rousseau und der absolutismus

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Bei Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes (Du contrat social ou principes du droit politique), steht zu Beginn der Satz (Buch 1, Kapitel 1):

„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“.

Freiheit gilt ihm als unverzichtbar und ein Gesellschaftsvertrag, der auf sie verzichtet, als nichtig und widersprüchlich. Buch 1, Kapitel 4: „Der Freiheit entsagen heißt seiner Eigenschaften als Mensch, den Menchenrechten, selbst seinen Pflichten entsagen.“

Negativ wäre es, Freiheit mit Beliebigkeit und Willkür zu verwechseln. Außerdem sind beim Zusammenleben andere Menschen berücksichtigen, die gleichermaßen Anrecht auf Freiheit und Rechte. haben. Die Freiheit des Einzelnen hat eine Grenze, wo die Freiheitsrechte eines anderen beginnen.

Dies ist allerdings ziemlich klar und Rousseau versteht es auch nicht anderes, bietet also keinen besonderen Angriffspunkt für eine negative Verwendung seiner Freiheitsauffassung.

Bei den Überlegungen, inwiefern Rousseuas Ideen auch zur Einschränkung der Freiheit des Einzelnen benutzt werden könne, wird vor allem einen Hinweis auf seine Lehre vom allgemeinen Willen (volonté générale) erwartet. Diese zielt auf eine gute, gerechte und auch freie Gemeinschaft. Bei diesem Gedanken gibt es aber deutliche Gefahren. Der allgemeine Wille wird als richtig und einheitlich gedacht. Dann kann es in grundsätzlichen Fragen nur einen Weg geben. Eine Identität von Regierenden und Regierten wird angenommen. Daher wird in der politisches Theorie der Gegenwart dafür auch die Bezeichnung Identitätstheorie verwendet. Eine Anfälligkeit besteht, für abweichende Aufassungen Einzelner keine Platz zu lassen und sie nicht zu dulden, sondern zu unterdrücken.

Besonders extreme Beispiele sind totalitäre Staaten (z. B. Faschismus/Nationalsozialismus, Bolschewismus). Rousseau wollte sicherlich keinen Totalitarismus und eine Berufung auf ihn wäre eine Mißbrauch seiner Ideen. Seine politische Theorie birgt hinsichtlich des allgemeinen Willens allerdings wirklich Schwierigkeiten und hat Schwächen.

Jean-Jacques Rousseau hält es bei einer Übereinkunft in einem Gesellschaftsvertrag für notwendig, das Mehrheitsprinzip selbst zu legitimieren (rechtfertigen). Erst dann kann eine Mehrheitsentscheidung als berechtigt gelten.

Rousseau wirft die Frage auf, warum sich eine Minderheit (Minorität) sich dem, wozu eine Mehrheit (Majorität) bei einer Wahl/Abstammung entscheidet, unterwerfen soll. Bei Rousseau ist die Gründung einstimmig. Der Gesellschaftsvertrag kann zwar vom Souverän geändert oder aufgelöst werden, aber die Souveränität des Volkes nicht veräußert werden.

Rousseaus politische Philosophie duldet nicht, den freien Willen der Einzelnen einfach im Kollektiv zu brechen, weil dies eine Verletzung der Würde der Person wäre. Angestrebt werden Verhältnisse, in denen die einzelnen Personen einem allgemeinen Willen folgen, weil sie ihre eigene Selbstbestimmung in ihm wiedererkennen.

Es gilt nicht einfach Autorität (z. B. durch Herkunft oder Gottesgnadentum), sondern eine legitime staatliche Ordnung soll von einem gedachten Naturzustand aus für Individuen freiwillig zustimmungsfähig sein, woraus sich wechselseitige Beziehungen und eine Bindung an diesen Vertrag als Selbstverpflichtung ergeben.

Grund der Verbindlichkeit ist nach Rousseau die Übereinstimmung der über ihre ethischen Ziele aufgeklärten Personen mit einem allgemeinen Willen (volonté générale). Bei der Bestimmung des allgemeinen Willens (bei der Staatsgründung und der Festlegung/Anerkennung der Verfassungsnormen) hält er Stimmeneinheit für erforderlich.

Nur wenn sich der Einzelne dem allgemeinen Willen unterwirft, gehorcht er sich selbst. Wenn das Mehrheitsprinzip für den allgemeinen Willen anerkennungsfähig ist, können alle Personen ihm zustimmen und mit ihrem Einverständnis (eine „wenigstens einmalige Einstimmigkeit“) wird es verbindlich.

Rousseau verlangt zu Recht eine Begründung, warum das Mehrheitsprinzip gelten soll. Es können auch Einwände dagegen vorgebracht werden, das Mehrheitsprinzip unbeschränkt gelten zu lassen, ohne Absicherung von Grundrechten und einem ausreichendem Schutz von Minderheiten (wobei die Festsetzung dieser allgemeinen Rechte durch Mehrheitsentscheidung getroffen werden kann). Gerechtigkeit ist ein wichtiger Maßstab.

Bei Rousseaus eigener Staatsphilosophie besteht allerdings eine Schwierigkeit, den allgemeinen Willen festzustellen. Rousseau unterscheidet zwischen allgemeinen Willen (volonté générale) und Willen aller (volonté de tous). Der allgemeine Wille ist nach Rousseau ein auf das Allgemeinwohl ausgerichteter. Der Wille aller kann mit ihm auch nicht übereinstimmen. Bei einem solchen Gegensatz ist der bloße Willen aller nur die Summe der individuellen privaten Einzelinteressen (volonté particulière). Ein Problem besteht darin, wie dann zu verfahren ist und wie mit gegensätzlichen Ansprüchen umgegangen werden kann, den allgemeinen Willen darzustellen. Es tritt die Gefahr von Erziehungszwang und einer Diktatur auf, wenn eine Berufung auf einen „wahren“ Volkswillen“ stattfindet, es keine berechtigte Opposition gibt und eine Vielzahl von Meinungen und Interessen durch Berufung auf ein unfehlbar erkanntes Allgemeinwohl ausgeschaltet wird.

0

Eine Rede, die Maximilien de Robespierre in einer Rede am 5. Februar 1794 vor dem Nationalkonvent über die Prinzipien der politischen Moral gehalten hat, verdeutlicht, wie im Namen von Tugend und Freiheit Maßnahmen gefordert werden können, die leicht in überzogener Weise den Spielraum drastisch einschränken können.

Robespierre versucht ein hartes Vorgehen, die sogenannte Schreckensherrschaft (terreur = Terror, Schrecken) zu legitimieren (rechtfertigen/begründen), indem er es als zur Verteidigung und Durchsetzung der Freiheit und Demokratie notwendig darstellt. Die Französische Revolution war in dieser Zeit bedroht (Krieg und Bürgerkrieg durch gegenrevolutionäre Bewegungen und Aufstände im Inneren) und energische Maßnahmen zu ihrer Erhaltung daher wichtig. Robespierre rechtfertigt die „Schreckensherrschaft“ damit, Frankreich und seine Revolution vor der Tyrannei der Gegenrevolution zu schützen. Terror angesichts einer Notlage bezeichnete er als rasche, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit.

Die wichtigste Antriebskraft/ Kraftquelle der Demokratie (Volksherrschaft) ist nach Auffassung von Robespierre die öffentliche Tugend. In friedlichen Zeiten reiche sie allein aus. In stürmischen Zeiten wie einer Revolution komme der Schrecken hinzu, ohne den die Tugend machtlos/ohnmächtig sei. Der Schrecken sei nichts anderes als eine schnelle, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Also sei er kein besonderes Prinzip, sondern eine Folge aus dem Hauptprinzip der Demokratie, auf die dringendsten Bedürfnisse des Vaterlandes angewendet. Es werde gesagt, Schrecken sei Antriebskraft der despotischen Regierungsform. Wenn die Abgeordneten durch den Schrecken (ein Schwert in der Hand der Freiheitshelden) die Feinde der Freiheit bezwingen, werden sie als Gründer der Republik Recht haben. Die für eine Revolution geeignete Regierungsform sei der Despotismus der Freiheit gegen die Tyrannei.

Bücher in Bibliotheken über Rousseau können bei der der Deutung von Rousseuws Ideen helfen, z. B.:

Dieter Sturma, Jean-Jacques Rousseau. Originalausgabe. München : Beck, 2001 (Beck'sche Reihe : Denker ; 549), S. 138 – 160 (Politik der Freiheit und neuer Gesellschaftsvertrag)

Francis Cheneval, Jean-Jacques Rousseau. In: Frankreich (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Begründet von Friedrich Ueberweg. Völlig neu bearbeitete Ausgabe. Herausgegeben von Helmut Holzhey. Die Philosophie des 18. Jahrhunderts – Band 2/2). Herausgeben von Johannes Rohbeck und Helmut Holzhey. Basel : Schwabe, 2008, 656 – 667 (Staatsphilosophie)

0

Also den Absolutismus lehnte Rousseau zutiefst ab. Stichwort ist hier eher Totalitarismustheorie.

Lass dir einfach die Konzeption seines Gesellschaftsvertrages noch einmal durch den Kopf gehen: Jeder schließt mit jedem einen Bund und entäußert sich diesem Bund völlig.

Rousseau war ein geistiger Vordenker der französischen Revolution. Seine Parolen zündeten: »Der Mensch wird frei geboren, und überall ist er in Ketten« lautete der berühmte erste Satz des Contrat Social aus dem Jahr 1762. Dieser Satz inspirierte Revolutionäre von Robespierre bis Fidel Castro. Eine Einschränkung der Freiheit des Einzelnen ist so zu verstehen, daß die persönliche Freiheit dort endet wo die Freiheit der anderen beginnt. Weitere Details zu diesem großen Denker unter nachstehendem Link. Jetzt kommst Du bestimmt weiter, viel Erfolg und lG Gabi40.

http://www.zeit.de/2012/24/Philosoph-Rousseau

auch ein toller hinweis.

0

dies hier sind worte von rousseau:

"Es gibt keine vollkommenere Unterwerfung als die, der man den Schein der Freiheit zugesteht. So bezwingt man sogar seinen Willen.“

hilft dir das weiter?

Danke! das hilft mir sogar sehr weiter :)

0

Was möchtest Du wissen?