Religöse Unterschiede von Sex und Sexualität?

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4 Antworten

Ich bin Buddhist der Soto-Zen-Tradition und werde daher zumindest etwas aus meiner religiösen Sicht dazu schreiben.

Buddhismus und Moral

Für alle Buddhisten gelten die "fünf Sittlichkeitsgelübde", die keine Gebote darstellen, sondern beim Bekenntnis zum Buddhismus freiwillig abgelegt werden;

  • Kein Leben nehmen
  • Nicht gegebenes nicht nehmen
  • Die Sexualität nicht missbrauchen
  • Die Rede nicht missbrauchen
  • Den Geist nicht betäuben

Sinn dieser Gelübde ist es, sich selbst und Anderen durch die eigenen Worte und Handlungen kein vermeidbares Leiden zuzufügen.

Sprachliches zur buddhistischen Sexualmoral

In den alten Pali-Texten lautet das Gelübde wörtlich:

"Kamesu micchacara veramani sikkhapadam samadiyami"

Die Formel "veramani, sikkhapadam samadiyami" - bedeutet "ich nehme mich der Übungsregel des....an" oder etwas freier "Ich nehme die Übungsregel des...auf mich"

"kamesu micchacara" - besteht aus "kama" (sexuell), "cara" (Verhalten) und "miccha" (falsch)

Es geht also um "falsches sexuelles Verhalten", oder, wie man es in der buddhistischen Literatur heute meistens findet "sexuelles Fehlverhalten".

Was bedeutet das aber?

Historisches zur buddhistischen Sexualmoral

Durch diese Regel sollten weibliche Personengruppen der damaligen Gesellschaft geschützt werden. Dazu gehörten;

Mädchen im Elternhaus, Verlobte, Verheiratete, Nonnen und Strafgefangene (Anguttara Nikaya X. 176 und V. 287-292)

All diese Frauen befanden sich in einer Art Abhängigkeitsverhältnis - von den Eltern, den Schwiegereltern, dem Ehemann, der Gesellschaft...und wurden durch diese Regel vor Übergriffen geschützt.

So weit zur Geschichte

Moderne Konzepte buddhistischer Sexualmoral

Heutzutage wird das "sexuelle Fehlverhalten" im Allgemeinen so definiert, dass eine Art der Sexualität praktiziert wird, die Leiden verursacht.

Wenn ich in einer monogamen Ehe lebe und meinen Partner mit einer anderen Person betrüge, dann verursache ich Leiden.

Wenn ich leichtfertig mit den Gefühlen anderer umgehe und meine Partner wie sexuelle Wegwerfprodukte behandele, dann verursache ich Leiden.

Wenn ich süchtig nach Sex bin und wie unter Zwang masturbiere, oder meinen Partner ständig zum Sex nötige, dann verursache ich ebenfalls Leiden.

Wenn ich meinem Partner irgendwelche Sexualpraktiken aufdränge, die dieser nicht wünscht, dann verursache ich Leiden.

Wenn ich durch käuflichen Sex oder den Kauf von Pornographie den Menschenhandel und die Ausbeutung unterstütze, dann verursache ich  Leiden.

Deshalb sollen schädliche Handlungen, die Leiden verursachen, vermieden werden.

Wird dagegen verantwortungsbewusst mit der Sexualität und den Gefühlen umgegangen, gibt es keine bestimmten Beschränkungen - lediglich für Mönchen und Nonnen gilt das Zölibat (Ausnahmen gibt es in Japan).

Sonstiges

Wie oft, mit wem, auf welche Weise man miteinander schläft, ist ausschließlich eine Frage der persönlichen Verantwortung - der Buddhismus ist keine Religion, die sich in die Schlafzimmer der Menschen schleicht.

Man sieht also, dass der Buddhismus letztlich auf den gesunden Menschenverstand abzielt, anstatt die Moralkeule zu schwingen.

 Sollte zB jemand das Problem haben, dass der Partner bestimmte Sexpraktiken nicht mag, kann diese Person selbst entscheiden, ob der Verzicht auf die Praktiken, eine Trennung, oder Besuche bei Prostituierten besser sind.

Außerdem gibt es vermutlich in jedem Land der Welt auch weltliche Gesetze zur Sexualität. Diese werden im Buddhismus nicht der Religion untergeordnet, sondern als verbindlich angesehen.

So, jetzt weiter

Homosexualität im Buddhismus

In den traditionellen Gesellschaften Asiens gibt es teilweise erhebliche Ablehnung von Homosexualität und natürlich spiegelt sich das auch in der praktizierten Religion dort wieder.

Auch einige moderne asiatische Lehrer des Buddhismus haben aufgrund ihrer kulturellen Prägung teilweise eine ablehnende Haltung gegenüber Homosexuellen.

Andererseits gibt es heutzutage auch LGBT-Sanghas, also buddhistische Gemeinschaften, die sich besonders für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender einsetzen und offen homosexuelle Lehrer.

Kulturbedingt gibt es also ablehnende Tendenzen, die aber bereits im 20. Jahrhundert durch die weltweite Verbreitung des Buddhismus zunehmend in den Hintergrund traten.

Homophobie ist also bei modernen Buddhisten nicht religiös zu rechtfertigen, auch wenn manche Lehre das womöglich versuchen, sondern ein Zeichen mangelnder Toleranz.

Ich hoffe, damit alle Fragen beantwortet zu haben.

Hallo DummkopfHirni,

wenn der Nick zu dir passt, würde dich eine kompetente Antwort überfordern...

DummkopfHirni 19.05.2017, 19:05

Nun das kommt ganz darauf an wie du dumm definierst

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Es gibt keine einzige Religion auf dieser Welt bei der so etwas wie homosexualität akzepiert wird,

Wobei man sagen muss das der Römisch Katholische glaube, da noch am Tollerantesten ist.

nai96 19.05.2017, 17:47

Im Buddhismus ist man nicht gegen Homosexuelle. 
Viel mehr soll man auf die Beweggründe eines Menschen gucken und Mitgefühl zeigen.

Es wird zwar tendenziell eher negativ bewertet, was aber nicht bedeutet, dass Homosexualität dort als Sünde oder Ähnliches angesehen wird.

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ares2142 19.05.2017, 17:52
@nai96

Im Buddhismus glaubt man, das die Homosexualität Strafe ist, wegen den schlechten Taten die man im vorherigen Leben begangen hat...

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Enzylexikon 19.05.2017, 17:48

Ich denke, man sollte fair sein und nicht nur auf die alten Bücher schauen, sondern auch darauf, wie die Lage heute ist.

Beispiel Buddhismus

Aufgrund der dortigen Traditionen ist beispielsweise der Buddhismus in Asien alles andere als offen gegenüber Homosexuellen.

Dort ist es ihnen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung teilweise sogar untersagt, als Mönche bzw. Nonnen ordiniert zu werden.

Dagegen ist der moderne Buddhismus westlicher Prägung im Allgemeinen deutlich positiver auf Homosexualität zu sprechen.

Es existieren sogar LGBT-Sanghas (buddh. Gemeinschaften) und es gibt soziale Bewegungen zur sexuellen Gleichberechtigung im Buddhismus.

Beispiel Christentum

Auch in der evangelischen Kirche gibt es Bemühungen gegen die Diskriminierung von Homosexuellen im Namen der Religion.

Pastor Nils Christiansen geht sogar soweit zu sagen, "Homosexuelle auszuschließen ist evangeliumsfeindlich"

http://www.evangelisch.de/inhalte/84019/03-06-2013/homosexuelle-auszuschliessen-ist-evangeliumsfeindlich

Somit gibt es also heutzutage durchaus positive Tendenzen in den großen Weltreligionen, die eine Akzeptanz von Homosexuellen fordern.

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Jede Menge.Wer soll dir jetzt hier den dicken Wälzer zu deiner Frage aufschreiben?

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