Religionskritik- nötig?

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Hallo Melodia93, zuerst einmal möchte ich noch einen Widerspruch in Deiner Frage lösen. Wenn Du an Gott glaubst, dann bist Du auch gläubig. Nur, damit Du Dir darüber einmal im Klaren bist. Du gehst vielleicht nicht in die Kirche und glaubst nicht an eine bestimmte Art von Religion, doch Du bist Dir sicher, dass es Gott gibt. Da man ihn (vermutlich) nicht beweisen kann, glaubt man an ihn.

Kritik kannst Du beruhigt üben, ohne in Gotteslästerung zu verfallen. Kritik ist gut und auch gewünscht. Es ist nur wichtig dabei den Anstand und die Sachlichkeit zu bewahren. Dann nimmt auch Gott Dir keine Kritik übel. Jeder hat Fragen und ungelöste Probleme, keiner ist allwissend, außer Gott, und deswegen entstehen Meinungen und auch Kritik. Und soweit wir mit unserer Kritik nicht versuchen andere ihrer eigenen Meinung zu berauben oder sie verächtlich zu beschimpfen, sind Anregungen und das Hinterfragen nach dem Warum, Wieso und Weshalb durchaus berechtigt. Das ist ein Lernprozess.

Du solltest zum Thema Religion mal den Punkt:

Auslegung von Religion für egoistische Interessen

kritisch hinterfragen. Das ist nämlich der hauptstreitpunkt der Kirchen und religionen. Fast alle versuchen aus egoistischen Gründen die Leute zwanghaft zu rekrutieren und umzustimmen, um sich zu stärken, ja sogar um sich an den Mitgliedern zu bereichern, wie bei vielen Sekten.

Doch wahre Religion, wahrer Glaube richtet sich nur nach den Geboten Gottes, wie sie in der Bibel geschrieben stehen: Nächstenliebe, Hilfe für einander, Vergebung (sehr wichtig, denn ohne Vergebeung entstehen Kriege), Frieden und echter Glaube. Da ist jeder Mensch gleich wertvoll und geachtet.

Eine Religion, die Kriege führt ist eine falsche Religion. Das ist nicht im Sinne Gottes.

Ich denke, mit so einem Thema hast Du genug Material, dich mit Kritik und Deinen eigenen Ansichten zu äußern. Viel Erfolg und Gottes Segen!

Erstens würde ich Religionskritik mit Kant einleiten, wonach sich die metaphysische Frage nach Gott oder Nicht-Gott den Möglichkeiten unseres Wissens entzieht. Menschen sind immer auf metaphysische Annahmen angewiesen, die letzten Endes nicht beweisbar sind. Das heißt aber nicht, dass man jeden "Quatsch" glauben kann. Denn natürlich gibt uns die Welterfahrung, durch die Wissenschaft gestützt, Auffassungen von Realität vor, mit denen metaphysische Grundannahmen nicht kollidieren sollten. So ist es Blödsinn, heute noch an eine Erde als Scheibe zu glauben, obwohl wir inzwischen die Erde aus dem All als kugelförmig erkennen konnten.

Zweitens heißt Religionskritik nicht "Gotteskritik". Wir kennen "Gott" nicht. Was wir haben, sind unterschiedliche "Gottesbilder". Religionen unterscheiden sich vor allem in den Gottes- und Menschenbildern, von denen sie ausgehen. Diese kann man sehr wohl kritisch betrachten. In diesem Sinne ist eigentlich auch der bekennende "Atheismus" eine Religion. "Agnostizismus" ist eine "Saubermann-Religion": Man legt sich nicht fest, man macht sich nicht schmutzig, wenn Beliebigkeit die Konsequenz ist. Schon Nietzsche hat festgestellt, dass es nicht mit "Gott ist tot" getan ist, sondern dass dann erst einmal die Aufgabe entsteht, selbst (gesellschaftlich) ein Netz von Werten und Normen zu begründen. Das ist Arbeit. Wer sich in die Beliebigkeit flüchtet, entzieht sich dieser Verantwortung.

Drittens bis Du mit Deiner Auffassung von Kant gar nicht so weit entfernt. Auch er sieht die "Gottesidee" eher als eine "Leitidee", auf die wir uns wie bei den Ideen "Gerechtigkeit", "Toleranz", "Friede", "Mitmenschlichkeit" usw. gesellschaftlich verständigen, ja verständigen müssen. Meiner Meinung nach ist "Humanismus" (abgesehen von der großen Definitionsbandbreite) kein vollkommener Ersatz für die "Gottesidee". Meiner Meinung nach steckt in der Gottesidee das Gefühl, dass wir Teil eines großen SEIN sind, nicht ihr Meister. Da aber manche Religionsformen durchaus die Tendenz haben, dass sich einige "Auserwählte" selbst zu Gott, Gottes-Stellvertreter usw. erklären, wäre das meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Kritikpunkt.

Hallo Melodia, ich erinnere mich als Kind sehr angestrengt auf eine Frage eine Antwort gesucht zu haben: Wer ist stärker ein Wal oder ein Elefant? Später im Schach war ich sehr verdutzt das es kein Entrinnen für den Mattgesetzten bei "Matt in 5-Zügern" gab. Der andere konnte tun was er wollte, es gab kein Entrinnen. Später studierte ich Philosophie und brach das Studium nach 6 Semester ab, da ich dies Bekommende zu theoretisch empfand. Was ich all die Jahre als zu mechanistisch empfand war die selbstverständliche Aufnahme des Welten-Wissens. Daher möchte ich dies einmal so formulieren.

Es gab und gibt immer noch Menschen die etwas hören und dies für bahre Münze nehmen. Es ist der uneingeschränkte Bauchglaube und es gilt als "vom Glauben abkommen" wenn auch nur eine kritische Frage bezüglich dieser Texte entsteht.

Texte wurden aber stets von Menschen auch in einem intuitiven Verständnis gefühlt. Gleichnisse, Beschreibungen wollten nicht zu verstandesmässig, sondern im Herzen zum Aufgehen gebracht werden. Im Sinne von, dass die Wahrheit nicht in Büchern, in Regeln und Riten, in Symbolen, Hautfarben oder Geschlechtern zu finden sei, sondern wenn überhaupt im Fühlen. Denn wenn ich das Göttliche nicht in mir finde oder fühle, was hat denn der Glaube für einen Nutzen?

Der Wissenschaftler ist ein Mensch der auf Fragen bezüglich des Göttlichen erstmal sicherstellen würde, dass unter dem Göttlichen halbwegs das gleiche verstanden wird. Und wenn Übereinkunft über den Begriff vorliegt, dann können wir über deine und meine Ablehnung oder Annahme sprechen.

Es gibt eine ganze Armada von Vorstellungen die den Begriff des Göttlichen zieren. Grosse Interpretationsstreitigkeiten entstanden nur der Interpretation wegen, wie die zwischen den Pantheisten und Panentheisten.

Aufgewachsen im katholischen Internat empfand ich dieses Annehmen-oder Ablehnen-können als sehr merkwürdig. Auch wenn ich es damals nicht in Wörter fassen konnte. Es ist die Merkwürdigkeit das alles Bekommen-können von religiöser Geschichte den gleichen Geschmack hat wie das Bekommen-können von allem anderen Wissen. Die Mutter zeigt auf einen Baum und sagt "Baum". Dies wird dann als Wissen gefühlt. Später kommen noch "Rinde, Zweige..." dazu. Face to Face wird so alles bekommen. Face to Face meint das alles wie auf einem Servierteller vor einem serviert wird und man nur noch am integrieren ist. Alles bekommt einen Namen und Zusammenhänge werden gesucht und das ist dann schon die Erklärung. Es ist unsere gefühlte Normalität. Und Normalität ist einfach so wie sie eben gefühlt wird, keine Fragen über deren Entstehung und Subjektivität dahingehend. Das Gefühlte ist doch des Menschen Hinwendung.

Alle paar Jahre klopfen die Zeugen Jehovas, die Mormonen oder auch andere "Freunde" an meine Tür. Ich frage dann stets ob sie etwa hätten was sie mir geben könnten. Was sie dann freudig mit einem Lächeln stets bejahen. Dann frage ich, ob sie es mir geben könnten ohne auf alle Geschichte, Symbolik und Propheten und alles andere worin sie ihren Glauben fühlen können, zurückgreifen zu müssen? Dann würden sie sich nackt fühlen. Daher bekommt das Göttliche stets menschliche Attribute, wohl nicht um dem Göttlichen zu huldigen, vielmehr das Mensch das Göttliche besser fühlen kann. Denn jede Position hat einen Namen und wird in Struktur verstanden. Daher zeigt die Mutter auf die Frage des Kindes gen Himmel. Sie muss dem Göttlichen eine Position zuweisen um es erklären zu können.

So sind all die Fingerzeige auf das Göttliche, all die Fingerzeige auf das Baumhafte, auf alles andere was Mensch aufgreifen kann, im verstehen-können nur ein benennen, ein besser integrieren-können. Mensch glaubt in all den Fingerzeigen die auf etwas zeigen, dieses besser verstehen zu können. Doch ist dies nicht ein Irrtum?

Ist nicht eines jeden Menschen Geschmacks der Normalität bis zum Lebensende "Face to Face" ein immer währendes integrieren. Jemand kann in ein fernes Land fahren und wenn irgendetwas unten am Boden raschelt braucht dieser gar nicht hinzuschauen, da er weiss, es ist von vornherein bekannt, indem er es benennen kann. "Tier, schwarz, Pflanze, giftig, lebendig..." Das ist dieses Wissen das es nichts gibt was einem Ausweg aus dieser strukturieren Normalität ist.

In dieser Sicht ist der Atomforscher, der Gottesforscher und alle anderen Suchenden in ihrem gefühlten Absolutismus des verstehen-können ihrer Normalität. Alles was sie aufgreifen-können, jede Beziehung, jedes neue integrieren-können, ist einem zwar gefühlt ein Aha wert, gefühlt eine Bereicherung, von Wissen-können, welches weitergegeben werden kann, doch im Grunde nur diese eine Landschaft unseres gefühlten Weltenbildes, welches Face to Face, in allem ein blosses integrieren kennt. Ich nehme dieses an oder nicht. Einerlei! Es ändert doch nichts an diesem meinem Welten-fühlen.

Und dann sprachen Menschen in damaliger Zeit wie heute, dass das Göttliche losgelassen werden müsse, um das Göttliche zu erfahren. Oder das das Göttliche nicht ist wenn ich nicht wäre. Erst wenn Mensch Gott loslässt, sich loslässt, alle Dinge die ihm Erklärung sind loslässt, dass alles Unbeschreiblich ist, ein einziges Wow, dann ist diese Einheit die keine Einheit ist, dann ist das Göttliche im Herzen obwohl es dann nicht mehr das Göttliche ist. Dann ist das Herz ent-leert von allem Glauben das das Welten-Wissen einem Erklärung ist.

Das Wissen über Beziehungen, über Zusammenhänge ist Wissen über Strom, über Demokratie, Wissen über all das Umgebende. Doch der Fingerzeig auf Strom, auf Demokratie, auf das Baumhafte erklärt nichts. Es ist nicht unsinnig, ist das was es ist: Beziehungswissen.

Mensch kann sein ganzes Leben im Streit mit Mitmenschen sein, welche Beziehungen, welche Zusammenhänge nun sind oder nicht sind. Ist das Herz entleert von gefühlten Beschreibungen, von Erklären-können, dass Welt einen erklären kann, dann ist alles von vornherein unbeschreiblich. Dann sind alle Fragen die um "ich, Gott, Gehirn, DNA und all die anderen schweren Wörter" nicht mehr fühlbar, dass sie einem etwas geben können. Das ist das sprichwörtliche Wissen im Nicht-Wissen zu haben. Es ist nicht Nicht-Wissen gemäss unseres verstehen-können, sondern das alles Wissen doch nicht erklären kann, was Mensch und Welt ist. Es ist nicht des Menschen mangelnde Fähigkeit der Durchdringung, dass seine Kenntnisse nicht hinreichen dies erfassen zu können, ihn diese oder jenes behindert, sondern das all dieses, selbst wenn er all diese aufgreifen, erfahren könnte, sehen würde, es doch nicht erklären vermag was Mensch und Welt ist.

Wenn das Herz entleert ist von diesem steten suchen-müssen, sind alle Buchweisheiten, alles hängen an Geschichte, an Symbolen..keine Frage von Wahrheit oder Nicht-Wahrheit, sondern nur unbeschreiblich. Die Frage nach dem Göttlichen ist nicht in Struktur zu finden, die in Entscheidung für sich beansprucht, wie ein Orden angeheftet oder wieder abgelegt werden kann. Sie kann auch nicht in Büchern gefunden oder von Menschen vermittelt werden.

Frage ich nach Bestätigung bin ich bereits verloren, suchen ist bereits das Problem, das Hindernis. Nichts zu machen ist auch bereits ein machen. Und in diesem keinen Sinn zu sehen ist leben langes suchen.

Schönen Winter Dir!

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Vor kurzem wurde bei mir MS diagnostiziert und seitdem Plage ich mich mit irrationalen Schuldgefühlen rum. Obwohl ich weder an Götter noch ans Karma glaube, fühle ich mich vom Leben bestraft. Irgendwo in mir steckt die tiefe Überzeugung, dass ich an der Misere "selbst schuld" sein muss. Ich überlege fieberhaft, womit ich das verdient haben könnte.

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