Rom = Staatswesen, das auf Krieg basiert?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Moin,

das römische System war wie das athenische in gewisser Weise Vorbild für unsere heutige Demokratie, überlegen war es aber weder von der Praxis noch von einer philosophischen Sichtweise.

In Rom gab es von Anfang an einen Adel, die Patrizier - obwohl das wegen einer anderen modernen Interpretation des Wortes gern übersehen wird. Es gab zwar geringe Aufstiegschancen und auch eine Vertretung der Plebejer - das ändert jedoch nichts an dem Prinzip einer Klassengesellschaft. Die Ämter waren als "Ehrenamt" gedacht - in der Praxis bestach und beschenkte ein Politiker so viele "Klienten", bis diese ihm dieses Amt einbrachten. Das musste dann natürlich während der Amtszeit wieder erwirtschaftet werden.

Das Prinzip der Machtkontrolle der prestigeträchtigen Ämter der Konsuln erwies sich in der Praxis ebenso als gefährlich - das beste Beispiel Cäsar, der im ersten Triumvirat etc. dieses System umging und dann später auf Basis seiner Erfolge als Feldherr eine Alleinherrschaft errichtete. Das Militär unter dem Kommando von Politikern war ebenso gefährlich, vor allem da der Soldat von seinem Feldherrn abhing - letzterer musste die Verantwortung für Sold und das Land für Veteranen tragen.

Was später in der Kaiserzeit in der römischen Politik abging, spricht für sich selbst...

Also, direkt vergleichen kann man die Neuzeit mit der Antike einfach nicht. Und egal wie theoretisch schön ein System ist, die Praxis spricht für sich. "Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von allen anderen"... Churchill oder so, ich will ja gebildet wirken.

Also, zur eigentlichen Frage. Die Ämter funktionierten wie oben geschrieben in der Regel zur finanziellen Bereicherung, auch war eine politische Karriere für einen jungen Patrizier quasi eine Erwartung, so kam man an Macht und Prestige, bekannt ist ja vor allem das Ausrichten von Spielen.

Die Macht der Römer kam natürlich von Erfolgen auf dem Schlachtfeld, vielleicht wären sie ja in der frühen Phase als Kleinstaat vollkommen bedeutungslos untergegangen... aber das ein System auf dem Militär basiert, kann man wohl nicht einfach so sagen. In Rom war es sowohl ein Element der Politik als auch Voraussetzung für den Aufschwung des Reiches, aber sicher nicht die Einzige.

mfg Nauticus

Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von allen anderen

Churchill hat definitiv die Demokratisierung der BRD vorangetrieben, er kann sie eher weniger kritisiert haben.

0
@lozof

Churchill und seine politischen Schwächen in Ehren, das Zitat stammt wirklich von ihm. Außerdem solltest du vielleicht nochmal über den Inhalt nachdenken, der eher die Kritik an der Demokratie kritisiert.

2
@Nauticus

Ach so ist das gedacht! Danke für's erklären :) (War nicht ganz so ersichtlich...)

1
@lozof

Manchmal muss man zweimal lesen, aber es ist auch weise, wenn man Erklärungen annimmt ;-)

1

Muss ich in dem Fall nicht: Ich kann lesen. Churchill hat "Die Demokratie ist die beste aller Regierungsformen" auf originelle Weise formuliert. Wo siehst du da Kritik?

0

DH für diese fundierte Antwort!

1

Danke auch für den Stern!

1

Die Römische Republik,Rom war bis 27v.Christus eine,hat sich in angeblicher steter "Selbstverteidigung" binnen ca. 500 Jahren ein Weltreich zugelegt und sich damit selbst das Grab ausgehoben. Denn die dauernden Kriege haben die soziale Trägerschicht des alten Roms,das Bauerntum, zerstört und so sozialpopulistischen Militädiktatoren den Weg geebnet.

Bei dem Kaiserreich Rom ist das differenzierter zu betrachten. Bis Trajan war das Kaiserreich mit wechselndem Erfolg ein Eroberungsmechanismus.Hadrian,die imperiale Überdehnung des Reiches erkennend beendete die Eroberungen. Ab da verteidigte sich das Imperium im Wesentlichen nur noch. Ich halte viel von der Deutung,das Römische Reich sei durch ihm aufgezwungene Kriege zugrunde gegangen.

Dein Bruder stützt sich wahrscheinlich auf die ca. 700-jähige Existenz des Reiches.Länger als jeder der modernen Staaten,China ausgenommen. Dabei übersieht er,dass die Republik sich spätestens seit den Gracchen(133 v.Chr.) in einem permanenten Bürgerkrieg befand ,mit dem verglichen der Untergang der Weimarer Republik von der Gewaltausübung her gesehen geradezu "niedlich" war. Auf den Kaisern lastete eine ungeheure Verantwortung,der viele nicht gewachsen waren.Richtig ist allerdings,dass der Machtapparat auch übelste Psychopathen ertrug und das Reich am Laufen hielt,aber auch der "Apparat" konnte Kriege zwischen Generälen,die Kaiser werden wollten, nicht verhindern

die stärke roms lag in der struktur des staates, folglich hat dein bruder recht. es ermöglichte jeder gesellschaftlichen gruppe eine (angemessene?) teilnahme am gemeinwesen, sodass alle gemeinsam für die selbe sache (res publica) stritten, und verband die drei staatsformen monarchie (konsulat), aristokratie (senat) und "demokratie" (tribunat/ volksversammlungen) zu einer widerstandfähigen mischverfassung. hinzu kommt eine offene gesellschaft, die es schaffte auch "neue" bürger roms auf friedliche weise zu kultivieren/ romanisieren. die kriegerische seite roms war eher ein nebeneffekt, der aus der struktur des staates resultierte und oftmals gar eine belastung für die republik darstellte....

zu deiner zweiten frage: macht zeigt sich nicht nur in form von geld, sondern auch im gesellschaftlichen einfluss.

0
@IlValentino

Aber ohne Geld funktioniert kein Staat. Würden die Einnahmen aus dem Steuern reichen, um so ein Riesen-Reich zu finanzieren? Eine neue Provinz ist schließlich eine große Einnahmequelle.

0
@Entilein

eins nach dem anderem :) deine zweite frage bezog sich auf die ämterwahl. du fragst dich warum die patrizier nach ämtern strebten, obwohl es kein geld brachte. die antwort: ämter bringen zwar kein geld, aber gesellschaftlichen einfluss ;)

0
@IlValentino

Doch, auch Geld: Nach erfolgreicher Amtszeit, erhielt der römische Politiker eine Stadt/Provinz in der er Steuern eintreiben konnte

0
@lozof

das stimmt so nicht: die vergabe von provinzen nach abgelaufener amtszeit gab es erst ab der "kaiserzeit". ich beziehe mich in meinen aussagen jedoch nur auf die zeit der frühen römischen republik :)

0

Aber Rom hat sich doch beständig erweitert? Auch vor Cäsar kamen ständig neue Gebiete hinzu. Der Staat beschäftigte ein Heer, das sich aus den neuen Provinzen finanzierte. Was wäre aus den Menschen geworden, wenn sie keine Soldaten wären? Für sie gab es kein Land, keine Arbeit, oder?

Was meinst du damit, die Kriegerische Seite resultierte aus der Struktur des Staates? Das versteh ich nicht

0
@Entilein

du fragst, warum rom so groß/ mächtig geworden ist. ich sage: weil der staat das beste aus seinen bürgern holte. das zeigte sich natürlich auch im krieg, aber ohne gute innenpolitik, kein gutes militär. folglich war der staatsaufbau wichtiger und dein bruder hat recht :) der krieg kann für rom so wichtig gewesen sein, wie er will -> am anfang steht die innenpolitik, ok? "Was meinst du damit, die Kriegerische Seite resultierte aus der Struktur des Staates? Das versteh ich nicht" -> etwas kompliziert^^

0

Was möchtest Du wissen?