ritter und die ärmeren schützen?

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8 Antworten

Die Ritter waren Adlige oder standen in den Diensten von Adligen. Daher waren ihre Leitbilder stark von der Adelswelt geprägt. Ehre und Schutz von Schwächeren gehörten zum ritterlichen Selbstverständnis, wie es sich im Hochmittelalter herausgebildet hat (höfisch-ritterliche Kultur).

Ehre (lateinisch: honor; mittelhochdeutsch: êre) gehörte zu den ritterlichen Tugenden. Ritter erstrebten sie und daher war sie ein wichtiger Beweggrund zum Handeln. Ehre besaß jemand nicht einfach, sondern es war nötigm sie durch Taten und Leistungen wie auch durch Verhalten nach Werten wie Respekt vor dem Gegner, Treue gegenüber dem Lehnsherrn, Beachtung der Umgangsformen und der Höflichkeit, Großzügigkeit, Mildtätigkeit, Hilfsbereitschaft und Gnade zu erwerben.

Ehre war gleichbedeutend mit dem Ansehen in der Gesellschaft, also einer anerkennenden Wertschätzung. Die Ehrenhaftigkeit war die innere Seite (eine Tugend), die entgegengebrachte Ehre/Anerkennung die äußere. Weil der Verlust der Ehre schwerwiegend war (Stellung und Einfluß in der Gesellschaft waren damit beschädigt) bemühten sich Ritter, ihre Ehre zu wahren bzw. wiederherzustellen. Die Ehre konnte durch Handeln entsprechend ritterlichen Tugenden vergrößert werden.

Die Realität konnte hinter dem Ideal zurückbleiben. Es gibt Deutungsspielräume, was in einem konkreten Fall ehrenhaft ist und was nicht und es spielt eine Rolle, was in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen für akzeptabel gehalten wird und was nicht. Bei starkem Abweichen vom ritterlichen Tugendsystem konnten aber Ablehnung, Ehrverlust, gesellschaftliche Ächtung und Verfolgung eintreten.

Brandschatzungen und Überfälle gab es bei Kriegen und Fehden. Das Rittertum enthielt keine grundsätzliche Ablehnung von Krieg und Fehde. Verwüstungen, die einem Gegner unterstehende Bauern betrafen, gehörten zur Strategie bei Krieg und Fehde. Es gab nur Bemühungen, ein Ausufern des Fehdewesens zu verhindern.

Offenkundige starke unerlaubte Gewalttaten eines Ritters konnten zu Maßnahmen gegen den Störenfried wegen Verstoßes gegen den Gottesfrieden/Landfrieden führen. Verwüstungen dienten dazu, die wirtschaftlichen Grundlagen eines Gegners zu schwächen, seine Autorität anzukratzen und seinen Herrschaftsanspruch zu untergraben (eine wichtige Aufgabe der Herrscher war der Schutz ihrer Untertanen). Vgl. dazu Martin Clauss, Ritter und Raufbolde : vom Krieg im Mittelalter. Darmstadt : Primus-Verlag, 2009 (Geschichte erzählt ; Band 20), S. 75 – 81.

Joachim Ehlers, Die Ritter : Geschichte und Kultur. Originalausgabe. 2. Auflage. München : Beck, 2009 (Beck'sche Reihe : C.H.-Beck-Wissen ; 2392), S.23 – 24:
„Nach wie vor galt die Fehde als legales Mittel zur Durchsetzung echter oder auch vorgeschobener Ansprüche und Rechtstitel. Man führte sie als Kleinkrieg zur Schädigung des Gegners und seiner Leute durch Tötung, Raub, Geiselnahme oder Brandstiftungen; unrechtmäßig war das nur, wenn der Fehdegrund nicht ausreichte, keinesfalls aber wegen der damit verbundenen Gewaltakte. Die Fehde ging mit der Trennung von miles und rusticus, Krieger und Bauer, in der Karolingerzeit zu Lasten der ihres Waffenrechts beraubten Bauern und der ebenfalls verteidigungsschwachen Kleriker und der Kirchengüter.

Deshalb hatte sich seit dem Ende des 10. Jahrhunderts in Südfrankreich eine vom Klerus organisierte Friedensbewegung gebildet, die um ihres Erfolges wollen die Schadensstifter, die milites, davon überzeugen mußte, daß wenigstens an den kirchlichen Hochfesten, den Sonntagen und den Feiertagen der lokalen Heiligen nicht gekämpft, Häuser und Feldfrüchte nicht verbrannt., Geistliche, Bauern, Frauen und Kinder nicht verletzt, entführt oder getötet, Tiere nicht von der Weide verschleppt werden sollten. Den Bischöfen und Äbten ist es mit der Zeit gelungen, zumindest einen Teil ihrer laienadligen Verwandtschaft den Zorn Gottes und der Heiligen vor Augen zu führen, ihnen die Vorteile solcher Schonzeiten klarzumachen und entsprechende Friedenseide abzufordern, deren Bruch als unehrenhaft und entsprechend skandalisiert werden konnte. Diese Gottesfriedensbewegung verbreitetet sich von Aquitanien aus über Burgund nach Nordfrankreich, Flandern und seit den achtziger Jahren des 11. Jahrhunderts auch ins deutsche Reich, wo sie schließlich in die großen königlichen Landfrieden einmündete.“

Manfred Reitz, Das Leben auf der Burg : Alltag, Fehden und Turniere. Ostfildern : Thorbecke, 2004, S. 57:
„Der christliche Ritter mußte nach seinem selbstgewählten ethischen Regeln das Wohl der Gemeinschaft verteidigen, Ketzer und Ungläubige bekämpfen und die Schwachen schützen. Er war nicht mehr ausschließlich ein Streiter für seinen Lehnsherrn, sondern zusätzlich noch ein Streiter Gottes.“

57 – 58: „Der Begriff der Ritterehre und der Ritterlichkeit bildete sich heraus. Ein Ritter durfte nicht nur wie bisher ein vorzüglicher Kämpfer sein, sondern mußte zusätzlich auch die Ritterehre mit einem besonderen Ehrenkodex verinnerlichen. Zur Ritterehre gehörten Tapferkeit und Treue, aber auch Schutz und Schonung der Schwachen und besondere Rücksichtnahme gegenüber Frauen, Witwen und Waisen standen unter der Fürsorge der Ritter. Es entwickelte sich eine ritterliche Kultur mit höfischen Tugenden, an denen ein Ritter für Außenstehende zu erkennen war. Viele Ritter, deren Vorfahren einst so gerne Schlägereien angezettelt hatten, erschienen wie gewandelt und achteten nun auf die Etikette des guten Tons und des Anstandes. Von nun an mußten nicht nur Kampftechniken erlernt werden, sondern es war auch Bildung gefragt. [...]. Sie sahen sich als Vorbilder und legten großen Wert auf Beständigkeit sowie auf Mäßigung, die vielgerühmte »mâze«.

Allerdings gab es immer wieder Gegensätze zwischen Anspruch und Wirklichkeit.“

S. 59: „Untereinander bildeten die Ritter ihre Rittergenossenschaften mit Ehrengerichten, die dafür sorgten, daß die ritterlichen Tugenden eingehalten wurden.“

Peter Dinzelbacher, Lebenswelten des Mittelalters : 1000 – 1500. 1. Auflage. Badenweiler : Bachmann, 2010 (Bachmanns Basiswissen ; Band 1), S. 248:
„Im Ritterroman werden ja besiegte Feinde weder abgeschlachtet noch zur Erpressung von Lösegeld ins Gefängnis geworden, sondern nur gegen ihr Wort an den Hof des Königs geschickt; […]. Es gibt durchaus Belege dafür, daß diese Ideologie von einigen Rittern in der Realität praktiziert wurde, ja sogar, daß es Schlachten mit wenigen Toten gab – freilich nur unter Standesgenossen oder Höhergestellten. Solche Schonung galt nicht etwa im Kampf gegen Bürger oder Bauern und schon gar nicht im Kampf gegen Ketzer und Muslime.“

Andreas Schlunk/Robert Giersch, Die Ritter : Geschichte - Kultur - Alltagsleben ; [Begleitbuch zur Ausstellung „Die Ritter" im Historischen Museum der Pfalz Speyer, 30. März 2003 - 16. Oktober 2003] . Lizenzausgabe. Stuttgart : Theiss, 2003, S. 65:
„Ziel der Fehde war nicht die völlige Vernichtung des Gegners, sondern der Entzug oder zumindest die Schwächung dessen wirtschaftlicher Basis, um ihn zum Einlenken zu bewegen, wobei man nicht zwischen herrschaftlichen Gütern und denen der bäuerlichen Untertanen unterschied. Dem Fehdeziel diente die Brandschatzung der Dörfer, auch der Kirchen, die Zerstörung der Ernte, das Abholzen der Obstbäume und Rebstöcke, das Wegführen des Viehs, die Gefangennahme gegnerischer Untertanen, gegen die Städte die Beschlagnahme von Kaufmannswaren.“

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Während der Ritter verpflichtet war, den Tugenden der mâze, staete und * triuwe* mit hohem mute nachzueifern und Gottesdienst, Herrendienst und Frauendienst sein Leben ausfüllen sollten, kamen ihm dabei immer mehr die Lebensnotwendigkeiten und die Zeitumstände in die Quere.

Der hörige Bauer konnte, als der Handel zunahm, den Ertragsüberschuss auf den entstandenen Märkten feilbieten und sich gelegentlich etwas kaufen, das er nicht durch Tausch erwerben konnte. Damit aber die Rittersfrau sich ebenfalls würdig kleiden konnte, benötigte auch der Rittersmann Bares. Da er den Zehent, den ihm der Bauer ablieferte, nicht selber auf den Markt tragen konnte, wurde der Wert der abzuliefernden Naturalien durch festgelegte Münzabgaben ersetzt.

Das Münzrecht aber hatte der Fürst, der listig genug war, seine Münzen mit immer geringerem Edelmetallgehalt zu prägen. Kamen die Händler drauf, gaben sie weniger Ware für die Münze, also wurden größere Münzen geprägt, dann wurde wieder der Silbergehalt verringert usw. In solchen Schritten hatte der Fürst stets ein Einkommen, doch der Ritter stand da mit den festgelegten Abgabe-Sätzen, mit denen er auf dem Markt immer weniger kaufen konnte. Er musste zusehen, wie nicht nur das Bürgertum, sondern sogar seine Bauern immer wohlhabender wurden.

Plagte ihn also seine Frouwe wegen eines dieser neuartigen seidenen Halstücher, so blieb ihm wohl nichts übrig, als hinterm Strauch zu warten, bis so ein Kaufmann des Wegs kam, der es ihm auch ohne Geld überließ, wen ihm sein Leben lieb war. Irgendwie ist’s also verständlich, dass Teile des edle Rittertums derart zum Raubrittertum verkamen.

Im „Meier Helmprecht“ von Wernher dem Gartenære (=Gärtner) ist die soziale Situation im späten 14. Jh. wunderbar geschildert: Die alte von Gott eingerichtete Ordnung der Stände löst sich auf. Der bescheidene Vater des Bauernsohns kennt noch die alte Ordnung, er weiß, wie das echte Rittertum war und welcher Platz jedermann gebührt; dem Sohn aber gefällt das angenehme Leben der verkommenen Raubritter, dort will er aufsteigen. Schließlich werden die „Ritter“ gefangen und - unerhört! - durch einen bürgerlichen Richter verurteilt. http://tinyurl.com/3wmqyu3

Ritter waren für gewöhnlich Männer adeligen Geschlechts. Doch auch unter dem Adel gab es besonders Talentierte welche nicht mit ihrem Geld und Gut umgehen konnten. Auch die wirtschaftliche Lage im 15. und 16 Jahrhundert führte damals dazu dass sogenannte "Raubritter" ihr Unwesen trieben. Googel mal Raubritter und du wirst fündig werden auf deine Frage :-)

nein. ritterlichkeit ist nichts weiteres als eine illusion. die rettenden ritter die die armen beschützen sind die ausgeburten romantisierter darstellungen dieses niederen adelstandes. selbst wenn ein ritter mal höflich war dann nur gegenüber gleichgestellten und höheren adligen. meisten waren sie genauso brutale mistkerle wie die meisten leute höher stellung dieser zeit.

Blödsinn. Ritter waren Oberschergen einer Monarchie. Die Ritter waren die zenrtale Säule des feudalen Militärs. Der König übergab per Ritterschlag ein Rittergut an den Geadelten, aus dessen Wirtschaftsleistung, die durch die Leibeigenschaft gewährleistet wurde, die Ausrüstung des Ritters garantierte. Dan zogen die Ritter mit seinen Knappen in den Krieg. Das gegnerische Gebiet wurde erobert oder verwüstet, dadurch wurde die Wirtschaft des Feindes geschwächt.

Du versuchst hier einen Begriff RITTER mit einem dürftigen Satz zu definieren. Wie falsch das ist, wirst Du begreifen, wenn ich sage, Du sollst den Begriff PRIESTER definieren. Da gibt es viel-Hundertfältiges zu sagen.


Du meinst, unsere heutige Welt sei kompliziert und die früheren Zeiten waren einfach ? Sie haben genauso ALLES vom Menschen gefordert - was der Einzelne zu geben BEREIT oder in der LAGE war - wie heute.

Ich sehe das täglich in meiner Arbeit, wenn ich Urkunden und Schriften aus dem LEHENSRECHT durchlese.


Wenn Du was anständiges über Ritter lesen willst, lies DIE SÄULEN DER ERDE für'n Zehner in jeder Bahnhofsbuchhandlung zu erstehen. Ich kenne kein besseres (= spannenderes oder BILD-hafteres) Werk zu dem Thema !

Ganz nebenbei: Ich habe einen FACH-Aufsatz über das Rittertum geschrieben und keine Zeile ohne genauesten Literaturhinweis (zu ca. einem Dutzend DAFÜR gelesener Werke !)

[Von Deinem Text solltest Du alles vergessen !!]

Alle vier Jahre lässt ein sogenannter Bundeskanzler vor seinem Parlament zu Berlin (ehedem) Bonn was vom Schutz von Recht und Gesetz und deutschem Volk usw. blabla ab.

Vier Jahre später erfährt man haarklein, von welcher Lobby er sich welche Geschenke hat zuschieben lassen. Und da weiss man, für wen er seine Verbrechen begangen hat.

Offenbar muss man Eiden also heute nicht "konsequent gehorchen".

Verrückt, Menschen, die nicht das tun, was man von ihnen erwartet und was sie tun sollten. Wo gibt's denn sowas?

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