Robespierre : " Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit - prompt, sicher und unbeugsam." (Meinung)?

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7 Antworten

Der Spruch von Robbespierre ist nur im Zusammenhang mit der Zeit zu sehen und Erklärbar:

Vor der Revolution wurden Rechte von Adeligen wesentlich gestärkt und die "normalen Bürger" waren der Willkür der herrschenden Klasse ausgeliefert. Das führte im Endeffekt zur Revolution

Zu der Zeit des Ausspruches war die Französische Revolution gerad einmal so in Schwung gekommen. Die Kontrahenten waren auf beiden Seiten nicht zimperlich in der Wahl der Mittel. Den Revolutionären wurde Terrorismus vorgeworfen, weil sie alle Mitglieder der Fürsten- und Königshäuser getötet haben. Da war es egal, ob es Frauen oder Kinder waren. Dass passten den Vertretern der Herrschenden natürlich nicht. Das war aus Deren Sicht ein Angriff auf die staatliche Ordnung und somit Terrorismus.

Die Revolutionäre und deren Sympathisanten wurden also faktisch mit der Todesstrafe bedroht. Die daraus folgende Unsicherheit konnte also nur durch ein starkes Statement der Revolutionsführung beseitigt werden.

ich hoffe auf reichliche Antworten, damit Du deine eigene Sichtweise zum Thema festigen kannst.

Gruß Uli

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Schau Dir mal die Zeittafel der FrRev. auf wikipedia an, was 1792 abging. Die Ehefrau Ludwigs war eine Tochter des österr. Ksisers, Maria Antonia, die ihrem Vater Briefe schrieb, er möge Frankreich angreifen, um sie zur retten. Der König war nachher der Verräter usw. Dann die Angriffe und das Vaterland in Gefahr. Robespierre nutzte die Panik, um Adel und Bürgerliche, die Girondisten (später hat er sie umbringen lassen) als Feinde der Revolution vor die Tribunale zu bringen. Die haben schnell auf den Tod entschieden - absolut gerecht, so die Rev. zu retten und das Vaterland, prompt und sicher durch die Einführung der Guillotine im Schnellverfahren - ein echter Fortschritt, denn der Henker hatte mit dem Beil / der Axt ein echtes Trefferproblem, was sehr unschön anzusehen war. Daher war die Erfindung des Arztes Guillotin eine saubere Sache, die auch effektiv war: Man schaffte so pro Stunde gut 20 Leute, deren Köpfe in den Sack fielen, der vorne an dem Gestell hing. Der Masse hats gefallen. So war die Revolution unbeugsam, also kompromislos, und erledigte ihre Feinde prompt und sauber.

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LiloB 22.10.2016, 14:53

Ganz so einfach würde ich es mir aber nicht machen,- denn ; würdest Du nicht Deine Familie um Hilfe bitten, wenn man Dich umbringen will? Genau das hat aber Marie Antoinette getan. Du hättest Recht, wenn man sie ausgewiesen und abgeschoben hätte - nach Österreich zum Beispiel. Genau dieser Fluchtversuch  ist aber ihr und dem König zum Verhängnis geworden - unter anderem natürlich .

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doolboy 22.10.2016, 17:11
@LiloB

Darum gehts aber nicht, sondern um die Berechtigung der Parolen von Robespierre aus Sicht zumindest der Pariser Sansculotten. Für die war es lebenswichtig, die Konterrevolutioäre auszuschalten. Robespierre hat dafür die passende Ideologie geliefert. Und Ludwig XVI und seine Frau haben dafür die Gründe geliefert. Entscheidend für die Fragestellung ist aber, dass die Quelle nicht genannt wird und folglich fehlt das Datum und die Umstände unter denen R. das angeblich gesagt haben soll. Eine passende, vergleichbare Passage findet sich in seiner Rede über die Prinzipien der politischen Moral vom 5. Febr. 1794. Wenn die Liebe zum Vaterland die Tugendhaftigkeit ist, so dient der Terror dazu, sie durchzusetzen und das Vaterland - die Republik  - zu retten. Daher dient der Terror der Gerechtigkeit, denn die Republik ist die alleinige gerechte Regierungsform, in der Adel und Kirche sowie Bürgerliche (Vermögende) keinen Platz haben und als Konterrevolutionäre auszuschalten sind. Argumente dafür: In der historischen Situation bleib R. nichts anderes übrig, um sich an der Macht zu halten und die Revolution auf das gegnerische Ausland zu lenken, um die Republik zu retten. Argumente dagegen würden bedeuten, dass die Revolution innenpolitisch zusammenbricht und damit der Widerstand gegen das Ausland geschwächt wird. Wenn die französische Revolutionsarmee innenpolitisch geschwächt worden wäre, hätte das evtl. die erste Dolchstoßlegende bedeutet. Frankreich wäre besetzt worden, denn die Engländer wären zurückgekommen, nachdem sie aus Toulon herausgeworfen worden waren. Dann hätten die Briten sich den Norden Frankreichs unter den Nagel gerissen. Also gab es für R. keinen Ausweg aus der Sackgasse.

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LiloB 22.10.2016, 18:40
@doolboy

super, lieber doolboy,- und es beantwortet so ziemlich die Haltung  aus Sicht von Robbespierre ,- nur; ist das dann "Gerechtigkeit"? Für die Revolution schon,- also aus Sicht von Robbespierre absolut - aber auch aus heutiger Sicht? Wieder mal die Frage; heiligt der Zweck die Mittel???   Auf jeden Fall danke für die gute sachkundige Geschichtsa ntwort,- !! 

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Was ist Gerechtigkeit? Eine Frage des Blickwinkels? Anders ist es mit "Geltendem Recht" ,- da wird es schon ein wenig klarer. Zumindest ist es feststellbar, welches Recht in welchem Land zu welcher Zeit Gültigkeit hat. Zur Zeit Robbespierres theoretisch (zunächst) mehr oder weniger gleiches Recht für alle - aber dann die Ausnahmen; Adlige,- Frauen,- Arme etc. Später - zur Zeit des "Terreur" dann noch die Haltung; was nicht den Zielen der Revolution dient, ist Unrecht.(Und wird grundsätzlich mit dem Tod bestraft, dieses Urteil traf auch Robbespierre,- gerecht?) Ein systematischer Massenmord mit "verbesserten" Mitteln war die Folge. Das einzige, was für Robbespierre spricht, ist die Tatsache, daß er nicht wieder für die Nationalversammlung kandidiert hat, weil das in den Statuten ausgeschlossen wurde.Er hat also auch das geltende Recht auf sich angewendet. Aber- Gerechtigkeit gibt es meines Erachtens nicht, vielleicht das Recht des Stärkeren. Und mit Glück und demokratischen Regeln - das Recht zum Schutz des Menschen. Das sind dann die oft  zitierten Grundgesetze, nach denen auch unsere gültigen Rechte formuliert sind.

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paulklaus 22.10.2016, 17:40

Interessant wären / sind in diesem Zusammenhang entsprechende Zitate aus Büchners Drama "Dantons Tod", die ich zwar erinnere, aber nicht wortwörtlich parat habe. - Natürlich ist das Drama Fiktion, aber Büchner hat viele Passagen / Reflexionen sehr eng an die historische Wirklichkeit angelehnt. Und schließlich war er der erste Autor, der offizielle Gerichtsprotokolle in ein Werk übernahm...

pk

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LiloB 23.10.2016, 14:10
@paulklaus

wirklich, eine interessante Frage (nach Büchner) - und danke für die Information.

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Erstmal müsstest du auf die unterschiedlichen Bedeutungen von Terror damals und heute eingehen. Zu Robespierres Zeiten war ja eine staatliche Politikform gemeint und nicht irgendwelche Anschläge

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also das erste und einzige, was mir dazu einfällt ist: Es ist ist einfach nur ne Behauptung, dieser Spruch. Wenn Robbespierre sonst nichts dazu sagt, also auch keine Begründung folgen lässt, dann ist das genauso philosophisch als würde ein Dreijähriger mitn Fuss aufstampfen.

Das Terrorregime, das die damals ausgeübt hatten, war ne Weile möglich, weil sie ne grosse Akzeptanz im Volk hatten und weil sie den Leuten weismachen könnten, daß der Adel und die Kirche versuchen, ihnen ihre Freiheiten wieder wegzunehmen.

Aber Terror ist immer nur ne gewisse Zeit möglich, also die gnadenlose Machtausübung, ohne ethische oder humanistische Normen als Bremsen. Ohne Bremsen knallt jedes Fahrzeug irgendwann gegen den Pfeiler. Das ist die einzige Gerechtigkeit, find ich, nicht der Terror oder das Fahrzeug ohne Bremsen.

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LiloB 22.10.2016, 14:51

Eine gute Antwort, und der erfreuliche Versuch, sachlich zu reagieren. Allerdings sollen die Aussagen und Meinungen von Robbispierre wohl schriftlich niedergelegt sein,- ob sie dann auch stimmen , ist eine andere Frage.

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Natürlich hatte Robespierre UN recht, lieber LeDream - und wurde deshalb auch umgebracht!

...was genauso gerecht war!

DENN: Wer den Irrsinn säht, wird durch den Irrsinn umkommen!!!

DAS, genau das, ist Robespierre widerfahren!

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Genau so hat er ja auch regiert.

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