religion in der DDR

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3 Antworten

Laut Verfassung gab es Religionsfreiheit. Auf diese konnte man sich berufen, wenn man zur Kirche gehen usw. wollte.

Wenn diese Religion aber Auswirkungen auf das tägliche Leben hatte, wenn also jemand aus religiösen Gründen den Wehrdienst mit der Waffe verweigerte oder nicht in die FDJ eintrat z. B. (alles Dinge, die völlig legal waren), wurde versucht, ganz massiv Einfluss zu nehmen und den bzw. die Betreffenden fertigzumachen (wobei es auch immer auf die Person ankam, die das Sagen hatte, nicht alle Führungskader oder Lehrer gaben sich dazu her).

Weiterhin befürchteten wir, dass die betreffenden Gesetze einmal geändert würden. Das wurden sie zum Glück nicht. Aber in einer Diktatur kann man sich in dieser Hinsicht nie sicher sein. Aus diesem Grund konnten es sich die Kirchen gar nicht leisten, in Konfrontation zum Staat zu gehen, denn der saß am längeren Hebel. Offiziell war ohnehin der Marxismus-Leninismus angesagt, Religion hielt man für ein Relikt der Vergangenheit, das ohnehin bald aussterben würde. Wir waren daher froh, dass Christenlehre (für Kinder) und Jugendfreizeiten noch erlaubt waren, in der Sowjetunion z. B. gab es so etwas nicht.

Die DDR war säkularer als die BRD zu der damaligen zeit. Staat und Kirche waren strikter getrennt und es wurde die Jugendweihe als gegensetück zu der konformation erfolgreich eingeführt. Allerdings wurden Religionen nicht bestraft oder die Konfirmation verboten. Religionsfreiheit war gegeben.

Aber durch die stärkere Trennung gibt es in den neuen Bundesländern einen höheren Teil an Atheisten bzw Agnostikern, und allgemein menschen, die weniger mit institutioneller religion zu tun haben wollen.

-Aus meiner Sicht, eine positive Entwicklung.

Parsifal271 18.03.2012, 17:21

"Staat und Kirche waren strikter getrennt" - Das würde ich nicht sagen. Trennung von Staat und Kirche heißt für mich ein größtmögliches Maß von Unabhängigkeit voneinander. In einer totalitären Diktatur erhebt die herrschende Ideologie allerdings den Anspruch, alle Bereiche des Lebens zu bestimmen - also auch die Kirchen.

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pRiot 18.03.2012, 19:20
@Parsifal271

Also diese Art von Totalitarismus beschreibt die DDR nicht hinreichend. Es gab Einschränkungen für Menschen, die in Kirchen waren, was zB Unieinschreibungen oder ähnliches angeht, aber darin erschöpft sich die Ausgrenzung auch schon. Kirchen wurden nicht systematisch verfolgt.

Es gab keine "staatliche Ersatzreligion", wie ein Führerbild im Faschismus üblich.

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