Rettungssanietäter

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8 Antworten

Diese Frage ist ziemlich schwer zu beantworten, wie du anhand der zahlreichen Beiträge siehst. Ich will mal versuchen, ein bisschen eine Brücke zwischen den hier knallhart vorherrschenden Meinungen "ja" und "nein" zu schlagen.

Das Heilpraktikergesetz sagt: Die Heilkunde ausüben darf nur, wer Arzt ist. Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen. Das bedeutet, Heilkunde bezieht sich icht nur auf die definitive Heilbehandlung im Krankenhaus, sondern auch auf die akute Behandlung in Notfallsituationen, die ja auch Leiden lindern (z.B. Schmerz) oder Körperschäden vermeiden soll (z.B. wäre eine frühe Rekanalisation eines durch Herzinfarkt verschlossenen Herzkranzgefäßes eine Vermeidung weiterer Schäden). Nach dem Heilparaktikergesetz ist also ziemlich klar, dass nur Ärzte Medikamente spritzen dürfen.

Jetzt kommt das Aber: Der rechtfertigende Notstand. Der findet sich in §34 StGB und stellt mich immer wieder vor ziemliche Probleme. darin steht sinngemäß, dass zur Abwehr eines Schadens Dinge getan werden dürfen, die man sonst nicht tun darf. Juhuu, wir dürfen plötzlich alles! Oder? Nein, denn es müssen für den rechtfertigenden Notstand mehrere Dinge erfüllt sein:

  1. es muss eine ernstzunehmende Notstandslage voliegen, d.h. es muss eine gegenwärtige Gefahr für Leib, Leben (...) oder andere hohe Rechtsgüter vorliegen. (Hier schon die erste Frage: liegt z.B. bei einem gebrochenen Bein tatsächlich eine Notstandslage vor? Es tut zwar weh, aber ist das eine Gefahr für Leib und Leben?).

  2. Die Gefahr darf „nicht anders abwendbar“ sein als durch die Notstandshandlung. Diese muss objektiv erforderlich sein und subjektiv mit einem Rettungswillen vorgenommen werden. (MUSS man bei dem gebrochenen Bein also wirklich Schmerzmittel geben, oder kann man nicht vielleicht auch durch vorsichtige Lagerung eine Schmerzreduktion erreichen?)

  3. Die Notstandsmaßnahme muss geeignet sein, den Notstand zu bekämpfen (das wäre ein Schmerzmittel sicherlich.)

  4. Die Maßnahme muss im verhältnismäßig sein (Ein Durchtrennen des Rückenmarkes führt auch dazu, dass das gebrochene Bein nicht mehr weh tut, es wäre aber nicht verhältnismäßig, da die Gabe eines Schmerzmittels weniger invasiv ist)

Zusammengefasst gilt für die Inanspruchnahme des gerechtfertigten Notstandes also: Es darf keine andere und weniger invasive Möglichkeit geben, eine echte Bedrohung für den Patienten abzuwenden, als ihm Medikament xyz zu geben, dann darf es auch ein Rettungsassistent (und theoretisch auch ein Sanitäter). Alles andere unterliegt dem Heilpraktikergesetz, welches besagt, dass nur ein Arzt Heilkunde ausüben darf. Das heißt für den betroffenen Rettungsdienstler: Er muss sich sicher sein, dass sein Patient ernsthaften Schaden nehmen würde,wenn er das Medikament xyz nicht bekommt. Er muss sicher sein, dass es die einzige infrage kommende Möglichkeit ist, ihm zu helfen, dass es keine andere Maßnahme gibt, und er muss sich fragen, ob es verhältnismäßig ist, das Medikament sofort zu spritzen, oder ob es noch eben Zeit hat, bis der Doktor kommt, denn es gibt auch noch das Risiko, dass die Medikamente Nebenwirkungen entfalten, derer man dann möglicherweise nicht mehr Herr wird. Das ist nun dummerweise echt Auslegungssache.

Beispiel: Akutes Koronarsyndrom. Ist ein solches anhand typischer Klinik und womöglich einem eindeutigen EKG-Befund einmal diagnostiziert, muss der Patient schnellstmöglich einer geeigneten Klinik zugeführt werden. Für die Durchblutung der Koronarien kann man auch was tun, nämlich standardmäßig und nach Leitlinien die Gabe der Medikamente Nitro, ASS, Heparin und Clopidogrel, gegen Schmerzen und Luftnot Morphin, eventuell auch einen Betablocker oder Sauerstoff. In diesem Fall würde ich sagen, der Rettungsassistent könnte all diese MEdikamente geben, wenn kein Arzt in absehbarer Zeit erreichbar ist , denn es ist die einzige Möglichkeit, eine Verschlimmerung der Situation des Patienten abzuwenden, bis er das Krankenhaus erreicht (ernstzunehmender Notstand: Ja, der Infarkt wird schlimmer, nicht anders abwendbare Gefahr: Ja, es müssen Medikamente gegeben werden,geeignete Maßnahme: Ja, steht ja so in den Leitlinien, Verhältnismäßigkeit: Ja, denn das Warten auf den Arzt würde zu lange dauern)

Beispiel: Gebrochenes Bein. Darf der RA Schmerzmittel geben? Ich denke NEIN! Denn: ernstzunehmender Notstand: NEIN, das Bein ist kaputt, aber es wird nicht schlimmer, auch wenn Analgesie sinnvoll ist, nicht anders abwendbar: NEIN, Lagern, Stützen und Schienen könnte auch helfen, geeignete Maßnahme: Ja, okay, wäre es, Verhältnismäßigkeit: NEIN, es ist sicher zumutbar, ein paar Minuten länger auf den Arzt zu warten, da es nicht lebensbedrohlich ist.

Die Situation ist also nicht immer klar, dafür unübersichtlich. Daher hat die Ärztekammer ihre Empfehlungen zur Notkompetenz ausgesprochen,

( ich muss mich selber kommentieren, da zu wenig Platz)

Daher hat die Ärztekammer ihre Empfehlungen zur Notkompetenz ausgesprochen, in der sie darlegt, was ein Rettungsassistent aus ihrer Sicht können und dürfen soll, wenn er auf sich allein gestellt handeln muss. Im Gegensatz zur Meinung verschiedener RAs ist das nicht etwa eine Art Gängelung, sondern eine Hilfestellung, um Rechtssicherheit zu bekommen. Zugegeben ist der Maßnahmenkatalog, den die Ärztekammer befürwortet, recht schmal. Daher sind verschiedeneLandkreise dazu übergegangen, eigene Notkompetenzkonzepte auszuarbeiten. In bestimmten Situationen dürfen die Rettungsdienstler danach bestimmte Medikamente geben. Dies ist quasi ein vorgegriffener rechtfertigender Notstand mit Billigung des Ärztlichen Leiters. Natürlich kann ein Rettungsdienstler von diesen Vorgaben abweichen und selber entscheiden, wann er was gibt, aber dann hat er immer das Problem, ob denn auch wirklich ein rechtfertigender Notstand vorliegt - denn wenn im Nachhinein jemand klagt, ist er im Zweifelsfall selber der Dumme. Klagt ein Patient aber nach einer Maßnahme, die im Rahmen der gebilligten Notkompetenzmaßnahmen ergriffen wurde, liegt ein Organisationsverschulden vor, der kleine Medikamentenspritzer würde nciht belangt sondern wenn, dann würde es auf den Schultern des ärztlichen Leiters und des LAndkreises ausgetragen. Macht der Assistent, was er will, steht er alleine vor dem Kadi, denn er hat etwas getan, dass durch niemanden legitimiert war. Ob man ihn dann für schuldig bekennt ist was anderes, denn vielleicht schließt sich das Gericht ja der Argumentation des Rettungsassistenten an, aber ich persönlich würde mich nicht in diese Bredouille bringen wollen. Mein Tipp daher: Es sollte sich an die im eigenen Landkreis gültigen Anweisungen gehalten werden, damit man im Zweifelsfall Rückendeckung von oben hat.

Ich hoffe, ich konnte zeigen, dass es in diesem Fall auf die Frage keine wirklich befriedigende eindeutige Antwort gibt. Ich sollte noch dazu sagen, dass ich kein Jurist bin, sollten sich hier also kleinere Fehler in der Wiedergabe einzelner Texte eingeschlichen haben - bitte nicht schimpfen, liebe Anwälte da draußen

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Zwei weitere wesentliche Paragrafen, die in Deinen Ausführungen leider fehlen: §3 RettAssG von 1989 (vgl. HPrG von 1939!!!) und §228 StGB.

Gerade der §228 ist übrigens in medizinischen Prozessen regelmäßig der wesentliche, nicht der §34 mit dem rechtfertigenden Notstand.

Die Bundesärztekammer ist weder gesetzgebend noch kann sie per se rechtssichere Gutachten verfassen. Dass so eine Empfehlung hilfreich in einer Entscheidungsfindung sein kann, gebe ich gerne zu (habe ich nie bestritten), aber die wirkliche Basis für die Entscheidung zu einer Medikamentengabe darf das nicht sein. Es ist eben letztendlich auch "nur eine Meinung". Und wer sich auf so etwas verlässt anstatt die echten Grundlagen zu kennen, ist meiner Meinung nach in dem Job falsch.

Nebenbei, und ich meine hiermit nicht die anwesenden Mitdiskutanten: Das sind oft die gleichen Kollegen, die alles andere an Hörensagen nachplappern und tolle Studien "aus Amerika!" zitieren, die sie selbst weder verstanden noch gelesen haben. Also meist leicht erkennbar. :)

Die abschließende Heilbehandlung darf der Nicht-Arzt und Nicht-Heilpraktiker gem HPrG (und für RettAssG nochmal ausdrücklich im RettAssG festgeschrieben) tatsächlich nicht durchführen, damit ist aber im juristischen Sinne eben nicht die Medikamentengabe im Notfall gemeint, solange der Patient dabei zusätzlich einer abschließenden Heilbehandlung zugeführt wird. Das ist also prinzipiell eine andere Baustelle als das invasive Eingreifen an sich.

Deine Ausführungen sind also letztendlich korrekt, wenn auch leicht auf die falsche Spur führend. Wichtig ist, dass der Rettungsdienstmitarbeiter GANZ GENAU weiss, was er da tut und wie er es tun muss. Dann darf er es auch - und MUSS es in bestimmten (zum Glück seltenen) Einzelfällen auch...das gilt für den Rettungssanitäter genauso wie für den Rettungsassistenten aber auch für den Arzt.

Die Rettungsassistenten haben in Deutschland auf diese Art und Weise eigentlich "Freiheiten", von denen Kollegen in anderen Länder nur träumen können - auch die gerne immer wieder als Vorbild genommenen USA-Paramedics. Die Ausbildung der Rettungsassistenten steht da im Vergleich ebenfalls nicht schlecht dar (den Paramedic gibt es in USA teilweise für lausige drei Monate Kurs, vergleichbar dem deutschen Rettungssanitäter). Mit der "Freiheit" steigt aber auch die Verantwortung.

Denn genauso wie der Arzt hat auch der nichtärztliche Mitarbeiter für sein Tun einzustehen. Das ist nicht verwunderlich, sondern tägliche Lebenspraxis, und legt dem Durchführenden einer an sich strafbaren Körperverletzung eine hohe Verantwortung auf. Das ist die andere Seite der Medaille, viele Kollegen wünschen sich hier eine Art Absolution, die weder die BÄK noch der ÄLRD oder gar irgendein Gesetz geben kann. Die SOPs der US-Kollegen helfen da auch nicht viel, denn die Situation und Rechtslage ist in Deutschland einfach eine andere.

Man soll sich also bitte nicht damit herausreden, man dürfe es nicht sondern klar zugeben, dass man es nicht kann. Der, der kann (und zwar wirklich inkl. aller Rechtsgrundlagen!), der "darf" es auch. Das heisst aber bitte natürlich nicht, dass man alles lustig spritzen darf, was der Notfallkoffer hergibt...macht der Arzt ja auch nicht - siehe das Thema "Verantwortung" (und damit "Wissen & Können" oben).

Es bleibt immer noch die Praxis-Frage, ob man als deutscher RettAss das immer vorhandene Risiko einer Fehlbeurteilung, einer Fehleinschätzung oder der Nichtbeherrschbarkeit einer Situation eingehen mag, wenn man nur ca. ein Fünftel dessen auf seinem Gehaltszettel vorfindet als der Notarzt, den man per Funk ganz einfach nachholen kann. Dann darf man sich aber auch nicht dabei erwischen lassen, untätig herumzustehen sondern soll gefälligst andere Maßnahmen aus dem Repertoire der nicht-invasiven Notfallmedizin einsetzen, selbst wenn diese nicht ganz den gewünschten Erfolg haben. Aber leider wird auch hier viel zu oft das "Darf ich ja nicht, selbst wenn ich wollte (und könnte?)"-Argument herausgezogen. Wenn der Patient und die Angehörigen da wüssten, wie die Rechtssituation wirklich ist, müssten sich so einige Kollegen erst recht vor einer Anzeige fürchten.

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@baertl

Was ich eigentlich sagen wollte, gerade auch in Bezug auf die Ausgangsfrage: Witzigerweise dürfen aber auch Ärzte keine Körperverletzung (= Medikamente geben, Skalpelle in Leute stechen etc.) begehen. Sie bleiben eben nur straffrei, wenn sie (§228 StGB) das mit Einwilligung und ohne gegen die guten Sitten zu verstoßen machen. Das gilt aber genauso für alle anderen! :)

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@baertl

Du hast natürlich völlig Recht, dass jeder, der irgendwas injiziert primär erst mal Körperverletzung begeht und somit eigentlich niemand Medikamente geben darf, aber ich denke, es ist allen klar, dass in der MEdizin Tätige es eben dank §228 StGB doch dürfen. Niemand darf eine medizinische Handlung vornehmen, ohne das Einverständnis des Patienten, was der Grund ist, weswegen ich diesen Paragraphen gar nicht mehr erwähnt habe. Denn "niemand" und "keine medizinische Handlung" sagt ja nichts darüber aus, ob ein Rettungsassistent ein Medikament spritzen darf, wenn kein Notarzt da ist. Das ließe sich nur durch den rechtfertigenden Notstand erklären.

Ein Wort zum RettAssG von 89 in der aktualisierten version von 2007 (es sei übrigens darauf verwiesen, dass das Heilpraktikergesetz zwar von 1939 datiert, jedoch 2001 aktualisiert wurde, es ist also nicht ganz so antiquiert...): Zitat §3

"Die Ausbildung soll entsprechend der Aufgabenstellung des Berufs als Helfer des Arztes insbesondere dazu befähigen, am Notfallort bis zur Übernahme der Behandlung durch den Arzt*** lebensrettende Maßnahmen bei Notfallpatienten durchzuführen, die Transportfähigkeit solcher Patienten herzustellen, die lebenswichtigen Körperfunktionen während des Transports zum Krankenhaus zu beobachten und aufrechtzuerhalten sowie kranke, verletzte und sonstige hilfsbedürftige Personen, auch soweit sie nicht Notfallpatienten sind, unter sachgerechter Betreuung zu befördern*** (Ausbildungsziel)."

Demnach soll ein Assistent, bis der NA kommt, die Vitalfunktionen sichern können sowie während des Transportes aufrecht erhalten. Hm. Tja. Okay, es gibtMedikamente, die lebenswichtige Funktionen schützen, aber viele Notfallsituationen wären damit nicht abgedeckt (Schmerztherapie, z.B., die zur Zeit am massivsten geforderte Maßnahme), Sedierung, Spasmolyse, etc, etc, etc. Unbedingt lebensbedrohliche Situation sind meiner Meinung nach ... huch? Meiner Meinung... Tja guck. Und deiner Meinung nach? Denkst du, du darfst Schmerzmittel spritzen (Ketanest/Dormicum bei Schulterluxation)? Der Patient hat Schmerzen, ist aber vital nicht gefährdet. Streng genommen: Keine Deckung durch das RettAssG. Da ist es ja auch egal, ob du ganz exakt weißt, wie du Ketanest benutzen musst, die Indikation stimmt einfach nicht. Selbst wenn der Patient einwilligt, ist und bleibt die Gabe eines solchen Medikamentes dann eine Körperverletzung, die Einwilligung des Patienten ist nichtig, da du die Maßnahme nicht ergreifen darfst. Ich kann zum Beispiel ganz gut mit einem Messer umgehen. Wenn jemand einwilligt, (§228), dass ich ihm ins Bein stechen darf, und ich tue das, gehe ich dann straffrei aus? Sicher nicht. Denn ich durfte es nicht. Ich kann mich auch nicht auf einen rechtfertigenden Notstand berufen. Das könntest du bei der Gabe von Schmerzmitteln natürlich versuchen, aber hier ist eben die Frage, wie es ausgelegt wird.

Was ich also letztlich sagen wollte (was du glaube ich auch erkannt hast): Es ist nun mal nicht eindeutig geklärt und im Zweifelsfall eine Einzelfallentscheidung. So weit ich weiß, haben die meisten RettAss ihre Prozesse wegen illegaler Medikamentengabe bisher gewonnen, was zeigt, dass du prinzipiell natürlich recht hast. Aber dennoch möchte ich sagen, dass es keine absolute Rechtssicherheit gibt, und es daher nur sinnvoll sein kann, sich an die lokalen Vorgaben zu halten, egal was man selbst meint zu können oder auch kann, und egal, was man anderswo immer durfte.

Ach ja - ich glaube, wir sind auf derselben Seite... ;) MEiner Meinung nach sollte mehr explizit für RettAss freigegeben werden, ich möchte aber eben nur davor warnen, sich vermeindliche Rechte zu nehmen, und eventuell Ärger dafür zu kassieren.

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@DoktorNoth

Jetzt sind wir auf einer Welle. :)

Nein, ich will nicht in der Gegend rum spritzen, aber ich weiß, dass ich in einer Reanimationssituation absolut problemlos Medikamente legal geben darf, ohne "mit einem Bein im Gefängnis zu stehen". Oder bei systemischen allergischen Reaktionen, akuter Atemnot, Krampfanfällen und dergleichen mehr. Alles unter Beachtung der Einwilligung und unter Abwägung von Nutzen/Risiko sowie der Vorbereitung auf mögliche Nebenwirkungen.

Da wird halt nur leider viel Stuß erzählt. Die aktuelle Diskussion um Schmerzmittel kann ich zumindest unter rechtlichen Aspekten auch nicht nachvollziehen, das ist aber auch nicht der Kern der eigentlichen Sache.

Aber auch Schmerzmittel und den ganzen Rest des Ampullariums sollte man als RettAss, der was auf sich hält, kennen, denn irgendwas ist immer und auch der Notarzt braucht mal Hilfe. Das ist schließlich mein Arbeitsgerät.

Zum Messer: beim §228 auch das mit den "guten Sitten" beachten - einfach einem ein Messer selbst auf Verlangen reinzustechen dürfte dagegen verstoßen (siehe auch Diskussion um Suizidhilfe), macht der entsprechend ausgebildete Helfer das aber zweifelsfrei zu notwendigen Therapiezwecken, sieht das plötzlich mit dem gleichen Messer (besser: ein Skalpell) ganz anders aus. Insofern decken die "guten Sitten" auch die anderen diskutierten Themen ab: ja, es muss notwendig sein und ja, ein RettAss muss zur sinnvollen Nutzen/Risiko-Abwägung in der Lage sein und auch sein sonstiges nicht-invasives Wissen bzw. "Handwerk" beherrschen.

Die Passage aus dem RettAssG zeigt übrigens einen deutlichen Unterschied des RettAss zu "heilenden" Berufen (Arzt, Heilpraktiker) auf: der RettAss muss den Patienten eben einem Arzt zuführen (oder umgekehrt) und darf keine abschließenden Heilbehandlungen selbstständig vornehmen - ganz im Einklang mit dem Heilpraktikergesetz. Auch das heißt aber nicht, dass er für jedes Kinkerlitzchen den NA holen muss, sondern eben nur, dass er dafür sorgen muss, den Patienten in geeigneter Form einer weiterversorgenden ärztlichen Versorgung zuzuführen. Die geeignete Form hängt dann wieder von vielen Umständen ab und inkludiert "schnellstmöglich" (was jetzt nicht bedeutet, dass ich für Load & Go bin, im Gegenteil: ich bin für situativ richtiges Handeln). Aber ärztliche Berufspolitik sowie die Diskussion um Ärztemangel etc. auf dem Rücken des RettAss auszutragen ist jedenfalls auch fehl am Platze.

Der Hinweis auf die gelebte Realität ist leider ebenfalls richtig, nur sollte man sich da als RettAss auch nicht einlullen lassen, sondern zumindest wissen, wie es wirklich aussieht. Ob man dann im Extremfall lokal auf Konfrontationskurs gehen will, muss man selbst entscheiden. Aber bitte nicht mit lahmen Entschuldigungen kommen.

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@baertl

Jep, jetzt scheinen wir auf einer Welle zu sein (später Kommentar, ich weiß, da hat die Benchrichtigung nicht funktioniert, wie es scheint...). Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, mit dir mal draußen zusammen zu arbeiten, wir hätten viel sinnvolles zu reden, glaube ich

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*Für die Durchblutung der Koronarien kann man auch was tun, nämlich standardmäßig und nach Leitlinien die Gabe der Medikamente Nitro, ASS, Heparin und Clopidogrel, gegen Schmerzen und Luftnot Morphin, eventuell auch einen Betablocker oder Sauerstoff. In diesem Fall würde ich sagen, der Rettungsassistent könnte all diese MEdikamente geben, wenn kein Arzt in absehbarer Zeit erreichbar ist *

Eine sehr liberale Position, von der ich aber selbst nur eingeschränkt Gebrauch machen würde, mindestens vom Morphin würde ich nämlich schön die Finger lassen. Dann eher die Schmerzen des Patienten ertragen.

Ansonsten kommt es zu der Abgrenzung zwischen Notfall- und sonstiger Behandlung auch schon immer von ganz alleine. Ich schicke im SanD regelmässig die Hypochonder und Arzthopper weg, die sich bei mir mal eine "dritte Meinung" zu den schon aufgesuchten zwei Fachärzten einholen wollen. Man glaubt es kaum, aber auch sowas kommt immer wieder (!)

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Rein rechtlich darf KEINER Medikamente verabreichen. Auch nicht der Arzt. So geht das schonmal los, das ist nämlich Körperverletzung.

Nur wenn der Patient bewusst oder implizit (nämlich durch Bewusstlosigkeit) einwilligt, dann ist das statthaft und wird nicht verfolgt.

Dazu gehört aber, dass der Patient über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt wurde.

Dazu gehört auch, dass die Medikamentengabe notwendig sein muss und nicht der gleiche Effekt durch andere, weniger invasive ("körperverletzende") Maßnahmen erreicht werden kann.

Es gehört ebenfalls dazu, dass der Anwender die Medikamentengabe beherrscht, sowohl in der Technik als auch im Falle einer möglichen (unerwünschten) Nebenwirkung.

Wenn diese Dinge beachtet werden, dann darf JEDER Medikamente geben! Überraschung!

Es gibt noch ein paar Einschränkungen, dazu gehört z.B. die ärztliche Verschreibungspflicht (die aber im Notfall zweitrangig ist, zumal ja ein Arzt bereits für die Medikamente im Rettungsdienst unterschrieben hat, sonst hätte die Apotheke sie nicht abgegeben) und die besondere ärztliche Zugriffsbeschränkung auf Betäubungsmittel, die als solche im BTM-Gesetz definiert sind (im Rettungsdienst z.B. Morphium und Fentanyl - es gibt aber im Rettungsdienst auch Schmerzmittel, die nicht unter das BTMG fallen).

Gleiches gilt für alle anderen "Eingriffe", d.h. z.B. intravenöse oder -ossäre Punktion, endotracheale Intubation, manuelle Defibrillation, Thoraxpunktion, Schaffung alternativer Atemwege us.w. So etwas ist immer Körperverletzung, in die der Patient im Notfall einwilligen kann und die dann nicht als Köroerverletzung verfolgt wird.

Zur rechtlichen Würdigung: dem Arzt wird dabei zugestanden, Medikamente und deren Wirkung/Nebenwirkung aufgrund seiner langjährigen Ausbildung zu beherrschen und auch eine Diagnose sicher stellen zu können sowie die Technik der Medikamentengabe vollkommen zu beherrschen. Dem Rettungsassistent wird das ebenfalls in der Ausbildung beigebracht, im Regelfall beschränkt sich das aber auf die typischen Notfallmedikamente. Der Rettungssanitäter lernt nur einen sehr beschränkten Medikamentensatz und Applikationswege (z.B. Sauerstoff über Maske, krampflösende Mittel rektal etc.), der Laie gar keine.

Entsprechend fällt die Beurteilung aus: der Arzt kann in der Praxis "alles machen, was er will", dem Rettungsassistenten wird genauer auf die Finger geschaut (und er sollte im Zweifelsfall tunlichst nachweisen können, dass er in der Beherrschung der Medikamente fit ist), der Laie wird gleich verhaftet...

Das geht auch umgekehrt: der entsprechend ausgebildete MUSS alles machen, was er kann, um im Notfall adäquat zu helfen. Da ist beim Laien schnell Schluss (Erste-Hilfe-Niveau, manchmal maximal der Notruf), der Arzt muss notfalls die ganze Bandbreite der Medizin anwenden, der Rettungsassistent ist irgendwo dazwischen.

Das ist aber keine Grauzone, wie manche gerne vermuten, sondern primär eine rechtlich sehr eindeutige Sache: Braucht der Patient das? Wusste der Patient, worauf er sich einließ? Beherrschte der Anwender die Gabe? Beherrschte der Anwender die möglichen Komplikationen?

Das geht dem Arzt ganz genauso - das ist der Grund, warum im Krankenhaus die Aufklärung z.B. vor OPs sogar schriftlich dokumentiert wird und es auch Prozesse wegen Behandlungsfehlern gibt. Übrigens weit mehr als bei Rettungsassistenten. :)

Ein Rettungsassistent hat gegenüber dem Arzt noch den Vorteil, dass er sich einen NA dazuholen kann. Der NA ist dann aber meist das letzte Glied in der Kette, der muss dann agieren. In Einzelfällen kann sogar auch dieser sich noch höhere/speziellere Kompetenz hinzuziehen, das passiert durchaus (z.B. Kindernotarzt, Anästhesists/Chirurg bei schweren Einklemmungssituationen). Dabei muss aber auch immer Nutzen/Riskiko (z.B. Zeitdauer) abgewägt werden, das gilt auch für den RettAss.

Dies alles gilt bundesweit! Das StGB kann durch örtliche Regelungen nicht außer Kraft gesetzt werden, weder im erweiternden noch im einschränkenden Sinne. Eine Dienstanweisung, die Rettungsassistenten die Gabe von Medikamenten verbietet, könnte im Ernstfall sogar rechtswidrig sein.

Jetzt sind wir aber in der Praxis. Hier kommt es sehr darauf an, wie der Chef und/oder die Notärzte das sehen. Wenn diese laufend auch RettAss blöd anmachen, obwohl diese die medizinische, rechtliche und technische Seite beherrschen, dann wird sich der unterbezahlte Kollege schon zu Recht fragen, ob er sich das immer wieder antun soll - und im Zweifelsfall die Medikamentengabe lieber unterlassen.

Hat ein RettAss keine Ahnung, liegt seine letzte Fortbildung jahrelang zurück und baut er laufend Schei***, dann fehlt ihm wohl einfach tatsächlich die Komptenz - und ihm wird zurecht an den Karren gefahren (das gleiche gilt für den Assistenzarzt, der sich mehr zutraut, als er kann).

Das Thema "abschließende Heilbehandlung" ist dabei etwas anderes! Das darf ein RettAss tatsächlich nicht, aber das hat mit der Tatsache der Medikamentengabe erstmal nichts zu tun

Auch der hinzugezogene Nicht-Notarzt (Bereitschaftsdienst der kassenärztlichen Vereinigung im Rahmen des Vertretungsdienstes am Wochenende und Feiertagen) darf das. Wir haben im Sanitätsdienst bei speziellen Medikamentengaben in sehr eigenen Fällen (z.B. Aspisol® i.V. hohe Dosis ohne Notfallindikation) den Bereitschaftsdienst geordert, um uns abzusichern. Es muss also nicht immer der Notarzt sein.

Medikamente anordnen darf in ganz Deutschland nur ein Arzt. Der §34 Stgb ist sehr dehnbar. Da sollte dann jeder Rettungsassistent und Rettungssanitäter selbst entscheiden, was er sich denn zu traut, was er auch nachher vor einem Richter rechtfertigen kann ;)

Prinzipiell richtig.

Nur: Wo steht eigentlich, dass ein Arzt Medikamente geben darf? Richtig: nirgends! :)

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@baertl

@baertl: Zwischen Anordnen und Verabreichen besteht ein rechtlich relevanter und damit beachtlicher Unterschied.

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@Semmel76

Wenn ich den Gedankenfetzen in meinem Gehirn richtig zuordne, dann im Heilpraktikergesetz.

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@Semmel76

Joa. Der Unterschied ist mir bekannt. Wo ist aber die Relevanz hinsichtlich der Fragestellung? Da gings ums verabreichen. Und da braucht der rettungsdienstliche Nicht-Arzt kein Rezept ausstellen oder eine ärztliche Anordnung abwarten SOFERN gewisse Dinge eingehalten werden, die aber auch ein Arzt einhalten muss (Notwendigkeit, Abwägung, Aufklärung, Einwilligung etc)!

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@Chris112

Bitte suchen, nachlesen und zitieren. Kleiner Tip, bevor Du allzuviel Zeit investierst: es steht da nicht drin. :)

Da steht nur drin, dass ein bestallter Arzt die Heilkunde ausüben darf und wer diesem bestallten Arzt gleichgestellt ist (und ebenfalls die Heilkunde ausüben darf). Da steht aber nicht drin, dass der Arzt dazu eine Körperverletzung begehen darf. :)

Bevor jetzt auf der Heilkunde rumgeritten wird - man darf auch Dinge tun, ohne "Heilen" zu wollen (siehe z.B. die dem RettAss zugestandenen Aufgaben im RettAssG, da steht nicht "endgültige Heilung" wohl aber "Leben retten" etc.).

Ich löse das mal auf. Einschlägig ist §228 StGB "Einwilligung": "Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt."

Da steht aber auch gar nichts von "Arzt". Nur indirekt, da man diesem unterstellt, bei seinem Heilversuch eben grundsätzlich "nicht gegen die guten Sitten zu verstoßen". Das gleiche gilt aber auch für den Rettungsassistenten, den Rettungssanitäter und selbst den Laien! Vorausgesetzt, die Körperverletzung (Medikamentengabe) erfolgt mit tatsächlicher oder impliziter Einwilligung des Patienten. Dafür sind dann wiederum einige andere Voraussetzungen zu schaffen, z.B. die Aufklärung und das andere, was ich beschrieb.

Sollte man auch (und gerade) als Arzt wissen, das man sich hier täglich auf dem Niveau des §228 StGB bewegt...Klagen wegen mangelnder Aufklärung und damit uneinsichtiger Einwilligung oder gar Fehlen einer solchen nehmen rapide zu.

Das "dürfen" hat aber primär mal nichts mit dem Qualifikationslevel zu tun (sekundär natürlich schon, weil man schon wissen sollte, was man tut).

So, jetzt warte ich immer noch auf den Paragraphen, der sagt: "Ein Arzt darf dem Patienten Dinge antun, die ein RettAss nicht darf" oder so ähnlich. Wird aber keiner ausgraben, die Dinge sind wesentlich komplizierter als ein einfaches "darf ich nicht"... :)

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Die allermeisten Medikamente dürfen nur durch den Arzt verabreicht werden. Es gibt im Rettungsdienst regional aber starke Unterschiede, was die Kompetenzen der Rettungsassistenten (nicht -sanitäter!) angeht. In manchen Gebieten darf nicht mal ein Zugang gelegt werden, wohingegen andernorts bei entsprechender Lage auch Morphine und anderes verabreicht werden.

Lieber Reiswaffel87: lasst ihr euch das immer noch einreden? Von wem? Tststs...

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@baertl

In unserer HiOrg hat das die verantwortliche Verbandsärztin außerhalb des RD explizit untersagt, da sind noch nicht mal Kopfschmerztabletten im SanD drin. Im RD selbst kommt die Leitlinie vom ärztlichen Leiter RD des betreffenden Bezirkes - was innerhalb eines Bundeslandes zu bösen Irritationen führen kann (30 km entfernt von uns hat ein NA eine RTW-Besatzung wg. eigenmächtigen Zugang-Anlegens zusammengestaucht).

Im übrigen droht man uns nicht mit dem StGB, sondern mit dem MedG. Und da sind wir kein zugelassenes Personal im Sinne des Gesetzes. Drum wird bei uns immer der Akademiker zum Abnicken der bereits aufgezogenen Medis nachalarmiert.

P.S. Die Kreuz-Kollegen in unserem RD-Bezirk sind da nicht minder hardcore: Volksfest, Freundin von mir zivil unterwegs, Magen verhoben (falsche Reihenfolge bei der Fress- und Sauforgie), zu Kreuzens gegangen, sich als ausgebildete RS zu erkennen gegeben und gezielt nach Medikament R* oder alternativ G* L* gefragt - nein, dürfe man ihr ohne Arzt nicht geben.

Lieber baertl, Du bist halt kein ansagender Doc in unserem RD-Bezirk, und dann weht der Wind eben schon mal anders. Medizinischer Föderalismus, sozusagen.

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@udnobbe

Was sie sagen und was sie wirklich dürfen ist zweierlei. :)

Weiß die Verbandsärztin, dass sie sich ggf. strafbar macht (Organisationsverschulden), wenn sie sowas explizit und pauschal untersagt? Ich denke mal schon, deshalb wird sie das auch sehr gut begründet haben. Bei "Kopfschmerztabletten" z.B. mit der simplen Tatsache, dass dazu kaum ein Notfall konstruiert werden kann, sowie die Lagerung und Abgabe von apothekenpflichtigen Medikamenten außerhalb der Apotheke grundsätzlich heikel ist. Insofern hat sie für solche Fälle also vermutlich sogar Recht. Der hier zuständige BRK-Landesarzt hat sich da brav aus der Affäre gezogen, indem er per Rundschreiben die Rechtslage erläutert, die Empfehlung für Sanitätsdienste zur Nicht-Bevorratung von Medikamenten abgegeben und die konkrete Umsetzung vor Ort den Ärzten der Ortsverbände überlassen hat. In der Sache völlig korrekt.

Die Lage ist insofern natürlich besonders irritierend, dass je einfacher der Fall und je harmloser das Mittel ist, es umso verbotener ist, es anzuwenden. Das ist konsequent durchgedacht tatsächlich so! :)

Aber da sehe ich es auch entspannt, denn wer Kopfschmerzen hat oder wem übel ist und der keinen RTW/NA will, der soll gefälligst vom Fest nach Hause gehen, sich dort auskurieren oder zum Hausarzt bzw. in die nächste Notdienstapotheke marschieren. Der Sanitätsdienst ist ja kein billiger Selbstbedienungsladen für Wehwehchen aller Art, das hat dann auch ganz konkret wirtschaftliche Gründe. Wir halten ebenfalls keine Kopfschmerztabletten oder Mückenstichgels vor. Wenn aber einer ein Schädelhirntrauma oder eine volle anaphylaktische Reaktion hat, können wir notfalls das ganze Ampullarium über ihm ausschütten.

Denn es ist eben im Notfall bzw. im Rettungsdienst leicht anders: der ÄLRD kann da zwar ebenfalls gerne Vorgaben machen, die sind im Zweifelsfall aber Schall & Rauch! Ein betroffener RettAss, der vor Gericht steht, weil er einem Schwerverletzten nicht die notwendige Schmerz- und Kreislaufbehandlung hat zukommen lassen, kann versuchen, sich darauf zu beurfen. Wenn der Richter das ganz eng sieht, hilft ihm das nichts und es kommt nur noch ein Angeklagter dazu (nämlich die Organisation bzw. der ÄLRD im Sinne eines Organisationsverschuldens).

In der Praxis ist so eine Anzeige aber noch selten der Fall, denn die Bevölkerung weiß nicht, dass das möglich wäre, dass auch der Nicht-Arzt potente Medikamente verabreichen könnte & ggf. müsste - es kam aber schon vor!

Auch der beschriebene Notarzt kann stauchen, was er will - rechtlich muss er nicht recht haben (und hat es dann selten, ausser er erkennt fachliche Mängel). Wenn sich das die RettAss gefallen lassen, sind sie selbst schuld - oder es ist ihnen schlicht egal ("lass den reden"), auch verständlich. Der NA ist zufrieden, "dass er es den doofen RettAss gezeigt hat" und die überleben diesen NA auch noch... :)

Das Dumme ist, dass der RettAss da natürlich ein sehr schwaches Glied in der Kette ist: zu schlecht bezahlt und zu ersetzbar, um sich echten Widerstand leisten zu können, meist juristisch eher schlecht ausgebildet und oft obrigkeits- bzw. kollegenhörig (Gerüchte gewinnen schnell Gesetzesrelevanz, erst recht, wenn sie mit "ÄLRD" unterschrieben am Schwarzen Brett aushängen) und vielleicht tatsächlich schlecht aus- bzw. fortgebildet (die Inhalte der RettAss-Ausbildung sind ja letztendlich nur marginal festgelegt).

Aber egal, was manche meinen, es braucht keine ansagenden Docs (ich bin übrigens keiner!) um die Medikamentengabe zu verbieten oder zuzulassen. Es braucht Leute mit Sinn & Verstand (gerne auch Ärzte...), die den Anwendern in der Notfallmedizin (und dazu gehören alle Berufsgruppen, NA, RettAss und so weiter) beibringen, wie sie den Patienten effektiv helfen können. Eine Regelung zur Medikamentengabe hilft dabei, die sollte aber dann auch konsequenterweise die gezielte Aus- und Fortbildung inkl. rechtlich sichere Erläuterung der Situation umfassen.

Und zwar so, dass sie der Anwender auch nachts um halb drei im Halbschlaf beherrscht, so wie selbstverständlich den ganzen Rest seines Berufswissens. Dann fehlt nur noch, dass der RettAss adäquat bezahlt wird (träum).

Was genau meinst Du mit MedG? MPG? AMG? Bitte zitieren, was da versucht wird (für den Notfall, nicht für den "Kopfschmerz nach Sauferei") zu begründen.

Um das alles nochmal abzukürzen bzw. zusammenzufassen: Medikamente dürfen Nicht-Ärzte genausowenig geben wie Ärzte. Man bleibt nur dann straffrei, wenn man gewisse Dinge beachtet. Es ist KEINE rechtliche Grauzone und man steht auch nicht "mit einem Bein im Gefängnis". Ausser man kennt sich nicht aus oder überschätzt sich deutlich, aber dann hat man's auch nicht anders verdient. Ein gewisses Risiko ist übrigens bei Eingriffen in die menschliche Biochemie immer dabei, das man angesichts seiner Berufshaftpflicht und seines Gehaltszettels (und damit zugestandener "Verantwortung") abwägen muss.

Der letzte Satz dürfte neben allgemeinüblichem Standesdenken der zentrale sein.

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@baertl

Baertl, wenn du bestimmte Maßnahmen noch nicht durchgeführt hast und auch nicht darin geschult wurdest möchte ich mal wissen, wie du deren Anwendung, wenn denn überhaupt vorhanden, später erklären willst. Natürlich nur dann, wenn etwas schiefgegangen ist. Und eben diese Schulungen unterbleiben, wenn in dem Bereich so verfahren wird.

Bei mir im Bereich sind Zugänge durch den RTW eine Selbstverständlichkeit und es gibt eine längere Liste an Medikamenten, die im Rahmen der "erweiterten Versorgungsmaßnahmen" (NA erforderlich aber nicht verfügbar) verabreicht werden dürfen. Zu diesem Zweck werden die RAl in Blockfortbildungen zertifiziert.

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@Reiswaffel87

Korrekt: Wissen ist das A und O. Üblicherweise wird das (sollte es zumindest) in der RettAss-Ausbildung vermittelt werden. Und dann natürlich noch im weiteren Berufslebensweg.

Wenn man das Thema aber in der RettAss-Schule verpasst hat, man das nicht aktiv vom Arbeitgeber angeboten bekommt und man auch nicht den Hintern hoch genug kriegt um sich selbst eine entsprechende Fortbildung zu suchen damit man seinen Job richtig machen kann - aus welchem Grund auch immer (Faulheit ist keine Entschuldigung, zu geringe Bezahlung wäre fast eine) - dann sollte man die Finger von spitzen Sachen lassen.

Da stimme ich Dir lauthals zu. Aber dann sollte sich derjenige fragen, was er in dem Beruf macht und ob das wirklich das richtige ist.

Wenn es wie bei euch Schulungen und Regelungen gibt mit denen alle (inkl. Patient) einverstanden sind etc.pp., dann ist das die Ideallösung, die zwar rein gesetzlich nicht notwendig aber trotzdem sehr sinnvoll ist, weil sie einfach Ärger vermeidet und einen guten Standard schafft. Alle anderen müssen sich weiterhin mit dem gesetzlichen Status-Quo rumschlagen, nachdem sie das zwar auch "dürfen", aber was sie eben im Zweifelsfall immer wieder rechtfertigen müssen - zuungunsten des Betriebsklimas und der Motivation.

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@udnobbe

Im RD selbst kommt die Leitlinie vom ärztlichen Leiter RD des betreffenden Bezirkes...

So ist es bzw. sollte es sein. Und genau beim ÄLRD sollten im eigenen Interesse in einer derartigen Situation dann nach Einsatzende umgehend die Maßnahmen im Rahmen der Notkompetenz angezeigt, die zugehörige Dokumentation vorgelegt und innerhalb einer Einsatznachbesprechung besprochen werden.

Die von "udnobbe" treffend angeführten und günstigstenfalls vertieften Leitlinien, verbunden mit dem im Notfall erweiterten Maßnahmenkatalog bieten somit Rechtssicherheit für das dahingehend geschulte nichtärztliche Rettungsdienstpersonal, wobei derjenige im Zweifel bestenfalls auch Unterstützung vom schulenden ÄLRD (gewissermaßen findet nachweislich regelmäßig eine ärztliche Überwachung des Wissensstands vom RD-Personal in solchen Notfall-Lagen statt) erfährt, was ebenfalls dokumentiert wiederum in einem ggf. anhängigen gerichtlichen Verfahren von Vorteil sein kann.

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@Semmel76

Ich kenne ÄLRD-Leitlinien, da ist es mit der Rechtssicherheit nicht weit her. Juristen beurteilen manches etwas anders als Ärzte.

Im besten Falle sind es natürlich vernünftige Leitlinien, die den Großteil der Fälle wirklich rechtssicher abdecken und damit zu einem harmonischen Standard führen, in denen sich wirklich um den Patienten gesorgt wird und nicht um Standesdünkel. Das spart Ärger, macht Dinge nachvollziehbar und bringt das System weiter. Deshalb habe ich nichts gegen Standards, aber man muss wissen, wo die rechtlich aufgehängt sind und unter welchen Umständen die eigentlich gelten.

Viel schlimmer sind solche Leitlinien, die versuchen, sich die Sache sehr einfach zu machen und pauschale Handlungsverbote aussprechen. Ein Medikamentengabe-Verbot hilft KEINEM aus der Verantwortung heraus und ist im Fall des Falles ggf. sogar völlig nichtig. Dann schaut man erst recht in die Röhre.

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Also Medikamente darf der Notarzt und der Rettungsassistent im Rahmen der Notkompetenz verabreichen.

So, meine bösen Fragen: Was ist "Notkompetenz"? In welchem Gesetz steht das?

Ganz ehrlich, und wirklich nicht böse gemeint: Bitte einfach mal ganz genau nachhaken, was sich wirklich hinter solchen Dingen verbirgt und nicht einfach nachplappern, was andere (mit ggf. völlig anderen Interessen) auf den Tisch legen. Da ist leider im eigenen Kollegium wirklich viel Halbwissen unterwegs und das ist nicht nur berufspolitisch gefährlich.

Kurzfassung: Medikamentengabe ist Körperverletzung durch JEDERMANN, auch durch den Arzt. Sie kann unter bestimmten Umständen straffrei erfolgen, ebenfalls durch JEDERMANN, wobei die Begründung mit absteigender Qualifikation hieb- & stichfester sein muss. Aber RettAss siedelt da noch vergleichsweise hoch an, vor allem wenn die Aus und Fortbildung up-to-date ist. Einzig relevant ist das Strafgesetzbuch (gut, in Details auch das BTMG) und nicht irgendwelche Aussagen irgendwelcher noch so hochrangiger ÄLRD oder gar ärztlicher Berufsverbände (hoppla, warum wohl melden die sich überhaupt zu Wort? Könnte es nicht tatsächlich Standesinteresse sein? Das sind ja auch die gleichen, die vor kaum 20 Jahren die Defibrillation in Laienhand als Teufelszeug verurteilt haben...).

Wenn einer die rechtlichen, fachlichen und technischen Gesichtspunkte nicht beherrscht, dann sollte er die Finger von sowas lassen - das ist wohl wahr und trifft angesichts dieser verbreiteten "Notkompetenz"-Meinungen vermutlich leider auf viele Kollegen zu. Möglicherweise ist das in diesem Fall sogar besser so.

Aber stimmen tuts trotzdem nicht und man sollte in der Diskussion endlich den Mut haben, das so zu sagen wie es ist: entweder der RettAss kann's oder kann's nicht, entweder will er oder will er nicht - aber dürfen tut er's jedenfalls ganz genauso wie der Arzt (inkl. dem gleichen Risiko wie der Arzt)!

Wobei ich nichts gegen sinnvolle "Notkompetenz"-Regeln habe, die schaffen wenigstens einen Standard. Nur sie müssen wirklich sinnvoll sein, möglichst in ein Schulungskonzept eingebettet und sich in bundesweit geltendes (Straf-)Recht gut einfügen (und sollten bitte das Wort "Notkompetenz" nicht erwähnen).

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Verordnen müssen sie Ärzte. Verabreichen können es Sanitäter.

ich meine wenn der notarzt nicht da ist nur die beiden sanis

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@garcia5000

Dürfen Sie.

Notwendigkeit der Meidkamentengabe abwägen und feststellen, Medikamentengabe beherrschen (Mittel, Dosis, Verabreichungstechnik), Patient aufklären (Risiken, Nebenwirkungen), auf Risiken/Nebenwirkungen vorbereitet sein - und dann geben, anschließend sauber dokumentieren.

Das war alles. Klingt auch ganz einfach (was es natürlich nie ist, aber dazu gibt es ja Aus- und Fortbildungen).

In der Praxis folgt dann noch, dem Notarzt zu erklären, warum man Dinge macht, die eigentlich er abrechnen wollte, ihm die Angst zu nehmen, man würde nun zukünftig wahllos alles spritzen, was der Koffer hergibt und ihm deutlich zu machen, dass man seinen berufsstand in allen Ehren akzeptiert aber genauso das Recht des Patienten, nicht auf das Eintreffen des Dr.-Titels warten zu müssen, wenn er bis dahin eine deutliche Einschränkung seiner Gesundheit/Lebensfähigkeit in Kauf nehmen müsste.

Leider gilt in der Praxis leider auch, dass sich viele RettAss-Kollegen dieser Verantwortung nicht bewusst sind und ihre aktuellen Kenntnisse in Pharmakologie mit der Zeit deutlich unter dem liegen, was eigentlich notwendig wäre.

Oder sie schauen auf ihren Gehaltszettel und stellen fest, dass das immer vorhandene Risiko es einfach nicht wert ist und man dem Patienten durchaus auch anderweitig was Gutes tun kann. Das ist auch nicht falsch, nur sollte man das dann auch klar sagen und sich nicht hinter nicht vorhandenen "Verboten" verstecken.

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@baertl

Die Problematik für RettungsassistentInnen ist die fehlende ärztliche Anordnung, welche mit einer Befunderhebung und dahingehender Entscheidung einhergeht, die den RettunsassistentInnen allenfalls im Rahmen der Notkompetenz (selbstverständlich nur im Notfall) zugestanden ist, weil ärztliche Hilfe nicht oder nicht rechtzeitig erreichbar ist.

Es ist ansonsten nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit dasjenige erforderliche Mittel zur Abwendung einer Gefahr für Leib und Leben zu wählen, welches unter Würdigung der Gesamtumstände des Notfallbildes am wenigsten eingreift. Eine lückenlose Dokumentation und ist daher schon im eigenen Interesse unerlässlich.

Eine gesetzliche Regelung für die Notkompentenz existiert schlichtweg nicht, vielmehr ist sie als Rechtfertigungsgrundlage für nichtärztliches Personal anzusehen.

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@Semmel76

Medikamente dürfen nur Ärzte verabreichen,leichte schmerzmittel dürfen auch noch Rettungsassistenten,nicht die Saniäter...

aber naja Niveu gibt es ja anscheindet hier nicht...

und Fachwissen auch nicht..

Schade :-(

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@Rettungshelfer2

aber naja Niveu gibt es ja anscheindet hier nicht...

Ich bezweifle, dass Du alle Beiträge wirklich genau gelesen hast.

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@Rettungshelfer2

Quellen für Deine Meinung wären interessant. :)

Achja: und z.B. Ketamin (als durch RettAss verabreichbares Nicht-BTM) als "leicht" einzustufen verrät ein bisschen, dass Du Dich damit nicht auskennst. Ketamin ist in anderen Ländern sogar eine "restricted drug" (vergleichbar einem BTM), hierzulande eben nicht. Die Wirkung ist aber die gleiche.

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Mein Sohn darf es nicht, nur der Notarzt.

Hervorragendes Argument! Gesetzesgabe durch die Eltern. Zieht immer! Meine Mutti sagt mir auch seit zig Jahren, dass ich zu kalt angezogen bin. Da ist man machtlos, da hat sie einfach per Mutterschaft Recht. :)

Meinem Kind würde ich es übrigens auch nicht erlauben, aber das ist auch kein Rettungsassistent. Noch nichtmal schulpflichtig.

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@baertl

Zufällig ist mein Sohn Rettungssanitäter, sonst hätte ich sie nicht gegeben. Die Antwort war insoweit also durchaus zutreffend.

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@sushi1955

:)

Wetten, dass er darf? Oder kann er's nur nicht?

Frag ihn doch einfach mal, wie oft er im Job folgende Medikamente (!!!) gibt bzw. gegeben hat:

  • Sauerstoff
  • Diazepam rectal
  • Paracetamol rectal
  • Adrenalin e.t./i.v. oder vernebelt
  • Salbutamol vernebelt
  • Fenoterol Spray
  • Glucose oral/i.v.

oder was er bei (in gleicher Reihenfolge)

  • Atemnot / akutem Sauerstoffmangel
  • (kindlichen) Krampfanfällen
  • (kindlichem) Fieberkrampf
  • Reanimation, Allergie, Atemwegsschwellung)
  • Atemwegsschwellung
  • Asthma
  • Unterzucker

sonst so als lebensrettende Akutmaßnahme zu tun gedenkt?

Vielleicht hat er nur vergessen, dass das auch Medikamente sind, eben weil er sie so selbstverständlich anwendet/anwenden würde... :)

Gut, als RettSan dürfte er in D selten alleinverantwortlich auf einen Notfall stoßen, wobei das durchaus auch im Krankentransport oder als Erstversorger passieren kann.

Die rechtliche Situation ist aber ganz die gleiche wie beim "harten Zeug"!

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