Resturlaub mit neuem Vertrag?

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3 Antworten

zählt der neue Vertrag als neues Arbeitsverhältnis und die Ausbildungszeit zuvor wird damit nicht verrechnet und das mir der Urlaub entzogen wurde ist rechtens?

1. Die Zeit des Ausbildungsverhältnisses zählt mit zur Beschäftigungsdauer, wenn das nicht (wie z.B. im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst TVöD ausdrücklich ausgeschlossen wurde.

2. Dein Arbeitsverhältnis hat bei Kündigung zum 18.08 damit länger als 6 Monate bestanden.

3. Du hast damit Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub.


Dein Anspruch auf den vollen Jahresurlaub betrifft aber zunächst nur den gesetzlichen Mindesturlaub.

Das ergibt sich aus dem Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 4 "Wartezeit" in Verbindung mit entsprechender Anwendung des § 5 "Teilurlaub" Abs. 1 (Ausschluss der Bedingungen nach den Buchstaben a - c, nach denen nur ein anteiliger Anspruch auf den gesetzlichen Urlaub besteht), ist einheitliche Rechtsauffassung und durchgängige Rechtsprechung!

Wird Dir zusätzlicher Urlaub über den gesetzlichen hinaus gewährt und gibt es keine vertragliche Vereinbarung (im Arbeitsvertrag oder einem anzuwendenden Tarifvertrag) zu einer anteiligen Berechnung ("Zwölftelung") oder wurde in der Vereinbarung zum Urlaubsanspruch nicht zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaubsanspruch unterschieden (z.B. "Zusätzlich zum gesetzlichen Urlaub wird ein weiterer Urlaub in Höhe von ... Tagen gewährt."), dann hast Du vollen Anspruch auch auf diesen zusätzlichen Urlaubsteil.

Trifft aber eine der beiden gerade genannten vertraglichen Einschränkungen (Zwölftelung oder Formulierung) zu, darf bei einer Zwölftelung der Urlaubsanspruch zwar anteilig berechnet werden, der Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub darf davon aber nicht berührt werden - er bleibt Dir auf jeden Fall erhalten; bei einer Trennung in der Formulierung wird nur der zusätzlich gewährte Urlaub anteilig berechnet und dem Anspruch auf den vollen gesetzlichen Urlaub zugeschlagen.

Urlaub, den Du in der Kündigungsfrist ganz oder teilweise nicht mehr nehmen kannst (aus dringenden betrieblichen oder persönlichen - z.B. Erkrankung - Gründen), muss ausgezahlt werden (BUrlG § 7 "Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs" Abs. 4).

Wenn Du den vollen Urlaubsanspruch wahrnimmst, hast Du gegen einen neuen Arbeitgeber allerdings keinen Urlaubsanspruch mehr - es sei denn, der Anspruch dort wäre höher als beim jetzigen Arbeitnehmer.

Nimmst Du nur den anteiligen Anspruch wahr, besteht auch ein entsprechend anteiliger Anspruch beim neuen Arbeitgeber.

Um Doppelansprüche auszuschließen, muss der bisherige Arbeitgeber Dir für den neuen Arbeitgeber eine Urlaubsbescheinigung über bereits genommene oder abgegoltene Urlaubstage ausstellen (BUrlG § 6 "Ausschluß von Doppelansprüchen").

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lenox92 17.07.2017, 19:45

Ich danke dir , dass du dir soviel Zeit genommen hast mir eine so ausführtliche Antwort zu schrieben - das ist genau was ich gesucht habe..Ich danke dir sehr.. hab ich dir mit ,,Antwort war hilfreich'' einen Stern gegeben ?

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Familiengerd 17.07.2017, 22:39
@lenox92

Freut mich, wenn es verständlich genug war und ich dir helfen konnte.

Ein "Sternchen" kannst Du mir heute (glaube ich) noch nicht geben; der Daumen bewirkt das nicht.

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Ich habe gerade heute gelesen, daß bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses nach dem 30.6. der volle Urlaub berechtigt ist.

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lenox92 17.07.2017, 17:41

Genau das hatte ich vor einigen Tagen gelesen , jedoch hatte ich ja am 08.06 einen neuen Vertrag abgeschlossen.Deswegen lautet meine Frage wird die Ausbildung vorher dem Arbeitsverhältniss zugeordnet?

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Liesche 17.07.2017, 17:50
@lenox92

Ich würde es so sehen, da das Arbeitsverhältnis und die Ausbildung im gleichen Betrieb waren, dies direkt anschließend erfolgt ist. Exakt beantworten könnte das ein Betriebsrat.

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Du hast Anspruch auf deinen Urlaub. Das jedoch zeitanteilig.

Das man Anspruch auf den gesamten Urlaub hat kenne ich nur, wenn man in den Ruhestand geht.

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lenox92 17.07.2017, 17:36

Der Gesetzgeber sieht vor , dass man nachdem 30.06 seinen ganzen Jahresurlaub als Resturlaub bei dem alten Arbeitgeber einplanen darf - weswegen meine Frage ist ob mein Vertrag als neues Arbeitsverhältniss gewertet wird :)

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Lord2k14 17.07.2017, 17:41

Ja, aber was hast du denn vor? Wenn du bei einem neuen AG anfängst, hat es sich erledigt. Denn dann verfällt er. Dein AG gibt die Info an den neuen weiter.

Grundsätzlich zählt die Ausbildung dazu. Du musst mind. 6 Monate dort beschäftigt gewesen sein.

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Familiengerd 17.07.2017, 18:23

Das ist falsch.

Nach dem deutschen Urlaubsrecht besteht Anspruch auf den vollen Jahresurlaub (mindestens auf den gesetzlichen Urlaubsanspruch), wenn das Arbeitsverhältnis bei Beendigung in der 2. Jahreshälfte länger als 6 Monate bestanden hat, also frühestens nach 6 Monaten und 1 Tag (siehe umfänglich meine eigene Antwort).

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