Routing - wie weiß das IP-Paket wo es hin muss?

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3 Antworten

Das IP-Paket weiß gar nichts. Das ist wie mit dem guten alten Brief. Der weiß auch nicht, wo er hin muss. Die Post muss das wissen. Deshalb schreibst Du die Adresse drauf. Beim IP-Paket stehen Absender- und Ziel-IP-Adresse drin. Die Router, angefangen bei Deinem Heimrouter und im weiteren Verlauf bei den Providern ("im Internet") und später im Zielnetz müssen dann wissen, wie es zum im IP-Paket notierten Ziel geht. Dazu haben die Router Routingtabellen. Um diese zu füllen, können sie sich ggf. mit den Nachbarroutern unterhalten und Informationen austauschen. Das geschieht mit einem Routingprotokoll, im Internet wird ausschließlich BGP oder MP-BGP verwendet.

Der Dykstra-Algorithmus wird von OSPF und IS-IS verwendet. Da kennen die Router dann die gesamte Netztopologie. Beim Internet wäre das etwas viel. Deshalb, aber auch noch aus anderen Gründen, wird im Internet kein OSPF oder IS-IS verwendet. Das BGP hat einen anderen Mechanismus, um die beste Route herauszufinden. Da gibt es rund ein Dutzend Entscheidungskriterien, nach denen da geschaut wird. BGP ist dazu gemacht, mit vielen Informationen umzugehen. Im Internet sprechen wir derzeit von knapp 600.000 Routen - steigende Tendenz.

Im Internet gibt es keine Switches. Und Switches "hauen keine Broadcasts raus". Sie lernen die erreichbaren MAC-Adressen innerhalb der Broadcast-Domains, können aber nicht aktiv nach MAC-Adressen fragen.

Natürlich wird im Internet alles über IP geregelt. Aber die Kommunikation umfasst ja durchaus mehrere OSI-Ebenen. IP ist Ebene 3. Ohne die darunter liegenden Ebenen 1 und 2 funktioniert da nichts. Die MAC-Adresse (oder allgemein: die Ebene-2-Adresse) des Nachbarrouters benötigt ein Router auch, um Daten weiterzuleiten. Die bekommt er, wenn es sich um Ethernet handelt, per ARP. Der ARP funktioniert nur innerhalb der Broadcast-Domäne. Ein ARP geht niemals durch das ganze Internet. Dein Rechner wird, wenn er Daten ins Internet schicken möchte, nur die MAC-Adresse seines Gateways benötigen. Die bekommt er über den ARP heraus. Wenn das Paket beim Gateway ist, ist der Rechner raus aus der Nummer, den Rest machen die folgenden Router.

Du (dein PC) rufst nur die IP auf, um ARP und die Routen kümmern sich dann die zwischenliegenden Switches und Router.

Die Antwort von asdundab gefällt mir in seiner nüchternen Kürze schon mal sehr gut - DH!

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Dein IP-Paket kümmert sich um überhaupt nichts - es ist einfach, es ist völlig passiv. Kannste vielleicht vergleichen mit einer verkorkten Flasche, die du ins Meer wirfst -> du hast keine Ahnung, an welchen Strand die irgendwann mal gespült wird.

Nun gut, ganz so schlimm wie die Flasche ist es beim IP-Paket nicht, denn dort gibt es zum Glück ein ausgeklügeltes Steuersystem "im Meer", das sich darum kümmert, dass es an die richtige Adresse 'gespült' wird. Aber eben: Das IP-Paket selber macht gar nichts, weiss gar nichts, ist ihm auch völlig egal, ist ja nicht sein Job! Darum kümmern sich die intelligenten anderen (Steuer)Teile auf dem Weg - wenn die nicht wissen, was sie mit dem Paket anfangen sollen, dann müssen sie sich eben die entsprechende Information besorgen (sei es mittels ARP, weil sie die nächste Gateway-Adresse kennen oder was auch immer) :-))

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