Rentenversicherung oder nicht?

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9 Antworten

Kann dass sein

Rechnen wir mal nach. Nehmen wir einen Eckrentner. Dieser hat 45 Jahre gearbeitet, immer im Durchschnitt verdient (wie 2015) und wir setzen für jedes Jahr den heute gültigen Beitragssatz an.

  • 18,7% x 34.999,- € = 6.544,81 €
  • 6.544,81 € x 45 Jahre = 294.516,59 €

Da er immer im Durchschnitt verdient hat, hat er 45 Entgeltpunkte.

  • 45 x 29,21 € (aktueller Rentenwert) = 1.314,45 € Bruttorente pro Monat
  • 1.314,45 € x 12 Monate = 15.773,40 €

Du kannst nun selber ausrechnen, wie lange er Rente beziehen müsste, bis er seine eingezahlten Beiträge wieder raus hätte, bzw. ein Plus erwirtschaftet hat.

Zu beachten ist, dass Angestellte nur die Hälfte der Beiträge selber aufwenden. Die andere Hälfte trägt der Arbeitgeber als Lohnnebenkosten (vgl. Return on Investment vs Return on Equity).

wäre es dann rein finanziell gesehen, klüger jeden Monat einen bestimmten Betrag auf ein externes Konto zu tun und dnn davon zu leben?

Als Angestellter hast du diese Wahl einfach nicht. Bis zu einem Einkommen von aktuell 72.600,- € brutto im Jahr sind Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu zahlen.

Wer das nicht will, muss Beamter (wie die meisten Lehrer) werden, oder sich selbständig machen (mit mehr als einem Auftraggeber und nicht in einem der Ausnahmeberufe die dennoch rentenversicherungspflichtig wären).

Die gesetzliche Rente ist nicht dazu da dafür zu sorgen, dass ein Mensch im Alter seinen gewohnten Lebensstandard erhält. Sie stellt nur eine Grundversorgung dar. Private und betriebliche Altersvorsorge sind dringend zu empfehlen.

Rein finanziell gesehen wäre es tatsächlich klüger, selbst für die Rente vorzusorgen. Wenn du aber ganz normal angestellt tätig bist, dann bist du "rentenversicherungspflichtig", das heißt, du MUSST für die Rente einzahlen. 

Das macht ja auch Sinn - denn wovon sollen die Menschen leben, die heute bereits in Rente sind, wenn niemand mehr in das System einzahlt?

Vermeiden kannst du das nur, wenn du z.B. selbständig bist. 

Aber auch wenn du angestellt bist, solltest du zusätzlich selbst für die Rente vorsorgen. Denn das Geld wird nicht reichen.

Ganz unbegründet ist die Aussage Deines Lehrers nicht. Aber im Grunde genommen ist das heute schon so. Menschen, die aufgrund eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses in die Rentenversicherung einzahlen bekommen z, B. gar nichts, wenn sie vor Erreichen des Rentenalters sterben.

Aussagen Deines Lehrers, die so weit in die Zukunft reichen können natürlich nur eine Spekulation sein. Sowohl die Beitragshöhe jedes Einzelnen als auch die Faktoren, die bei der Berechnung der Rente eine Rolle spielen, sind einem ständigen Wandel unterworfen.

Zur Zeit versucht die Bundesregierung mit Hilfe von Wissenschaftlern diese Entwicklung ca. 5 Jahre im Voraus zu schätzen. In erster Linie geht es dabei darum halbwegs verlässliche Zahlen für die zu erwartenden Beitragseinnahmen zu bekommen. Aber selbst diese Schätzungen müssen meistens an die Entwicklung der Wirtschaftsdaten angepasst werden.

Das Ganze hier ausführlich zu beschreiben würde mit Sicherheit den Rahmen dieses Forums sprengen, aber ich hoffe, ich konnte Dir mit meinen wenigen Sätzen wenigstens einen groben Anhaltspunkt geben worum es geht.

Genau kann man das nicht vorher sagen, wie die Entwicklung sein wird, aber Fakt ist, es gibt immer mehr Rentner, deren Renten von den immer weniger Arbeitnehmern gezahlt werden muessen. Daher sinkt die Rente definitiv. Auch weiss man nie, wie lange man lebt und davon haengt die Rentensumme insgesamt auch ab. Wer vor Renteneintritt verstirbt, erhaelt gar keine Rente und hat auch heute wesentlich zu viel eingezahlt. Bei einem 100 jaehrigen hat es sich aber bestimmt gelohnt, er bekommt wahrscheinlich weit mehr raus, als er bezahlt hat. Es kommt also immer drauf an.

Dass man privat fuer seine Rente auch vorsorgen sollte, das ist zweifellos so, daher solltest du dich fruehzeitig nach Privatrenten erkundigen, sobald du arbeitest.

Allerdings wirst du gleichzeitig auch deinen Teil in die gesetzliche Rentenkasse zahlen muessen, egal, was du mal raus bekommen wirst, denn da gibt es keine Wahlmoeglichkeit. Zahlst du nichts, bekaemen die jetzigen Rentner ja kein Geld. Wer arbeitet, ist daher pflichtversichert und muss einzahlen.

Denn die gesetzliche Rentenversicherung ist keine "Sparkasse", wo du in echt Geld ansparst, du erhaelst nur Wertungspunkte auf dein Konto. Das von dir eingezahlte Geld geht direkt an die jetzigen Rentner weiter. Deine Rente wird dann hingegen von den dann arbeitenden Menschen gezahlt. Diese Rente alleine wird fuer dich zum Leben aber wohl nicht ausreichen.

> Kann dass sein

Es kann sein - heißt aber nicht, dass es so sein wird. Da haben viele Politiker ihre Finger drin, und zusätzlich kommt es auch darauf an, wie lange die Rentner leben werden und wie hoch die Arbeitslosigkeit sein wird.

> wäre es dann rein finanziell gesehen, klüger jeden Monat einen bestimmten Betrag auf ein externes Konto zu tun

Wenn Du als Arbeitnehmer tätig bist, bist Du in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, hast also nicht die Wahl, stattdessen das Geld auf ein Konto zu legen.

Allerdings solltest Du zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung weitere Altersvorsorge betreiben. In welcher Form (sicher nicht, indem Du das Geld aufs Sparbuch legst), kannst Du Dir dann überlegen, wenn das erste Gehalt auf dem Konto ist.

Dein Lehrer hat gut reden. Der ist Beamter und hat dieses Problem gar nicht. (und scheinbar hat er auch keine richtige Ahnung davon)

Dann müsstest du dich direkt nach der Schule selbständig machen. Jeder abhängig Beschäftigte ist pflichtversichert.

DerHans 23.11.2015, 22:42

Die gesetzliche Rentenversicherung beruht auf dem Solidarprinzip. Die heutigen Arbeitnehmer finanzieren die HEUTIGEN Rentner.

Das ganze ist unter der Bezeichnung "Generationenvertrag" bekannt.

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Ganz von der Hand zu weisen ist diese Aussage nicht. Aber, du kommst um die gesetzliche Rentenversicherung nicht drum herum, wenn du als Angestellte arbeitest. Das ist eine Prlichtversicherung.

Diese Versicherung zahlt aber auch schon, wenn du in jungen Jahren bereits Erwerbsunfähig bist. Dann bekommst du sehr viel mehr heraus, als das was du eingezahlt hast. Außerdem werden Rehaleistungen von den Beiträgen bezahlt. 

Ich verstehe, dass du dir aufgrund der (häufigen?) Äusserungen deines Lehrers Gedanken machst.

In deinem Alter ist das aber völlig irrrelevant. Da kann ich dich beruhigen.

In einigen Jahren, wenn du einen Beruf hast, dann kannst und solltest du dich damit befassen. Da sich bis dahin aber sicherlich noch viele Dinge ändern werden, wäre es wirklich vertane Zeit, sich jetzt damit zu beschäftigen.

kevin1905 23.11.2015, 22:33

In deinem Alter ist das aber völlig irrrelevant.

Nein ist es nicht.

Vermögen = Zeit x Geld. Je früher ich anfange Geld zu investieren (auch wenn ich die DRV nicht unbedingt als Investment bezeichnen würde), desto weniger Geld muss ich aufwenden um ein gleiches Vermögen zu haben.

Ich bin heute 31. Hätte ich mit 21 schon alles gewusst und so getan wie ich es heute tue, wäre ich wahrscheinlich schon längst im Vollruhestand.

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Ortogonn 23.11.2015, 22:40
@kevin1905

.. und wie viel hättest du im Alter des Fragestellenden (nämlich 14 Jahre) aufwenden und einzahlen können ?! Einzahlung in die Rentenversicherung als Schüler ?!

Bitte komplett lesen. Ich schrieb, dass sich darum gekümmert werden kann und auch sollte, wenn Berufstätigkeit gegeben ist. Vorher ist es i.d.R. sinnfrei. (es sei denn man hat reiche Eltern die einem die Einzahlung vorher ermöglichen. Wobei solch jmd sicherlich andere Möglichkeiten der Vorsorge in Betracht ziehen wird und auch sollte)

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Die Aussage ist eines Lehrers nicht würdig. Das hängt von so vielen Faktoren ab, wie z.Bsp. wie alt man wird und wie lange man dadurch Rentenbezieher ist, dass man das so einfältig nicht sagen kann. Außerdem kommt es auch darauf an, wieviele Kinder in Zukunft geboren werden und wieviele Migranten zu uns kommen.

Die gesetzlich verpflichtende Rentenversicherung, zumindest für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, hat schon lange keine Anspruch mehr darauf, alleine die Altersversorgung stemmen zu können. Deswegen gibt es ja viele Modelle, die private oder betriebliche und freiwillige Zusatzversorgung fördern gehen.

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