Sallust, wieso ist catilina gegen die Optimaten?

...komplette Frage anzeigen

1 Antwort

1) Ursachen für Catilinas Angriffe gegen die Optimaten in seiner Rede zu Anhängen

Catilina und seine Anhänger wollen eine Veränderung.

Die Optimaten sind Vertreter und Anhänger einer auf den Senat gestützten Politik mit Vorherrschaft der Nobilität (politische Führungsschicht aus vornehmen Familien). Die Bezeichnung »Optimaten« gibt wieder, daß sie sich selbst für »die Besten« halten (ähnlich ist der Ausdruck boni = die Guten, die Gutgestelltem, die Gutgesinnten). Die entgegengesetzte Richtung, Vertreter und Anhänger einer Politik, die dem Volk etwas mehr Gewicht geben möchte, wird Popularen genannt (populus = Volk; popularis = volkstümlich). Beide Richtungen sind keine Partien im modernen Sinn (mit festgefügter Organisation und politischem Programm) gewesen. Die führenden Vertreter beider politischer Richtrungen waren Angehörige der Nobilität.

Sallust verwendet in seinem Geschichtswerk nicht diese Begrifflichkeit, sondern andere Ausdrücke (z. B. pauci potenti [„wenige Mächtige“] für die Optimaten).

Die Optimaten waren reich und mächtig, hatten einen Großteil der politischen Spitzenpostionen. Sie wollten grundsätzlich die bestehenden Verhältnisse mit ihrer gesellschaftlichen Ordnung und einer Vorherrschaft der Nobilität und großer Autorität des Senates bewahren.

Die Optimaten standen also einer Veränderung im Weg und ein Gewinnen von Macht und Reichtum, wie es Catilina und der enge Kern der Anhänger seiner Verschwörung anstrebten, setzte voraus, Macht und Reichtum Leuten wegzunehmen, die sie bisher besaßen.

Gaius Sallustius Crispus (Sallust), De coniuratione Catilinae 20 – 22 (und das Werk insgesamt) ist eine Darstellung Catilinas mit einer bestimmten Deutung. Dazu gehört unter anderen, als Hauptursachen eines Wandels in der Geschichte Roms Ehrgeiz (ambitio) und Habgier (avaritia) anzunehmen und Catilinas Verschwörung als Folge der Verderbnis und Erscheinungsform des eingetretenen schlechten Zustandes aufzufassen (Sallust, De coniuratione Catilinae 5, 8; 14, 1 - 7).

Catilinas Rede in einer Versammlung, die im Geheimen stattfindet, ist keine Dokumentation einer tatsächlich gehaltenen Rede, sondern eine darstellende Gestaltung Sallusts, mit der er das Geschehen deutet und Catilina charakterisiert. Catilina betreibt Agitation, stimmt seine Anhänger darauf ein, seine Bewerbung um das Konsulat und die Verschwörung zu unterstützen. Motivation ist ein wesentliches Ziel. Diesem dient eine Entgegenstellung weniger Mächtiger mit eigenem Wohlergehen, Machtfülle, ausschweifendem Luxusleben und der eigenen Gruppe (nos [„wir“], die der Freiheit beraubt, unterdrückt, mit Nachteilen belastet und in Elend gebracht sei.

Den Anhängern Umstände in Erinnerung zu rufen (Sallust, De coniuratione Catilinae 21, 4), die Antriebe sein können, Catilina zu unterstützen, gehört zur Motivation (Sallust, De coniuratione Catilinae 20,1 cohortari = ermuntern, anfeuern).

Armut legt nahe, reich zu werden, Begierde, an Mittel zur Erfüllung von Begierden zu kommen, Gefahr einen Weg zum Herauskommen oder zum Vermeiden der Gefahr, Schmach einen Weg zu Ansehen und Ruhm. Sullas Sieg ist ein anspornendes Beispiel, wie ein siegreicher Kampf Vorteile für die Sieger gebracht hat. Der Hinweis an die vielen seiner Anhänger, denen der Sieg Sullas Beute gebracht hatte, zeigt etwas, das sie gerne wiederholen möchten, ist für sie ein nachahmenswertes Vorbild.

Lucius Cornelius Sulla hat seine Anhänger und Soldaten beim siegreichen, Bürgerkrieg belohnt, ihnen Beute ermöglicht. Catilina selbst gehörte zu diesen Leuten. Sulla ist selbst für die Sache der Optimaten eingetreten, wenn auch teilweise mit Methoden, die gegen die Tradition waren.

Catilina hatte sich im Bürgerkrieg auf die Seite Sullas und der Optimaten gestellt. Nach Sallust geht es ihm nicht wirklich um eine Änderungen des politischen und gesellschaftlichen Systems. Eigene Herrschaft (Sallust, De coniuratione Catilinae 20, 2 dominatio) ist ein Ziel. Er will sich mit seinen Anhängern an die Stelle der Optimaten setzen, selbst Macht und Reichtum gewinnen. Catilina verspricht Schuldenerlaß (vornehme Leute wie selbst, die sich hoch verschuldet hatten, hätten davon Nutzen gehabt), Ächtung (Proskription) der Begüterten (so etwas hatte nach Sullas Sieg nicht allgemein gegenüber Begüterten, aber gegenüber einigen seiner Gegner gegeben), Ämter, Priesterwürden, Raub/Plünderung und alles, was Krieg und Begierde der Sieger mit sich bringt (Sallust, De coniuratione Catilinae 21, 2). Angeblich wünschten die meisten Soldaten Sullas, nachdem sie allzu freigebig ihren Besitz ausgegeben und ihre Güter verloren hatten, in Erinnerung an den alten Sieg einen Bürgerkrieg herbei (Sallust, De coniuratione Catilinae 16, 4).

2) Ursachen für Catilinas Mißerfolg bei der Bewerbung um das Konsulat

Was in der Fragebeschreibung mit „wegen der Sache“ geeint ist, ist nicht deutlich.

Die 64 v. Chr. etwas vor den Konsulwahlen zu denkende Rede hat nach Sallust im Geheimen stattgefunden, in einem abgelegenen Teil seines Hauses, mögliche Zeugen waren weit entfernt. Solange niemand seiner Anhänger etwa verriet, konnte von der Rede nichts öffentlich bekannt werden.

Tatsächlich hat Lucius Sergius Catilina mit seiner Verschwörung, anders als von Sallust dargestellt, erst nach endgültigem Scheitern seiner Bewerbung bei der Wahl zum Konsul mit der Verschwörung begonnen.

Catilina war Ende der 80-er Jahre ein Legat (Unterfeldherr; *legatus) Sullas (Sallust, Historiae 1, 46). 68 v. Chr. war er Praetor. Danach (67 v. Chr.) wurde er Statthalter der römischen Provinz Africa, wobei er sich in einem starkem Maß bereicherte. Dies führte zu einem Repetundenprozeß (gerichtliches Verfahren wegen zurückzuzahlender Gelder). Catilinas Kandidatur für das Amt eines Konsuls im Jahr 65 v. Chr. wurde zurückwiesen, wegen des drohenden Repetundenprozesses (Quintus Asconius Pedianus 85; 89 Clark) bzw. wegen einer schon erfolgten Anklage, aufgrund derer er seine Kandidatur nicht mehr rechtzeitig innerhalb der gesetzlichen Frist anmelden konnte (Sallust, De coniuratione Catilinae 18, 3). Cicero überlegte, Catilina im Repetundenprozeß Mitte des Jahres 65 v. Chr. zu verteidigen (Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad Atticum 1, 2, 1), obwohl er von dessen Schuld überzeugt war (Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad Atticum 1, 10,1), unterließ dies aber offenbar (Quintus Asconius Pedianus 85 Clark). Catilina wurde freigesprochen ebenso bei einer Anklage wegen Teilnahme ab der sullanischen Proskription, wobei in diesem Verfahren Gaius Iulius Caesar Vorsitzender des Gerichtshofes war und als solcher nicht direkt am Urteilsspruch beteiligt (Quintus Asconius Pedianus 90/91 Clark; Cassius Dio 37, 10, 3).

Bei der Konsulatswahl 64 v. Chr., um im Jahr 63 v. Chr. Konsul zu werden, kam es zu einem Zusammengehen (coitio) von Lucius Sergius Catilina und Gaius Antonius, der sich ebenfalls bewarb. Unterstützt wurden sie nach Marcus Tullius Cicero unter anderem von Gaius Iulius Caear und Marcus Licinius Crassus. Bei der Wahl war Cicero, obwohl nicht zur Nobilität gehörend, sondern eine Neuling/Aufsteiger (homo novus) erfolgreich. Er war ein fähiger Redner und hatte in seiner bisherigen politischen Laufbahn geschickt, weithin auf vielfältige Weise Wohlwollen anzusammeln. Anscheinend haben ihn letztlich auch viel aus der Nobilität anderen Kandidaten vorgezogen, weil darauf vertraut werden konnte, Cicero werde die republikanische Ordnung mit einer Führungsrolle der Nobilität wahren.

Was Catilina zu einer erfolgreichen Kandidatur zum Amt eines Praetors verholfen hatte, könnte aufgrund der zeitlichen Verzögerung infolge des Prozesses schon etwas verblaßt gewesen sein und auch wenn die Prozesse mit einem Freispruch geendet hatten, waren sie für seinen Ruf eher ungünstig. Catilinas Familie gehörte zudem zwar zum alten (patrizischen) Adel, aber aus ihr hatte schon lange Zeit niemand ein höheres Amt als das des Praetors erreicht, sie gehörte innerhalb der Nobilität nicht zu den mächtigsten und reichsten. Antonius kam aus einer Familie der plebejischen Nobilität, die aber etwas reicher und mächtiger war, bei den Konsulwahlen erfolgreicher. Gaius Antonius lag bei der Abstimmung, obwohl ein Politiker mit keinem guten Ruf, knapp vor Catilina.

Catilina kandidierte noch einmal 63 v. Chr. für das Amt eines Konsuls im Jahr 62 v. Chr., aber sein Rückhalt wird wohl abgenommen haben. Seine Vorschläge eines Schuldenerlasses (»neue Tafeln«; tabulae novae), mit dem er sich Unzufriedenen in der Bevölkerung annäherte (vgl. Marcus Tullius Cicero, Orationes in Catilinam 2, 17 – 24; Sallust, De coniuratione Catilinae 36 – 39) und mit dem er schwindenden Rückhalt vielleicht ausgleichen wollte, wurden von Cicero als sozialrevolutionäre Umtriebe hingestellt, polemisch als auf eine allgemeine Schuldentilgung hinauslaufend gedeutet. Tatsächlich forderte Catilina eine Reduktion der Zinsen und Rückzahlungserleichterungen in einer Liquiditätskrise.

In Büchern gibt es Informationen zu Catilina, z. B.:

Jürgen von Ungern-Sternberg, Catilina. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band, 2: Ark – Ci, Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 1029 – 1031

Ulrich Heider, Lucius Sergius Catilina – ein Verbrecher aus verlorener Ehre? In: Von Romulus zu Augustus : große Gestalten der römischen Republik. Herausgegeben von Karl-Joachim Hölkeskamp und Elke Stein-Hölkeskamp. 2. Auflage, unveränderter Neudruck. München : Beck, 2010, S. 268 - 278

Stephan Schmal, Sallust. 2. unveränderte Auflage. Hildesheim ; Zürich ; New York : Olms, 2009 (Studienbücher Antike ; Band 8). ISBN 3-487-11442-9

1

Was möchtest Du wissen?