religiöse Beschneidung in Deutschland?

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10 Antworten

Wie hier ja schon gesagt wurde, werden religiös motivierte Beschneidungen in der Regel an Säuglingen durchgeführt, die sich nicht wehren können.

Judentum

Der jüdische Beschneidungsritus, die "Brit Mila" wird traditionellerweise am achten Lebenstag des Jungen durchgeführt.

Lassen die Eltern den Jungen nicht beschneiden, muss er sie bei erreichen der jüdischen Religionsmündigkeit im Alter von 13 Jahren nachholen, vor seiner Bar Mizwa.

Islam

Der islamische Beschneidungsritus wird "Khitan" oder "Khatna" genannt. Es gibt keinen festen Zeitrahmen, sondern verschiedene Ansichten

Einige sagen, der Junge solle am siebten Tag nach der Geburt beschnitten werden, also ähnlich wie bei den Juden.

Andere sagen, erst im Alter von sieben Jahren,  jedes Datum vor Vollendung des zehnten Lebensjahres sei in Ordnung, oder bei Beginn der Pubertät.

Fazit

In allen genannten Fällen wäre die Beschneidung damit vor dem Erreichen der gesetzlich verankerten Religionsmündigkeit in Deutschland erfolgt.

Ab 14 ist man in Deutschland religionsmündig und kann seine Konfession frei wählen. Im Fall der Beschneidung wäre das also "zu spät" um zu widersprechen.

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Evoluzzer213 28.09.2016, 23:34

Danke für diesen sehr professionellen Beitrag ;)

Anscheinend ist das leider in Deutschland noch erlaubt, ich hatte so sehr auf ein Verbot gehofft... Diese Tradition ist barbarisch, sie verstößt in vielerlei Hinsicht gegen die Grundrechte eines Säuglings...

Der Schutz vor religiösem Irrsinn und der Tyrannei religiöser Eltern sollte schon bei der Geburt gelten, es kann doch nicht sein dass religiöse Eltern ohne ersichtigen Grund einen schweren Eingriff in die körperliche Unversertheit ihres eigenen Kindes vornehmen. So etwas ist für mich der Inbegriff von schlechten Eltern.

Eine religiöse Beschneidung verletzt den hippokratischen Eid, die "garantierten" Grundreche des Säuglings und erfüllt den Tatbestand der schweren Körperverletzung!

So etwas ist nicht zu entschuldigen.

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OlliBjoern 28.09.2016, 23:53
@Evoluzzer213

Hier besteht eine Spannungssituation zwischen der gesetzlichen Regelung (§ 1631d BGB) und der öffentlichen Meinung (nach einer Umfrage von Infratest Dimap sind 70% dagegen).

Ausgangspunkt für die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung (die es früher gar nicht gab) war ein Urteil des LG Köln im Jahre 2012, die die Zirkumzision als Körperverletzung einstufte (dem stimme ich bis heute zu).

Daraufhin sah sich der Gesetzgeber in der Bredouille zwischen den Rechten Religionsfreiheit, Entscheidungsfreiheit der Eltern und Unversehrtheit des Kindes zu entscheiden. Unter Auflagen (es muss korrekt durchgeführt werden) darf die Z. also durchgeführt werden. 

"2) In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes dürfen auch von einer Religionsgesellschaft dazu vorgesehene Personen Beschneidungen gemäß Absatz 1 durchführen, wenn sie dafür besonders ausgebildet und, ohne Arzt zu sein, für die Durchführung der Beschneidung vergleichbar befähigt sind."

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ist weiterhin für eine Aufhebung dieser Regelung.

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Evoluzzer213 29.09.2016, 00:13
@OlliBjoern

Die religiöse Beschneidung hat in einem aufgeklärten, Liberalen Land illegal zu sein.

Für mich erfüllt die Beschneidung in dieser Hinsicht die schwere Körperverletzung, §226 (2) regelt dazu, dass Personen, welche die Verletzung willentlich herbeiführen, obwohl sie von etwaigen Folgen wissen, mit einer Freiheitsstrafe von mindestens 3 Jahren zu bestrafen sind.

Die gehören ins Gefängnis.

Der Säugling und das Kind, stehen unter besonderer Obhut des Staates, dieser sollte Missbrauch verhindern. Die Religionsfreiheit kann nicht zur Argumentation hinzugezogen werden, da dem Kind auf diese Weise auch nachhaltig ein religiöser Brauch aufgezwungen wird, was wiederum seine Religionsfreiheit verletzt.

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666Phoenix 29.09.2016, 06:09
@Evoluzzer213

evoluzzer, wenn Du objektiv sein willst, dann musst Du die christliche Kindstaufe hinzufügen! Denn es gilt auch hierfür das, was Du schreibst:

da dem Kind auf diese Weise auch nachhaltig ein religiöser Brauch aufgezwungen wird,

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Evoluzzer213 29.09.2016, 18:01
@666Phoenix

wenn du dir meine Fragen in meinem Profil anschaust, siehst du dass ich in meiner ersten Frage überhaupt die Säuglingstaufe als Körperverletzung bezeichnet habe.

Leider erntet man für liberale Ansichten in einer rückständigen Gesellschaft Kritik...

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Machtnix53 30.09.2016, 22:30
@666Phoenix

Die Taufe ist dagegen eine Bagatelle, sie hinterlässt keine bleibenden Schäden. Kannst du einem Mann ansehen, ob er getauft wurde?

Eine Vorhautamputation, wie es korrekt heißen müsste, ist aber irreversibel (unumkehrbar).

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Servus Evoluzzer213,

Die nichtmedizinische Beschneidung nicht einwilligungsfähiger Jungen ist in Deutschland leider erlaubt.

Der deutsche Bundestag hat hierzu ein Gesetz veröffentlicht, nachdem ein Gericht in Köln eine medizinische Beschneidung 2012 für strafbar erklärt hat (siehe §1631d BGB: https://dejure.org/gesetze/BGB/1631d.html )

Meiner Meinung nach ist dieses Gesetz verfassungswidrig, da es gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrheit eines jeden Menschen verstößt.

Eine nichtmedizinische Beschneidung ist nichts anderes als männliche Genitalverstümmelung und sollte verbotien sein, wie weibliche Genitalverstümmelungen auch - ich finde es sehr ungerecht, hier mit zweierlei Maß zu messen.

Um Verfassungsbeschwerde einzulegen, muss man allerdings direkt von diesem Gesetz betroffen sein - das heißt, dass ein betroffener ERwachsener, der als Kind gegen seinen Willen beschnitten wurde, klagen müsste...

Ich habe aber Hoffnungen diesbezüglich.

Lg

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666Phoenix 01.10.2016, 08:52

Ja, calico - auch die christliche Kindstaufe ist eine Art von Vergewaltigung und Verstümmelung, und zwar eine ideelle!

Sie kann nach geltendem Kirchenrecht nicht mehr rückgängig gemacht werden!

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"(1) Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht
erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen
männlichen Kindes
einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der
ärztlichen Kunst durchgeführt werden soll

Hervorhebung von mir

Das Kind muss also nicht urteilsfähig sei. Nicht eindeutig formuliert, dazu weiß ein Jurist sicherlich mehr.

Meine persönliche Einschätzung würde lauten: mit spätestens 10 Jahren sollte das Kind die Lage beurteilen können.

Hier gibt's auch noch etwas dazu. http://www.diepold.de/barbara/einsicht\_und\_urteilsfaehigkeit.pdf

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In der Regel können die Jungs dann noch nicht sprechen. Verboten ist die religiöse Beschneidung nicht.

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Wenn es aus religiösen ansichten gemacht wird dann meistens schon im babyalter und diese können sich ja kaum dagegen aussprechen.

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Die Beschneidung, egal mit welchem Gebetsbuch begründet, ist inhaltlich das gleiche wie die christliche Kindstaufe: an Kindern begangen, die sich nicht wehren können, mit einer Begründung, die barbarisch ist, und vor allem: nicht mehr rückgängig zu machen - egal, ob das "Opfer" irgendwann religionsmündig ist!

Ich bin dafür, dass diese Vergewaltigungen (Beschneidung, Taufe u. ä.) erst dann vollzogen werden, wenn das entsprechende Kind denken und jeglichen religiösen Nonsens verstehen und werten kann! Dann kann es sich entscheiden, wofür es diese Bestialitäten benötigt und ob überhaupt!

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Ohne medizinische Notwendigkeit Menschen zu verletzen ist in Deutschland verboten es sei denn man glaubt, ein Gott will es so. Der Gesetzgeber macht Ausnahmen für irrationalen Glauben.
Wenn man also glaubt dass ein Gott will, dass kleinen Jungen am Dödel rum geschnibbelt werden soll, ist das ok. Ich frage mich ob das auch noch gilt wenn man glaubt dass ein Gott verlangt dass Ohrläppchen oder kleine Zehen abgeschnitten werden sollen.

Ich finde es traurig dass der Gesetzgeber einknickt, wenn es um irrationale Überzeugungen geht.

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Im Baby alter wird das meistens gemacht, wenn man selber entscheiden kann gilt eigentlich der Schutz der Selbstbestimmung, aber gegen Eltern und religiöse Eiferer ist unser Politik viel zu schwach und zu korrupt

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Wenn du dagegen bist nicht aber ansonsten ist es erlaubt

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Wenn sich die Jungen auf dem richtigen Weg wehren, nämlich zum Jugendamt flüchten, dann bleibt ihnen der barbarische Irrsinn ihrer Eltern erspart.

Wegen unserer höchst korrupten Politiker ist leider unser Staat furchtbar schwach - unfähig zu einem Schutzgesetz. So müssen die Kleinen den Religionswahn ausbaden.


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