Rüstungsindustrie in afrikanischen Diktaturen

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7 Antworten

Weil auch Diktatoren das Rad nicht zweimal erfinden müssen.

Wozu sollten sie eine eigene Rüstungsindustrie aufbauen, wenn es alle benötigten Waffen zu kaufen gibt? Außerdem fehlt es an der notwendigen wirtschaftlichen Macht, die eigenen Produkte am Weltmarkt zu vertreiben, da dieser von den klassischen Rüstungsindustrieländern dominiert wird.

Es gibt natürlich Waffenhersteller in Südafrika, selbst die gepanzerten Fahrzeuge die man im alten Apartheidsregime erfand wurden lokal produziert, in den anderen Ländern Afrikas gibt es viele Länder die praktisch über keine Industrie verfügen, andere produzieren einiges, in meiner alten Heimat Nairobi gibt es eine Niederlassung von General Motors, dort werden Reisebusse und Trucks zusammengebaut, Baiersdorf AG (Nivea) produziert dort ebenso wie die Bayer AG...

Der eigentliche Grund für das Fehlen einer Rüstungsindustrie, ist die Tradition, die meisten Betriebe der westlichen Welt und in (ex)kommunistischen Staaten sind uralt, es dauert Generationen bis man sich einen Namen in dieser Branche gemacht hat. Außerdem fehlten die Waffen in den größeren Konflikten bis in die 80er nicht, denn die beiden Machtblöcke lieferten das benötigte Gerät frei Haus und ohne Verzögerungen.

Heute gibt es nicht mehr so viele instabile Staaten im südlichen Afrika, trotzdem dürften die lokalen Regierungen es nicht gerne sehen, wenn da irgendwer anfängt Waffen zu produzieren, die Putsche und Unruhen kennen fast alle afrikanischen Länder aus Ihrer jungen Geschichte, da würde man sicher ein wenig mehr bedenken haben als in Europa oder den USA...

Man braucht für den Aufbau einer industriellen Massenproduktion für einen komplexen technischern Gegenstand ein Minimum an know-how, einiges an finanziellen Mitteln, erheblich Zeit und eine bestimmte Anzahl von Fachleuten, übrigens unabhängig davon ob es nun um die Produktion von Mopeds geht oder MG´s.

Allein für die Kosten der Bearbeitungswerkzeuge die man für die einzelnen Teile so einer primitiven Klapperflinte wie der AK 47 braucht kann man locker ein paar 10-tausend von den Gewehren aus dubiosen Quellen kaufen, innerhalb weniger Wochen und ohne das man Fachkräfte zur Herstellung braucht.

riara 29.12.2011, 09:54

Die Fachkräfte gibt es! Die Anzahl der Ingenieure ist nicht gerade wenig, viele werden aber z.B. in die USA oder nach Kanada abgeworben, da viele dort auch studiert haben...

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Ganz simpel: Das liegt daran, dass zu Zeiten des Kalten Krieges die beiden Großmächte und deren Verbündete an jeden Staat in der Welt Polizei und Militärhilfe (teilweise mit tausenden von Beratern) vor allem mit Waffen geleistet haben, der ihrem System nahe stand. Oder zumindest so getan hat. Offiziell ausgenommen latürnich die BRD! Da wurde nicht lang nach Demokratie und Menschenrechten gefragt. Hauptsache war es, möglichst viele Verbündete um sich zu scharen. Zur Not gaben die Mächtigen auch pekuniäre "Entwicklungshilfen" von denen dann (welch feine Ironie) im Geberland auch einige Waffen zur Verteidigung gegen Löwen und Tiger und andere aufständische Rebellen gekauft wurden. Oder für die Elefantenjagd etwas größere Waffen. Und da die meisten Waffen nahezu unkaputtbar sind, so reicht die Menge der bisher verteilten Schießeisen immer noch vollkommen aus, um sich gegenseitg sehr komfortabel umzubringen. Im Grunde reicht es zur Zeit völlig, ein wenig Munition nachzubestellen und ein paar Ersatzteile auf Lager zu halten. Und die auswärtigen Lieferanten reißen sich förmlich darum, ihre Arsenale leeren zu dürfen. Da werden die Sturmgewehre Kilo- und die Muni Tonnenweise verhökert. Daher wäre jegliche Investition nur Kapitalverschwendung. Für das gesparte Geld bauen sich die wenigen Diktatoren, die es noch gibt bescheidene Paläste und geschmackvolle Denkmäler.

Und das Gerücht von dem dummen faulen Neger, der nicht zu regelmäßiger oder gar intellektueller Arbeit taugt, das könnt ihr vergessen!

ich denke das die diktaturen den technischen standard nicht haben oder das sie waffen von anderen staaten zum vorzugspreis geliefert bekommen und sich das dann einfach nicht lohnt

Wortreich 28.12.2011, 22:08

Technische Standarts sind meiner Meinung nach nicht das Problem, selbst ich kann eine Maschinenpistole konstruieren & lediglich mit einer Ständerbohrmaschine und ein paar Feilen bauen, obwohl ich erst 16 bin. Das mag an meinem Fachwissen in diesem Bereich liegen, doch ich glaube kaum, dass nur wenige Erwachsene dieses Fachwissen teilen ;) .

Ausserdem sehe ich keinen Grund, wieso andere Staaten Waffen zu Vorzugspreisen liefern sollten. Quelle? Das es sich möglicherweise einfach nicht lohnen könnte, ist möglich, das kann ich nicht so einfach beurteilen.

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tscha 29.12.2011, 20:19
@Wortreich

manche staaten unterstützen organisationen (hisbollah) mit waffen und geld geht bei diktaturen sicherlich auch

ausserdem unter den afrikanischen herstellerländern von leichten waffen befinden sich südafrika, simbabwe,nigeria, namibia, uganda, kenia, tansania und ägypten

deutschland liefert auch waffen in solche länder

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Du hast schon Recht - in der arabischen Welt werden AK s durchaus mit oder ohne Lizenz produziert aber in Afrika nicht.

Es gibt dazu etlicher Erklärungen, warum das die Afrikaner nicht hinbringen: Ich belasse es mal dabei: sie können und wollen nicht : in Afrika werden auch keine MAschinen, nicht mal Ersatzteile (simple gusseiserne Schalen oder Zahnräder) produziert.

Ist ne Sache von Rohstoffen, Energie, Infrastruktur (das alles könnte ein Diktator ja regeln) aber auch Mentalität (der Afrikaner ist einfach kein Fabrikarbeiter).

In Südafrika werden durchaus Waffen produziert.

riara 29.12.2011, 09:53

Oh Bitte...

Fast jede große Metropole Afrikas produziert Ersatzteile, anders bekommt man uralte Maschinen oder Trucks auch gar nicht repariert, die CNC-Maschinen in Nairobi sind so zahlreich, dass es 4 Service-Firmen gibt, die sich um die Wartung und den Verkauf kümmern...

Im übrigen ist die große Zeit der Diktatoren in Afrika vorbei, es gibt nicht einmal mehr 10, die mir spontan einfallen, die meisten Länder in Afrika werden von gewählten Regierungen geführt...echt!

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findesciecle 30.12.2011, 04:03
@riara

Ich lass mich gern belehren: dass es nur noch wenige reine Diktaturen gibt weiß ich,. allerdings bedeutet "gewählte Regierungen "nicht: "Demokratie" sondern eher "Olikratie". Ich habe es nur verkürzt.

Meine AUssage war in der Tat etwas voreilig und oberflächlich: Trotzdem: 1. Nairobi steht nicht für Afrika, sie mögen in Nairobi fräsen, drehen und sägen um Ersatzteile zu erzeugen. Ein großer industrieller Sektor wird sich in Schwarzafrika nie entwickeln! ich bleibe dabei : das ist Mentalität - das ist übrigens nicht negativ gemeint: der Schwarzafrikaner stellt sich nicht gern ans Fließband oder in die Eisengießerei - ich kann sie verstehen - ist ja auch eine doofe Arbeit!

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riara 30.12.2011, 09:45
@findesciecle

Ich muss da wirklich widersprechen, sicher gebe ich Dir recht, dass Nairobi zu den 10 wichtigsten Wirtschaftsstandorten gehört, das gilt aber eben auch für mindestens 9 andere Metropolen. Vielen Afrikaner ist der Job relativ egal, sie machen Ihn zur Not halt nur ein paar Monate und investieren das Geld dann in eine eigene Firma/Farm...

Grössere Firmen haben auch in der Produktion viele Mitarbeiter die das seit Jahren oder Ihr ganzes Leben tun, die unterschiedliche Mentalität wird von dem Umstand überdeckt, dass es keine sozialen Sicherungssysteme gibt, man hat also keine Wahl und die Bewerber für einen Job sind angesichts von 20-50% Arbeitslosigkeit (von Staat zu Staat unterschiedlich) natürlich enorm...

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findesciecle 03.01.2012, 01:45
@riara

Ist zur Kenntnis genommen! Wie gesagt: ich lerne gerne dazu: Hast du mal in Afrika gearbeitet? Ich gebe zu ich nicht aber ein befreundeter Ing, auf dessen Meinung ich mich stütze (also gebe ich zu: mein Beitrag ist nur Hörensagen), daher bin ich überzeugt, wenn du sagst: Du weißt es aus erster Hand!

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Weil hier in aller Regel die industrielle Infrastruktur fehlt. Die Waffen werden aus Industriestaaten eingekauft.

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