Römischer Imperialismus

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3 Antworten

Wie heißt die genaue Aufgabenstellung? Geht es darum, ob es einen römischen Imperialismus gab? Oder geht es um eine angemessene Darstellung seiner Merkmale und Motive?

Imperialismus ist eine moderne Bezeichnung, die aus dem lateinischen Wort „imperium“ („Befehlsgewalt“, „Reich“) abgeleitet ist. Das römische Reich hieß „Imperium Romanum“. Imperialismus bezeichnet in der heutigen Bedeutung das Streben nach Erweiterung und einem systematischen Ausbau des eigenen Macht- und Einflussbereiches mit dem Ziel einer Herrschaft, am liebsten über möglichst große Teile der Welt (Weltreich).

Ein Blick auf Landkarten mit dem römischen Herrschaftsgebiet zu verschiedenen Zeiten in der Antike zeigt eine gewaltige Ausdehung. Diese erfolgte mit zahlreichen Kriegen.

Unterschiede in der Deutung bestehen darin, wieviel Zielstrebigkeit mit der Absicht einer Ausdehung des römischen Machtbereichs dahinter steckte. Ein Ansatz betont einen Wunsch der Römer nach Sicherheit („defensiver Imperialismus“), die nur auf Störungen ihres Sicherheitsempfindens reagiert hätten und mehr oder weniger durch von anderen geschaffene Anlässe gedrängt zur Weltherrschaft gelangt seien. Dagegen meint eine andere Sichtweise, ein Willen zur Machtausdehnung und eine Eingreifbereitschaft, die über eigene Verteidigung und Schutz von Bundesgenossen hinausging, sei vorhanden gewesen (was ich grundsätzlich für überzeugender halte). In der römischen Gesellschaft brachten Leistungen für den römischen Staat in Form von militärischen Erfolgen Macht und Ansehen für die politische Führungsschicht. Daher war strukuturell bedingt damals bei den römischen Politikern ein ziemlich hohes Maß an Einsatzbereitschaft für kriegerische Unternehmungen vorhanden, um persönlich in der Machtkonkurrenz gut abzuschneiden. Ein bekanntes Beispiel ist Gaius Iulius Caesar, der mit dem Gallischen Krieg auch eine Steigerung seiner Machstellung in der römischen Innenpolitik beabsichtigte.

Neben direkter Herrschaft (Einverleibung durch Annexion von Gebieten) hat es auch indirekte Herrschaft Roms gegeben, das aus Gebieten (zumindest zeitweise) keine Provinzen machte, sondern eine Hegemonie (Vorherrschaft) ausübte, bei der von ihm in mehr der weniger starken Grad Abhängige (z. B. sogenannte Klientelkönigreiche) die direkten Regierenden waren.

Eine Rechtfertigungsidee stellte die Herrschaft als Herstellen und Bewahren einer gerechten friedlichen Ordnung dar, mit einem Nutzen für die Beherrschten.

Bei Vergil, Aeneis 6, 851 – 853) wird das Herrschen als Berufung der Römer dargestellt:

“tu regere imperio populos, Romane, memento –

haec tibi erunt artes – pacique inponere morem,

parcere subiectis et debellare superbos.”

„Du, Römer, denke daran, die Völker mit Befehlsgewalt zu regieren – das werden deine Fertigkeiten sein –, dem Frieden eine Gesittung aufzuerlegen, die Unterworfenen zu schonen und die Hochmütigen niederzukämpfen.“

Wenn einige meinen, das Wort „Imperialimus“ könne nicht auf die Zeit des antiken Rom bezogen und als Begriff verwendet werden, beziehen sie sich auf eine Art Imperialismustheorie, bei der wirtschaftliche Gesichtspunkte eine große Rolle und erst seit dem 19. Jahrhundert vorhandene Umstände in den Vordergrund treten, z. B. Nationalismus und Kolonien in unterentwickelten Gegenden, die Industrialisierung als grundlegende Bedingung und Gewicht auf wirtschaftliche Faktoren wie der Ausfuhr von Waren und Kapital und der Einfuhr von Rohstoffen als bedeutende Ziele. Bei Lenin wird der Imperialismus als eine Stufe des Kapitalisimus eingeschätzt.

Außerdem ist „Imperialismus“ als Schlagwort ein Kampfbegriff, indem gegen jemand ein Vorwurf erhoben wird. Die Nichtverwendung des Wortes „Imperialismus“ vermeidet solche Vorstellungen und für eine Analyse des antiken Rom nicht gut passende Imperialismustheorien. In der Sache kann aber mit guten Gründen der Begriff Imperialismus für passend gehalten werden, solange nicht eine für die Antike ungeeigente Imperialismustheorie übergestülpt wird. Das römische Reich ist ein deutliches Beispiel für ein Streben nach Ausdehnung der politischen Herrschaft. Wirtschaftliche Motive fehlten dabei nicht völlig (Kriegsbeute, Ausplündern über Abgaben als „institutionalisiertes Beutemachen“).

Wenn " man" sagt, daß der Begriff Imperialismus nicht auf dasrömische Reich anzuwenden ist, dann mußt du einfach vor der eigentlichen Beantwortung der Frage darlegen, warum die Politk der Römer ihren Macht/Einflußbereich immer weiter auszudehnen, für dich durchaus eine Form des Imperialismus ist. Ist dies dargestellt, kannst du dann Vergleiche anstellen, wie die Römer mit eroberten, besetzten Gebieten umgingen, welche Politik zum Machterhalt sie in den Gebieten betrieben, Stichwort teile und herrsche, was sie für Vorteile aus den Gebieten hatten.

Kann dir aber trotzdem nochmal den Wiki Link empfehlen, darin wird doch auch sehr schön die verschiedenartige Anwendung bis Auslegung des Begriffes "Imperialismus " als solches und auch im Lauf der Zeit hingewiesen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus

Römischer Imperialismus = zwei Schlagwörter, die es so als Terminus nicht gibt.

1) Deutungsversuch: Du meinst die Expansion des Römischen Reiches in der Antike oder die Strukturen/Herrschaftsgebiete/Politik des Imperium Romanum.

2) Deutungsversuch: Du meinst den italienischen Imperialismus. Also die Expansion Italiens nach Afrika am Ende des 19. Jahrhunderts oder die Expansionspolitik Mussolonis. Also, um was geht es dir: Antike oder Moderne?

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