religiöse Beschneidung in Deutschland?

11 Antworten

Servus Evoluzzer213,

Die nichtmedizinische Beschneidung nicht einwilligungsfähiger Jungen ist in Deutschland leider erlaubt.

Der deutsche Bundestag hat hierzu ein Gesetz veröffentlicht, nachdem ein Gericht in Köln eine medizinische Beschneidung 2012 für strafbar erklärt hat (siehe §1631d BGB: https://dejure.org/gesetze/BGB/1631d.html )

Meiner Meinung nach ist dieses Gesetz verfassungswidrig, da es gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrheit eines jeden Menschen verstößt.

Eine nichtmedizinische Beschneidung ist nichts anderes als männliche Genitalverstümmelung und sollte verbotien sein, wie weibliche Genitalverstümmelungen auch - ich finde es sehr ungerecht, hier mit zweierlei Maß zu messen.

Um Verfassungsbeschwerde einzulegen, muss man allerdings direkt von diesem Gesetz betroffen sein - das heißt, dass ein betroffener ERwachsener, der als Kind gegen seinen Willen beschnitten wurde, klagen müsste...

Ich habe aber Hoffnungen diesbezüglich.

Lg

Ja, calico - auch die christliche Kindstaufe ist eine Art von Vergewaltigung und Verstümmelung, und zwar eine ideelle!

Sie kann nach geltendem Kirchenrecht nicht mehr rückgängig gemacht werden!

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Wie hier ja schon gesagt wurde, werden religiös motivierte Beschneidungen in der Regel an Säuglingen durchgeführt, die sich nicht wehren können.

Judentum

Der jüdische Beschneidungsritus, die "Brit Mila" wird traditionellerweise am achten Lebenstag des Jungen durchgeführt.

Lassen die Eltern den Jungen nicht beschneiden, muss er sie bei erreichen der jüdischen Religionsmündigkeit im Alter von 13 Jahren nachholen, vor seiner Bar Mizwa.

Islam

Der islamische Beschneidungsritus wird "Khitan" oder "Khatna" genannt. Es gibt keinen festen Zeitrahmen, sondern verschiedene Ansichten

Einige sagen, der Junge solle am siebten Tag nach der Geburt beschnitten werden, also ähnlich wie bei den Juden.

Andere sagen, erst im Alter von sieben Jahren,  jedes Datum vor Vollendung des zehnten Lebensjahres sei in Ordnung, oder bei Beginn der Pubertät.

Fazit

In allen genannten Fällen wäre die Beschneidung damit vor dem Erreichen der gesetzlich verankerten Religionsmündigkeit in Deutschland erfolgt.

Ab 14 ist man in Deutschland religionsmündig und kann seine Konfession frei wählen. Im Fall der Beschneidung wäre das also "zu spät" um zu widersprechen.

Danke für diesen sehr professionellen Beitrag ;)

Anscheinend ist das leider in Deutschland noch erlaubt, ich hatte so sehr auf ein Verbot gehofft... Diese Tradition ist barbarisch, sie verstößt in vielerlei Hinsicht gegen die Grundrechte eines Säuglings...

Der Schutz vor religiösem Irrsinn und der Tyrannei religiöser Eltern sollte schon bei der Geburt gelten, es kann doch nicht sein dass religiöse Eltern ohne ersichtigen Grund einen schweren Eingriff in die körperliche Unversertheit ihres eigenen Kindes vornehmen. So etwas ist für mich der Inbegriff von schlechten Eltern.

Eine religiöse Beschneidung verletzt den hippokratischen Eid, die "garantierten" Grundreche des Säuglings und erfüllt den Tatbestand der schweren Körperverletzung!

So etwas ist nicht zu entschuldigen.

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@Evoluzzer213

Hier besteht eine Spannungssituation zwischen der gesetzlichen Regelung (§ 1631d BGB) und der öffentlichen Meinung (nach einer Umfrage von Infratest Dimap sind 70% dagegen).

Ausgangspunkt für die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung (die es früher gar nicht gab) war ein Urteil des LG Köln im Jahre 2012, die die Zirkumzision als Körperverletzung einstufte (dem stimme ich bis heute zu).

Daraufhin sah sich der Gesetzgeber in der Bredouille zwischen den Rechten Religionsfreiheit, Entscheidungsfreiheit der Eltern und Unversehrtheit des Kindes zu entscheiden. Unter Auflagen (es muss korrekt durchgeführt werden) darf die Z. also durchgeführt werden. 

"2) In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes dürfen auch von einer Religionsgesellschaft dazu vorgesehene Personen Beschneidungen gemäß Absatz 1 durchführen, wenn sie dafür besonders ausgebildet und, ohne Arzt zu sein, für die Durchführung der Beschneidung vergleichbar befähigt sind."

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ist weiterhin für eine Aufhebung dieser Regelung.

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@OlliBjoern

Die religiöse Beschneidung hat in einem aufgeklärten, Liberalen Land illegal zu sein.

Für mich erfüllt die Beschneidung in dieser Hinsicht die schwere Körperverletzung, §226 (2) regelt dazu, dass Personen, welche die Verletzung willentlich herbeiführen, obwohl sie von etwaigen Folgen wissen, mit einer Freiheitsstrafe von mindestens 3 Jahren zu bestrafen sind.

Die gehören ins Gefängnis.

Der Säugling und das Kind, stehen unter besonderer Obhut des Staates, dieser sollte Missbrauch verhindern. Die Religionsfreiheit kann nicht zur Argumentation hinzugezogen werden, da dem Kind auf diese Weise auch nachhaltig ein religiöser Brauch aufgezwungen wird, was wiederum seine Religionsfreiheit verletzt.

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@Evoluzzer213

evoluzzer, wenn Du objektiv sein willst, dann musst Du die christliche Kindstaufe hinzufügen! Denn es gilt auch hierfür das, was Du schreibst:

da dem Kind auf diese Weise auch nachhaltig ein religiöser Brauch aufgezwungen wird,

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@666Phoenix

wenn du dir meine Fragen in meinem Profil anschaust, siehst du dass ich in meiner ersten Frage überhaupt die Säuglingstaufe als Körperverletzung bezeichnet habe.

Leider erntet man für liberale Ansichten in einer rückständigen Gesellschaft Kritik...

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@666Phoenix

Die Taufe ist dagegen eine Bagatelle, sie hinterlässt keine bleibenden Schäden. Kannst du einem Mann ansehen, ob er getauft wurde?

Eine Vorhautamputation, wie es korrekt heißen müsste, ist aber irreversibel (unumkehrbar).

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"(1) Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht
erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen
männlichen Kindes
einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der
ärztlichen Kunst durchgeführt werden soll

Hervorhebung von mir

Das Kind muss also nicht urteilsfähig sei. Nicht eindeutig formuliert, dazu weiß ein Jurist sicherlich mehr.

Meine persönliche Einschätzung würde lauten: mit spätestens 10 Jahren sollte das Kind die Lage beurteilen können.

Hier gibt's auch noch etwas dazu. http://www.diepold.de/barbara/einsicht_und_urteilsfaehigkeit.pdf

Sollte die Beschneidung bei Jungen legal bleiben?

Dass jeder Mensch körperlich unversehrt sein soll, bzw. darüber im Erwachsenenalter selbst entscheiden soll, ist ja klar und das wird in Deutschland ja eigentlich auch durchgesetzt (außer es geht um die Beschneidungen von Jungen). Danach müsste die Beschneidung, ohne medizinische Indikation, ja eigentlich zu 100% verboten werden.

Ich denke auch, dass sich die Befürworter des Verbots sich in den kommenden Jahren durchsetzen werden. Island macht uns das ja gerade vor.

Aber da ich denke, dass viele Jungen (jüdische & muslimische) wahrscheinlich trotz eines Verbotes beschnitten werden würden, sollte man doch darüber nachdenken ob es nicht lieber kleine, "gut" durchgeführte und legale Beschneidungen (nur eine Vorhautreduktion) geben sollte anstatt einem "Beschneidungsurlaub" und einer schlechter durchgeführten kompletten Beschneidung im Ausland. Mit einer guten Aufklärung kann man die Anzahl der Beschneidungen ja trotzdem immer weiter senken.

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