Risiken der weißen Gentechnik

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2 Antworten

Das eigentliche Problem bei dieser Frage ist der Begriff des "Risikos". Ich würde sagen, dass durch die gentechnische Veränderung von Mikroorganismen ein akzeptables Nutzen/Risiko Verhältnis entsteht.

Soll heißen, ein gewisses Risiko, auf irgendwelche negativen oder zumindest ungeplanten Effekte besteht immer, wenn Menschen irgendetwas tun. Die Frage ist bis zu welcher Iteration man dieses Risiko bezeichnet und welche Stellenwert man ihm (nicht zuletzt auf der emotionalen Seite) gibt.

Es gibt viele verschiedene Methoden Risiken zu bezeichnen und Eintritts-Wahrscheinlichkeiten auszurechnen (HazOp, Fehlerbaumanalyse, What-if Analyse, Probabilistic risk assessment usw...). Aber bei jeder Methode muss man bestimmte Grenzen setzen was entweder die Magnitude des bewerteten Schadens angeht oder das Filter, welches die absurden oder extrem unwahrscheinlichen Ereignisse einfach aussiebt.

Das Grundproblem in unserer Gesellschaft ist aber dann das gefühlte Risiko. I.e., je undurchschaubarer eine Technik und je unbegreiflicher (mysteriöser) die Produkte und Folgen, desto irrationaler werden unsere Befürchtungen und auch die unwahrscheinlichsten Risiken müssen auf einmal ausgeschlossen werden; oder es wird sogar ein "Nullrisiko" verlangt, was offensichtlich hirnlos ist.

Also ist die Frage was bei der "weißen Gentechnik" als Risiko dargestellt werden soll und wie werden diese Risiken mit den normalen Lebensrisiken verglichen.

Am untersten Rand der Risikopalette wäre z.B. der Bruch eines Biofermenters zur Zitronensäureherstellung und ein Laborant infiziert sich mit Aspergillus Niger - kein besonders großes Problem und sicher unterhalb des Risikos sich als Biolandwirt eine Blutvergiftung beim Gülle ausfahren zu zuziehen (oder eine EHEC Infektion).

Mittleres Problem: Eine zusätzliche Mutation die neben den bekannten Giftstoffe andere, noch gefährlichere, entstehen lässt - das ist auch beherrschbar, durch Qualitätskontrolle und Reinigungsschritte. Vergleichbar mit dem Risiko Nahrungsmittel aus "normaler" biotechnischer Produktion zu sich zu nehmen (Käse, Joghurt, fermentierte Getränke usw..)

Großes Problem: Es kommt zur Freisetzung der veränderten Mikroorganismen, es findet ein Gentransfer mit anderen MOs statt, es kommt zu weiteren Mutationen und wir erhalten ein hoch ansteckendes EHEC E.Coli das durch Tröpfcheninfektion übertragen wird und zusätzlich zu den anderen Toxinen im Darm noch Zitronensäure produziert. - die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert ist lächerlich gering, aber kein (Natur)Wissenschaftler würde sie als "unmöglich" oder "Null" bezeichnen. Im Vergleich zum normalen Lebensrisiko würde ich dieses Ereignis als noch weit unwahrscheinlicher einschätzen als z.B. die Entstehung einer neuen Influenza-Variante, die moderate Probleme bereitet.

Leider sind in Deutschland bestimmte Dinge einfach nicht mehr rational diskutierbar, weil eine irration denkende und hysterisch aufgeputschte Meute ein Nullrisiko für alle Techniken verlangt, die sie nicht versteht (und nicht verstehen will).

Hallo! Die Genetik ist sehr kompliziert. Wenn ich ein Gen irgendwo einbaue, kann ich ggf. zwar überschauen, dass die geünschte Veränderung tatsächlich passiert. Da aber die Gene vielfältig zusammen arbeiten, kann es immer Implikationen geben, von denen ich nichts ahne, weil möglicherweise das veränderte Gen mit anderen zusammen noch ganz andere Wirkungen hat, von denen ich nichts ahne.

Ob es immer gelingen kann, veränderte Organismen so abzuschotten, dass sie nicht in die Umwelt gelangen, wage ich zu bezweifeln. Zwat hätte man bei Organismen mit fremden Genen immer noch die Möglichkeit, alle veränderten Organismen abzutöten. Das funktioniert allerdings nur, solange die Organismen tatsächlich abgeschottet sind. Wenn sie einmal heraus kommen, ist es sehr schwer sie zu stoppen.

Grüße von Kuno

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