimmungen nach und nach abgewöhnen, wird auch die Stimme diese Veränderung wiederspiegeln. Die Stimme ist immer unmittelbar mit nervlichen und psychischen Ebenen verbunden. Nur stimmlich gut ausgebildeten Leuten ist es möglich, ihre Stimme über eine gezielte Steuerung und Kontrolle unabhängig von dieser inneren Stimmung und emotionalen Lage zu benutzen. Dies sind Stimm- bzw- Sprechtechniken, die man erlernen kann.

Eine weichere, sanftere Stimme kannst Du ebenfalls erreichen. Zunächst solltest Du darauf achten, ob Deine Stimme oft einfach nur Deine Anspannung und Stimmung wiederspiegelt. Dann nämlich könntest Du Deine Stimme zu einer anderen Ausstrahlung bringen, indem Du übst, Dich stimmungsmäßig nicht mehr so exzessiv zu verhalten, sondern nach aussen einen gemäßigteren Ausdruck zu finden. Die Stimme wird sich darauf mit der Zeit einstellen. Ansonsten ist eine sanftere Stimme rein technisch gesehen auch eine Frage des Stimmsitzes.

Dies kann ich Dir theoretisch nicht erklären bzw. Du hättest nichts davon, weil es nicht einfach nachvollziehbar ist und man hierzu stimmtechnisches Grundwissen haben muss. Es ist eine rein praktische Sache, den Stimmsitz zu überprüfen und eventuell zu verbessern und zu korrigieren. Dazu bräuchtest Du Begleitung und persönliche Korrektur, praktische Anleitung. Wenn die Stimme einen optimalen Sitz hat, ist sie auch optimal modulierbar, d.h., Du kannst dann lernen damit zu "spielen", sie unterschiedlich einzusetzen, sie weicher oder härter klingen zu lassen.

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MissMarplesGown 12.11.2015, 06:18

Teil 2:

Ein kleines Experiment für Dich:

1) Suche Dir eine freie Wand oder geschlossene Tür. Stelle Dich mit einigem Abstand mit leicht gegrätschten Beinen davor, strecke die Arme aus und lehne die Handflächen gegen die Wand. Die Arme dürfen und sollen leicht eingeknickt, also nicht ganz gestreckt sein, wichtig ist aber auch, dass Du so weit von der Wand entfernt stehst, dass Du Dich schräg nach vorn lehnst und einiges Gewicht auf Deinen Armen und Händen liegt.

2) Finde nun mit geschlossenen Lippen summend einen Ton, der für Dich angenehm zu summen ist, er sollte im unteren Bereich dessen sein, was Du ohne Mühe summen und Deine mittlere Tonlage nennen würdest. Es sollte also kein hoher Ton sein. Keine stimmlichen Experimente oder Ansprüche an Klang, es geht hier nicht um Singübungen! ;-) Der Ton soll nur locker, entspannt und bequem kommen und darf auch lauter und leiser werden.

3) Summe diesen Ton immer wieder einige Sekunden, während Du Dich weiter gegen die Wand stützt. Beginne von dort aus einen Ton tiefer und dann einen Ton höher zu gleiten (langsam mit der Stimme über die Halbtöne gleiten, ohne dass der Ton "abreißt") und finde immer wieder zum Ausgangston zurück. Mach damit eine Zeit weiter.

4) Stelle die Füße noch ein wenig zurück, damit Du Dich bis zur Wand noch weiter nach vorn fallen lassen musst und der Druck auf die Hände noch etwas größer wird. Summe weiter, spiele mit diesen ca. 3 Tönen, rauf und runter, halte den mittleren Ton immer wieder einige Sekunden, lass ihn ab- und anschwellen. Geh mit dem Gesicht näher an die Wand, achte auf Deine Stimme, wie sie sich anfühlt, sich verändert, weil Du die Hände abstützt und auf den Armen Druck ist, wie sie klingt.

5) Nun nimm die Hände von der Wand und stelle Dich aufrecht hin, schüttle die Arme ein wenig aus und probiere Deine Sprechstimme aus. Stelle Dir vor, Du würdest zu einer Freundin sprechen, sage irgend etwas, rede weiter. Beginne leise und dezent, als würde sie direkt vor Dir stehen, finde dann zu einer normalen Durchschnittslautstärke, so wie Du sprechen würdest, wenn sie zwei Meter von Dir entfernt stehen würde, Schreie nicht, rufe nicht, werde nicht laut. Tu so, als solle euch nicht jeder hören. Achte darauf, ob Du nun mit dieser Stimme auch sanfter sprechen kannst? Experimentiere, stelle Dir vor, du sprichst zu einem Baby, das schon fast einschläft - oder zu einem Hund.

Technisch gesehen musst Du "mehr Luft in die Stimme lassen" (müsste ich Dir zeigen bzw. vormachen) und vor allem ist dies erforderlich: Die Halsmuskulatur und der Kiefer, die Gesichtsmuskulatur müssen locker und entspannt sein, während Du sprichst.

Wenn hier nun noch keine entspanntere = weichere Stimme zu erreichen ist, streiche mehrmals und immer wieder während des Sprechens mit der Oberseite Deiner geschlossenen Finger über Deine Wangen, von oben nach unten bis über den Kieferknochen hinunter und an  den Seiten des Halses entlang. Das entspannt reflexartig die Gesichtsmuskulatur. Hör dabei nicht auf zu sprechen, höre Dir zu, achte auf den Klang Deiner Stimme!

Wenn Dir selbst Deine schärfere, schrillere Stimme auf die Nerven geht, kann es gut sein, dass das Problem in einer großen inneren Anspannung liegt. Diese kann nervlich, seelisch und auch körperlich sein.

Diese Anspannung bewusster wahrzunehmen, heraus zu fühlen, woher sie kommt, was sie ausdrückt, für welche Emotionen sie steht, kann zu einer Stimme verhelfen, die nicht mehr ständig und überall die innere Spannung nach aussen transportiert und sie "hörbar" macht. Wenn man innerlich angespannt ist, ist auch der Körper angespannt. Beides zusammen kann die Stimme insbesondere in spontanen oder auch aufgeregten Situationen schnell hart klingen lassen. Ausprobieren! :-)
 Setzte Dich mit Dir auseinander, achte darauf, was in Dir vorgeht, entspanne Dich bewusst und immer wieder über den Tag und sorge dafür, dass auch Belstungen sich nicht "festfressen".

Die Wanddübung kannst Du eine ganze Weile jeden Tag machen. Der Körper merkt sich mit der Zeit den natürlicheren und besseren Stimmsitz, aber auch, wie Du mit weicherer, "luftigerer" Stimme sprechen kannst, wenn Du nach dem Summen mit dem Reden Deine Experimente machst. Viel Erfolg!

2

Ja klar - änder sich das noch :)

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